Posts Tagged: ‘Digitalisierung & Wirtschaft’

Homeoffice-Allerlei: Ziehen die Arbeitnehmer aus Land oder beschäftigen die Mittelständler nun die Städter? Und Detektive und Bürohunde im Einsatz

5. Juli 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Diskussion geht weiter und um Remote Work und Homoffice. Hier einige kuratierte Beiträge. Ole Wintermann hat auf Piqd aktuelle Forschungsergebnisse des Stanford-Forschers Nicholas Bloom zum Corona-bedingten Home Office vorgestellt.

Gegenwärtig arbeiten 42% der US-Beschäftigten – in Vollzeit – von zuhause aus während nur 26% tätigkeitsbedingt auf mobiles Arbeiten verzichten müssen. Diese 42% der Beschäftigten sind für ⅔ der Wirtschaftsleistung der USA verantwortlich. Ohne diese radikale und umfassende Hinwendung zum Home Office wäre die Wirtschaft zu Beginn der Corona-Krise von heute auf morgen zusammengebrochen …

piqd | Zukünftiger Mega-Trend „Home Office“? Substanzielle

Bloom geht davon aus, dass sich die Working-from-Home-Tage in den USA nach dem Ende der Pandemie vervierfachen werde. Viele würden zwischen 1 und 3 Tagen von zuhause aus zu arbeiten. Und Bloom erwartet, dass teure Bürotürmen in der Mitte teurer Städte überholt seien – und das Pendeln in diese Städte.

„Provinz als Standortvorteil“

Patrick Setzer postuliert im ManagerMagazin wiederum „die Provinz als Standortvorteil“.

Seit Jahren ist es ein Problem für Unternehmen außerhalb der großen Ballungszentren, genügend qualifizierte Mitarbeiter im Technologiesektor oder im Bereich digitales Marketing zu finden. Wer Heimarbeit als Normalfall akzeptiert und die notwendige Technik gut genug aufsetzt, wird künftig keine Schwierigkeiten mehr haben, Fachkräfte aus der Großstadt anzuwerben – weil sie nun nicht mehr umziehen müssen.

Mittelstand: Corona Krise eröffnet Chancen für Mittelständler – manager magazin

Der Mittelständler in der Provinz verpflichtet Experten, die „künftig virtuell für mittelständische Firmen arbeiten werden – egal wo diese ihren Sitz haben.die in den Großstädten wohnen“. Auch eine Perspektive. Andere argumentieren eher, dass Arbeitnehmer nun wegen hoher Mietkosten aufs Land ziehen könnten, da sie eben die Arbeit von daheim erledigen könnten.

Der Remote Worker ist weltweiter Konkurrenz ausgesetzt

Christian Erxleben macht aus einer Sicht auf einen Knackpunkt von Remote Work und Homeoffice aufmerksam, den Arbeitnehmer gerne übersähen. Werde ein Job von einem festen Ort entkoppelt ist, stünden Arbeitnehmer quasi weltweit im Wettbewerb, denn anderswo sei Arbeit billiger.

Selbstverständlich handelt es sich dabei nur um eine mögliche Prognose. Fest steht jedoch: Wenn du deinen Job problemlos mittels Internet-Zugang von Zuhause aus erledigen kannst, kann es passieren, dass du dich in Zukunft mit Dutzenden, günstigen Konkurrenten um deinen Job streiten musst.

Remote Work: Diesen großen Nachteil übersehen fast alle Arbeitnehmer

By the way: Das Thema ist sicherlich nicht neu. Wie viele Arbeitsplätze sind schon heute nach Rumänien, Indien oder sonst wo hin verlagert worden. Das ist schon jetzt Realität gerade in vielen Großunternehmen – auch ohne den Trend zum Homeoffice. Ob das immer so erfolgreich ist, ist durchaus zu hinterfragen. Nicht nur bei industrialisierten, standardisierten Jobs geht es. Auch Programmierer stehen heute weltweit im Wettbewerb. Wir Deutschen, wir Europäer müssen uns differenzieren und weiterbilden oder in manchen Jobs unsere lokale Expertise (Sprache, Kenntnisse der lokalen Kultur) ausspielen, um wettbewerbsfähig zu sein.

Wenn der Detektiv ausrückt …

Ein ganz anderer Aspekt: Die FAZ berichtet darüber, wie Detektive gute Geschäfte machen. Es scheint, dass einige Arbeitgeber ihre Mitarbeiter überprüfen lassen, auch wenn „Personenüberwachungen im Auftrag von Arbeitgebern enge Grenzen gesetzt“ seien. Man dürfe nur ermitteln, wenn der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse und glaubhafte Indizien vorweisen könne. Und dann …

Wenn man denn geduldig warten kann. Viel mehr dürfen die privaten Ermittler nicht, um an Informationen für ihre Auftraggeber zu kommen. Beobachten und fotografieren ist erlaubt, im Rahmen des Auftrags. Sollen die Detektive klären, ob jemand im Homeoffice wirklich arbeitet, dürfen keine Fotos entstehen, wenn zur Feierabendzeit der Geliebte vorbeikommt. Tonaufnahmen sind immer tabu, Videos nur in bestimmten Fällen erlaubt.

Betrug am Arbeitsplatz: Wenn der Chef den Detektiv anruft

Wenn der Bürohund zweimal bellt, verzichten wir auf Gehalt

Und noch ein Bericht jenseits der „normalen“ Homeoffice-Berichte – aber was ist schon normal? Es gibt einen eingetragenen Verein Bundesverband Bürohund, der auch entsprechende Umfragen durchführt. Claudia Toedtmann greift das Thema und die Umfragen in ihrem Management-Blog auf wiwo.de auf:

Fast jeder zweite würde auf eine Gehaltserhöhung verzichten, wenn er dafür seinen Hund mit ins Büro bringen darf – warum Unternehmen und Vorgesetzte diese Tatsache nicht berücksichtigen, ist ein Rätsel.

Internationaler Bürohundtag 2020: Darf der Hund mit ins Büro, ist das ein wertvoller Benefit – oft wichtiger als eine Gehaltserhöhung | Management-Blog

Wen die ausführlichen Statistiken interessieren: Einfach den Beitrag lesen.

Der stolze Dosenöffner, dem des öfteren die beiden Prachtkater in der Videokonferenz in die Kamera laufen, kann nur beschränkt mitreden. Katzen sind wahrscheinlich weniger im Büro gefragt, aber bei uns fester Bestandteil und Wohlfühlfaktor im Homeoffice.

„Überall dort, wo es sinnvoll ist, sollten wir Arbeit von Orten und Zeiten entkoppeln“

Hinweisen möchte ich auf den ausführlichen und lesenswerten Beitrag von Falk Hedemann, der sich damit auseinandersetzt, was sich nach der Krise bestehen bleibe und und was auf dem Weg zu Remote Work noch zu verbessern sei. Er behandelt Online Meetings, Alternativen zu Geschäftsreisen, agiles Arbeiten und macht besonders auf die weichen Faktoren aufmerksam:

Überall dort, wo es sinnvoll ist, sollten wir Arbeit von Orten und Zeiten entkoppeln. Wir sollten die Menschen zurück in den Mittelpunkt stellen und ihre Motivation und ihr Engagement fördern. Produktivität und Effizienz, die bisher im Mittelpunkt stehen, werden dann zu sehr lohnenden Nebenprodukten.

Smart Work: Das Home-Office ist nur ein Zwischenschritt | UPLOAD Magazin

Am 10. Juli #9vor9 EXTRA zum Thema Homeoffice: Braucht es ein Gesetz?

Übrigens wiederholen Professor Peter M. Wald, Lars Basche und ich am kommenden Freitag, den 10. Juli 2020, um 8:51 unser #9vor9 Special zum Thema Homeoffice beziehungsweise Remote Work. Ihr könnt uns – diesmal mit funktionierendem Ton – unter meinem Twitter-Konto @digitalnaiv live im Videostream folgen. Wir freuen uns auf Eure Fragen. Schwerpunkt soll die Frage sein, ob ein Gesetz notwendig ist, das Heimarbeit gesetzlich möglich macht,

(Stefan Pfeiffer)

Christine, mach hinne mit der GWB-Novelle, kommen die richtigen Nachrichten zu mir und macht ein deutsches Autobetriebssystem nach Open Source-Prinzip Sinn? Digitalthemen bei #9vor9

30. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Auch heute wieder ein #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche und Lars Basche, Gunnar Sohn und mir.

Unsere Themen: Gunnar erklärt die GWB-Novelle, die Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die dem Kartellamt vielfältige Möglichkeiten geben würde und könnte, gegen die immer größere werdende Macht und den Einfluss der GAFAM-Konzerne vorzugehen, die gerade durch die gegenwärtige Covid-19-Krise noch mehr zu profitieren scheinen. Unser Appell an Justizministerin Christine Lambrecht: Gib die Blockadehaltung zum GWB auf und vergiss den Kuhhandel mit Altmaier. Jetzt muss gehandelt werden. Gunnar führt zum Thema mit Justus Haucap am 1. Juli um 11 Uhr ein Gespräch, das über seine Kanäle verfolgt werden kann.

Frech den Ball zugespielt habe ich dann dem Lars Basche, der schon seit Jahren die Meinung vertreten hat, dass wichtige Nachrichten immer in der Chronik der sozialen Kanäle zu einem kommen. Hier hat der Tagesspiegel über das NFM („News Finds Me“)-Phänomen berichtet und dabei auf eine US-Studie verwiesen, nachdem gerade viele Jüngere immer mehr geteilte Inhalte, Links und Empfehlungen in den sozialen Netzwerken glauben und eben nicht journalistischen Plattformen nutzen. Der Tagesspiegel bringt dazu ein flammendes Schlusswort, da die Abkehr von traditionellen Medien auch zu weniger politischem Engagement und gar geringerer Wahlbeteiligung führe:

Wir sollten uns die Information und Meinungsbildung über politische Fragen nicht von Algorithmen, geteilten Neuigkeiten und digitale Freundeskreise aus der Hand nehmen lassen – machen wir uns selbst ein Bild!

Media Lab: Nachrichten aus erster Hand, bitte! – Medien – Gesellschaft – Tagesspiegel Mobil

Bei den Dreien von #9vor9 ist es gemischt: Wir alle schauen wenn auch selektiert nach Listen oder Stichworten auf Twitter, nutzen aber auch andere Kanäle und Medien und recherchieren eigenständig. Hier ist die Studie wohl zu finden. Sie kostet allerdings bei kommerzieller Nutzung.

Mein Thema war dann anknüpfend an das IBM Livestudio vom 23.6.2020 die Automobilindustrie. Unverkennbar ist der Individualverkehr durch die Covid-19-Krise wieder stärker geworden, aber wird das so bleiben? Reguliert es sich nach dem Virus wieder und öffentliche Verkehrsmittel oder Car Sharing-Modelle erleben ein Comeback? Oder bleiben wir Deutsche autoverliebt? Eigentlich und streng genommen kein Digitalthema.

Ein Digitalthema ist aber auf jeden Fall die Bestrebung deutscher Automobilhersteller, zu Softwarekonzernen zu werden und das Betriebssystem ihrer Fahrzeuge nicht Google und Co zu überlassen, sondern selbst zu „ownen“. Volkswagen hat es angekündigt, Daimler will es tun, wie ja auch Sascha Pallenberg im Livestudio wortgewaltig erklärt. Lesenswert dazu der Bericht auf Auto Motor Sport. Unser Appell in #9vor9: Nehmt Euch die Corona-Warn-App zu Beispiel, schaut auf den #WirVsVirus-Hackathon und baut doch gemeinsam nach dem Open Source-Prinzip ein Betriebssystem für Eure Fahrzeuge, statt allein vor Euch hin zu wursteln. Sonst werdet Ihr gegen Google, Tesla, Amazon, Apple & Co überhaupt keine Chancen haben.

Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Allein es bleiben Zweifel. Die groß angekündigte Kooperation von BMW und Daimler im Bereich autonomes Fahren ist ja erst kürzlich gescheitert. Warum sollte dann die Zusammenarbeit bei „dem“ Betriebssystem für das Auto der Zukunft funktionieren?

