Posts Tagged: ‘Digitalisierung & Wirtschaft’

Mitarbeiter an der Leine führen? Homeoffice und mobiles Arbeiten bei #9vor9 mit Birgit und Ole Wintermann

15. Juni 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Zu Gast bei #9vor9 bei Dachdecker Lars und mir waren diesmal Birgit und Ole Wintermann von der Bertelsmann Stiftung zu unserem gemeinsamen Thema Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten. Und in den 25 Minuten unseres Gespräches haben wir die Befürchtung diskutiert, dass gar manche Führungskraft oder gar manche Personalabteilung gerne wieder den Geist in die Flasche, sprich die Mitarbeiter:innen ins Büro befehlen würden. Wird das so kommen?

Entsprechende Initiativen und Statements sind auf jeden Fall an verschiedenen Stellen nachzulesen. Die Erfahrungen der vergangenen Monate werden hier und da ignoriert. Statt aus den Homeoffice-Zeiten in der Pandemie zu lernen und neue, hybride Arbeitsmodelle zu entwickeln wird versucht, einen Status Quo von gestern zurück zu holen, so oft der Eindruck.

Ole hat es schön auf den Punkt gebracht: Bei den Betrachtungen sollte man sich auf die Beschäftigten konzentrieren, was die wollen, um so das Beste für das Unternehmen und die Mitarbeiter:innen heraus zu holen. Genau die Studien, die darauf ihren Fokus legten, solle man sich zu Gemüte führen, statt die oft aus reiner Arbeitnehmer- oder Arbeitgebersicht verfassten Berichte zu Rate zu ziehen. An dieser Stelle seien beispielsweise die Studien der Initiative D21, von Bitkom oder auch von der Bertelsmann Stiftung zur Zukunft der Arbeit genannt und verlinkt.

Auch manifestiert sich vieler Orten ein fragwürdiges Verständnis von Führung: Müssen Mitarbeiter:innen an der Leine wie ein Hund geführt werden? Sitzt frei nach Udo Lindenberg Jonny Controletti, der unter Führung nur zu oft Excel-Charts versteht, in vielen Leitungspositionen – und lässt die Kollegen:innen leiden? Arbeitszeitkontrolle durch Erfassung der Zeiten, wer wie lange mit einem bestimmten Tool arbeitet, sind nur zu deutliche Auswüchse einer entsprechenden Mentalität. Nur zu gut, dass in Deutschland dann doch gegen diese Dinge – so sie sichtbar werden – vorgegangen wird. Die Situation in anderen Ländern ist sicherlich schlimmer und man geht unbedarfter mit solchen Daten um.

Interessant ist es sicherlich zu beobachten, ob sich Büros wirklich zu den Kreativplätzen entwickeln werden, die vielerorts in Hochglanz promotet werden. Orte der Zusammenkunft, der Zusammenarbeit und des kreativen Miteinanders statt Großraumbüros, in denen eh jeder hinter seinem Bildschirm in Videokonferenzen sitzt. Kann man denn nur im Büro kreativ und innovativ sein? Dieser Wahrnehmung wurde in unserem Gespräch vehement widersprochen. Geographisch verteilte Teams sind in vielen Unternehmen gelebte Realität – und diese Teams waren nach unserer aller Beobachtung durchaus innovativ und kreativ.

Nur zu oft wird schwarz-weiß gemalt, wird von einem entweder-oder gesprochen, statt gezielt über Mischmodelle von Büro, Homeoffice und mobilem Arbeiten nachzudenken und diese umzusetzen. Leicht sind plakative und provokante Statements abgesondert, dass Gemeinschaft und Teamsport nur im Büro entstehe.

Auch sei an dieser Stelle durchaus nochmals auf die ökologischen Aspekte verwiesen. Vor Jahren habe ich einmal ausgerechnet, wie viele Kilometer ich in meiner Zeit im Büro bei der FileNet GmbH auf der Straße verbracht habe, wie viel Zeit im Auto auf dem Weg ins oder vom Büro. Erschreckende Zahlen für das Klima und das persönliche Wohlbefinden, die man zumindest teilweise entschärfen könnte, so man es denn will.

Der Erdumfang am Äquator beträgt rund 40.000 Kilometer. Ich habe also in den sieben Jahren fünfmal die Erde umrundet und unendlich viel Lebenszeit auf der Autobahn verbracht.

Nochmals herzlichen Dank an Birgit und Ole Wintermann für das Gespräch. Wir werden in Kontakt bleiben und die beiden sicherlich wieder zu ihrem neuen Schwerpunkt Nachhaltigkeit und digitale Transformationen zu #9vor9 einladen!


#9vor9 – Digitalthemen der Woche erscheinen auch immer als Podcast unter https://9vor9.podigee.io/ und sind natürlich über die gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

Anhang

Die Links, die uns Birgit und Ole besonders ans Herz legen:

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Organisationen dezentralisieren, Technologie als „Enabler“ – #9vor9 mit Silke Hermann

3. Juni 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Zu Gast bei #9vor9 war in dieser Woche Silke Hermann, meine – ja man liest richtig – Schulkameradin, die eine beachtlichen Weg als Unternehmerin und Denkerin hingelegt hat. Das Wort quer mag man nicht mehr benutzen, obwohl es bei Silke inhaltlich angebracht wäre. Wir – Lars Basche und ich – haben uns über mögliche Organisationsformen für Unternehmen unterhalten, die von den üblichen Command & Control-Mechanismen abweichen. Hier unser Gespräch:

Als Beispiel für eine mögliche andere Art der Organisation führt Silke dabei die niederländische Pflegeorganisation Buurtzorg* und der Vordenker Jos de Blok an. In einer Wabenstruktur möglichst autonomer Teams will man höhere Qualität in der Pflege, bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und wirtschaftlicher arbeiten umsetzen – und das scheint zu gelingen.

Technologie, die von Buurtzorg entwickelte Software für Pflegekräfte, – und hier ist die Brücke zu #9vor9 mit dem Digitalthema der Woche – spielt dabei eine wichtige Rolle, damit weniger bürokratisch gearbeitet werden kann und alle Beteiligten immer auf dem aktuellsten Stand des Pflegeprozesses sind. Jede:r Pfleger:in ist – so ist beispielsweise hier nachzulesen – mit einem Tablet ausgestattet. Aktuellste Information, Zusammenarbeit, Kommunikation und Teamarbeit spielen eine zentrale Rolle für den Erfolg von Buurtzorg und natürlich eine Qualität, die die zu Pflegenden allem Vernehmen nach zufrieden stellt. „Damit werden fernab von der technikzentrierten Debatte des Digitalisierungs-Hypes neue Standards in der Technologienutzung im Sinne sozialer Innovation gesetzt“, so Gerlinde Hauer in ihrem Blogbeitrag.

Natürlich stellt sich die Frage, ob solche durch Kollaborationstechnologien unterstützten Organisationsformen auch generell in der Wirtschaft und – ich bin mal ganz vermessen – in der Verwaltung funktionieren könnten. Silke plädiert auf jeden Fall dafür und arbeitet mit Niels Pfläging in der Red42 GmbH dahin gehend: „Wir entwickeln Lösungen, um Organisationen sinnvoll zu dezentralisieren, stark für den Umgang mit Komplexität zu machen und die Menschen in der Organisation dabei niemals als Ressource, sondern erwachsene Partner und Mitgestalter zu sehen.“

Wir haben uns in der Diskussion auch einen Schlenker zum Thema Agile geleistet. Ich musste danach an mein Gespräch mit Anna Roizman, Mrs. Agile@Porsche, und Cihan Sügür von Porsche denken, die beide für mich beispielhaft die helle Seite von Agile stehen. Wie sagte Anna so schön: „Seid mutig, traut Euch, glaubt an Euren Weg. Mein Appell an die Führungskräfte wäre: Habt Vertrauen, dass eure Mitarbeiter das Richtige richtig tun.“ Nur wird genau diese Form oft nicht gelebt und Standups werden nicht dazu benutzt, über den Status zu informieren und zu helfen, sondern dienen dazu, zu kontrollieren, zu knechten, zu schnellerer „Produktion“ anzutreiben.

