Posts Tagged: ‘Mitmach-Web’

Social Media-Splitter: Social Media, Filterblasen und Echokammern, das Mitmach-Web und “Netz-Du”

4. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Filterblasen und Echokammern, „die Leute“ informieren sich nicht umfassend, sondern lesen und konsumieren nur das, was ihnen die Algorithmen von Google, Facebook und Co anbieten. Und das – so die gängige Theorie . basiert auf dem Klickverhalten und den Daten, die die Vermittler (Intermediäre) sammeln, analysieren, verwerten, um dann die entsprechenden Informationen einzuspielen. Dem widersprechen jetzt Forscher der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die zusammen mit der Universität Hohenheim und dem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln das Verhalten von 5.000 Testpersonen verfolgt haben. Das Ergebnis: Wer Facebook, Twitter, Google oder Portale nutzt, nutzt sogar eine größere Vielfalt von Nachrichtenseiten, wie heise hier berichtet. Die Nutzer stolpern demnach häufiger über Nachrichten.

Doch keine Filterblasen durch Social Media, sondern ausgewogenere Information?

Auf ähnliche Ergebnisse ist auch das Reuters Institut gekommen. Danke an den Social Media Watchblog für den Hinweis:

So the group that do use social media use more and more different online news sources. …

Our study highlights the fact that most people, particularly people who use social media, are not terribly interested in the news. … But because these same people often use social media, social media is incidentally exposing people to news even when they’re not looking for it. 

The truth behind filter bubbles: Bursting some myths | Reuters Institute for the Study of Journalism

Selbst wenn sie es nicht wollen, werden Nutzer sozialer Medien demnach mit Nachrichten „konfrontiert“. Hoffen wir, dass es etwas nutzt.

Studie der Uni Ulm: Weniger als fünf Prozent von Filterblasen oder Echokammern bedroht

Doch – wie kann es anders sein – es gibt natürlich eine „andere“, widersprechende Studie der Universität Ulm, über die ebenfalls wieder heise berichtet. Die Psychologinnen und Psychologen glauben herausgefunden zu haben, dass junge Menschen die sich nur über Feeds in Social Media informieren, ein vergleichsweise hohes Risiko eingehen, in eine Filterblase oder Echokammer zu geraten. Jedoch wichtiger aus meiner Sicht: Nur bei weniger als fünf Prozent der Befragten sehen die Forscher eine größere Gefahr, tatsächlich in Filterblasen oder Echokammern zu landen.

Und nicht überraschend: Nichtwähler, Unterstützer der Kleinstparteien und AfD-Wähler nutzen nach der Studie die wenigsten Nachrichtenquellen.

Rückbesinnen auf das Mitmach-Web

Hinweisen möchte ich auf ein lesenswertes Gespräch zwischen Annette Schwindt und Kai Heddergott, die sich über ihre Social Media-Erfahrungen und -Biographien unterhalten, Tja, und ich teile Kais Ausführungen, dass vieles von dem, was das Mitmach-Web „früher“ ausgemacht hat, derzeit verloren zu sein scheint:

Leider beobachte ich, vor allem seit Social Media Mainstream geworden sind, dass das, was das Onlinesein für mich früher ausgemacht hat, nämlich uns auszutauschen, zu kollaborieren und voneinander zu lernen, in einer Flut von Werbung und einer unsäglichen Bedien-mich-Haltung unterzugehen droht. …

Wir brauchen eine Art “Restart”: Die Rückbesinnung auf das Leistungsversprechen des Netzes, das eben auch eine aktive Mitwirkung verlangt – Konsumenten- und Mecker-Haltung wird das eher verhindern.

Wir dürfen das Netz nicht für gegeben nehmen“ | Annette Schwindt

Doch – und auch da bin ich voll bei Kai – aufgeben zählt nicht. Auch wenn es schwierig ist, bleibt und wird.

Soziale Netzwerke: Knallharte Marketing-Maschinen per Algorithmus gesteuert

Henning Uhle sieht schwarz, zumindest mal in punkto sozialen Netzwerke:

Ich bin ja immer wieder der Meinung, dass die sozialen Netzwerke kolossal überschätzt sind. Sie haben sich von Plattformen zum Austausch unter Bekannten und Gleichgesinnten hin zu knallharten Marketing-Maschinen entwickelt. Alles wird per Algorithmus gesteuert und kuratiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass irgendein ominöser Knall passieren muss, um die sozialen Netzwerke wieder sozial zu machen. Im Moment macht das Alles nur müde.

Netz-Erwartung: Was macht nun das Internet? – Henning Uhle

Es gipfelt in der Aussage Netz ohne soziale Netzwerke. Hmm, ob das funktionierten kann? Können Blogs und RSS Reader, die Tools der Netz-Freaks und Puristen das Mitmach-Web retten?

Sturm im Wasserglas: Das „Netz-Du“

Tja, und dann hat Rezo einen rausgehauen und sich darüber mokiert, dass einige Nutzer nicht mehr das „Netz-Du“ wollen, das eigentlich seit vielen Jahren Standard ist. Auch mir ist das erst neulich passiert, dass ich „angemacht“ wurde, weil ich jemanden auf twitter geduzt hat. Aber mal im Ernst: Ist das 1.644 Kommentare auf Zeit Online wert? Da haben wir wirklich wichtigere Themen. Und das mit dem Du oder Sie kann man klären.