Schließlich noch die Notiz, dass wir jetzt erst einmal Urlaubspause mache. Wir melden uns dann rechtzeitig, sobald wir mit #9vor9 wieder live gehen. Bis denne.

(Stefan Pfeiffer)

Das eigene Auto im Abo? Lieben die Deutschen noch ihre Autos? Und schaffen die deutschen Hersteller ein eigenes Betriebssystem?

25. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge und es hat unheimlich viel Spaß gemacht, das IBM Livestudio Magazin vom 23. Juni 2020. Diesmal hatten wir zwei Live-Diskussionsrunden geschaltet. Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich mit Dirk Wollschläger, dem General Manager für Automotive weltweit in der IBM unterhalten (. Sie hatten ein besonderes Thema: Autos müssen gerade seit der Covid-19-Krise auch online verkauft werden. Tesla habe es vorgemacht. Die deutschen Automobilkonzerne seien noch nicht so weit. (Übrigens hat an der Stelle später Sascha Pallenberg vom Daimler widersprochen).

Und es brauche neue Abomodelle für Fahrzeuge, um den Käufern beziehungsweise Abonnenten die Zurückhaltung zu nehmen. Derzeit sei man sehr risikoaffin, auch wegen des Umstiegs auf Elektroautos. Ob jeder einem endgültigen Abgesang auf Car Sharing, Uber und andere Dienste allerdings zustimmt, wage ich zu bezweifeln. Manche Trends könnten nach der Covid-19-Zeit durchaus wieder anspringen.

Lieben „die Deutschen“ weiterhin ihr Auto – und den Individualverkehr?

Und bei der Aussage von Ferdinand Dudenhöffer, dass die Deutschen, die Großstädter das Auto lieben und weiter Auto fahren wollen, wird gar mancher zucken. Dudenhöffer führte Zahlen an, dass in den 20 größten deutschen Städten die Zahl der Fahrzeuge zugenommen haben. Das steht natürlich im Kontrast zu der Wahrnehmung, dass gerade Jüngere scheinbar nicht mehr so sehr am Statussymbol Auto zu hängen scheinen. Stoff für Diskussionen also. Die beiden Experten waren sich auf jeden Fall einig, dass die deutschen Automobilkonzerne eigentlich umgehend Onlineverkäufe mit vorpaketierten Fahrzeugen anbieten müssen, dass sie attraktive Abomodelle bieten müssen, um möglichst gut durch die Krise zu kommen.

Das Auto als größtes und schnellstes Device: Mercedes & Co. bauen eigenes Betriebssystem

Die Schnittstelle zum Kunden besetzen ultimativ wir. Wir wollen die neuen, softwarebasierten Geschäftschancen selbst wahrnehmen. – Ola Källenius, CEO, Daimler

Im, zweiten Gespräch mit dem schon erwähnten Sascha Pallenberg und meinem Kollegen Salvatore Romeo (ab ca. 28:39 Min.) ging es dann um die Projekte von Mercedes, angefangen von Ask Mercedes, einem Fahrzeughandbuch, das als Chatbot realisiert wurde, bis zur Entwicklung eigener Software-Betriebssysteme durch Daimler und andere Automobilkonzerne. Laut Sascha müssen und werden die Konzerne das Betriebssystem des Autos „ownen“ und dürfen dies nicht Apple, Tesla oder Google überlassen. Hier sei auch auf einen aktuellen Bericht von Auto Motor Sport hingewiesen, der die Bemühungen der einzelnen Konzerne darstellt:

Bei VW, Daimler und BMW versuchen sie mit aller Macht, eigene Lösungen zu entwickeln. Spannend dabei: Sowohl bei Daimler als auch bei BMW setzen sie dabei im Kern auf das Betriebssystem Linux und sind damit in bester Gesellschaft. Auch das Tesla-Hirn basiert auf Linux. Warum also nicht kooperieren? …

Die einzige Chance für Daimler, BMW und VW kann also nur darin liegen, besser zu sein, als die Plattform-Konzerne aus dem Silicon Valley. Bessere Sprach-Assistenten anzubieten, nutzerfreundlichere Services, einfachere Nutzeroberflächen und innovativ verknüpfte Hard- und Software. Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Ob es wirklich zu einer Kooperation kommen wird? Die Zusammenarbeit im Bereich autonomes Fahren hat man ja schnell wieder eingestellt.

Und wir werden uns Mitte kommenden Jahres entscheiden, wie die persönliche Mobilitätslösung aussehen wird

Das Thema Auto wird auch mich weiter beschäftigen. Klar ist für mich, dass ich keine vergleichsweise große Kiste mehr brauche. Also werde ich den Markt in den kommenden Monaten intensiv beobachten und muss dann zur Mitte kommenden Jahres, wenn mein Leasingwagen ausläuft, eine Entscheidung. Eigenes Auto? Ein VW ID.3 vielleicht? Oder reicht auch ein Elektro-Smart für Stadt und Kurzstrecken? Und meine Frau und ich tauschen die Fahrzeuge bei Bedarf? Wer länger fahren muss nimmt den vorhandenen Golf-Klasse-Benziner, der andere den Smart. Mal schauen, wie sich die Situation entwickelt.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Emslichter auf Pixabay

#9vor9: Von Blockchain gegen Fake News über die #WWDC20 bis zu Respekt vor ARD- und ZDF-Journalistinnen

24. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Natürlich gab es auch am 23. Juni wieder ein #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche von Gunnar Sohn, Lars Basche und mir.

Und hier die Themen quasi in Tweets: Lars bringt das Blockchain-Projekt der New York Times ins Spiel, wo mit Hilfe von IBM Blockchain Bilder überprüft werden, quasi Blockchain im Einsatz gegen Fake News:

Wer sich tiefer interessiert: Hier ist die gemeinsame News Provenance-Seite von New York Times und IBM.

Hat Apple mit dem virtuellen Eventformat der #WWDC20 einen neuen Standard gesetzt?

Unser Gunnar lobt, wie Apple seine virtuelle Konferenz hinbekommen hat. Hat man einen neuen Standard gesetzt? Unten verlinkt auch der dazu passende Beitrag von Sascha Pallenberg.

Virtuelle Formate müssen sich weiter entwickeln. Noch ein weiteres mit Powerpoint-Folien überladenes zu langes Webinar kann nicht die Lösung sein. Deshalb experimentiere ich auch mit Formaten wie #9vor9 oder dem IBM Livestudio herum. Und – so viel kann ich verraten – im Sommer wird es auch ein weiteres neues Format seitens der IBM Deutschland geben.

Macbooks: Comeback mit neuem Prozessor gegenüber Microsoft Surface?

Daneben fand Gunnar erwähnenswert, dass Apple in den Macbooks und iMacs Abschied von den Intel-Prozessoren nehmen will. Er sieht so eine noch engere und komfortablere Integration aller Apple-Geräte, quasi eine Ausweitung der schon vorhandenen Stärke. Im Mark gibt es aber seit geraumer Zeit harsche Kritik gerade an der Qualität der Macbooks und viele loben die Microsoft Surface-Geräte über den Klee. Nun sind Gunnar und auch ich langjährige Apple-User und Fans. Ich selbst nutze seit nunmehr Mitte 2019 – hier der damalige Beitrag – ein Macbook als Arbeitsplatzrechner. Und mein Arbeitgeber, die IBM, hat ja dann auch von mir gelernt (Achtung: Ironie) und unterdessen sind die Macs neben den Lenovo-Notebooks Standard. Doch seien wir ehrlich: Bezüglich der Hardware-Qualität der Microsoft-Rechner und insbesondere auch der Qualität von Windows als Betriebssystem können Gunnar und ich nicht mehr mitreden. Das letzte Windows, an das ich mich richtig erinnere, ist Windows NT mit Bluescreens und dessen elend langer Startzeit. Und um es nochmals ins richtige Licht zu rücken: Ich habe mich die Jahre auch oft über Apple geärgert, die Preise, mangelhaften Service und Garantie sowie auch eine gewisse Arroganz.

Digital News Report zeigt Wertschöpfung für Tagesschau und heute – die Journalistinnen, Journalisten und Kameraleute

Mein Digitalthema der Woche ist der Digital News Report 2020 des Reuters Institutes. Aus diesem Report kann man eine Vielzahl von Erkenntnissen ziehen, von der immer stärker werdenden mobilen Nutzung von Nachrichtenformaten über die sich wandelnde Mediennutzung von Jüngeren und Älteren, den Erfolg von Newslettern und Podcasts bis zur leicht steigenden Akzeptanz, für digitale Inhalte auch zu zahlen. Viele dieser Aspekte haben wir diskutiert. Ich möchte vor allem die positive Bewertung seriöser Nachrichten und Zeitungen hervorheben, von Tagesschau und heute bis zu Zeit, Süddeutscher oder FAZ. In diesen Zeiten, in der von gewissen Seiten immer wieder über eine angebliche Lügenpresse gezetert wird, in denen Journalisten:innen und Kameraleute beschimpft und angegriffen werden, ist dies ein wichtiges Zeichen (auch wenn die Akzeptanz bei Jüngeren leider etwas zurück geht). Und auch hier seien gerade die Journalistinnen einmal besonders erwähnt, beispielsweise eine Marietta Slomka, die beste Interviewerin derzeit, oder auch ein Dunya Hayali. Letztere ist mir als Fohlen-Fan eh noch besonders sympathisch.

#9vor9: Sondersendung Homeoffice am 26. Juni um 8:51 mit Peter M. Wald

Zum Ende noch der Hinweis auf eine #9vor9 Sondersendung zum Thema Homeoffice. Am 26. Juni ab 8:51 Uhr werden sich Professor Peter M. Wald, Lars Basche und ich über Remote Work und die verschiedene Aspekte austauschen. Verfolgen könnt Ihr die Diskussion über Periscope und auf meinen Twitter-Account @DigitalNaiv.

(Stefan Pfeiffer)

GAFAM: „Corona-Krise macht die digitalen Riesen noch riesiger“

22. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Er – Gabor Steingart – liebt die pointierten Formulierungen, oft auch die überpointierten, wie ich ja hier auch schon kritisiert habe. Doch ist etwas Wahres an der Aussage dran, dass wir die Vergangenheit bewahren statt in die Zukunft zu investieren?

Unter den 20 größten Digitalunternehmen gibt es kein europäisches Unternehmen – und dabei wird es auch bleiben. Deutschland rettet derzeit mit Billionensummen seine Vergangenheit. Die Große Koalition baut das teuerste Industriemuseum der Welt.

US-Technologiebörse: Stunde der Gewinner- Morning Briefing vom 11. Juni 2020

Das Risiko, „alte Industrien“ zu subventionieren, ist sicherlich enorm hoch. Und der Druck ist enorm hoch, gerade auf die Parteien der großen Koalition. Man höre sich gerade das Gezetere der Gewerkschaften (!!!) gegen die SPD an, dass eben nicht Benzin- und Dieselfahrzeuge subventioniert werden. Es wird ein harter Kampf, in die Zukunft zu investieren, dort Arbeitsplätze zu schaffen, statt die Vergangenheit zu zementieren mit der trügerischen Hoffnung, dort Arbeitsplätze zu bewahren. Doch einmal wieder schießt Steingart über das Ziel hinaus. Beispielsweise die Investitionen in Wasserstofftechnologien oder eben auch die Kaufprämie für E-Autos sind durchaus zukunftsgerichtet. Ja, wir brauchen noch mehr davon und müssen die Verteilung von Subventionen im Blick haben.

Doch eigentlich ging es in dem entsprechenden Absatz um die immer größere werdende Macht und den immer höheren Wert von Google (= Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft, um die Dominanz der US-amerikanischen GAFAM-Konzerne, die jetzt in und nach der Krise noch größer werden könnte.

Die Corona-Krise macht die digitalen Riesen noch riesiger und beschleunigt die Schrumpfung traditioneller Geschäftsmodelle. Virtuelle Realitäten, autonomes Fahren und ein auf Daten basiertes Gesundheitssystem sind die Wachstumsfelder der Zukunft.