Nochmals herzlichen Dank an Silke für das Gespräch, das wir gerne bei Gelegenheit fortführen.


#9vor9 – Digitalthemen der Woche erscheinen auch immer als Podcast unter https://9vor9.podigee.io/ und sind natürlich über die gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

*Buurtzorg scheint jetzt auch in Deutschland aktiv zu sein. Hier ist die Webseite zu finden.

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„Viel Digitalisierungsverantwortliche und komplexe Umsetzungsstrukturen – Funktioniert das?“ Der Monitor Digitale Verwaltung des NKR

30. Mai 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich hatte ihn eigentlich nie auf dem Radar und bin durch den E-Mail-Newsletter der Initiative D21 auf ihn aufmerksam geworden: den Nationalen Normenkontrollrat (NKR). Er hat nun im fünften Jahr seinen „Monitor Digitale Verwaltung“ mit der unten abgebildete Grafik veröffentlicht. Diese Visualisierung macht aus meiner Sicht das deutsche Problem in der Digitalisierung in der Verwaltung nur zu deutlich. Ein so komplexes Geflecht von Zuständigkeiten und Besitzständen kann zu Kompetenzstreitereien, im Endeffekt zu Stillstand oder gar Rückschritt führen. Schnell digitalisieren kann man so auf jeden Fall nicht: „Deutschland stecke – in der Pandemiebekämpfung genauso wie bei der Verwaltungsdigitalisierung – in einer Komplexitätsfalle“, schreiben die Autoren des Berichts und umschreiben damit die Situation sehr freundlich.


Viel Digitalisierungsverantwortliche und komplexe Umsetzungsstrukturen – Funktioniert das? So lautet ie Bildunterschrift im Monitor Digitale Verwaltung des NKR

Zwar wird derzeit das Onlinezugangsgesetz (OZG) umgesetzt, das Bund, Länder und Gemeinden, bis Ende des Jahres 2022 verpflichtet Verwaltungsdienstleistungen online zur Verfügung zu stellen, doch muss dieses Projekt in der komplexen Zuständigkeits- und Gemengelage umgesetzt werden.

„Deutschland ist „mütend“ – müde und wütend, sowohl mit Blick auf die Krisen- bewältigung als auch auf die Langsamkeit des Struktur- und Kulturwandels im öffentlichen Sektor. Das zehrt am Selbstbild und am Vertrauen in Staat und Politik.“

Monitor Digitale Verwaltung

Der Frust wird allenthalben geäußert, ob es nun ein Jörg Schieb ist, der die Amtszeit und -führung von Doro Bär, ihres Zeichens Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, aufs Korn nimmt oder ob in Gesprächen mit David da Torre von der Digitalstadt Darmstadt oder SPRIND-Direktor Rafael Laguna die veralteten und verkrusteten Strukturen und Prozesse kritisiert werden.

Der nordrheinwestfälische Digitalminister Andreas Pinkwart bemerkt im Handelsblatt Disrup-Podcast süffisant, dass Deutschland nicht nur die Bürokratie erfunden und in der analogen Welt zur Perfektion getrieben habe. Nun wolle man diese perfekte analoge Welt möglichst fehlerfrei digitalisieren, was nicht funktionieren könne. Man werde von einer nicht hinreichenden digitalen Kultur in den Verwaltungen bestimmt. Er fordert wie viele andere ein Digitalministerium, in dem die Zuständigkeiten für Digitales gebündelt werden.*

Die Forderungen nach einem Digitalministerium werden an vielen Stellen erhoben. Hier ein Screenshot aus dem Online-Auftritt der FAZ.

Doro Bär und Jörg Müller-Lietzkow, Co-Sprecher von #cnetz, skizzieren in ihrem Beitrag in der FAZ. ein Z-Ministerium, ein neues Zukunftsministerium , das der Arbeit der übrigen Ministerien in einer Querschnittfunktion vorgeschaltet ist. Der Normenkontrollrat denkt dagegen in eine andere Richtung und fordert eine Digitalisierungsagentur mit einer entsprechenden Zahl an Mitarbeitern und natürlich Kompetenzen.

An dieser Stelle sei auch nochmals auf das Gespräch von Gunnar Sohn mit Doro Bär verwiesen.

Schauen wir uns nochmals die Grafik des Normenkontrollrats an, so wird deutlich, wie schwierig es wird, den gordischen Knoten der Zuständigkeiten und Eitelkeiten zu durchschlagen. Dass es notwendig wäre, darin besteht bei nahezu allen Digitalexperten Übereinstimmung. Ob jemand allerdings die Kraft für grundlegende Reformen hat, wird die Zukunft zeigen.

Gunnar Sohn verweist in vielen Diskussionen, die wir geführt haben, immer auf das Entstehen des Umweltministeriums 1986. Auslöser war damals die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Haben jetzt durch die Pandemie einen ähnlichen Auslöser? Ob Ministerium oder Digitalisierungsagentur, entscheidend wird neben der notwendigen Expertise (und einer glaubwürdigen Identifikationsfigur) sein, wie viel Kompetenz zur Neuordnung die jeweilige Institution bekommt und ob man bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden.

(Stefan Pfeiffer)

*Mit den Aussagen von Pinkwart zum Zustand der FDP, der Verteidigerin der Freiheit und der Grundrechte mit der Forderung, auch in Zeiten hoher Inzidenz zu öffnen, kann ich dagegen wenig anfangen. Auch die allzu starke Werbung für den Standort Nordrhein-Westfalen empfinde ich als etwas nervig, aber das ist ja zumindest sein Job.

Wie kann aus dem 800 Seiten starken Papier der Enquetekommission schnell gelebte KI-Praxis werden? Andrea Martin bei #9vor9

19. Mai 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Und endlich war sie zu Gast: Meine hoch geschätzte Kollegin Andrea Martin hat uns bei #9vor9 mit dem Digitalthema Was kommt nach der KI Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages besucht und aus der Arbeit berichtet. Große Einigkeit herrschte bei Andrea, Lars und mir mit der Aufforderung jetzt auch machen. Projekte umsetzen, nicht endlos diskutieren, sondern endlich machen entlang der definierten ethischen Leitplanken, ob es nun der Corona- oder Bürger-Chatbot ist oder andere Aspekte und Nuancen der Nutzung von künstlicher Intelligenz.

Über 800 Seiten Papier können eben geduldig sein, im Archiv (ver)enden, gerade wenn andere Themen wie die Pandemie nach Abgabe des Berichts in den Vordergrund getreten sind oder der aufziehende Wahlkampf bei Politiker:innen zur Verschiebung von Prioritäten führt. Der Fortschritt, die Digitalisierung in Deutschland und unsere Wettbewerbsfähigkeit wird aber nur dann zügig voran schreiten, wenn der Schritt vom dicken Grundlagenpapier in die reale Umsetzung gelingt. Da ist – wie bei vielen Themen der Digitalisierung – wohl noch deutliches Beschleunigungspotential.

Und dann war da noch das Thema Digitalministerium, um das wir uns gedrückt haben

Und da kommt auch das zweite Thema ins Spiel, das Andrea und wir ins Auge gefasst hatten: das Thema Digitalministerium, das auch ich immer wieder auf dem Kieker habe. Würde ein Digitalministerium dazu beitragen, dass digitale Themen wie Künstliche Intelligenz schneller eingesetzt werden? Hätte ein solches Ministerium die Macht, die Richtlinienkompetenz, um auch Entscheidungen in unseren Strukturen durchzusetzen, die von ministeriellem Besitzdenken und föderaler Verhinderungsstruktur geprägt zu sein scheint? Praktiker beklagen auch in #9vor9 immer wieder, wie zäh und innovationsverhindernd die derzeitigen Strukturen und das jetzige Vergabe- und Ausschreibungsrecht sind.