(Stefan Pfeiffer)

Digital naiv!? Gedanken und Regeln für das “Mitmach-Web” in der Kristallkugel für 2010

10. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Beim Surfen durch meine olle Blogbeiträge unter dem Motto „Heute vor 10 Jahren“ bin ich Kristallkugel 2010: Marketing „benutzt“ das Web 2.0 gestoßen, einen Ausblick zum Jahresbeginn, den ich auf Wunsch von „Stäbchen“ Thorsten Zörner geschrieben habe. Tja, was soll ich schreiben. Ich komme mir heute grenzenlos optimistisch vor, denn ich vertrete dort offensiv die Idee des Mitmach-Webs, des „Web 2.0“. Wenn man sich manche Entwicklung seitdem anschaut, muss man wohl sagen wirklich etwas „digital naiv“, wie ja dieser Blog mal hieß und wie ich noch auf Twitter unterwegs bin.

„Damals“ standen wir in den Anfängen des sogenannten Social Media Marketings und ich habe davor gewarnt, dass Unternehmen und Agenturen dort nur Werbebotschaften raus blasen, dass wir „viele BILD-ende, marktschreierische Aktionen und Kampagnen im Web erleben, die das eigentliche Prinzip des Mitmach-Webs ad absurdum führen werden„. So ist es sicherlich auch gekommen. Die politische Instrumentalisierung der sozialen Medien habe ich damals allerdings nicht voraus gesehen, die „Selbstreinigungskräfte des Web 2.0“ überschätzt.

Doch nicht nur ich: Nicht umsonst hat Tim Berners-Lee, Erfinder des WWW, 2018 die Initiative #ForTheWeb ausgerufen: „Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, das Web zu einem besseren Ort zu machen“. Heute – nur wenige Monate später – stockt angesichts des Hasses einmal mehr der Atem.

Tja, der bessere Ort: Im Beitrag vom 7. Dezember 2009 habe ich versucht, einige Regeln im und für das Mitmach-Web runter zu schreiben, die wir auch in Workshops auf den DNUGs und anderswo diskutiert haben.

  • Sei aktuell.
  • Sei relevant und biete Qualität.
  • Sei – wo sinnvoll – originell und witzig. (Ich weiß, schwierig)
  • Sei authentisch und persönlich.
  • Denk dran: Das Web 2.0 ist freiwillig.
  • Höre zu. (Ganz wichtig!)
  • Sei bereit für offene, fairen Diskurs, für Diskussion und Interaktion.
  • Sei kritikfähig.

Dazu stehe ich immer noch. Und es klingt und ist idealistisch. Halt digital naiv. Aber ich, wir sollten uns nicht so einfach „das Netz“ kaputt und unsere Stimmung durch Hass und Kommerz kaputt machen lassen.

(Stefan Pfeiffer)

Digital naiv!? Gedanken und Regeln für das “Mitmach-Web” in der Kristallkugel für 2010

10. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Beim Surfen durch meine olle Blogbeiträge unter dem Motto „Heute vor 10 Jahren“ bin ich Kristallkugel 2010: Marketing „benutzt“ das Web 2.0 gestoßen, einen Ausblick zum Jahresbeginn, den ich auf Wunsch von „Stäbchen“ Thorsten Zörner geschrieben habe. Tja, was soll ich schreiben. Ich komme mir heute grenzenlos optimistisch vor, denn ich vertrete dort offensiv die Idee des Mitmach-Webs, des „Web 2.0“. Wenn man sich manche Entwicklung seitdem anschaut, muss man wohl sagen wirklich etwas „digital naiv“, wie ja dieser Blog mal hieß und wie ich noch auf Twitter unterwegs bin.

„Damals“ standen wir in den Anfängen des sogenannten Social Media Marketings und ich habe davor gewarnt, dass Unternehmen und Agenturen dort nur Werbebotschaften raus blasen, dass wir „viele BILD-ende, marktschreierische Aktionen und Kampagnen im Web erleben, die das eigentliche Prinzip des Mitmach-Webs ad absurdum führen werden„. So ist es sicherlich auch gekommen. Die politische Instrumentalisierung der sozialen Medien habe ich damals allerdings nicht voraus gesehen, die „Selbstreinigungskräfte des Web 2.0“ überschätzt.

Doch nicht nur ich: Nicht umsonst hat Tim Berners-Lee, Erfinder des WWW, 2018 die Initiative #ForTheWeb ausgerufen: „Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, das Web zu einem besseren Ort zu machen“. Heute – nur wenige Monate später – stockt angesichts des Hasses einmal mehr der Atem.

Tja, der bessere Ort: Im Beitrag vom 7. Dezember 2009 habe ich versucht, einige Regeln im und für das Mitmach-Web runter zu schreiben, die wir auch in Workshops auf den DNUGs und anderswo diskutiert haben.

  • Sei aktuell.
  • Sei relevant und biete Qualität.
  • Sei – wo sinnvoll – originell und witzig. (Ich weiß, schwierig)
  • Sei authentisch und persönlich.
  • Denk dran: Das Web 2.0 ist freiwillig.
  • Höre zu. (Ganz wichtig!)
  • Sei bereit für offene, fairen Diskurs, für Diskussion und Interaktion.
  • Sei kritikfähig.

Dazu stehe ich immer noch. Und es klingt und ist idealistisch. Halt digital naiv. Aber ich, wir sollten uns nicht so einfach „das Netz“ kaputt und unsere Stimmung durch Hass und Kommerz kaputt machen lassen.

(Stefan Pfeiffer)