US-Technologiebörse: Stunde der Gewinner- Morning Briefing vom 11. Juni 2020

In dieses Horn stößt auch das Handelsblatt in einem lesenswerten Essay von Sebastian Matthes vom 3. Juni 2020:

Für die großen amerikanischen Tech-Konzerne Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft, die GAFAM-Firmen, ist die Virus-Pandemie auch eine Erschütterung – nur anders als anderswo eine positive.

Die großen US-Techkonzerne betreiben digitalen Kolonialismus

Sie sind die Profiteure der Krise und bekommen noch mehr Einfluss, scheint es. Der Beitrag schlüsselt auf, wie Amazon, Apple & Co in den Unterhaltungs- und Videomarkt vordringen. Und natürlich werden auch die Ambitionen im Gesundheitswesen behandelt. Die Corona-Warn-App zeigt, wie dominant Apple und Google sind. Sie beherrschen den Markt für Smartphones und Apple zeigt mit der Watch, was am Armband alles gehen könnte (Disclaimer: Ich bin ein Fan der Apple Watch). Apple will vor allem (noch?) Geräte verkaufen, Google Werbung und Amazon scheint das Ziel zu haben, Medikamente an Frau und Mann zu bringen. Mit Alexa hat der Bezos-Konzern schließlich noch eine Joker im Smart Home im Ärmel.

Mit dem Einstieg ins Gesundheitswesen schließen die Konzerne auch eine letzte große Datenlücke. Denn die Gesundheitsinformationen ihrer Nutzer werden in vielen Ländern immer noch per Papierakte und allenfalls Fax weiterverarbeitet.

Die großen US-Techkonzerne betreiben digitalen Kolonialismus

Nicht nur in Deutschland, auch bei Google, wird mit der elektronischen Gesundheitsakte experimentiert und die elektronische Patientenakte eingeführt. Sinnigerweise habe ich gerade dazu allerdings unter rein deutscher Perspektive losgelöst von dem Ambitionen besagter Konzerne ein Gespräch mit meinem Kollegen Ronald Fritz von der IBM geführt, das wir bald veröffentlichen werden. Dort haben wir auch das Thema Eigentumsrecht an den Daten behandelt, das eindeutig bei den Benutzern liegen muss. Sebastian Matthes schlägt vor, die Daten mit einem Preisschild zu versehen – und die Konzerne dafür zahlen zu lassen. Steile These, die wir auch mal bei #9vor9 diskutieren könnten. Und wie so viele andere Kommentaren taucht natürlich auch bei Matthes die Forderung nach Regulierung und potentieller Aufspaltung der Konzerne auf.

Noch einige knackige Zitate aus beiden erwähnten Beiträgen:

Der Konzern ist im Internet so etwas wie die Bank im Kasino: Alle spielen – aber am Ende gewinnt immer #Amazon. | @SMatthes im @Handelsblatt

Die Coronakrise hat eine Art Zwangsdigitalisierung des Alltags ausgelöst. Die Menschen nutzen so viele digitale Angebote der Tech-Riesen wie nie zuvor. | @SMatthes im @Handelsblatt

Die Welt erlebt soeben zwei Jahre digitale Transformation komprimiert auf zwei Monate. | @satyanadella zitiert nach Gabor Steingarts Morning Briefing

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Künstliche Intelligenz im Fokus von #9vor9, von Augustus Intelligence und Amthor bis zu den Studien von Bitkom und Deloitte

16. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute wurde es bei #9vor9 schnell künstlich mehr oder weniger intelligent, denn Gunnars Digitalthema der Woche war das Engagement von Philipp Amthor für das Unternehmen Augustus Intelligence, das sich mehr oder weniger um das Thema Künstliche Intelligenz kümmert. Gunnar hatte aber nicht so sehr die Produkte und Käufe von Augustus Intelligence im Blick, sondern vielmehr das doch fragwürdige Engagement des CDU-Jungspunds.

Meine 2 Cents dazu: Ich kann nur immer wieder die Forderung nach einem Lobbyregister bekräftigen, das gerade von der oben genannten Partei boykottiert wird. Es ist wirklich Zeit, hier Transparenz zu schaffen. Und ich habe mir verwundert die Augen gerieben, als ich den hier verlinkten Beitrag zu Philipp Amthor gelesen habe. Der 27 Jahre alte Amthor war oder ist Hoffnungsträger der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, eigentlich designierter Spitzenkandidat für die Landtagswahl. „Was für Folgen dieses ‚Kapitel‘ für Amthor haben werden, ist noch nicht abzusehen“, so die FAZ. Zum Thema Augustus Intelligence, möchte ich auf den Beitrag des Handelsblatts verweisen, wonach laut Aussagen von Ex-Managern das Unternehmen kein Produkt, keine Kunden und keine Umsätze habe. Ach ja, der bekannte Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister, und Hans-Georg Maaßen sind wohl auch bei dem Unternehmen „engagiert“.

Weniger politisch brisant waren und sind dann die beiden von mir angeführten Studien zum Thema Künstliche Intelligenz. Der Bitkom spricht von einem Umsetzungsproblem beim Thema Künstliche Intelligenz. Zwar schätzen nahezu zwei Drittel der von Bitkom Befragten KI als wichtigste Zukunftstechnologie ein, aber gerade einmal 6 Prozent setzen KI selbst ein und nur jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) plant die KI-Nutzung oder diskutiert darüber. Ein positiveres Bild vermittelt die Studie „State of AI in the Enterprise Survey – 3rd Edition“ und Horizont titelt Deutsche Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz bereits im großen Stil. Allerdings wurden bei der Deloitte-Umfrage auch nur Unternehmen befragt, die KI einsetzen.

Lars hat dann noch den Tweet von Holger Schmidt zum EU Digital Economy and Society Index 2020 hervorgeholt. Deutschland liegt im Mittelfeld und – Überraschung – ist im Bereich E-Government nicht wirklich Spitze. Hier sind Pressemitteilung sowie die deutschsprachigen und deutschen Ergebnisse des Index.

Ach ja, unser Lars hat dann doch die Meldung des heutigen Tages zum Abschluss genannt: Die Corona-Warn-App ist da und sowohl Lars wie auch ich haben sie installiert (auch wenn wir nicht darüber gezwitschert haben).

#9vor9: Lars und ich hosten ab sofort, also live auf unseren Twitter-Konten

Und noch ein Kommentar in eigener #9vor9-Sache: Künftig werden Lars und ich die Sendung hosten, da Gunnar mit seinen vielen Streams einfach überlastet ist. Das bedeutet, dass #9vor9 dann über unsere Twitter-Accounts zu sehen sein wird. Ich hoffe immer noch, dass auch wir beide bald auf LinkedIn live streamen können. Leider haben wir bisher diese Freigabe von LinkedIn nicht bekommen.

(Stefan Pfeiffer)

Deutsche Unternehmen tun sich noch schwer mit Künstlicher Intelligenz oder sind sie global gesehen auf Augenhöhe und in vielen Bereichen sehr aktiv? Zwei Studien

15. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Dieser Tage bin ich über zwei Studien und Umfragen zum Thema KI gestolpert, die ich. einmal nebeneinander stellen will. Der Bitkom hat mal wieder eine telefonische Umfrage durchgeführt. Demnach glauben zwei Drittel der Befragten, dass Künstliche Intelligenz die wichtigste Zukunftstechnologie ist, aber nur 6 Prozent setzen KI derzeit ein – und lediglich 22 Prozent planen die Nutzung.

Kurz zusammengefasst:

Wir haben bei Künstlicher Intelligenz kein Erkenntnis-, sondern ein massives Umsetzungsproblem.

Bitkom-Präsident Achim Berg – Unternehmen tun sich noch schwer mit Künstlicher Intelligenz | Bitkom e.V.

Und nur wenige Unternehmen wollen in diesem Jahr in KI investieren.

Weitere Details gibt es in der Pressemitteilung des Bitkom.

Ein positiveres Bild vermittelt die Studie „State of AI in the Enterprise Survey – 3rd Edition“ von Deloitte, ist aber logisch, denn Deloitte hat in Deutschland rund 200 Verantwortlich in Unternehmen, die bereits AI-Technologien eingeführt haben, befragt. Da ist dann die Überschrift von Horizont Deutsche Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz bereits im großen Stil doch etwas irreführend, gerade wenn man sie der Bitkom-Umfrage gegenüber stellt. Deloitte vermerkt gar, dass der deutsche Mittelstand im Bereich KI gut aufgestellt sei.

© Deloitte – KI-Studie 2020

Die Befragten, die eben Künstliche Intelligenz schon einsetzen, sind davon überzeugt und rechnen auch gerade in Deutschland mit einer schnellen Amortisierung. Mit einem Schmunzeln hab ich dann dieses Zitat gelesen:

Deutsche Unternehmen befinden sich beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz weitgehend auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz. Besonders erfreulich ist die vergleichsweise kurze Amortisationszeit von KI-Projekten hierzulande, die häufig auch auf den Einsatz von externen KI-Experten zurückzuführen ist, was im Regelfall die Implementierung beschleunigt und die Kosten senkt.

Milan Sallaba – Partner und Leiter Technology Sector, Deloitte Deutschland – KI-Studie 2020 | Deloitte Deutschland

Es wundert nicht wirklich, dass die Berater von Deloitte den Unternehmen, die KI einsetzen wollen, externe Berater ans Herz legen … Aber das mag ja durchaus angesichts des Fachkräftemangels Sinn machen. Laut Deloitte liegt ein Schwerpunkt des KI-Einsatzes in Deutschland im Gegensatz zu den anderen Ländern im Finanzbereich. Auch kauften deutsche Unternehmen vielfach Anwendungen „von der Stange“ und als „as a Service“. Hier kann die Studie herunter geladen werden.

© Deloitte – KI-Studie 2020

Gerade auch angesichts der aktuellen Diskussion um Bias, einer Verzerrung der Wirklichkeit durch Formulierungen, gedankliche Annahmen oder statistische Fehler im Bereich Geschlechter oder auch Hautfarbe, hier die Grafik zu den wesentlichen ethischen Risiken beim Einsatz von KI:

© Deloitte – KI-Studie 2020

Das Thema KI in Deutschland bleibt und vielleicht ist es einmal wieder Zeit, den Stand der Dinge zu diskutieren, bei #9vor9 oder im IBM Livestudio.

(Stefan Pfeiffer)

Homeoffice-Allerei: Büros – gebaute Identität und Hort der Gemeinsamkeit. Und was machen die da nur at home? Und Dinosaurier …

14. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Zeit für ein neues Leipziger, nein Homeoffice-Allerlei, denn mir sind wieder einige Beiträge aufgefallen, ja oft auch aufgestoßen. Und ich schicke noch einmal meine Meinung vorweg. Die leider sehr oft schwarz-weiß geführte Diskussion mit den Parametern „nur Büro“ oder „nur Homeoffice“ ist nicht zielführend. Es geht um einen gesunden Mix von Remote Work und Arbeiten im Büro, basierend auf den zu erledigenden Aufgaben, den Lebensumständen und auch auf den Präferenzen des Arbeitnehmers.

Gerade letzten Satz schreibe ich sehr bewusst und bin deshalb auch dafür, ein Rechte auf Heimarbeit gesetzlich zu verankern. Wer daheim arbeiten will, die:der soll das dürfen, dem soll es nicht verboten werden können , solange sie:er es wollen. Und da ecke ich natürlich wieder bei denjenigen an, die auf der einen Seite scheinbar die Selbstausbeutung der Arbeitnehmer oder aber einen Eingriff in unternehmerische Freiheiten befürchten.

Gegen das Recht auf Homeoffice

Und hier widerspreche ich explizit Dietrich Creutzburg, der in der FAZ von politischer Überheblichkeit spricht und gegen ein „Recht auf Homeoffice“ kommentiert. „Ein Rechtsanspruch zöge hingegen nur dort, wo Arbeitgeber Wünsche nach Homeoffice mutwillig abblocken,“ schreibt Creutzburg, um das Recht abzubügeln. Aus meiner Beobachtung heraus, haben aber Arbeitgeber durchaus bewusst wieder Präsenz im Büro eingefordert, angeblich weil mein gemeinsam Schulter an Schulter produktiver sei.

