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Spätburgunder: Rotwein für Intellektuelle oder doch etwas mehr Fülle gefällig? | Wein-erlei

7. Februar 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Gerade bin ich im Newsletter von Pinard de Picard über interessante Formulierungen zum Spätburgunder gestoßen. Bezug nehmend auf die Weine vom Rheingauer Weingut Corvers-Kauter schreibt man dort so schön, dass das Weingut einen stilistischer Wechsel vollzogen „weg von der Opulenz und Fülle, hin zu Finesse, Struktur und feiner Frucht“ habe. Da fühle ich mich dann gleich angesprochen denn ich gebe zu, ich kämpfe noch immer mit dem deutschen Spätburgunder. Es gibt bisher nur wenige, die mich wirklich überzeugt haben. Immer wieder probiere ich verschiedene Spätburgunder. Manchmal bin ich enttäuscht und meine einen für mich einen Spätburgunder-typischen Beigeschmack heraus zu schmecken, der mir etwas muffig vorkommt. Dann sind sie mir des Öfteren zu dünne, zu nichtssagend. Aber vielleicht fehlt mir ja auch der feine Gaumen, die zitierte Finesse und Struktur des Intellektuellen unter den Weinen zu erschmecken.

Natürlich gibt es auch positive Überraschungen. Gerade habe ich mal den 2018er Spätburgunder J.J. Adeneuer von der Ahr getrunken. Der war mittel- bis dunkelrot, vollmundig, hatte Grip und Struktur. Mal wieder eine angenehme Überraschung zu einem sehr fairer Preis von 11,50 und eine Wiederentdeckung der Ahr-Weine nach längerer Zeit. Und ich musste an den Spätburgunder von Heiner & Kreuzberg Neuenahrer Schieferlay, laut Captain Cork etwas zu fett für wirkliche Spätburgunder.Fans, den wir vor einigen Jahren öfters getrunken haben. Vor nicht allzu langer Zeit nachbestellt, hat er mir dann nicht mehr geschmeckt. Zudem haben sich die Weinmacher wohl getrennt.

Ich muss auch zugeben, dass einige der Spätburgunder aus meinem Preisgefüge fallen. Die von Pinard de Picard angepriesenen Spätburgunder von Corvers-Kauters beginnen bei 18 Euro und gehen hoch bis 68 Euro. In ähnlichen Preisregionen liegen auch die zum Beispiel von Heiner Lobenberg hochgelobten Roten des Pfälzer Weingut Rings, von Bernhard Huber aus Baden oder vom Pfälzer Knipser.

So bevorzuge ich geschmacklich bei den Rotweinen noch immer die Franzosen aus dem Bordeaux, von der Rhone oder aus Languedoc. Gerne auch mal die Roten aus Portugal, ein Sangiovese oder ein anderer Italiener im beschriebenen Preissegment. Ein Primitivo sollte es aber bei Italienern nicht unbedingt sein. Die sind mir oft wirklich zu opulent bombastisch süßlich. Doch natürlich werde ich immer mal wieder ein Spätburgunder testen. Vielleicht entwickele ich mich weinintellektuell doch noch etwas weiter …

Bleiben wird er uns als Blanc de Noirs in Sekt und Weißwein

Erhalten bleiben wird uns der Spätburgunder auf jeden Fall als (oft kuperfarbener) Weißwein und als Sekt. Die Tage haben wir den 2019er Meyer-Näkel Illusion Eins geöffnet. Beim Weingut ist der Jahrgang ausverkauft, doch ich bin noch auf Restbestände für 13 Euro die Flasche gestoßen. Und der aus den dunklen Trauben gewonnener Weißwein hat uns wieder sehr gut geschmeckt, fruchtig, frisch mit einem Hauch von Hefenachgeschmack eine echte Alternative zu Riesling. Ganz sicher werde ich den 2020er nachbestellen, sobald der ab März beim Weingut lieferbar ist. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir auch verschiedene leckere Sekte, beispielsweise der Jülg Blanc de Noir Sekt Rèserve Extra Brut oder auch die Blanc de Noirs vom Wilhelmshof oder Andres & Mugler.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Thomas B. auf Pixabay