Und in diesem Zusammenhang muss ich natürlich auch wieder eines meiner „Schmerzthemen“ bringen: Wie erfolgreich Lobbyisten die Umsätze und Machtstellung ihrer Auftraggeber verteidigen und wie die deutschen Regierungsstellen versagen. Statt auf Open Source und lokale deutsche und europäische Anbieter zu setzen und diese konsequent zu stärken, werden dreistellige Millionenbeträge an Microsoft und an andere Unternehmen gezahlt. Bund und Länder als willkommene Gelddruckmaschine. So etwas kann man sich als Anbieter, der sein Monopol erfolgreich verteidigt, nur wünschen. Und natürlich könnte man sich an dieser Stelle auch ein Digitalministerium wünschen, das Industriepolitik mit eben besagter Richtlinienkompetenz durchsetzt. Aber wie singt Supertramp so schön: Dreamer, I am just a little dreamer.

Liebe Andrea, dann überlegen wir uns nochmal, ob wir uns doch an das Thema heran trauen, trotz Wahlkampfzeiten. Diskutiert werden muss das Thema weiter dringend. Vor allem aber müssten sich Strukturen und Tempo in der Digitalisierung in Deutschland verändern.

(Stefan Pfeiffer)


#9vor9 – Digitalthemen der Woche erscheinen auch immer als Podcast unter https://9vor9.podigee.io/ und sind natürlich über die gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

Klima, Umwelt, Verkehr: Lokale Datenräume aufbauen und sicher nutzen – David da Torre von der Digitalstadt Darmstadt bei #9vor9

11. Mai 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Wieder ein besonderes Highlight bei #9vor9, den Digitalthemen der Wocher: Wir hatten José David da Torre Suárez, den Geschäftsführer der Digitalstadt Darmstadt zu Gast, der von den Aktivitäten seiner Institution vor und in Corona-Zeiten berichtet hat. Für mich als Heiner (Einwohner von Darmstadt) natürlich besonders interessant. Die Stadt Darmstadt hatte 2017 hat den Bitkom-Wettbewerb „Digitale Stadt“ gewonnen und implementiert seitdem zusammen mit Partnern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft ein regionales digitales Ökosystem, das – so der Anspruch – greifbarem Nutzen für die Bürger bringen soll. Und da laufen eine Menge an Aktivitäten, wie in dem sehr offenen Gespräch klar wurde, das wir aus der „Sendeentrale“ in Ewerschtt gestreamt haben:

Wir haben auch über die Hindernisse gesprochen, die jemand empfindet, der wie David aus der Privatwirtschaft oder der von außen auf die Geschwindigkeit schaut, mit der Projekte umgesetzt werden. Doch auch David berichtet wie viele andere über Ausschreibungen und Vergaberecht, in dem Fristen und Regeln strikt eingehalten werden müssen, sicher kein Katalysator für die Digitalisierung einer Stadt oder eines Landes. Rafael Laguna, Chef von SPRIND, hat ja ähnlich auf Twitter geklagt und eine Reform angemahnt.

Aber wer traut sich an dieses bürokratische Monster nun wirklich heran? Ein dickes Brett …

Jenseits solcher Hindernissen wurden in der Digitalstadt Darmstadt eine große Zahl von Projekten auf den Weg gebracht. Die Voraussetzungen, das Ökosystem in Darmstadt ist mit vielen IT- und digital affinen Unternehmen sehr gut, wie man auch an der Liste der Unterstützer sehen kann, die von verschiedenen Fraunhofer-Instituten über Raumfahrtunternehmen über die heimischen Lilien (den SV Darmstadt 98) bis zur Software AG und vielen anderen Institutionen und Unternehmen reicht. Vielen ist nicht bekannt, welche Basis hier am Standort vorhanden ist.

Screenshot von der Webseite der Digitalstadt Darmstadt. Das Copyright liegt bei der Digitalstadt Darmstadt.

Die vielen Projekte, die in Umsetzung sind, kann man auf der Home Page der Digitalstadt finden. Es sind Projekte meist jenseits der notwendigen Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung – ich weise hier gerne auf mein Gespräch mit Peter Kuhn von fortiss und meiner Kollegin Felizitas Müller aus dem Watson Center in München hin -, zukunftsgerichtet und datenbasiert. Es reicht von der Verkehrssteuerung mit Hilfe eines IoT-Netzwerkes mit Sensoren und Kameras und unterstützenden Apps für die Verkehrsteilnehmer über Optimierung der Abfallentsorgung bis zur Auswertung der Umweltdaten. Daten sollen intelligent verknüpft und genutzt werden, um intelligente Lösungen zu schaffen. Und die Ideen der Bürger:innen sind gefragt. Fast bei jedem Projekt ist eine Onlinebeteiligung möglich, etwas was David auch sehr am Herzen liegt. Auch für die Datenplattform wurde Input gesammelt und man denkt darüber nach, einen allzeit offenen Briefkasten für Verbesserungsvorschläge oder neue Ideen einzurichten.

Das öffentlich zugängliche Datencockpit. Da geht sicher noch deutlich mehr, aber es ist ein Anfang.

In unserem Gespräch wurde schnell deutlich, wie wichtig lokalen Datenräume und deren Nutzung und Auswertung gerade auch bei den genannten Themen sind und warum man auf eine Open-Data-Plattform setzt, dabei aber die Sicherheit und Verschlüsselung der Daten wie auch deren Nutzung genau im Blick behält, auch mit Unterstützung eines Ethik- und Technologiebeirats (in dem mir persönlich etwas die Digitalexperten von der Basis fehlen, aber so ist das wohl in der lokalen Politik und Verwaltung). Auf jeden Fall ist dieser Darmstädter Datenraum ein interessantes Projekt, erscheint oft greifbarer und näher an der Praxis wie manche derzeit noch abstrakten Datenräume wie sie beispielsweise derzeit rund um Gaia-X diskutiert werden.

Natürlich wurde auch die Digitalstadt Darmstadt von der Pandemie eingeholt und hat eine auf Open Source basierende Web-Videokonferenzlösung mit BigBlueButton aufgebaut, auf der unterdessen – so die Webseite – bis zu 5000 Schüler:innen zeitgleich online arbeiten. Technische Infrastruktur und Services für den Schul-Fernunterricht wurden seit Frühjahr 2020 sukzessive auf- und ausgebaut. Die Lösung ist wohl einer der derzeit am meisten nachgefragten Services der Digitalstadt und richtet sich an die lokalen Schulen, Vereine und gemeinnützigen Organisationen, die BBB umsonst nutzen können. Ermutigend, dass so etwas auf lokaler Ebene funktioniert und es nicht immer die kommerziellen Lösungen der großen Player sein müssen, trotz mancher Unkenrufe der Monopolistengläubigen

Was ist nun an dem Projekt Digitalstadt Darmstadt aus meiner Sicht faszinierend? Sicherlich einerseits der zukunftsgerichtete Ansatz, der Anspruch, Daten sicher und geschützt zu verwenden, um wichtige Themen wie Klima, Umwelt und Verkehrsplanung lokal voran zu bringen. Dabei auf ein lokales Ökosystem von Partnern zu setzen, scheint mir ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Digitalstadt Darmstadt und ihre Mitarbeiter:innen als Organisation, entsprechend gefördert und promotet durch den Bitkom und andere, ist dabei sicherlich ein „Enabler“ oder (hoffentlich) Katalysator, mit deren Hilfe, Projekte schneller voran gebracht werden.

Könnte manches noch praxisnaher sein? Ja, Digitalisierung muss für die Bürger noch viel positiver und näher erlebbar sein. Auch würde ich mir sicher noch viel mehr digitale Dienste in der Stadt Darmstadt wünschen, aber das ist eine Baustelle, die von Anderen in der Stadtverwaltung beackert wird – und wo noch extrem viel Verbesserungsbedarf besteht. Doch können andere Kommunen das Konzept der Digitalstadt Darmstadt als Anregung nehmen oder Blaupause nutzen, auch wenn dort das Ökosystem vielleicht nicht ganz so ausgeprägt sein sollte. Ich glaube, dass es solche lokalen oder regionalen Initiativen jenseits der hypergalaktischen, oft sehr weit entfernt scheinenden Pläne auf Bundes- oder Landeseben unbedingt braucht, um gerade auch in den Regionen schneller voran zu kommen. Zeit ist auf keiner Ebene zu verlieren, um Digitalisierung in Deutschland voran zu bringen.

Nochmals herzlichen Dank, lieber David, für das Gespräch.