Online-Umfrage in der FAZ, Stand 14.62020, ca. 11 Uhr – sicherlich keine repräsentative Umfrage, aber ein Schlaglicht

Solche Anordnungen treffen dann dabei meist die Teilzeitbeschäftigten, meist Frauen, deren Lebensrhythmus inklusive Kinderbetreung nicht mehr funktioniert kann – und die dann von sich gehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Ein noch größeres Schelm, wer angesichts solcher Ereignisse dann das Recht auf Heimarbeit ablehnt.

Und natürlich malt Creutzberg wieder den Teufel an die Wand: Entgrenzung, Isolation und Depression. Es geht um ein verbrieftes Recht auf Homeoffice, nicht darum Heimarbeit vorzuschreiben, Herr Creutzburg. Wer nicht will, der kann ja im Büro arbeiten. Und ich fange hier gar nicht von den Pendelzeiten oder dem Umweltschutz an.

Am Heimarbeitsplatz derzeit am produktivsten – Studie der TU Darmstadt

Auch in der FAZ – deren Onlineversion ich nun einmal abonniert habe – habe ich den Bericht über eine aktuelle Langzeitstudie der TU Darmstadt gefunden, nach der Heimarbeit gut ankommt. Mehr als jeder zweite deutsche Befragte gibt demzufolge an, im Homeoffice zufriedener und auch entspannter als im Büro zu sein. Und man arbeitet in der Pandemie daheim im Vergleich am produktivsten. Auch ein interessantes Ergebnis.

Entnommen der FAZ – alle Rechte bleiben dort

Der Vollständigkeit halber sei bemerkt, dass Ruth Stock-Homburg, Professorin für Marketing und Personalmanagement und Leiterin der Studie, vor einem Boreout, einer Sinnkrise und Langeweile durch Heimarbeit warnt. Da frage ich mich, ob ein solches Boreout denn nur auf Homeoffice beschränkt ist oder gar ein generelles Phänomen sein kann. Und mir stellt sich hier die Frage einer aktiven Führung, eines aktiven Coachings und Managements.

Büros: Hort der Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit, gebauten Identität

Und los zur nächsten Studie, eine internationale Umfrage der Kommunikationsberatung Kekst CNC, die die FAZ unter dem BILD-enden Titel Lasst uns wieder ins Büro vorstellt. Demzufolge wollen die Deutschen wieder an ihren geliebten Arbeitsplatz, haben Lust aufs Büro. Immerhin – und die reißerische Überschrift korrigierend – wünschen sich laut Bericht insgesamt mehr als 70 Prozent der Deutschen, dass Heimarbeit grundsätzlich öfter, und flexiblere Arbeitszeiten (mit 77 Prozent Zustimmung) häufiger werden.

Und keine Sorge, ich lese und kuratiere nicht nur die FAZ. Schon länger zum Kuratieren markiert ist ein Gastbeitrag von Sabine Hübner im WiWo Management-Blog der geschätzten Claudia Toedtmann: Büros sind Orte der Zugehörigkeit für Rückhalt und Zusammenarbeit – und damit unverzichtbar. Menschen brauchen ihre Höhlen und nicht den Chef am Küchentisch, so der Titel. Do hauts mi nieder. Immerhin gesteht Hübner dann doch Heimarbeit zu, wenn es passt. Der Überhöhung des Büros allerdings als „gebaute Identität“ kann ich nur sehr beschränkt folgen, wenn ich an die üblichen Großraumbüros und Kontrolle und Führung am Arbeitsplatz vor Augen denke. Nicht jedes Büro ist eine gestyltes Google-Headquarter oder ein Apple-Shop.

Im normalen Bürogebäude ist dann eher der Flurfunk noch der größte Hort der Identität. Und Kundenorientierung, liebe Frau Hübner, hat absolut nichts damit zu tun, ob man im Büro sitzt. Kundenorientierung und Servicegedanke sind eine Haltung, und zwar nicht eine per Order Mufti vom Marketing formulierte „Customer First“-Webseite, sondern eben eine innere Einstellung und Selbstverständlichkeit. Auch ob ein Büro zum seelischen Wohlbefinden beitragen muss, wage ich doch leicht zu bezweifeln. Die Realität in manchem Bürogebäude mag eher von anderen Aspekten geprägt sein.

Führungskräfte mit Gespür und Einfühlungsvermögen

An dieser Stelle sei dann Randstad-CEO Richard Jager zitiert – wieder ein Gastbeitrag bei Claudia Tödtmann:

Denn die Zeiten, in denen möglichst viele Menschen gleichzeitig und eng an eng in einem großen Raum arbeiten, sind vorerst vorbei – wenn sie es nicht schon längst waren. Es stellt sich also die Frage, wie beispielsweise die oft ungeliebten Großraumbüros so umgestaltet werden, dass Arbeitssicherheit unter Corona-Gesichtspunkten gewährleistet ist.

Schichtpläne und Trainings für Führungskräfte, die sich mehr um Bedürfnisse der Mitarbeiter kümmern müssen, gehören zum neuen Büroalltag, so Randstad-CEO Richard Jager (Gastbeitrag) | Management-Blog

Neben der Umgestaltung der Büros und Arbeitszeiten angesichts von Corona fordert er richtigerweise eine gute Führungskultur:

Und es braucht Führungskräfte mit sozialem Gespür und Einfühlungsvermögen, die gezielt den Austausch mit ihren Mitarbeitern suchen. Ihre Aufgabe ist es, sich um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter stärker zu kümmern und ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem sie sich sicher und wertgeschätzt fühlen. Das ist das Gebot der Stunde.

Management-Blog

Meiner Ansicht nicht nur ein Gebot dieser Stunde, denn vergessen wir nicht, dass schon vor Corona 40 Prozent der Mitarbeiter weltweit sagten, sie litten unter arbeitsbedingtem Stress (Randstad Studie Sustainability@Work 2020).

Niemand will für einen Dinosaurier arbeiten – gestaltet ein neues Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodell

Nochmals: Ich warne vor einer Überhöhung des Büros ebenso wie vor dem Homeoffice als Allzweckarbeitplatz für jede und jenen. Lasst uns endlich differenziert an das Thema herangehen und die Chancen gestalten, für ein anderes Büro, das für Kreativität, produktive Meetings und sozialen Austausch steht, und für einen Heimarbeitsplatz, der vernünftig organisatorisch und technisch gestaltet, beispielsweise Zeit für konzentriertes Arbeiten schafft, und auch Familien und besonders Frauen mindestens gleichberechtigte Karrierechancen bietet.

Marcus K. Reif hat einen absoluten lesenswerten Beitrag geschrieben, der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Gewerkschaften, uns alle zum Nachdenken und Gestalten anregen sollte. Ein Kernsatz: Niemand will für einen Dinosaurier arbeiten! Und er formuliert es sehr plastisch:

Wie geht ein Unternehmen mit dem Bedürfnis eines Mitarbeiters um, der gerne und viel joggt und am Nachmittag um 14:00 Uhr seine beste Zeit läuft? Wie geht ein Unternehmen mit einem Mitarbeiter um, der gerne um 16:00 Uhr nach Hause fährt, um abends um 22:00 Uhr noch eine Stunde zu arbeiten? Wie ist die gängige Praxis der Präsenz im Büro? Wird die Arbeit von zum Beispiel zu Hause toleriert, akzeptiert und gewünscht? Akzeptieren die Unternehmen die gewünschte Flexibilität auf der einen Seite, deren Widerstreit mit z. B. dem Arbeitszeitschutzgesetz auf der anderen?

Work-Life-Balance ist ein Anachronismus. Welcome Flexibility | Marcus K. Reif

Was machen die at home?

Fast zum Abschluss und zur Erheiterung sei noch die Kolumne Business Class Trau keinem at home von Martin Suter empfohlen, denn welcher Chef weiß schon, was die lieber Mitarbeiter:innen so im Homeoffice treiben …

Was Decker am meisten beschäftigt am Homeoffice, ist die Frage: Was machen die at home? Sind die überhaupt at home? Kann man sich bei Leuten wie Klemm oder Hagemann, vor allem bei Hagemann, darauf verlassen, dass die at home sind?

Nein. Kann man definitiv nicht.

Martin Suters Business Class: Trau keinem at home

Ist da gar manchmal ein Stückchen Wahrheit … Nein, garantiert nicht.

Noch einige Tweets, die ich mir zum Re-Tweeten bzw. -Bloggen markiert hatte. Man möge mir die Auswahl verzeihen – oder auch nicht.


Hinweisen möchte ich noch auf unsere neue Webseite

https://homeofficekurator.wordpress.com,

auf der Prof. Peter M. Wald, Gunnar Sohn, Lars Basche und ich regelmäßig Beiträge und Referenzen zum Thema Homeoffice und Remote Work kuratieren. Rein schauen und kommentieren!

Und hier die Links zu meinen vorhergehenden Homeoffice-Allerleis (wobei ich ja schon lange Jahre vorher zum Thema geschrieben habe.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Digitalthemen der Woche bei #9vor9: Mit dem Gaia-x-Raketsche zum Mond und das LinkedIn Nadelöhr und Gunnis Live-Videos

9. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und es war heute mal wieder Zeit für #9vor9, die Digitalthemen der Woche. Unser Lars hatte das Thema fairer digitaler Wahlkampf und das entsprechende White Paper der Stiftung Neue Verantwortung auf der Pfanne. Ich konnte mich zugegebenermaßen dafür heute Morgen bei aller Dringlichkeit nicht dafür erwärmen. Irgendwie führt das Ge-Trump-ele auf Twitter in den USA bei mir unterdessen zu einer gewissen Ermüdung. Sollte es aber keinesfalls.

Und Gunnar hat die Social Bars vorgestellt, die es nun seit 10 Jahren gibt – und weiter geben soll. Dazu verweise ich gerne auf seine Aufnahme und das entsprechende Blog Posting zu Social Bars in Bonn.

Und meine Themen der Woche: Wie der Hesse sacht, mit dem Raketsche ab uf de Mond oder Gaia-x

Mondreise der Digitalpolitik, möglicher Gold-Standard für Cloud-Dienste, vollmundige Worte von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) anlässlich der Vorstellung des europäischen Dateninfrastrukturprojekts Gaia-x:

Mit GAIA-X gehen wir einen großen Zukunftsschritt in die Datenökonomie. Das Ziel ist ein digitales Ökosystem in Europa, das Innovationen und neue datengetriebene Dienste und Anwendungen hervorbringt. Wir laden alle europäischen und internationalen Partner, die unsere Leitprinzipen wie Offenheit und Transparenz, Vertrauen, Souveränität und Selbstbestimmtheit teilen, zur Mitarbeit ein.

BMWi – Deutschland und Frankreich Vorreiter beim ersten Schritt Europas in Richtung einer europäischen Dateninfrastruktur

Internationale Partner, beispielsweise aus China oder den USA, dürfen also demzufolge mit auf den Mond – solange sie sich an die europäischen Regeln halten. Knackig die Aussage von Elie Girard von Atos:

Wir haben den Kampf um die Daten der Verbraucher verloren. Die nächste Welle, die vor und nicht hinter uns liegt, sind die Unternehmensdaten.

Gaia-X: Deutschland und Frankreich stellen europäische Cloud vor | ZEIT ONLINE

Offensichtlich will man einen Fokus gerade auch in den Bereich Industrie 4.0 legen, um sich hier im internationalen Wettbewerb zu positionieren. Doch die Skepsis ist groß. So schreibt die Wirtschaftswoche:

Der Vorsprung der amerikanischen Cloud-Unternehmen ist nicht mehr aufzuholen. Jetzt will Europa sie zu hiesigen Standards für den Datenschutz verpflichten. Eine „Mondlandung für die Digitalisierung“ ist das aber nicht.

Gaia-X: Warum die europäische Cloud kein Höhenflug ist

Auch Markus Beckedahl nimmt auf netzpolitik.org natürlich kritisch Stellung zu Gaia-X und bei ihm schwingt natürlich das Misstrauen mit, dass US-Cloud-Anbieter ihren Behörden doch Zugriff auf Daten geben – auch wenn beispielsweise mein Arbeitgeber das offiziell ausschließt. Das Misstrauen bleibt:

Bei Gaia-X sind alle großen Namen dabei, von Deutsche Telekom bis Siemens. Das ist leider kein Garant für Erfolg und Qualität, denn gerade fällt mir kein technologisches Großprojekt ein, wo alle deutschen Großunternehmen kooperiert und erfolgreich eine neue Technologie entwickelt haben.

