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Auto-Notizen: Volkswagen mit der ID-Serie auf dem Weg zum Marktführer und Weltauto?

16. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ganz nett, die Kiste, aber kein Sportwagen, so könnte man Elon Musk zitierten, der dieser Tage bei einem Blitzbesuch in Braunschweig einen VW ID.3 „testfahren“ konnte. Und die ersten Wagen sind jetzt endlich nach Verzögerungen an Kunden ausgeliefert worden. Wird der ID.3 nun das, was Käfer und Golf vorgemacht haben? Ein weltweiter Erfolg und Standard. Man wird sehen. Keine Auto-Notizen, ohne Ferdi Dudenhöffer Zitat und Kommentar. Der sieht es durchaus als möglich an, dass VW 2021 oder 2022 an die Spitze vorstoßen könne. Der ID.3 sei die Zukunft von VW.

Eine Studie des Chemnitz Automotive Institute ist optimistischer, vielleicht zu optimistisch? Demnach werde Volkswagen die Marktführer Tesla und Renault noch dieses Jahr in Europa ablösen. Und bis 2025 werde jeder vierte in Europa gebaute Pkw ein Stromauto sein, die Hälfte davon produziert in Deutschland. Das würde ja Hoffnung machen.

ID.3: Zwiespältige Kritiken und Testfahrten …

Zurück zum Id.3: Natürlich sind die ersten Kritiken zwiespältig. Die einen reden von Qualitätsmängeln und zu großen Spaltmaßen – Moment, das hatten wir doch immer von Tesla gehört -, und von nicht VW-konformer Qualität und Verarbeitung: „Ohne Frage ist ein Golf 8 das wohnlichere Auto – aber eben auch das lautere und engere.“ Die anderen sehen aber durchaus eine reelle Chance, dass der ID.3 und die zugrunde liegende Plattform Modularer Elektrifizierungsbaukasten (MEB) Volkswagen wieder nach vorne bringen wird.

Und der nächste VW auf dieser Basis wird wohl noch im September angekündigt: der ID.4, ein SUV, was auch sonst in diesen Zeiten. Ein SUV vor allem für den internationalen Markt, ein Weltauto? Da bin ich mir angesichts der Erfolge von SUVs in Deutschland gar nicht so sicher. Auf jeden Fall fällt er wohl im Vergleich mit dem 4,26 Meter langen ID.3 mit seiner Länge von 4.60 Meter größer aus. Mir ganz persönlich vielleicht zu groß. Na ja, mein derzeitiger A4 Avant ist. noch länger.

… aber günstiger als Golf und Konkurrenz?

Und was sagt der mächtige Automobilverband ADAC? Laut Autokostenvergleich liegt der ID.3 bei den Kosten gemessen an Cent pro Kilometer gegenüber dem konventionellen“verbrennenden“ Golf, aber auch gegenüber den Wettbewerbern von Tesla, Nissan oder Hyundai vorne.

Und wie sehen das die potentiellen Käufer? In einer Umfrage auf Auto Motor Sport tendieren bei der Frage Golf oder ID.3 zum Golf:

Nun kann man sagen, das seien halt die Leser von Auto Motor Sport und deshalb nicht repräsentativ. Insgesamt scheint aber die Akzeptanz zuzunehmen und das sieht man nicht nur an den stark steigenden Zulassungszahlen.

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Ja, es ist noch ein weiter Weg, bis die E-Autos zahlenmäßig in die Regionen der Benziner und Diesel vorstoßen, aber man scheint endlich Gas zu geben in den Zulassungszahlen. „Die Deutschen entdecken ihre Libe zur Elektromobilität„, titelt die Welt. Meine Tendenz ist klar: Ich werde mir den ID.3 anschauen, auch mal den ID.4. Und ich werde vor allem verfolgen, wie der ID.3 in der Praxis abschneidet.

Mangelhaft: Transparenz in den Preisen und Ladeinfrastruktur

Jenseits von Modellen wirft Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, einen sehr kritischen Blick auf das, was VW und Konsorten derzeit an den „E-Lade-Tanksäulen“ abziehen. Er nennt es Abzocke …

Im 16 Minuten langen YouTube-Video nimmt Quaschning die Preise von Ionity und ENBW auseinander. Um konkurrenzfähig zu sein, müsse der Preis unter 40 Cent/Kilowattstunde liegen. Wer lange Strecken fährt, der könne derzeit eigentlich nur Tesla fahren. Wer aber über Nacht daheim laden kann und eben keine Kilometer schrubbt, gerade für die:den ist das E-Auto durchaus die Alternative. Empfehlung: Das gesamte Video auf YouTube angucken

Die deutschen Autohersteller hätten vergessen, eine konkurrenzfähige Ladeinfrastruktur aufzubauen, so Quaschning. In dieses Horn stößt auch der Chef der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen in einem Interview mit der FAZ:

Und das Laden?

Das ist nur noch knifflig, wenn man in Mehrfamilienhäusern ohne Garage mitten in der Stadt wohnt und es auch am Arbeitsplatz keine Stromsäule gibt. Was wir brauchen, ist eine dritte Komponente, nämlich E-Tankstellen wie heute herkömmliche Tankstellen. Mit Schnellladern könnte man in 20 Minuten 200 bis 300 Kilometer Reichweite sicherstellen. E-Tankstellen müssten da hin, wo man sie direkt ans Mittelspannungsnetz hängen kann.

Aber wollen die Autofahrer überhaupt E-Fahrzeuge?

Immer mehr wollen das, aus ökologischen Gründen und wegen der Anreize. Schauen Sie nach Norwegen, da laufen schon 70 Prozent der Neuwagen mit Strom. Deutschland hinkt noch hinterher, aber ich bin optimistisch, dass der Durchbruch kommt. Getrieben übrigens auch von der Industrie selbst. Nochmal: Das Schicksal der deutschen Autobauer hängt davon ab, dass sie die Energiewende in ihrer Branche hinkriegen.

„Der Autoindustrie bleibt nur die Flucht nach vorn“ – FAZ

Infrastruktur ist wohl kein deutsches Thema (mehr)?

Mit Infrastruktur scheinen wir es in Deutschland einfach seit Jahrzehnten nicht mehr zu haben, scheint es, von der Breitband- und Glasfaser- bis jetzt eben zur Ladeinfrastruktur. Unternehmen und auch Politik versagen. Nicht umsonst schreibt ein Sascha Lobo vom Digital Fail State, wo es reicht, dass etwas mehr schlecht als recht funktioniert.

Und hier noch einige Tweets zum Themenkomplex:

(Stefan Pfeiffer)