(Stefan Pfeiffer)


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Hörempfehlung: Die KI, die mit einem über Themen debattieren kann – Ein Gespräch mit Dr. Wolfgang Hildesheim von IBM

10. Mai 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Die künstliche Intelligenz Watson hat die TV-Zuschauer schon vor 10 Jahren überrascht, jetzt haben „Zeit“ und FAZ ihr anläßlich eines gerade erschienenen Beitrags auf Nature erneut Artikel gewidmet: Im „Project Debater“ debattierte Watson mit dem Debattier-Weltmeister Harish Natarajan, der zwar letztendlich gewann, aber im Nachhinein sagte, dass es nicht viel anders war als mit einem Menschen zu diskutieren. Die KI ist in der Lage, auf hohem Niveau mit Menschen zu debattieren, Argumente zu entwickeln und auszutauschen mit dem Ziel, das Gegenüber zu überzeugen.

„Mr.KI“ der IBM in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Dr. Wolfgang Hildesheim, Director Watson, Data Science & Artificial Intelligence DACH, berichtet über die im Rahmen von Project Debater entwickelten Fähigkeiten, die nun beispielsweise in den Chatbots eingesetzt werden, die IBM für eine Vielzahl von Kunden entwickelt, entwickelt hat und entwickeln wird. Das Thema Spracherkennung und „Kommunikationsfähigkeiten“ von KI, sichtbar in Chatbots, geht immer weiter voran. Spannend. Hier mehr im Podcast:

https://in-die-tiefe-experten-talk.podigee.io/26-in-die-tiefe-project-debater

Mobiles Arbeiten, mehr Vertrauen und Zusammenarbeit und die neue Dorfmitte – Alexandra Schmied und Birgit Wintermann bei #9vor9

4. Mai 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Dr. Alexandra Schmied und Birgit Wintermann von der Bertelsmann Stiftung und dem Projekt Zukunft der Arbeit waren zu Gast bei #9vor9, den Digitalthemen der Woche. Und natürlich haben Lars und ich mit den beiden über Homeoffice, besser mobiles Arbeiten und ihre Studienergebnisse gesprochen. Ein Thema waren dabei, die Gesetze und Bestimmungen, die in Deutschland für Arbeitsplätze gelten oder auch: Wann steht der Betriebsstättenprüfer vor der Wohnungstür, um die Gegebenheiten des Homeoffice zu prüfen?

Wieder einmal gibt es kein schwarz-weiß. Einerseits sind Bestimmungen für die Gestaltung des Arbeitsplatzes und die Arbeit sinnvoll und notwendig, um Arbeitnehmer:innen und auch Unternehmen zu schützen. Andererseits kann eine Überregulierung mit zu detailverliebten Vorschriften dazu führen, dass schnelle und flexible Lösungen be- oder gar verhindert werden. Einen pragmatischen, regulatorischen Rahmen zu geben, scheint ja keine besondere deutsche Stärke zu sein, wenn man sich gerade umschaut.

Dabei wäre es das, was eigentlich gefragt ist. Und so die Beobachtungen von Birgit und Alexandra ist es auch das, was gerade viele kleinere und mittlere Unternehmen umgesetzt haben. Sie sind angesichts der Krisensituation einfach voran gegangen, was in diesem Moment ja auch absolut notwendig war und ist. Aber über solchem Vorgehen scheint immer die Gesetzeskeule zu schweben und dementsprechend herrscht natürlich in den KMUs Unsicherheit. Wie kann man sich absichern? Wie kann man die Unsicherheit senken, fragt @itbeobachter nicht zu Unrecht.

Da tut Birgits Anregung gut, besser über mobiles Arbeiten, über die Möglichkeit im Prinzip von überall zu arbeiten zu sprechen und dafür ein Rahmenwerk zu schaffen mit dem gearbeitet werden kann. Doch ist neben den regulatorischen Rahmenbedingungen – so unsere Diskussion – vor allem eine Vertrauenskultur und ein Miteinander gefragt. Nur so kann mobiles, dezentrales Arbeiten gelingen. Daneben braucht es ein Übereinkommen, einen Kodex: Nach 18 Uhr keine E-Mails mehr schicken, darauf achten, dass die Pausen und Freizeiten gibt, kein zu großes „Overblending“ von Arbeits- und Freizeit und vieles mehr sind Aspekte, die zusammen im Blick behalten werden müssen.

Dem stehen oft verhärtete Fronten gegenüber. Statt über sinnvolle hybride Arbeitsmodelle zu sprechen und diese zu ermöglichen, wird zu oft über ein Entweder-Oder gesprochen. Dabei zeigt sich, dass ein intelligentes, gemischtes Modell nicht nur von den Arbeitnehmer:innen gewünscht wird, sondern auch für Unternehmen die besten Ergebnisse bringen kann. Das erfordert natürlich ein Umdenken und damit den Willen zu gemeinschaftlicher Veränderung von allen Seiten – und ein Abschneiden alter Zöpfe, Kontroll- und „Machtverhältnisse“.

Dabei geht es eben nicht nur um Homeoffice und Arbeiten im Büro. Mobiles Arbeiten kann und sollte auch andere Arbeitsorte und -weisen beinhalten Das können beispielsweise auch Coworking Spaces sein, die ich bisher meist aus den großen Städten und Zentren kenne. Alexandra Schmied hat aber Coworking Spaces im ländlichen Raum gearbeitet, wo noch ganz andere Wirkungsweisen zum Tragen kommen könnten. Coworking Spaces auf dem Land als neue dörfliche Mitte, in der man nebeneinander und zusammen arbeitet und vielleicht auch neue Chancen gemeinsam entdecken kann?

Liest man allenthalben, hört man sich bei Unternehmen und Experten:innen, bei Arbeitnehmer:innen um, so will die große Mehrheit ein hybrides Arbeitsplatzmodell in der Zeit von und vor allem nach der Pandemie. Genau dies gilt es jetzt kreativ jenseits alter Grabenkämpfe gemeinsam zu gestalten, sozial verträglich, wirtschaftlich sinnvoll und bitte nicht mit der typisch deutschen Überregulierung.


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(Stefan Pfeiffer)

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Digitalthema bei #9vor9: Mehr Frauen in die IT und in KI, meint nicht nur Kim Dressendörfer

27. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Eigentlich sollte man es gar nicht betonen müssen: Zu Gast bei #9vor9 war heute wieder eine Frau. Und allein dieser Satz ist selbst entlarvend. Es ist noch immer nicht selbstverständlich, auch nicht oder gerade nicht in der IT und auf dem Fachgebiete Künstliche Intelligenz. Genau dieses Themas nimmt sich die Fachfrau Kim Dressendörfer aus dem IBM Watson Center in München an. Zusammen mit ihren Kollegen:innen baut sie KI-Lösungen und -Prototypen für Kunden, sogenannte Minimal Viable Products (MVPs). Und sie hat sich nicht nur die Technik auf die Fahne geschrieben: Sie tritt aktiv dafür ein, dass mehr Frauen in der IT und der KI ihren Platz finden:

In unserem Gespräch geht Kim auf verschiedene Beispiele, wo Diversity in Lösungen einfach noch nicht funktioniert, wo Vorurteile unbewusst (oder bewusst) einfließen und die Nutzer:innen prägen. Das kann die Google-Suche sein, die die klassische männliche Scheitelfrisur positiv annotiert und ein krauses Haar eben nicht. Wer darauf achtet, findet eine Vielzahl solcher Beispiel – und das nicht nur auf Facebook und bei Google.

Bekannt wurde Diskriminierung auch im Bereich Gesichtserkennung, wo sich Firmen wie die IBM genau aus diesen Gründen zurückgezogen hat. Kim plädiert für ethische Prinzipien in der künstlichen Intelligenz, fordert ein Aufsichtsgremium der genau darauf ein Auge hat und insbesondere auf Diskriminierungen achtet. Ob das durch gesetzliche Regularien, an denen beispielsweise die EU arbeitet, geschieht oder ob andere Mechanismen greifen, wird zu beobachten und zu entscheiden sein.