Gaia-X – Unter Mondlandung gehts nicht

Große Skepsis schwingt mit, doch immerhin könne man im Falle eines Scheiterns die entwickelten Sachen immerhin weiterverwenden, da diesmal alles mit Open Source und Open Standards gemacht werde.

Und wie sieht „die Wirtschaft“ das Ganze? Michael Kroker zitiert eine Umfrage, die Hewlett Packard Enterprise (HPE) in Auftrag gegeben hat. Über 2.000 Manager aus Frankreich und Italien, den treibenden Ländern hinter Gaisa-x, wurden befragt. In Deutschland sehen 85 Prozent der Befragten digitale Souveränität als sehr wichtig an, in Frankreich sind es nur 65 Prozent. Und wie viele der Führungskräfte kennen Gaia-x? Fast identische Werte, die bei nur 23 bis 22 Prozent herumdümpeln.

LinkedIn: Reichweite, Reichweite, wir wollen (organische) Reichweite

Und meines zweites Thema: Immer weniger organische Reichweite auf LinkedIn, da die immer mehr Inhalte in den individuellen Newsfeeds der Anwender ausgespielt werden und die User sich überfahren fühlen. Thomas Hutter hat hier einen lesenswerten Beitrag geschrieben. Die wachsende Zahl der Nutzer in Kombination mit einer dichteren Vernetzung und der Zunahme von Inhalten führe dazu, dass die organische Reichweite sinke. Déjá-vu also auf LinkedIn. Wir sehen das, was schon auf anderen Plattformen passiert ist, nun auf dem sozialen Netzwerk, das für B2B-Kontakte da sein will.

Thomas rechnet das dann auch sehr plastisch vor, wie viele Beiträge man denn durchschnittlich bei welchem Vernetzungsgrad sieht. Ich nehme mal das Beispiel mit 1.000 Netzwerkontakten:

Mitglied Y ist mit 1’000 Personen auf LinkedIn verbunden.

40 % der mit Mitglied Y verbundenen Personen publizieren pro Tag einen Link oder ein Bild oder ein Video oder interagieren mit einem Beitrag aus dem Netzwerk.

20 % der mit Mitglied Y verbundenen Personen publizieren pro Tag zwei Linkbeiträge oder zwei Bilder oder zwei Videos oder interagieren mit zwei Beiträgen aus dem Netzwerk.

10 % der mit Mitglied Y verbundenen Personen publizieren pro drei Linkbeiträge oder drei Bilder oder drei Videos oder interagieren mit drei Beiträgen aus dem Netzwerk.

5 % der mit Mitglied Y verbundenen Personen sind sehr aktiv auf LinkedIn und publizieren pro Tag 10 Linkbeiträge oder 10 Bilder oder 10 Videos oder interagieren mit 10 Beiträgen aus dem Netzwerk.

Mitglied Y könnte somit 1’600 Beiträge pro Tag sehen.

LinkedIn: Warum Du immer weniger und vielleicht schon bald keine organische Reichweite erhalten wirst

1.600 Beiträge am Tag. Ich selbst liege bei 2.000 Kontakten. Da kann man sich ausrechnen, was passiert. Man ist gar nicht mehr in der Lage, die Inhalte zu konsumieren und muss eigentlich radikal selektieren. Und dafür – so auch die Beobachtungen von Gunnar und Lars – ist LinkedIn derzeit nicht wirklich geeignet. Und ob der von Thomas zitierte Algorithmus nun wirklich die Inhalte sinnvoll auf meine Interessen zuschneidet, da habe ich so meine Zweifel. Newsfeeds nerven unterdessen in aller Regel, wie ich schon vor des öfteren im Blog beklagt habe. Und LinkedIn ist da keine Ausnahme

Bewusste Teilnahme statt Newsfeed-SPAM: IBM Livestudio Magazin steigt auf LinkedIn private Events um

Und auch wir #9vor9’ler sind da schuldig. Gunnar hat verganngene Woche ja fast stündlich seine Live-Formate gestreamt. Wir – Lars, das Team und ich – senden jeden Dienstag um 11 Uhr das IBM Livestudio Magazin. Die Beispiele lassen sich fortführen. Hinzu kommt noch, dass bei LinkedIn Live, des Livestreaming-Videoformats, und LinkedIn Events, des Video-Eventformats, das Targeting ganz offensichtlich nicht sauber funktioniert. Was meine ich damit? Das deutschsprachige Livestudio Magazin wollen wir nur an die deutschsprachigen Follower der weltweiten IBM Unternehmensseite ausspielen. Genau das funktionierte mit LinkedIn Live nicht sauber, so dass wir einmal die weltweiten Follower „zuge-spam-t“ haben.

Deshalb sind wir nun auf LinkedIn Events und dort auf private Events umgestiegen und werden heute erstmals darüber senden. Warum? Über öffentliche Events von LinkedIn Events würden wir wieder die ganze Welt „stören“, statt nur die angedachte Zielgruppe anzusprechen. An einem öffentlichen LinkedIn Event kann jeder, der die URL hat, teilnehmen. Das Event ist über die LinkedIn Suche auffindbar und niemand genehmigt eine Teilnahme. und darauf, dass sich eine Livestudio Magazin Communiyt bildet. Unser Event ist dabei nicht als ein „One-off“ am heutigen Dienstag definiert, sondern über ein Zeitraum bis Ende des Jahres, so dass alle registrierten Teilnehmer über die bekannte URL jeden Dienstag das Livestudio Magazin sehen werden. Mal schauen, ob das Format so funktionieren wird. Ich werde hier weiter berichten.

Und natürlich bleibt auch in unserem Setup die Formel wahr, die Thomas Hutter am Ende seines Beitrags zusammenfasst:

Die Erfolgsformel bleibt in der Regel identisch. Beiträge die a) relevant sind, b) Aufmerksamkeit generieren, auffallen und ins Auge stechen c) zur Interaktion anregen und d) Mitglieder zeitlich binden, erhalten in den meisten Fällen die besten Resultate.

LinkedIn: Warum Du immer weniger und vielleicht schon bald keine organische Reichweite erhalten wirst

Livestreaming und Long Tail beim IBM Livestudio Magazin

Wichtig ist natürlich, dass nicht nur die Liveaussendung des Magazins und der anderen Sendungen wichtig ist. Die größere Reichweite erreichen wir im „Long tail“, das heisst viele Zuschauerinnen und Zuschauer schauen sich das Magazin oder die einzelnen Beiträge später auf YouTube, auf unserer Webseite oder auf Landing Pages der IBM an. Doch bleibt die Livesendung ein wichtiger Start, denn darüber versuchen wir authentisch mit immer mehr Livebestandteilen zu kommunizieren.

(Stefan Pfeiffer)

Homeoffice-Allerlei: Küchentisch und Betretungsrecht, E-Bike statt E-Klasse, das „branded Homeoffice“ und der neue Homeoffice-Kurator

2. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Mein erstes Homeoffice-Allerei hat zu vielen, kontroversen Kommentaren. Der Gewerkschafter, der für die Rechte Arbeitnehmer eintritt und vernünftige Regelungen zum Erhalt von Arbeitsplätzen sucht, fühlte sich wahrscheinlich zu Recht angegriffen, wenn ich von alten Grabenkämpfen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern schreibe, statt neue konstruktive Lösungen zu finden. Doch genau dazu gab es auch viel Zustimmung. Und natürlich geht die Diskussion weiter und ich werde sie weiter aufmerksam begleiten und auch aus meiner Sicht kommentieren.

Das Homeoffice-Kuratorium und seine neue Webseite https://homeofficekurator.wordpress.com

Ich hatte ja auch begonnen, neben meiner „Presseschau“ auch Leitfäden, Tipps & Tricks zu Homeoffice und Remote Work zu sammeln. Jetzt wollen wir das auf eine breitere Basis stellen. Peter M. Wald, seines Zeichens Professor für Personalmanagement an der Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, und mein Weggefährte und Co-Moderator bei #9vor9 Gunnar Sohn haben uns entschlossen, aus unserer Sicht lesenswerte Beiträge zum Thema Homeoffice an einer zentralen Stelle zu sammeln und zu kuratieren. Deshalb haben wir einen entsprechenden Blog unter Homeofficekurator.wordpress.com aufgesetzt, den wir heute öffentlich machen.

Die Idee für eine solche geht auf Peter M. Wald zurück, der eben nach meinem Homeoffice-Allerlei auf mich zugekommen ist und Gunnar war natürlich auch sofort dabei. Und wenn Ihr entsprechende Beiträge, Hinweise auf Studien oder White Papers habt, werden wir diese gerne auch – nach einem redaktionellen Quercheck durch das Homeoffice-Kuratorium – dort publizieren. Wir freuen uns auf eine aktive Diskussion und Beteiligung!

Fluchtburg Küchentisch und das jederzeitige Betretungsrecht des Home Offices

Und hier einige Beiträge, die mir zum Thema in den vergangenen Tagen aufgefallen sind. Claudia Tödtmann hat in ihrem Management-Blog das Thema unter der knackigen Überschrift Home Office: Die Fluchtburg Küchentisch und die unbändige Sehnsucht nach dem Büro erneut aufgegriffen. Sie beschreibt eloquent, was man im Homeoffice alles so erleiden kann, vom fehlenden Arbeitsplatz über Störungen durch Paketboten, Familie und Haustiere bis zu einer unzureichenden Arbeitsplatzausstattung und Rückenschmerzen wegen des schlechten Bürostuhls. Also nichts, wie zurück ins Büro?

Und sie beleuchtet auch die Arbeitgeberseite: Die Angst vor dem Kontrollverlust sei hier und da der Freude über mehr Leistung und der Heimarbeitenden und der Vorstellung gewichen, teure Büromieten gerade auch in den Ballungszentren einsparen zu können. Doch was ist mit der Arbeitsplatzausstattung und einer Erstattung der Miete, die für den Homeoffice-Platz anfällt? Das kann ja durchaus auch teuer werden.

Und – ganz wichtig – der Heimarbeiter muss im Gegenzug seiner Firma vertraglich ein jederzeitiges Betretungsrecht seines Home Offices einräumen. Damit er und der Arbeitsschutz nach dem Rechten schauen kommen kann, ob die Arbeitssituation stimmt. Ganz so ergonomisch korrekt wie im Büro.

Home Office: Die Fluchtburg Küchentisch und die unbändige Sehnsucht nach dem Büro | Management-Blog

Da schließt sich wieder die Lücke zu meiner ersten Folge des #Homeoffice Allerleis: Wenn der Arbeitsstättenprüfer dreimal klingelt … Tödtmann beleuchtet noch weitere Aspekte von Arbeitszeitbetrug bis zur Arbeitszeitüberwachung und Recherche durch Detektive und wenn ich das lese, schwant mir Böses. Die Gefahr, dass die Controlettis und Bürokraten zuschlagen, ist einfach zu groß. Und es schließt sich die Lücke zu meiner Forderung, konstruktiv und pragmatisch an das Thema heran zu gehen und nicht wieder alles durch Vorurteile und Vorschriften zu Tode zu regulieren. Leute, lasst die Kirche im Dorf. Hoffentlich.

5 Trends nach Corona: E-Bike statt E-Klasse

Das Handelsblatt hat in einem Beitrag fünf durch die Corona-Krise transportierte oder beschleunigte Trends identifiziert, die die Unternehmenswelt langfristig prägen könnten. Darunter sind wichtige Punkte wie eine Benachteiligung der weiblichen Arbeitnehmer in und durch die Corona-Krise. Sie übernehmen dann doch wieder mehr Lasten in Erziehung und ähnlichen Aufgaben. Da wundert es dann auch nicht, wenn – siehe die Hessen-Umfrage im vorhergehenden Homeoffice-Allerlei – wenn sie eher ins Büro zurück wollen. Es besteht Handlungsbedarf.

Dann kommen natürlich Themen, die gerade en vogue sind: Mehr Vertrauen statt Kontrolle, agile Organisationsformen, eine möglicherweise geringere Bindung der Arbeitnehmer an Unternehmen, wenn sie remote arbeiten, oder die Gewinnung von Talenten durch attraktive Arbeitsplatz und -zeitmodelle. Und dann noch eine Formulierung, die ich als langjähriger Firmenwagenfahrer zitieren muss:

E-Bike statt E-Klasse, Videokonferenz statt Flugzeug, „Green Hero“ statt „General Manager“ – die Öko-Ideen der Firmen werden ein immer wichtigeres Marketingmittel bei der Personalsuche und helfen, gerade jüngere Beschäftigte zu gewinnen und zu motivieren.

Nach Corona: 5 Trends, die die Arbeitswelt verändern

Mal schauen und zu hoffen, dass es grüner wird und einige Einstellungen sich ändern. Und ich bekenne mich lange Zeit als Firmenwagen-haben-wollen-schuldig, aber auch bei mir hat sich diese Einstellung unterdessen geändert.

Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle

Ausdrücklich empfehlen möchte ich den Beitrag von Markus K. Reif. Schon die Überschrift knallt rein: Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace, willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle. Er nimmt unter anderem die gängigen Großraumbüros auseinander und fordert den gesunden Mix ein:

Herausgekommen ist ein Element des Großraumbüros, wo die meisten mit Kopfhörern in den Ohren still vor sich hinarbeiten. Zur Kommunikation geht man woanders hin, um die anderen nicht zu stören. …

Eine Mischung aus punktueller Arbeit von zu Hause, denn konzentriertes Arbeiten ist wichtig und steigt in der Bedeutung. Für den kommunikativen Austausch und zur Interaktion mit den Kollegen wird punktuelles Arbeiten im Büro elementar sein.

Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace, willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle | Marcus K. Reif

Arbeitsplatz, Arbeitszeiten, Führung sollten sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Doch wir alle müssen es eben konstruktiv anpacken und gestalten.

Ende des Großraums und „branded Homeoffice“?

Dass sich die Büros ändern werden, das hatten wir schon hier erwähnt. In vielen Unternehmen werden derzeit wahrscheinlich die Abstände zwischen den Schreibtischen vergrößert, Gehwege „verpfeilt“ oder auch Plexiglasscheiben angebracht.

Von dort ist es, könnte man denken, nicht mehr weit zu den Office Cubicles der 60er Jahre – Massenangestelltenhaltung in hygienisch abgeschirmten Boxen.

Arbeitswelt nach Corona: Das Ende des Großraums – DER SPIEGEL

Insbesondere das Großraumbüro, wie wir es heute kennen, kann es so erst einmal in der nahen Zukunft nicht wieder geben. Der Spiegel titelt gar das Ende des Großraums herbei. Ich muss jetzt genau an die offenen Bürokonzepte, an Kreativflächen denken, an Coworking Spaces, wir ich sie ja auch auf Messen als Demo auf dem IBM Stand auf der Cebit 2017 oder beim IBM HR Festival auf der republica mit Design Offices umgesetzt habe, Arbeitsflächen und kreative Konzepte zur Zusammenarbeit, die auch mich wieder für das Büro begeistern konnten. Stattdessen werden wir wohl eher „abgeschlossenere Einheiten erleben“, so Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation laut Spiegel.

Und Homeoffices, die Heimarbeitsplätze könnten, sollten nun Teil des Corporate Designs werden (sollten), so wird der Leiter einer Hamburger Designbüros zitiert.

Es könne … in Zukunft zum Employer Branding gehören, je nach Hierarchiestufe eine entsprechende Ausstattung für das Homeoffice anzubieten – ein Package, das der Arbeitnehmer sich selbst zusammenstellen kann und das seinen Arbeitgeber bei Videocalls angemessen repräsentiert.

Arbeitswelt nach Corona: Das Ende des Großraums – DER SPIEGEL

Bei notwendigen Investitionen von 2.000 bis 4.000 Euro entstehe ein „gigantischer Markt für das ‚branded Homeoffice'“. Ach ja, Ausstattung je nach Hierarchiestufe, der Bürostuhl mit und ohne Lehne, der größere und der kleinere Schreibtisch …

Zur Wahrheit gehört eben aber auch, dass eben nicht jede:r überhaupt die räumlichen Gegebenheiten für eine solche Gestaltung hat. Selbst der CEO der SAP, Christian Klein, bemerkt, dass sein Homeoffice zu klein sei (nur 10 Quadratmeter). Und bevor wir uns um Branding Gedanken machen. sollten wir zuerst über eine vernünftige Ausstattung (Stuhl, Tisch, Breitband, Rechner) nachdenken, finde ich. Danach können wir es dann schön machen (wobei nicht jeder Corporate Branding als schön empfinden muss).

Zurück zu den räumlichen Gegebenheiten, die eben manche:r Arbeitnehmer:in eben in den eigenen vier Wänden nicht hat. Ich denke schon, dass sich jetzt schon einige mehr Gedanken machen werden, wie denn die eigene Wohnung angesichts von möglicher Heimarbeit aussehen sollte. Und natürlich werden die Diskussionen über potentielle Zuschüsse für den Heimarbeitsplatz weiter geführt werden (müssen).

Fraunhofer-Umfrage zur Arbeit Zuhause

Wer übrigens seinen derzeitigen Stand und sein künftigen Wünsche dokumentieren will, der kann (und sollte) an der Umfrage »Wie gut funktioniert die Arbeit von Zuhause?« von Fraunhofer IAO teilnehmen. Am Ende sieht man dann auch, wie man im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmern steht. Ich fühle mich im Homeoffice wohl, hab es ja aber auch schon vor Corona getan und habe vor allem auch hervorragende Arbeitsbedingungen, was eben nicht jeder so hat. Mir fehlen lediglich die gemeinsamen Kreativsessions und der Kaffee oder die Kantine zusammen mit Kollegen:innen.

An dieser Stelle sei auch auf den Beitrag des schon zitierten Stefan Rief von Fraunhofer IAO verwiesen, der eine neue Epoche für das Büro verkündet. Man werde – so die Thesen- beispielsweise jede Fahrt ins Büro überdenken, Geschäftsreisen würden abnehmen und viele Arbeitsplätze würden aufs Land umziehen. Natürlich – so die Ausführungen – ändert sich auch das Büro und hoffentlich kommt es wirklich so, dass „Inspirational Offices in Form von Coworking Spaces, Serviced Offices oder Corporate Office entstehen“, denn darin habe ich zumindest immer den Mehrwert eines Besuchs im Büro gesehen (siehe oben meine Bemerkung zu Design Offices).

So, genug Homeoffice-Allerlei für diesen Beitrag. Und es bleiben noch viele, viele Informationen aufzuarbeiten, hier im Blog und natürlich auf dem neuen https://homeofficekurator.wordpress.com.

(Stefan Pfeiffer)

Homeoffice-Allerlei: Küchentisch und Betretungsrecht, E-Bike statt E-Klasse, das „branded Homeoffice“ und der neue Homeoffice-Kurator

2. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Mein erstes Homeoffice-Allerei hat zu vielen, kontroversen Kommentaren. Der Gewerkschafter, der für die Rechte Arbeitnehmer eintritt und vernünftige Regelungen zum Erhalt von Arbeitsplätzen sucht, fühlte sich wahrscheinlich zu Recht angegriffen, wenn ich von alten Grabenkämpfen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern schreibe, statt neue konstruktive Lösungen zu finden. Doch genau dazu gab es auch viel Zustimmung. Und natürlich geht die Diskussion weiter und ich werde sie weiter aufmerksam begleiten und auch aus meiner Sicht kommentieren.

Das Homeoffice-Kuratorium und seine neue Webseite https://homeofficekurator.wordpress.com

Ich hatte ja auch begonnen, neben meiner „Presseschau“ auch Leitfäden, Tipps & Tricks zu Homeoffice und Remote Work zu sammeln. Jetzt wollen wir das auf eine breitere Basis stellen. Peter M. Wald, seines Zeichens Professor für Personalmanagement an der Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, und mein Weggefährte und Co-Moderator bei #9vor9 Gunnar Sohn haben uns entschlossen, aus unserer Sicht lesenswerte Beiträge zum Thema Homeoffice an einer zentralen Stelle zu sammeln und zu kuratieren. Deshalb haben wir einen entsprechenden Blog unter Homeofficekurator.wordpress.com aufgesetzt, den wir heute öffentlich machen.

Die Idee für eine solche geht auf Peter M. Wald zurück, der eben nach meinem Homeoffice-Allerlei auf mich zugekommen ist und Gunnar war natürlich auch sofort dabei. Und wenn Ihr entsprechende Beiträge, Hinweise auf Studien oder White Papers habt, werden wir diese gerne auch – nach einem redaktionellen Quercheck durch das Homeoffice-Kuratorium – dort publizieren. Wir freuen uns auf eine aktive Diskussion und Beteiligung!

Fluchtburg Küchentisch und das jederzeitige Betretungsrecht des Home Offices

Und hier einige Beiträge, die mir zum Thema in den vergangenen Tagen aufgefallen sind. Claudia Tödtmann hat in ihrem Management-Blog das Thema unter der knackigen Überschrift Home Office: Die Fluchtburg Küchentisch und die unbändige Sehnsucht nach dem Büro erneut aufgegriffen. Sie beschreibt eloquent, was man im Homeoffice alles so erleiden kann, vom fehlenden Arbeitsplatz über Störungen durch Paketboten, Familie und Haustiere bis zu einer unzureichenden Arbeitsplatzausstattung und Rückenschmerzen wegen des schlechten Bürostuhls. Also nichts, wie zurück ins Büro?

Und sie beleuchtet auch die Arbeitgeberseite: Die Angst vor dem Kontrollverlust sei hier und da der Freude über mehr Leistung und der Heimarbeitenden und der Vorstellung gewichen, teure Büromieten gerade auch in den Ballungszentren einsparen zu können. Doch was ist mit der Arbeitsplatzausstattung und einer Erstattung der Miete, die für den Homeoffice-Platz anfällt? Das kann ja durchaus auch teuer werden.

Und – ganz wichtig – der Heimarbeiter muss im Gegenzug seiner Firma vertraglich ein jederzeitiges Betretungsrecht seines Home Offices einräumen. Damit er und der Arbeitsschutz nach dem Rechten schauen kommen kann, ob die Arbeitssituation stimmt. Ganz so ergonomisch korrekt wie im Büro.

Home Office: Die Fluchtburg Küchentisch und die unbändige Sehnsucht nach dem Büro | Management-Blog

Da schließt sich wieder die Lücke zu meiner ersten Folge des #Homeoffice Allerleis: Wenn der Arbeitsstättenprüfer dreimal klingelt … Tödtmann beleuchtet noch weitere Aspekte von Arbeitszeitbetrug bis zur Arbeitszeitüberwachung und Recherche durch Detektive und wenn ich das lese, schwant mir Böses. Die Gefahr, dass die Controlettis und Bürokraten zuschlagen, ist einfach zu groß. Und es schließt sich die Lücke zu meiner Forderung, konstruktiv und pragmatisch an das Thema heran zu gehen und nicht wieder alles durch Vorurteile und Vorschriften zu Tode zu regulieren. Leute, lasst die Kirche im Dorf. Hoffentlich.

5 Trends nach Corona: E-Bike statt E-Klasse

Das Handelsblatt hat in einem Beitrag fünf durch die Corona-Krise transportierte oder beschleunigte Trends identifiziert, die die Unternehmenswelt langfristig prägen könnten. Darunter sind wichtige Punkte wie eine Benachteiligung der weiblichen Arbeitnehmer in und durch die Corona-Krise. Sie übernehmen dann doch wieder mehr Lasten in Erziehung und ähnlichen Aufgaben. Da wundert es dann auch nicht, wenn – siehe die Hessen-Umfrage im vorhergehenden Homeoffice-Allerlei – wenn sie eher ins Büro zurück wollen. Es besteht Handlungsbedarf.