Kim erwähnte auch noch ein tragisches Beispiel, wo bei Technologie nicht an Frauen gedacht wurde und wird: der Anschnallgurt in Autos ist nicht für Frauen, insbesondere nicht für schwangere Frauen konzipiert und einstellbar. Die verwendeten Dummies sind – so Kim – zu größten Teilen Männer, was zu tragischen Konsequenzen führen kann, weil Frauen oft kleiner sind (und somit weiter vorne sitzen) oder eben die besondere Situation schwangerer Frauen nicht bedacht wird. Ich gebe zu, da hat mir etwas der Atem gestockt.

Nochmals herzlichen Dank an Kim, die wir gerne wieder bei #9vor9 begrüßen und auf deren Tipps für weitere Gesprächspartnerinnen wir sehr gespannt sind. Und versprochen: Wir werden mehr als bemüht sein, auch in #9vor9 diverser zu werden. Wer Frauen in AI kennenlernen will, dem sei Kims Webseite A Woman in IT mit Videointerviews oder das Pendant auf Spotify und Apple ans Herz gelegt. Gerne verlinken wir auch ihre Buchempfehlung Unsichtbare Frauen von Caroline Cirado-Perez.


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(Stefan Pfeiffer)

Der Traum von der proaktiven, bürgerfreundlichen Verwaltung oder wenn das Kindergeld automatisch nach Geburt gezahlt würde

22. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Seit mehr als einem Jahr moderiere ich jetzt fast jeden Dienstag das IBM Livestudio Magazin und berichte dort mit Kunden, Partnern, Influencern und IBM’ern aus der Welt von Hybrid Cloud und KI, aus der Welt der IBM. Ich lerne immer wieder neue spannende Themen kennen, von Quantum Computing bis zur Generalüberholung und Wiederverwendung von gebrauchter Hardware als Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Besonders spannend ist es für mich natürlich, wenn Themen behandelt werden, für die ich mich ganz persönlich interessiere. Das sind beispielsweise Digitalisierung im Gesundheitswesen oder auch Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung. Diese Woche hatte ich wieder das Glück, zu letzterem Thema ein Gespräch führen zu dürfen, fast in Anschluss zu meinem ganz persönlichen Rant, der die Tage erschienen ist.

Peter Kuhn von Fortiss, der Landesforschungsinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme, und meine Kollegin Felizitas Müller aus dem IBM Watson Center in München. Mit den beiden durfte ich mich über ihr Projekt zur proaktiven Verwaltung unterhalten, einem innovativen Ansatz, der die Bürger:innen als Kunde:innen in den Mittelpunkt stellt. Die Idee ist Services so zu gestalten, dass sie sehr einfach genutzt oder gar automatisch geleistet werden. Ein Beispiel ist das Kindergeld, das in einem solchen Szenario gar nicht beantragt werden muss, sondern automatisch nach der Geburt eines Kindes an die Eltern ausgezahlt wird. Die Daten über die Geburt und Erziehungsberechtigte scheinen vorzuliegen, so dass wohl kein Grund gegen eine solche Automatisierung spricht.

Genug der Vorrede, einfach mal rein hören.

Ich habe den Eindruck, dass es sehr viele Prozesse und Verfahren gibt, die deutlich einfacher und benutzerfreundlicher abgewickelt werden könnte. Das wird ja auch im Onlinezugangsgesetz, kurz OZG, gefordert, das Bund, Länder und Kommunen verpflichtet ihre Leistungen über entsprechende Verwaltungsportale den Bürger_innen bis Ende 2022 auch digital anzubieten.

Der Prototyp, den die in der seit 2019 bestehende Kooperation zwischen fortiss und IBM entstanden ist, ist nur ein Beispiel, wie so etwas komfortabel funktionieren kann. Hier wird er auch nochmals näher erläutert. Technologien wie Infobots, komfortable Formularschnittstellen, bei denen die Daten schon vor ausgefüllt sind, und Integration in die vorhandenen Bestandssysteme können dabei Bausteine für solche deutlich komfortablere und bürgerfreundlichere Lösungen sein. Es mag zwar keine Sprunginnovation à la SPRIN-D sein, aber es wäre ein sichtbarer und vor allem für die Bürger:innen direkt erfahrbarer Fortschritt.

Nur müssen diese dann auch von den öffentlichen Verwaltungen angenommen und vor allem möglichst zügig umgesetzt werden. Da scheint es mal wieder zu hapern. Das Team hat die Lösung dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie vorgestellt – und wartet auf eine positive Antwort. Und vielleicht gibt es ja auch außerhalb von Bayern Interessenten. Gerne stelle ich den Kontakt zu Felizitas und Peter her. Ich glaube fest daran, dass wir solche Lösungen dringend brauchen. Und in unserem privaten Videocast/Podcast #9vor9 werden in den kommenden Wochen auch mit dem Verantwortlichen der Digitalstadt Darmstadt genau auch über solche Themen sprechen, denn mehr Digitalisierung in der Verwaltung bleibt für mich ganz persönlich ein Herzensthema.

(Stefan Pfeiffer)

Der Lars flauscht mit Twitter und der Stefan grantelt über Digitalisierung in Deutschland – #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche

20. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute (am 20.4.2021) bei #9vor9 der flauschige Lars Basche und der grantige Stefan Pfeiffer mit den Themen Weiterentwicklung von Twitter und dem Digitalisierungsdrama in Deutschland – und das im hoffentlich funktionierendem neuen Design*. Lars hat einen Blick auf seine Heimat in den sozialen Medien, auf Twitter geworfen, und einige der geplanten technischen Verbesserungen von Audio à la Clubhouse über Communities und Newsletter bis zur Monetarisierung über Superfollower vorgestellt. Weitere finden sich hier hinter der Paywall im Social Media Watchblog.

Mich treiben dabei primär zwei Gedanken um: Was passiert mit den Videofunktionen von Twitter, die bisher über Periscope zur Verfügung stehen und die wir ja auch für #9vor9 nutzen. Und werde ich auch meine letzte Heimat in den sozialen Medien durch die anstehende Monetarisierung potentiell verlieren? Twitter beziehungsweise eine durchaus von mir selbst gebaute Blase – aktiv folge ich über eine Twitter-Liste den Leuten, die ich schätze – ist nachdem ich Facebook mehr oder weniger verlassen habe und mir LinkedIn zu viel reines Business und Promotions und deutlich zu wenige Inhalte und Diskussionen bietet (nur meine Erfahrungen, der Klaus sieht das anders) der Ort, an dem ich mich noch immer täglich aktiv austausche. Wäre schade. Und kleiner Scherz am Rande: Nein, wir planen noch nicht, #9vor9 auf Twitter kostenpflichtig zu machen.

Nach unserem Gespräch habe ich dann den Tweet von Michael Kroker zu 15 Jahre Twitter und die Infografik gefunden, die ich hier mal einbaue:

Wie Lars ja auch wortgewaltig dargestellt hat, will Twitter ja jetzt richtig wachsen. Seien wir gespannt.

Ebenfalls heute bin ich über den Social Media Watchblog auf die Überschrift Facebook macht Ernst in Sachen Audio gestoßen. Der vollständige Beitrag ist wieder hinter einer Paywall.

Facebook hat eine Reihe neuer Audio-Features vorgestellt. Darunter ein Tool, um Audio aufzunehmen, ein neues Audio-Posting-Format mit dem Namen Soundbites, einen Clubhouse-Klon für Facebook und Messenger sowie eine weitgreifende Partnerschaft mit Spotify, die den Konsum von Podcasts und Musik innerhalb von Facebook ermöglicht.

Facebook macht Ernst in Sachen Audio | Facebook soll Pläne für ein Kinder-Instagram beerdigen | TikTok finanziert NowThis-Serie

Social Audio war ja Thema in unserem Gespräch mit Julia. Hier werden wir wohl auch bald mal nachlegen müssen.

Also gab mir Lars schon einen Anlasse, zu granteln. Viel lauter grantel(t)e ich ja auch schon eine Weile und die Tage über das Versagen der deutschen Politik und öffentlichen Verwaltung in der Digitalisierung. Kürzlich habe ich in einem Beitrag einige Artikel und Tweets der vergangenen Monate heraus gesucht, bei dem einem nur die Haare zu Berge stehen können. Scheinbar geht es kaum oder nur quälend langsam voran. Stattdessen werden beziehungsweise wurden in der Ära Merkel immer mehr Beamte eingestellt. Und nein, lieber Flausch-Lars Basche, die arbeiten nach meiner Einschätzung eben genau nicht an der Digitalisierung. Da gibt es ganz andere Vermutungen. Ein böswilliger Schelm und Grantler, wer Pöstchengeschachere vermutet.