Dann kommen natürlich Themen, die gerade en vogue sind: Mehr Vertrauen statt Kontrolle, agile Organisationsformen, eine möglicherweise geringere Bindung der Arbeitnehmer an Unternehmen, wenn sie remote arbeiten, oder die Gewinnung von Talenten durch attraktive Arbeitsplatz und -zeitmodelle. Und dann noch eine Formulierung, die ich als langjähriger Firmenwagenfahrer zitieren muss:

E-Bike statt E-Klasse, Videokonferenz statt Flugzeug, „Green Hero“ statt „General Manager“ – die Öko-Ideen der Firmen werden ein immer wichtigeres Marketingmittel bei der Personalsuche und helfen, gerade jüngere Beschäftigte zu gewinnen und zu motivieren.

Nach Corona: 5 Trends, die die Arbeitswelt verändern

Mal schauen und zu hoffen, dass es grüner wird und einige Einstellungen sich ändern. Und ich bekenne mich lange Zeit als Firmenwagen-haben-wollen-schuldig, aber auch bei mir hat sich diese Einstellung unterdessen geändert.

Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle

Ausdrücklich empfehlen möchte ich den Beitrag von Markus K. Reif. Schon die Überschrift knallt rein: Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace, willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle. Er nimmt unter anderem die gängigen Großraumbüros auseinander und fordert den gesunden Mix ein:

Herausgekommen ist ein Element des Großraumbüros, wo die meisten mit Kopfhörern in den Ohren still vor sich hinarbeiten. Zur Kommunikation geht man woanders hin, um die anderen nicht zu stören. …

Eine Mischung aus punktueller Arbeit von zu Hause, denn konzentriertes Arbeiten ist wichtig und steigt in der Bedeutung. Für den kommunikativen Austausch und zur Interaktion mit den Kollegen wird punktuelles Arbeiten im Büro elementar sein.

Arbeitswelt nach Corona: Schluss mit Openspace, willkommen Smartoffice, Vertrauensarbeit und superflexible Arbeitsmodelle | Marcus K. Reif

Arbeitsplatz, Arbeitszeiten, Führung sollten sich den neuen Gegebenheiten anpassen. Doch wir alle müssen es eben konstruktiv anpacken und gestalten.

Ende des Großraums und „branded Homeoffice“?

Dass sich die Büros ändern werden, das hatten wir schon hier erwähnt. In vielen Unternehmen werden derzeit wahrscheinlich die Abstände zwischen den Schreibtischen vergrößert, Gehwege „verpfeilt“ oder auch Plexiglasscheiben angebracht.

Von dort ist es, könnte man denken, nicht mehr weit zu den Office Cubicles der 60er Jahre – Massenangestelltenhaltung in hygienisch abgeschirmten Boxen.

Arbeitswelt nach Corona: Das Ende des Großraums – DER SPIEGEL

Insbesondere das Großraumbüro, wie wir es heute kennen, kann es so erst einmal in der nahen Zukunft nicht wieder geben. Der Spiegel titelt gar das Ende des Großraums herbei. Ich muss jetzt genau an die offenen Bürokonzepte, an Kreativflächen denken, an Coworking Spaces, wir ich sie ja auch auf Messen als Demo auf dem IBM Stand auf der Cebit 2017 oder beim IBM HR Festival auf der republica mit Design Offices umgesetzt habe, Arbeitsflächen und kreative Konzepte zur Zusammenarbeit, die auch mich wieder für das Büro begeistern konnten. Stattdessen werden wir wohl eher „abgeschlossenere Einheiten erleben“, so Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation laut Spiegel.

Und Homeoffices, die Heimarbeitsplätze könnten, sollten nun Teil des Corporate Designs werden (sollten), so wird der Leiter einer Hamburger Designbüros zitiert.

Es könne … in Zukunft zum Employer Branding gehören, je nach Hierarchiestufe eine entsprechende Ausstattung für das Homeoffice anzubieten – ein Package, das der Arbeitnehmer sich selbst zusammenstellen kann und das seinen Arbeitgeber bei Videocalls angemessen repräsentiert.

Arbeitswelt nach Corona: Das Ende des Großraums – DER SPIEGEL

Bei notwendigen Investitionen von 2.000 bis 4.000 Euro entstehe ein „gigantischer Markt für das ‚branded Homeoffice'“. Ach ja, Ausstattung je nach Hierarchiestufe, der Bürostuhl mit und ohne Lehne, der größere und der kleinere Schreibtisch …

Zur Wahrheit gehört eben aber auch, dass eben nicht jede:r überhaupt die räumlichen Gegebenheiten für eine solche Gestaltung hat. Selbst der CEO der SAP, Christian Klein, bemerkt, dass sein Homeoffice zu klein sei (nur 10 Quadratmeter). Und bevor wir uns um Branding Gedanken machen. sollten wir zuerst über eine vernünftige Ausstattung (Stuhl, Tisch, Breitband, Rechner) nachdenken, finde ich. Danach können wir es dann schön machen (wobei nicht jeder Corporate Branding als schön empfinden muss).

Zurück zu den räumlichen Gegebenheiten, die eben manche:r Arbeitnehmer:in eben in den eigenen vier Wänden nicht hat. Ich denke schon, dass sich jetzt schon einige mehr Gedanken machen werden, wie denn die eigene Wohnung angesichts von möglicher Heimarbeit aussehen sollte. Und natürlich werden die Diskussionen über potentielle Zuschüsse für den Heimarbeitsplatz weiter geführt werden (müssen).

Fraunhofer-Umfrage zur Arbeit Zuhause

Wer übrigens seinen derzeitigen Stand und sein künftigen Wünsche dokumentieren will, der kann (und sollte) an der Umfrage »Wie gut funktioniert die Arbeit von Zuhause?« von Fraunhofer IAO teilnehmen. Am Ende sieht man dann auch, wie man im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmern steht. Ich fühle mich im Homeoffice wohl, hab es ja aber auch schon vor Corona getan und habe vor allem auch hervorragende Arbeitsbedingungen, was eben nicht jeder so hat. Mir fehlen lediglich die gemeinsamen Kreativsessions und der Kaffee oder die Kantine zusammen mit Kollegen:innen.

An dieser Stelle sei auch auf den Beitrag des schon zitierten Stefan Rief von Fraunhofer IAO verwiesen, der eine neue Epoche für das Büro verkündet. Man werde – so die Thesen- beispielsweise jede Fahrt ins Büro überdenken, Geschäftsreisen würden abnehmen und viele Arbeitsplätze würden aufs Land umziehen. Natürlich – so die Ausführungen – ändert sich auch das Büro und hoffentlich kommt es wirklich so, dass „Inspirational Offices in Form von Coworking Spaces, Serviced Offices oder Corporate Office entstehen“, denn darin habe ich zumindest immer den Mehrwert eines Besuchs im Büro gesehen (siehe oben meine Bemerkung zu Design Offices).

So, genug Homeoffice-Allerlei für diesen Beitrag. Und es bleiben noch viele, viele Informationen aufzuarbeiten, hier im Blog und natürlich auf dem neuen https://homeofficekurator.wordpress.com.

(Stefan Pfeiffer)

Lesezeichen: „Deutsche Online-Händler kennen keine Werbe-Alternative zu Amazon“, aber jetzt kommt Facebook Shops!

29. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein schnelles Lesezeichen. Passt zu unserer Diskussion bei 9vor9 zur Chance, ja unserem Wunsch nach lokalen Plattformen, über die auch der Einzelhandel, werden und vertreiben könnte. Und passt zur Ankündigung von Facebooks Shops. Wir das eine Alternative und ernsthafte Konkurrenz zu Amazon? Für große Werbetreibende? Oder wird das eher eine Plattform für den lokalen Einzelhandel. Viele potentielle Kunden sind ja „anwesend“ auf Facebook.

Ein Viertel der deutschen Werber investiere 40 Prozent seiner Budgets für Werbung in Online-Shops nur bei einem einzigen Händler, nämlich Amazon. Zu diesem Ergebnis kommt die Criteo-Studie „State of Retail Media: Potenziale und Hürden im deutschen Markt“.

Criteo-Studie zu Retail Media: Deutsche Online-Händler kennen keine Werbe-Alternative zu Amazon

Laut Bericht auf Horizont geben demnach vier von zehn Marken ihre Budgets 2020 nur bei einem einzigen Shop aus. Ihnen würden attraktive Alternativen fehlen. Wer die Criteo-Studie hier herunterladen will, darf natürlich gleich seine Kontaktdaten hinterlassen.

Zu Facebook Shops zitiert Zeit Online Mark Zuckerberg. Demnach soll es vor allem lokalen, kleinen Händlern helfen, gerade in Covid-19-Zeiten, so der Gutmensch Zuckerberg:

Es ist etwas, woran ich schon länger interessiert war, aber als Covid-19 kam, wurde es wirklich kritisch und dringend.

Onlinehandel: Facebook baut Plattform für Onlineshopping auf | ZEIT ONLINE

Es bleibt spanned: Teufel oder Beelzebub, wo sind die lokalen oder besser europäischen Alternativen, lieber Gunnar und lieber Lars?

#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche: Stellenanzeigen als Konjunkturbarometer, Homeoffice, SAP, neuen Jobs im Marketing … und „Alt werden mit Gunni und Larsilein“

26. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und wir waren heute auch mit #9vor9, den Digitalthemen der Woche, erstmals live im Stream auf LinkedIn.

Unsere Themen heute in Stichpunkten:

Vor allem aber unsere Pläne zur inhaltlichen Weiterentwicklung von #9vor9 zu „Alt werden mit Gunnar, Lars und Stefan“:

„Was ist das digitale Vermächtnis der Corona-Krise?“ fragt der Bitkom und fordert Digitalpakt

25. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Wie kommen wir wirtschaftlich aus der Corona-Krise heraus? Diese Frage tritt neben der Eindämmung der Pandemie immer mehr in den Vordergrund. Der Digitalverband Bitkom hat Anfang Mai einen Digitalpakt Deutschland vorgeschlagen, „der konjunkturelle Maßnahmen mit einer echten Transformationsagenda“ verknüpfen soll. „Was haben wir in der Krise gelernt, was ist das digitale Vermächtnis der Corona-Krise,“ fragt der Bitkom und schlägt einen (kurzfristig) 15 Milliarden schweren Maßnahmenkatalog vor.

So soll – das muss ich angesichts der aktuellen Diskussion vorn an stellen – einen einmaligen Homeoffice-Bonus vor:

In der Krise haben Homeoffice und mobiles Arbeiten vielen Organisationen sehr geholfen. Damit die Arbeitsbedingungen im Homeoffice wirklich zum Bedarf passen, sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für das Jahr 2020 einen einmaligen Steuerbonus für die Anschaffung von ITK-Infrastruktur erhalten.

Digitalpakt Deutschland | Bitkom e.V.

Daneben soll unter dem Motto Modernisierungsprämie statt Abwrackprämie ein Digitalgutschein Anreize für Unternehmen schaffen, „neue Technologien gezielt in der Praxis auszurollen oder alte, analoge Prozesse zu ersetzen“. Auch – und richtigerweise – werden auch eine Verwaltungsmodernisierung, Schultransformation und ein Ausbau der Infrastruktur gefordert. Doch Breitband an jeder Milchkanne?

Ziel der Konzertierten Aktion zur Verwaltungsmodernisierung ist deshalb, dass alle staatlichen Leistungen künftig schnell digital beantragt werden können – ohne jeglichen Medienbruch.

Digitalpakt Deutschland | Bitkom e.V.

Klar, der Bitkom ist der Interessenverband für 2.700 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Doch das muss ja nicht heißen, dass einige der vorgeschlagenen Maßnahmen nicht sinnvoll sein können.

Achim Berg, der Präsident des Bitkom, hat sich im The Pioneer Tech Briefing gegenüber Dr. Robin Tech, dem Gründer der Market Intelligence Software Delphai, auch zur Bedeutung von Covid-19 als möglichem Wendepunkt der Digitalisierung in Deutschland geäußert:

COVID-19 ist eine Tragödie, hat aber ein Brennglas auf den Stand der Digitalisierung gelegt. Wir werden in wenigen Jahr auf 2020 zurückschauen und sagen: Das Jahr war der digitale Wendepunkt. Wir haben uns wieder digitale Souveränität erarbeitet. Die deutsche Wirtschaft hat sich aus dem unteren Mittelfeld befreit und den Anschluss an andere Länder geholt.”