Da es sonst keiner tut (🤨), zitiere ich einfach mal selbst:

Nach Jahren des digitalen Stillstands, gar Rückschritts scheint ein radikaler Schnitt, ein Neuanfang notwendig. Die jetzigen Regierungsparteien haben es offensichtlich versäumt, die digitale Transformation in der öffentliche Verwaltung nennenswert nach vorne zu bringen. Das können wir uns seit langem nicht mehr leisten.

Unsere scheinbare oder offensichtliche Unfähigkeit zur Digitalisierung in Deutschland dokumentiert in einigen Tweets – und meine 2 Cents dazu – StefanPfeiffer.Blog

Das Thema wird uns auf jeden Fall in den kommenden Wochen noch bleiben, kommunal, regional und bundesweit. Wir werden mit Gästen über die Digitalstadt Darmstadt oder die Digitalisierungsbemühungen generell sprechen.

Bis dahin viele Grüße vom Grantel-Stefan


#9vor9 – Digitalthemen der Woche erscheinen auch immer als Podcast unter https://9vor9.podigee.io/ und sind natürlich über die gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

*Nachdem es im Gespräch mit Sabine und Alexander technisch gerumpelt hat: Wir haben heute erstmals (hoffentlich erfolgreich) mit den Scenes Ecamm experimentiert, die eine Menge an Möglichkeiten zur Gestaltung bieten.

Unsere scheinbare oder offensichtliche Unfähigkeit zur Digitalisierung in Deutschland dokumentiert in einigen Tweets – und meine 2 Cents dazu

19. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Mir sind in den vergangenen Wochen verschiedene Tweets und Berichte aufgefallen, die sehr kritisch zum Thema Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung Stellung nehmen. Viele Tweets und dahinter liegende Berichte frustrieren einfach nur. Und sie schreien sicher nach tiefergehenden Analysen und vor allem Umsetzungsvorschlägen, wie wir Digitalisierung vorantreiben. Nicht zur Demotivation, sondern einfach als Stoffsammlung zur Diskussion.

Der von mir sehr geschätzte Rafael Laguna de Verra wird wie folgt zu bestehenden Gesetzen und Vorgaben zitiert: Sie behindern, blockieren oft den digitalen Fortschritt. Sind sie vielleicht in dieser Zeit überholt und müssten dringend modernisiert werden?

Handelsblatt und heise online berichten über das Gutachten des Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums: eine schonungslose Analyse des Versagens. Der gesamte Bericht kann hier heruntergeladen werden:

Und zur gleichen Studie folgendes Zitat von heise online:

Und ein Zitat aus dem Fazit des Berichts:

Digitale Transformation muss mit einer Reform von Organisationen und Prozes- sen einhergehen. Etablierte Gesetze und Organisa- tionsweisen müssen auf ihre Eignung in einer digi- talen Welt hin überprüft und reformiert werden. Dazu sind einfache Verwaltungsabläufe, auch im föderalen Kontext, sowie klare politische und unter- nehmerische Führung notwendig.

Digitalisierung in Deutschland – Lehren aus der Corona-Krise

Ein gewisses i-Tüpfelchen setzt dann für mich diese Aussage von Peter Altmaier: Wenn wir es nicht hinbekommen, dann holen wir uns ein Team aus Estland … Einfach mal reinhören.

Die NZZ analysiert in einem Bericht das Wachstum an Beamten in der Minsterialbürokratie: In der Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel seien rund 4600 zusätzliche Stellen geschaffen worden. Für wen? Zur stärkeren Digitalisierung hat es offensichtlich nicht beigetragen.

Von den Autorinnen:en werden auch Doro Bär und Jörg Müller-Lietzkow kritisch ins Visier genommen, die ja kürzlich in der FAZ ein neues Superressorts für Digitalthemen gefordert haben:

Ein Superressort mit neuen Stellen? Oder sollen Beamte aus den anderen Ressorts dorthin wechseln? Da stellt sich natürlich dann wieder die Frage, ob nicht frischer Wind und externe Kompetenz gefragt wären – die aber dann hoffentlich nicht an besagten Vorgaben, Gesetzen, an föderalen Strukturen und Blockaden oder bewusstem Aussitzen verzweifeln.

Persönlich sehr frustrierend finde ich, dass gerade der Bund seine Mittel nicht in von den US-Herstellern unabhängige Lösungen für die öffentliche Verwaltung investiert und stattdessen dreistellige Millionenbeträge beispielsweise an Microsoft überweist …

… und gar die Zukunft der öffentlichen Verwaltung auf Basis Microsoft finanzieren will.

Können wir in Europa oder Deutschland es wirklich nicht? Sind es nur die IT-Spezialisten, die fehlen?

Oder ist es nur Bequemlichkeit? Auf jeden Fall würde eine solche Investition neben höherer digitaler Souveränität sowohl Arbeitsplätze schaffen und sichern wie auch höhere digitale Kompetenz in Deutschland kreieren. Bund, Länder, europäische Institutionen tun es aber nicht. Aus Bequemlichkeit? Da Microsoft und Konsorten so geschicktes Lobbying betreiben? Oder weil sie es deutschen IT-Experten nicht zutrauen, denn zu viele, fast alle öffentlichen IT-Projekte sind gescheitert.

Nein, mehr Aufträge an Berater ist nicht die automatische und logische Konsequenz.

Die könne, müssen wahrscheinlich mit einbezogen werden, aber es braucht vor allem ein anderes Vorgehen, weg vom klassischen IT-Projekt im Wasserfallmodell hin zu agileren Projektmanagement- und Realisierungsmethoden. Das geht. Auch in der öffentlichen Verwaltung. Ich glaube, dass es durchaus mit unabhängigem Projektmanagement und entsprechendem Personal klappen könnte. SPRIN-D, die Bundesagentur für Sprunginnovation, könnte ein Vorbild sein.

Leider scheinen Weckrufe wie die von Peter Ganten oder Rafael Laguna de Verra zwar nicht ungehört, aber ohne daraus resultierendes Handeln zu verhallen.

Ich bin in dieser Tweet- und Quellensammlung bewusst nicht auf aktuelle Themen wie die Vernetzung der Gesundheitsämter mir Sormas, das teilweise herrschende Anmeldechaos bei Impfungen, auf die oft zu unrecht kritisierte Cornona-Warn-App oder die aktuellen Diskussionen um die Luca-App eingegangen. Dies sind nur fatale Fanale eines jahrelang heraufbeschworenen digitalen Versagens in der öffentlichen Verwaltung.

Nach Jahren des digitalen Stillstands, gar Rückschritts scheint ein radikaler Schnitt, ein Neuanfang notwendig. Die jetzigen Regierungsparteien haben es offensichtlich versäumt, die digitale Transformation in der öffentliche Verwaltung nennenswert nach vorne zu bringen. Das können wir uns seit langem nicht mehr leisten.

(Stefan Pfeiffer)

Auto-Mobil: Von Sonderlocken und Schnickschnack, Leasing und dem E-Auto als Dienstwagen

18. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Nun haben wir Mitte April 2021 und der Termin, an dem das Leasing meines Dienstwagens endet, nähert sich unaufhaltsam. Im Juli ist es so weit. Noch immer ist unklar, wie es weiter geht: Wird der Vertrag verlängert, weil ich natürlich in Corona-Zeiten bei weitem nicht die dienstlichen Kilometer gefahren bin, wie zu normalen Zeiten? Gibt es aus genannten Gründen oder auch wegen Einsparungen keinen neuen Dienstwagen?

Oder wird mir wieder ein Dienstwagen angeboten? Besteht gar die Option, ein E-Auto als Dienstwagen zu nehmen? In der Gebrauchtwagenbörse habe ich zwei Tesla Model 3 gefunden, allerdings ist der monatliche Mitarbeiteranteil exorbitant hoch. Mein jetziger A4 würde beim Mitarbeiteranteil deutlich weniger zu Buche schlagen. Die geringere Besteuerung bei Privatfahrten und bei der Fahrt zwischen Arbeitsstätte und Wohnung scheinen mir kein finanzielles Argument zu sein, u.a. da ich im Homeoffice arbeite. Dabei wäre ein E-Auto aus dem Fahrzeugpool durchaus eine Option für die kommenden Monate und Jahre. Ich werde weiter recherchieren und bei Neuigkeiten hier informieren. Und wer hier mehr weiß und Tipps zum Thema E-Auto als Dienstwagen geben kann, ich bin sehr dankbar dafür.

Oder steige ich gar auf einen Privatwagen um und schaffe ein E-Auto an? Jenseits der bei Männern natürlich besonders beliebten Frage nach Modell und Ausstattung, stellt sich natürlich die Finanzierungsfrage: Kauft man ein E-Auto, least man den Wagen oder entscheidet man sich gar für ein Auto-Abo, etwas was Autopapst Ferdinand Dudenhöffer auch in meinem Gespräch mit ihm im IBM Livestudio als das künftige Finanzierungsmodell postuliert.

Auch angesichts der Dynamik im Markt werde ich – falls ich mich für einen Privatwagen entscheide – leasen – oder abonnieren. Einerseits wegen der einmaligen Investstion, andererseits wegen Technik und Reichweite der E-Autos, den sich derzeit ständig deutlich weiter zu entwickeln scheinen. Auch kommen immer neue Modelle auf den Markt, hoffentlich auch im Markt für Kompaktwagen.

Hier ein Vergleich der Modelle, die für mich derzeit in Frage kommen. Einerseits der Volkswagen ID.3, den ich auch schon Probe gefahren habe. Von der Größe her reicht mir das der Golf-Klasse entsprechende Modell vollkommen aus. Ich fahre sehr selten mit 4 Personen und selbst da reicht Platzangebot vollkommen aus. Zudem fahre ich im Vergleich zu früher deutlich weniger lange Strecken. Statt bis nach München oder Hannover (adé Cebit) geht es heutzutage dienstlich maximal bis Ehningen bei Stuttgart, nach Köln/Düsseldorf oder nach Nürnberg, also einfache Strecke bis zu 250 – 275 Kilometer. Trotzdem würde ich auch aufgrund der Praxisberichte beim ID.3 für die größere der verfügbaren Batterien und damit die größere Reichweite optionieren.

Die lieben Extralocken und der Schnickschnack am Auto

Batterie und Reichweite sind ein Argument, aber natürlich kommt auch das Kind im Manne und der Technikfreak bei einer Entscheidung für einen Wagen ins Spiel. Ich stehe auf Technik, entsprechende Spielereien wie ein Head-up Display oder das virtuelle Cockpit in meinem A4. Selbstverständlich bieten die neuen E-Autos und auch der ID,3 auch solche Schmankerl vom besagten Head-up Display bis zu vielfältigen Assistenzsystemen, beispielsweise für Spurwechsel oder Notbremsung. Ganz ehrlich stellt sich hier manchmal die Frage, ob diese Extras sein müssen, ob sie wirklich wichtigen Mehrwert bringen. Oder geht es auch ohne große Einschränkungen ohne solche Extras? Was sind die wirklich notwendigen, wichtigen Funktionen? Anklappbare Außenspiegel, abblendbarer Innenspiegel, beheizbare Vordersitze, elektrischer Heckklappe, LED Scheinwerfer mit automatischer Lichtschaltung? Das muss natürlich jede:r im Endeffekt selbst entscheiden.

Ausgeschnitten aus der Tabelle ID.3 Ausstattungsvergleich von Volkswagen. Hier wird einigermaßen deutlich, welche Sonderlocken in den voll ausgestatteten Linien enthalten sind.

Der Unterschied zwischen dem rein funktionalen Fahrzeug und dem „Schnickschnacker“ wird analog zum ID.3 auch beim ID.4, dem neuen SUV von Volkswagen, deutlich. Der ID.4 in der Variante Pro Performance Lite verzichtet auf viele Extras (ohne Rückfahrkamera, Assistenten, abgedunkelter Seitenscheibe hinten), hat aber die „fahrnotwendige“ Ausstattung und kostet im 48-Monats-Leasing 405 €/Monat*. Der entsprechende ID.4 mit allen Sonderlocken kommt in der von mir erstellten Konfiguration dagegen auf 510 €/Monat. Ähnlich verhält es sich mit einem „naggischen“ VW Pro S oder einen voll ausgestatteten ID.3 Pro S Tour: 361 €/Monat versus 491 €/Monat für48 Monate Laufzeit.

Leasingraten im Vergleich – Oder gar Auto im Abonnement?

Hier der Preisvergleich der konfigurierten Fahrzeuge, jeweils kalkuliert auf 15.00 Kilometer Fahrleistung im Jahr, 48 Monate, 6.000 bis 6.500 Euro (Tesla) Anzahlung, was der staatlichen Förderung für E-Autos entspricht:

Interessant ist es in diesem Zusammenhang, auch noch die Preise für Auto-Abonnements beispielhaft am VW ID.3 hinzuzufügen. Der wird von Volkswagen Financial Services im Abo Special für 488 €/Monat angeboten. Im Vergleich zu Leasing sind die Laufzeiten für ein Abo deutlich kürzer (in genanntem Fall 6 Monate Mindestlaufzeit, danach monatliche Kündigung). Hierbei handelt es sich allerdings um die 58 kW Version und die Ausstattung des Wagens kann variieren.

Autoabonnements sollte man auf jeden Fall künftig nicht aus dem Auge verlieren. Im Vergleich zu Leasing sind Zulassung, Steuern, Versicherungen, Wartung & Verschleiß, Reifenwechsel für das Auto im Preis bereits enthalten. Lediglich die Kosten für die Betriebsstoffe kommen oben drauf. Da er mir optisch aufgefallen ist, habe ich auch einmal die Preise für den Volvo XC40 Recharge heraus gesucht: Hier kommt man auf einen Preis von 699 Euro/Monat.

Hier ein kleiner Vergleich der technischen Eckdaten, der selektierten E-Autos.

Noch einige Anmerkungen zu den ausgewählten und verglichenen Fahrzeuge. Den Volkswagen ID.4 konnte ich vergangene Woche beim Autohändler sehen, mich hinein setzen. Das ist auf jeden Fall ein „Schiff“, ein vollwertiger Familienwagen, wertig verarbeitet mit sehr viel Platz und großem Kofferraum. Mir ist er etwas wuchtig, zu groß, obwohl in der Länge auf Niveau meines jetzigen A4. Schaut man auf den Preis für die Pro Performance Lite-Variante, so ist er aber durchaus eine valide Option.

Der Tesla Model 3 war bei mir eigentlich mit der Annahme „nicht mein Designempfinden, zu teuer und vielleicht auch zu groß „außen vor. Beim Design musste ich an meinenFahrten mit dem Model S denken, der mir gefühlt zu amerikanisch-chromig-glänzend war. Da ich aber viel Gutes von Alex, Detlef und auch Richard Gutjahr gehört und gelesen habe, werde ich ihn dieser Tage mal Probe fahren, nur eine Stunde, aber ich werde zumindest einen Eindruck gewinnen.

Zum ID.3 habe ich mich hier im Blog ja schon geäußert und er war/ist eigentlich meine erste Option, zumindest wenn wir ein Fahrzeug privat leasen sollten. Das Thema, ob und welches Fahrzeug ich künftig fahren werde, wird mich sicher in der kommenden Zeit weiter begleiten. Gerade auch das Thema Elektromobilität ist ja auch extrem spannend – inklusive der Diskussion über Ausstattung und Schnickschnack 😄.