Tech Briefing: Achim Berg, ist COVID-19 wirklich ein Digitalisierungs-Katalysator für die Wirtschaft

Schauen wir mal, ob nach vorne gerichtet digitalisiert wird oder bestehende Strukturen mit Abwrackrpämien zementiert werden. Das Papier zum Digitalpakt kann hier heruntergeladen werden. Thema für #9vor9? Mal schauen.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Homeoffice-Allerlei: Leere Bürotürme, nur Weicheier bleiben daheim und wenn der Arbeitsstättenprüfer dreimal klingelt

24. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Homeoffice bleibt. Hoffe ich persönlich. Und die Diskussion rund um Homeoffice geht unter verschiedensten Aspekten kontrovers weiter. Deshalb einige ausgewählte, kuratierte Auszüge. Wahrscheinlich jetzt in losem Abstand öfters. Die Einen fordern finanzielle Unterstützung für das Homeoffice, die anderen warnen vor Großraumbüros und die anderen beschäftigen sich mit Grabenkämpfe von vorgestern.

Homeoffice-Zuschuss und Büromieten in Hochhäusern einsparen

Einen einmaligen Homeoffice-Bonus für 2020, damit sich Arbeitnehmer entsprechend daheim ausstatten können, fordert der Bitkom, der deutsche Digitalverband, als Bestandteil des Digitalpakts. Der Verband geht noch weiter. Ab 2021 der Werbungskostenabzug für die Homeoffice-Infrastruktur vereinfacht werden:

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mindestens einen Tag pro Woche im Homeoffice arbeiten, sollten die Ausgaben für die ITK-Ausstattung eines häuslichen Arbeitsplatzes bis zu 1.250 Euro pro Jahr pauschal als Werbungskosten geltend machen können. Zudem tragen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, zur Entlastung des Pendelverkehrs bei und schonen so die Umwelt. Für Homeoffice-Tage und mobiles Arbeiten sollten sie daher 50 Prozent der Pendlerpauschale geltend machen können.

Bitkom – Digitalpakt Deutschland

Und die FAZ macht darauf aufmerksam, dass auch die Büros nicht mehr die gleichen sein werden, wenn man in diese zurückkehrt, denn auch hier gilt Abstand halten – und einiges mehr:

… das Wort vom Chef gilt: Rechtlich betrachtet bestimmt der Arbeitgeber, wo gearbeitet wird.

Vorausgesetzt, er kann einen sicheren Arbeitsplatz bieten – und das ist in Zeiten der Corona-Pandemie nirgendwo einfach. Die Pflicht zu Abstand und noch mehr Hygiene verändert gewohnte Sitzordnungen, Wege durch Bürotürme, die Verpflegung der Mitarbeiter, das Zutrittsrecht zur Kaffeeküche. … Nur wenn der Arbeitgeber nachweislich alle Auflagen erfüllt, um das Infektionsrisiko für seine Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, müssen die Angestellten ins Büro.

Corona in Rhein-Main: Unternehmen vor Ende des Home Office – FAZ

Da fällt mir unwillkürlich der Artikel von Claudia Tödtmann ein, die zwei Lesehinweise gibt:

Eine Untersuchung in Seoul hat gezeigt, wie gefährlich Großraumbüros für die Gesundheit und das Leben der Mitarbeiter sind.

Juristen sagen, wenn in Deutschland erst eine Corona-App nachweist, dass Menschen sich am Arbeitsplatz infiziert haben, wird es eng für die Top-Manager.

Lesehinweise: Corona verbreitet sich in Großraumbüros am besten | WiWo Management-Blog

Es wird gar schon über die Zukunft der Bürotürme gemunkelt. Fängt die einzigartige Skyline von Frankfurt an zu bröckeln?

Sie galten als Symbole für den weltweiten Siegeszug von Kapitalismus und Globalisierung: die riesigen Bürotürme in den Geschäftsvierteln der Metropolen in aller Welt. Doch wegen der Corona-Pandemie haben Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Es wurde still in den Hochhäusern – und das vielleicht auf Dauer.

Corona-Krise gefährdet Zukunft der Bürotürme, FAZ, 23. Mai 2020

Und da der Zustand zumindest partiell anhalten werde, könnten Unternehmen nun teure Büromieten sparen.

Die Hartgesottenen, die Karriere machen, gehen eben ins Büro

Doch die An- oder Abwesenheit im Büro scheint auch mancherorts unter anderer Perspektive gesehen zu werden:

Aber ist das nur eine Pseudofreiheit? Bleiben in der Wahrnehmung der Hartgesottenen und nur die Weicheier daheim?

Private Profis, Ursula Kals in Beruf und Chance der FAZ vom 23.Mai 2020

Und kann ich überhaupt Karriere machen, wenn ich im Homeoffice bin? Schließlich gab es ja auch vor Jahren Studien, die belegten, dass Heimarbeiter schlechtere Karrierechancen hätten, übrigens unabhängig davon, dass laut anderer Studien Heimarbeiter oft mehr leisten als die Kollegen im Büro. So ganz abwegig klingt das nicht, finde ich. Leistung ist schließlich nicht alles. Vom Chef im Büro gesehen werden, so von wegen Gesichtsmassage, kann ja vielleicht helfen … Die Weicheier und lahmen Karriereenten bleiben also daheim, die Aufsteiger sitzen und charmieren im Büro!?

Wenn der Arbeitsstättenprüfer dreimal klingelt, an meiner Haustür …

Und ich musste die Tage auch an die klassischen US-amerikanischen Büros denken, in denen die Mitarbeiter in Cubicals werkeln. Bei FileNet in Costa Mesa saßen die Kollegen in diesen Kästchen, meiner Erinnerung sogar kleiner, als die Cubes auf dem oben abgebildeten Foto. So von wegen schöne, heile Bürowelt.

Aber wir Deutschen sind ja auch geschützt, denn nicht umsonst haben wir ja Leitfäden für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze oder eine Arbeitsstättenverordnung für das Büro, die Mindestgröße und Raumhöhe definiert. Und diese Verordnungen könnten auch bald ins heimische Büro überschwappen. Die FAZ zitiert die Darmstädter Rechtsanwältin Nadja Draxinger:

Aktuell haben wir vermutlich viele nicht arbeits- und datenschutzgerechte, improvisierte heimische Arbeitsplätze, die kein Dauerzustand sind, sondern nur eine improvisierte Arbeitsplatzverlagerung darstellen.

Corona in Rhein-Main: Unternehmen vor Ende des Home Office – FAZ

Ich sehe schon, wie die heimischen Arbeitsplätze geprüft werden müssen. Da ist dann vielleicht der vom Bitkom geforderte Zuschuss dringend notwendig. Doch es geht eben nicht nur um den ergonomisch korrekten Arbeitsplatz, den ich jeder:m wünsche. Im Homeoffice geht es auch um sehr ernste Themen wie Datenschutz und Cybersecurity. Sie sind sicher einmal einer näheren Betrachtung wert.

Hessen im Homeoffice: Die Jüngeren wollen eher, Frauen eher nicht

Doch noch einmal zurück zur generellen Einstellung der Arbeitnehmer zum Thema Heimarbeit. Laut einer Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks wollen 54 befragten Hessen lieber zurück ins Büro. 43 Prozent können sich Remote Work vorstellen.

Die Einstellung zum Homeoffice variiert nach Alter, Geschlecht und Bildung. Jüngere sind eher pro Heimarbeit. Frauen lehnen sie in höherem Maße ab und man kann ahnen warum. Die Last daheim wird wohl noch immer nicht gleichmäßig verteilt.

Nur nicht gängeln, meint Altmaier

Hubertus Heil fordert ein Recht auf Homeoffice. Der Arbeitgeberverband hat sich sofort gegen diesen Ladenhüter in Position dagegen gebracht, der Wachstum und Flexibilität beschränke, in Position gebracht hat und bekommt Beistand. Wirtschaftsminister Peter Altmaier legt jetzt auch in dieser Richtung nach:

Staatliche Gängelei wäre grundfalsch. …

Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, nicht immer neue staatliche Garantien. Ich bin überzeugt, dass viele Betriebe von sich aus mehr Homeoffice ermöglichen, aber es passt eben nicht überall, …

Altmaier gegen Recht auf Homeoffice — FAZ, 23.5.2020

Er habe volles Vertrauen in Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Betriebsräte, die vor Ort die richtigen Lösungen finden würden. Und Altmaier und die Arbeitgeber bekommen Unterstützung von anderer, unerwarteter (?) Seite. Auf hr.de wird der Landeschef der Gewerkschaft Verdi Hesse Jürgen Bothner zitiert:

Unter dem Strich ist das eine große Falle, weil man eine gehörige Portion Selbstdisziplin und Selbstkontrolle braucht, damit man eben nicht weit mehr arbeitet, als man dem Arbeitgeber schuldet.

hr-Umfrage: Mehrzahl der Hessen will nicht im Homeoffice arbeiten | hessenschau.de | Wirtschaft

Und natürlich fordert er eine Einhaltung der schon oben erwähnten Arbeitsplatz-, Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften ein. Logisch. Kein Wort von verlorener Zeit auf der Autobahn in Staus oder gar Umweltschutz.

Im Homeoffice produktiver, weil man freiwillig zu viele Überstunden macht?

Doch zurück zu Überstunden und … höherer Leistung. Die Aussagen der Deutschen Telekom, dass sich die Produktivität der Service-Abteilung im Homeoffice um acht Prozent gesteigert und die Gesundheitsquote verbessert habe, wird Bothner sicher in gewohnter Weise interpretieren.

Die Regeln für die konventionelle Präsenzarbeit entstammen aber einer völlig anderen Vorstellung und Zeit.

Birgit Wintermann & Britta Redmann: Leitfaden für rechtliche Umsetzung von New Work erschienen – Zukunft der Arbeit *

Liebe Leute, gebt fein acht, ich hab Euch etwas mitgebracht, Arbeitgeber und Gewerkschaften, Möchte-Gern-Kontrolleure und sonstige „Opinion Leader“: Kommt endlich aus Euren Schützengräben heraus und schlagt nicht die Schlachten von vorvorgestern.

Die Arbeitswelt von morgen sollte vielfältig, divers, offen und flexibel sein

Die Arbeitswelt wird sich nach der Corona-Krise ändern und es gilt diese konstruktiv zu gestalten:

Ich glaube zutiefst daran, dass es gut ist, hybride Strukturen zu haben.

Telekom-Chef Tim Höttges in einer Telefonkonferenz laut Auf Wiedersehen, Homeoffice? Die Tücken der Bürorückkehr | heise online

Es geht nicht um ein Entweder-Oder von Homeoffice und Arbeiten im Büro. Es geht um eine intelligente Kombination. Und es geht darum, denjenigen Homeoffice (gesetzlich garantiert) zu ermöglichen, die dies wollen. Und die Anderen gehen ins Büro, da sie sich oft auch aus verständlichen Gründen dort wohler fühlen, beispielsweise, weil sie daheim nicht die Rahmenbedingungen haben, oder aber sich dort nicht so organisieren können.

Die üblichen Schau- und Hahnenkämpfe bringen uns garantiert nicht weiter. Die Arbeitswelt von morgen sollte vielfältig, divers, offen und flexibel sein, im Sinne von Arbeitnehmern, Familien und Unternehmen. Drei Tage Remote Work, zwei Tage ins Büro. Die kommende Woche mehr Büro, weil es von der Arbeit her Sinn macht. Warum nicht? Ich bin fest davon überzeugt, dass intelligente Kombinationen und Lösungen möglich und nötig sind – solange diese nicht wieder von Betonköpfen boykottiert werden, die nur alte Machtverhältnisse zementieren wollen.

(Stefan Pfeiffer)

* Der von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene und von Birgit Wintermann und Rechtsanwältin und Autorin Britta Redmann verfasste Leitfaden: New Work: Potentiale nutzen – Stolpersteine vermeiden – Ein Leitfaden zu regulatorischen Grenzen und Chancen, der hier heruntergeladen werden kann, sei hier ausdrücklich empfohlen.