Bei aller Begeisterung für E-Mobilität drängt sich mir aber bei einem Preisvergleich noch immer der Eindruck auf, das Verbrenner von den Herstellern noch immer preislich deutlich günstiger – egal ob Privat- oder Dienstwagen – angeboten werden – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

(Stefan Pfeiffer)

*Preise und Angebote ändern sich natürlich ständig. Der Preis bezieht sich auf ein von mir im April 2021 konfiguriertes Beispielfahrzeug

Graswurzelinititaiven aus der Mitte des Unternehmens – #9vor9 mit Sabine und Alexander Kluge

13. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Zu Gast bei #9vor9 waren am 13. April 2021 Sabine und Alexander Kluge, die seit Jahren Organisationen, Unternehmen, Teams und auch Einzelpersonen in Sachen Zusammenarbeit, Selbstorganisation und Führung begleiten und coachen. Wir haben zusammen über sogenannte Graswurzelinitiativen in Unternehmen gesprochen, Initiativen von unten, besser aus der Mitte des Unternehmens, die Dinge, Prozesse, Produkte, Zusammenarbeit, Kundendienst in einer Organisation verbessern wollen. Genau eben nicht per Order Mufti ,sondern meist aus Eigenmotivation der Mitarbeiter:innen.

Aus meiner Sicht ist ein solches Engagement generell und insbesondere in Zeiten der (nicht nur digitalen) Transformation besonders wichtig und notwendig, stoßen aber durchaus an Grenzen. Das kann das Hierarchiedenken oder Besitzstandsdenken sein, das kann Angst vor Veränderung sein oder das das nahende Quartalsende im neuerlichen „most important quarter in the history of our company“.

Technologie, entsprechende Produkte zur Zusammenarbeit und Kommunikation, zur Vernetzung sind dabei notwendige „Enabler“, aber nicht die eigentlich erfolgskritischen Faktoren. Man kann sicher mehr oder weniger trefflich über Funktionalität und Nuancen der ein oder anderen Lösung diskutieren – und die entsprechenden Apologeten tun dies auch sicherlich weiterhin. Entscheidender ist aber der „menschliche Faktor“, die Art und Weise, wie zusammengearbeitet und kommuniziert wird, wie gerade auch das Management eingebunden wird, wie man Sponsoren und damit Rückendeckung für Graswurzelinitiativen findet und der Mehrwert für das Unternehmen (und die Mitarbeiter:innen) deutlich wird.

Denn: Graswurzelinitiativen sind wichtig, notwendig, aber diejenigen, die sie treiben brauchen Standvermögen und einen langen Atem, denn erfahrungsgemäß kann es vielfältige der besagten Widerstände geben und es wichtig, sich hier nicht frustrieren zu lassen. Dabei können Methoden wie Working out loud oder andere Arten, sich zu vernetzen, extrem hilfreich sein. Genau in solchen Vorgehensweisen unterstützen Sabine und Alexander mit Rat und Tat, in ihrem 2020 erschienenen Buch „Graswurzelinitiativen in Unternehmen: Ohne Auftrag – mit Erfolg!“ – oder auch mit ihrem Podcast oder ihren Veröffentlichungen – und natürlich auch in Beratungsprojekten.

https://9vor9.podigee.io/51-graswurzelinitiativen-unternehmen

Wer Lust hat, einfach mal reinschauen oder reinhören in unseren Video- oder Podcast. Es werden vielfältige Aspekte, auch kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern diskutiert. Und wir schauen auch etwas nostalgisch auf Zeiten zurück, in denen Luis Suarez das Leben außerhalb des E-Mail-Posteingangs postuliert und schon vor mehr als 10 Jahren gefordert hat, mehr Informationen und Wissen zu teilen, Abteilungs- und Bereichssilos nieder zu brechen und soim Endeffekt auf verschiedensten Ebenen bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wir freuen uns über Feedback, am liebsten auf Twitter Stefan – https://twitter.com/Digitalnaiv – und Lars – https://twitter.com/larsbas – oder Sabine – https://twitter.com/netzabine – und AlexanderKluge – https://twitter.com/alecmcint.


#9vor9 – Digitalthemen der Woche erscheinen auch immer als Podcast unter https://9vor9.podigee.io/ und sind natürlich über die gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

Bild von Comfreak auf Pixabay

Hörtipp: Von Diversity im Kopf und in der Verwaltung – Der SPRIN-D Podcast mit Katrin Suder vom Digitalrat

8. April 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich gebe zu, dass ich den Digitalrat der Bundesregierung wenn überhaupt nur am Rande wahrgenommen habe. Mehr Aufmerksamkeit bekommen hat er jetzt durch das Gespräch zwischen Katrin Suder und Thomas Ramge im Podcast von SPRIN-D, der deutschen Agentur für Sprunginnovation, erhalten. Katrin Suder, Vorsitzende des Digitalrats der Bundesregierung, Mitglied des Kuratoriums der Hertie School of Governance, vorher im Verteidigungsministerium und eine ehemalige „McK’ie“, wird von Ramge zur Arbeit des Digitalrats und darüber hinaus befragt.

https://feeds.podcastproduzenten.de/sprind/feed/

Es werden viele Aspekte und Themen behandelt,fallen viele Begriffe, viele Schlagworte, die gerade heutzutage durch die Corona-Krise noch mehr in den Fokus geraten sind und ich erlebe einige Déja-vu und Future-vu in meinem ganz persönlichen Spagat zwischen Themen, mit denen ich im Job im IBM Livestudio und aus Privatinteresse hier im Blog oder bei #9vor9 beschäftige.

Katrin Suder spricht über die Notwendigkeit, sich in vielen Bereichen vom Projektmanagement nach dem Wasserfallmodell hin zu iterativer, spiralförmiger, agiler Entwicklung bewegen muss – und ich denke an mein Gespräch mit Anna Roizman und Cihan Sügür von Porsche. Sie spricht von der Notwendigkeit eines Mentalitätswandels, von der Notwendigkeit von Quereinsteiger:innen in der öffentliche Verwaltung, damit man dort endlich Projekte – sie nennt es Kampagnen – schnell, pragmatisch und erfolgreich bewältigen kann, ein Thema das alle, uns bei #9vor9 und mich im Blog beschäftigt.

Die Herausforderungen unseres föderalen Systems werden ebenso angesprochen, wie fehlendes digitales Denken, fehlende Anpackmentalität sowie bürokratische Verkrustungen und Lähmungen: Unsere Verwaltung ist einfach noch nicht so weit, dass sie neue innovative Arbeitsweisen inne habe. Lange Jahre war sei auf Beständigkeit getrimmt. Was nicht gelungen sei, sei das Innovative, Agile. Man sei einfach hochgradig überreguliert. Zu viele Juristen, zu wenige Historiker 😉 … Stimmt, leider.

Es geht um die verantwortungsvolle Nutzung von Daten und Datenschutz ebenso wie um Diversity – und hier wird Katrin Suder durchaus emotional. Sie hält ein flammendes Plädoyer für Vielfalt, einer Offenheit, sich anderen Perspektiven zu öffnen, auch um mehr Frauen in Führung und Teams. Diversity ist schwieriger, anstrengender, aber es lohnt sich, denn es kommen bessere Ergebnisse heraus. Sehr hörenswert.

Auch Gaia-X, das mich in den kommenden Wochen in diversen Talks beschäftigt, wird behandelt. Und ja, digital souverän sein, muss oder darf nicht heißen, die Lösungen der Hyperscaler nach zu bauen. In diesem und anderen Umfeldern geht es um Wahlfreiheit und um die Kompetenz, technologische Lösungen zu bewerten und zu prüfen. Gaia-X müsse Standards schaffen, um mehr Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern schaffen, eine Wechselmöglichkeit gewährleisten und eine Souveränität in den Datenräumen zu garantieren. Und sie stellt auch die Frage: Schaffen wir das, oder ist Europa einfach zu kompliziert und scheitern wir wieder an unseren Eigeninteressen? Gute Vorbereitung für meine Talks mit Heinz-Joachim Schmitz und anderen Experten!

Sicher bliebt das Gespräch, kann das Gespräch nur an der Oberfläche, aber es werden im Talk zwischen Karin Suder und Thomas Ramge – gerne erinnere ich mich noch an das Streitgespräch Ramge und Andrea Martin zu KI auf der letzten Cebit 2018 in Hannover (Achtung: Facebook-Link) – wichtige Punkte beleuchtet, auf die man achten kann und sollte.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay