Posts Tagged: ‘agile’

Robuste, überlebensfähige Unternehmen digitalisieren – Unser Gespräch mit Peter Collenbusch zum Bitkom Digital Office Index bei #9vor9

3. November 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute – am 3. November 2020 – war Peter Collenbusch zu Gast bei Lars und mir bei #9vor9, den Digitalthemen der Woche. Peter ist Vorsitzender des Kompetenzbereichs „Digital Office“ beim Digitalverband Bitkom und ein Kollege von mir. Anlass der Einladung war der neue Digital Office Index 2020, den der Bitkom vor kurzem veröffentlicht hat.

[Wir bitten die Tonstörungen, das Echo im heutigen #9vor9 zu entschuldigen. Es scheint Probleme mit den Skype-Verbindungen gegeben zu haben. Nach dem ersten Drittel wird der Ton dann besser. Sehr schade und nochmals sorry.]

Wir sind in unserem Gespräch auf einige Aspekte der Befragung und insbesondere auf die Lehren durch und in der aktuellen Pandemie eingegangen. Die Befragung ist ja genau in den Zeitraum nach dem ersten Lockdown gefallen. Die Pandemie hat uns auf bittere Art und Weise gelehrt, wie wichtig es ist, seine Prozesse, seine Arbeit – dort wo es möglich ist – digitalisiert zu haben. Man könnte fast sagen, dass nur Unternehmen und Verwaltungen, die in hohem Maße digitalisiert haben, resiliente, sprich robuste und im Endeffekt überlebensfähige Organisationen sind.

Die Präsenz im Internet, die eigen Website hat durch die Krise eine noch höhere Bedeutung bekommen und wird zu interaktiven Plattform, zur Drehscheibe, in der Kunden:innen oder Bürger:innen mit den jeweiligen Organisation nicht nur in Kontakt treten können, sondern wo sie auch Geschäftsprozesse anstoßen und abwickeln können.

Chatbots können auf dieser Website dann helfen, um Routineabfragen abzufangen und den Sachbearbeitern:innen mehr Zeit für den Service und die Bearbeitung zu geben. Immerhin hat laut Befragung jedes vierte Unternehmen bereits Chatbots im Einsatz. Großes Verbesserungspotential besteht aber noch immer in der Prozessautomatisierung.

Die Pandemie hat auch gezeigt, wie wichtig die Cloud als Backbone, als Basis der Unternehmens-IT ist (und wie wichtig ein gutes Netz – Stichwort Breitbandausbau – aber das war nicht Bestandteil der Studie) ist. Die allseits diskutierten Videokonferenzsysteme wurden und werden heutzutage mehr oder weniger ad hoc in der Cloud gebucht und konsumiert.

In unserem Gespräch haben wir noch einige weitere Ergebnisse der Befragung behandelt: Warum sind die großen Unternehmen die Vorreiter, wo doch kleinere Organisationen eigentlich viel schneller sein könnten? Wie sieht es in der öffentlichen Verwaltung aus?

Ich bin (eigentlich) kein Freund des Wortes „Agile“, da hier nur zu oft die plakative Sau durch das Dorf getrieben werden. Aber im Fall dieser Krise ist der Begriff vielleicht angebracht, denn wie Peter hervorragend herausgearbeitet hat, musste die IT hier schnell und flexibel reagieren. Eine Lehrstunde, wie Projekte heute und künftig abgewickelt werden müssen!

Wer sich weiter informieren möchte, kann hier den Studienbericht herunter laden. Wir – Lars und ich – bedanken uns auf jeden Fall bei Peter für das lebhafte Gespräch. Gerne mal wieder. Zum Abschluss noch diese Grafik, die wir dann zeitlich nicht mehr behandeln konnten:

(Stefan Pfeiffer)

Bodyguard mal anders, Gabelstapler intelligent steuern und KI – Mein Gespräch mit Ulli Meyer von Willenbrock

3. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Seit Ende März 2020 produziere und moderiere ich mit einem Team das IBM Livestudio Magazin. Jeden Dienstag um 11 Uhr sind wir im Livestream und berichten über alle Themen rund um die IBM. Mittlerweile streamen wir parallel auf den IBM-Seiten auf Twitter, Facebook und LinkedIn. Zu Beginn habe ich hier im privaten „Block“ immer mal wieder das Livestudio Magazin berichtet, auch um das Projekt und die Themen bekannt zu machen. Aber das soll ja hier kein offiziöser, nur IBM bewerbender Blog werden.

Die Linde Secure Distance Vest und der flexibel nutzbare Linde Distance Beeper warnen Beschäftigte akustisch, visuell und haptisch, sobald sie sich zu nahe kommen. Quelle: Linde / Willenbrock

Doch heute ist es mir ein Anliegen, Euch Ulli Meyer von Willenbrock „vorzustellen“, super sympathische Frau in der IT mit viel Power. Willenbrock ist eine Tochterfirma von Linde, Ansprechpartner für Lösungen des innerbetrieblichen Materialflusses, das kleine Schnellboot, das bewusst auch Innovation für Linde treibt. Und Ulli, ehemalige Gabelstaplerverkäuferin, ist die Bereichsleiterin Digital von Willenbrock, die dort innovative Projekte voran treibt und das mit oft postulierten agilen Methoden. Genau darüber sprechen wir, von der Linde Truck Call App bis zur „Corona Warnweste“ und neuen Projekten, die aus der Cloud künstliche Intelligenz über die IBM Watson Services nutzen. Viel Spaß.

* Die verwendeten Fotos stammen aus den Pressemitteilungen von Willenbrock. Alle Rechte liegen dort.

Lesezeichen: Agiles Arbeiten? Ein deutsches Märchen in Unternehmen

3. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich glaube, ich habe noch nie nur eine Überschrift zitiert. Zeit, es mal zu tun. Claudia Tödtmann titelt in der Wirtschaftswoche:

Agiles Arbeiten? Ein deutsches Märchen in Unternehmen: Intern gelebt wird „bloß nicht“, nach außen erzählt „aber klar, wir sind ja schließlich modern“, belegt eine Studie

WiWo Management-Blog

Kurz zitiert zu Digitalisierung: Keine Heilsversprechen, keine Erfolgsgarantie, aber wir können komplexe Probleme lösen (Andreas Stiehler)

9. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Nur schnell kurz zitiert der Beitrag des geschätzten Andreas Stiehler zur Digitalisierung und digitalen Transformation, der Sau, die mit einem Gefühl der Dringlichkeit durch das Dorf getrieben wird:

Experten sollten her, die den Weg in die digitale Zukunft weisen – mit passgenauen Plänen und Erfolgsgarantie. Der Ruf wurde erhört, die Beraterbranche hatte zuletzt Hochkonjunktur. Immer neue Konzepte wurden erdacht und mit verheißungsvollen Schlagwörtern – New Work, Holacracy, Agile etc. –angepriesen. Basierend darauf wurden nun allerorts digitale Initiativen gestartet. Doch die neuen Heilslehren erweisen sich in der Umsetzung weder als vollkommen noch als einfach realisierbar. Neue Widersprüche traten zu Tage, Zweifel werden laut und Ernüchterung macht sich breit. Wir beginnen zu ahnen, dass es Gewissheiten auf dem Weg ins digitale Zeitalter nicht gibt – ja, dass es diese in einem zunehmend komplexen Umfeld gar nicht geben kann und vielleicht noch nie gab.

Zwischenruf im Echoraum: Ende der Gewissheiten!? – QSC Blog

Ich bin mir nicht sicher, ob es nur ein Gefühl der Dringlichkeit ist. Ich denke eher, es ist dringlich, nur sollten wir bei all denen, die mit rosaroten, fast religiösen Heilsversprechen um die Ecke kommen, vorsichtig sein. Das Thema Digitalisierung ist und bleibt schwierig und es gibt – wie es Andreas später schreibt – keine Patentrezepte. Trotzdem sollte jedes Unternehmen und jeder Unternehmer mutig sein, Experimente zu wagen. Und wir durchaus sind in der Lage, komplexe Probleme zu lösen.

Zum Thema habe ich mich ja auch öfters ausgelassen:

Bild von Arek Socha auf Pixabay

Jenseits von oder neben agile, data-driven und Automatisierung: Jeder Marketer muss Zuhörer und Kommunikator sein

11. November 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Art, wie wir alle , aber auch die Art, wie Unternehmen kommunizieren hat sich in den vergangenen Jahren deutlich, ja dramatisch geändert. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Zeitalter klassischer Pressemitteilungen in „meiner“ IT-Branche, in den typischerweise ein neues oder verbessertes Produkt vorgestellt wurde.

„Wir alle erinnern uns sicherlich noch an Zeiten, in denen Botschaften des Unternehmens via Fax an die wichtigsten Medienhäuser versendet wurden,“ schreibt Stephanie Toenjes, Communications Strategist & Personal Branding Coach bei der Deutschen Telekom, in einem lesenswerten Beitrag über den Wandel im Beruf des Kommunikators Diese Art von „Press Releases“ ist weitgehend tot. Ok, sollte tot sein. Manche Altvorderen praktizieren noch immer.

Gerade im IT-Sektor, in dem ich nun geraume Zeit tätig bin, sind viele der Medien, der Print-Magazine und -Zeitschriften, verschwunden und die verbliebenen Publikationen fokussieren sich wenn, dann nur auf die großen Player. Natürlich wird auch immer mehr online berichtet und nicht mehr gedruckt. Der derzeit nur zu logische Gang der Dinge.

Manche einstmals ernst zu nehmende Publikation ist sogar zu Haus- und Hofberichterstatter verkommen. Redaktionelle Artikel werden bunt mit mehr oder weniger deutlichen Werbetexten kombiniert. Die entsprechenden Newsletter könnten eigentlich schon direkt vom entsprechenden Werbekunden kommen. Mit Journalismus hat das nur noch wenig zu tun.

Kommunikation jenseits der Pressemitteilung

Doch noch relevanter für Kommunikation heute – eben auch die Unternehmenskommunikation – ist der Einfluss der sozialen Medien und der Onlineberichterstattung. Stephanie Toenjes widmet sich in ihrem Beitrag dem Wandel im Beruf des Kommunikators. Eigentlich beschreibt sie damit eher Fähigkeiten, nicht eine Jobtitel, den man auf eine Visitenkarte druckt. Da steht dann oft immer noch Pressesprecher, Pressereferent oder interne Kommunikation. Hier und da sieht man mal den Chief Communications Officer.

Heute ist man demnach Kommunikator. Also die Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation sollten das zumindest sein. Oft sind sie jedoch leider nur Kommunikationsadmistratoren, versuchen in einem Zeitalter, wo jeder durch Twitter, Facebook und Co auch Sender ist, die „genehmigte“ Kommunikation des Unternehmens zu kanalisieren und zu kontrollieren. Ja keine Ecken und Kanten, denn das nächste Quartalsende steht ja vor der Tür.

Der Traum, die Wahnvorstellung, Kommunikation heute kontrollieren zu können

So ist dann auch viele Unternehmenskommunikation: offiziös, langweilig, nichtssagend. Selbst das, was und wie Mitarbeiter auf Twitter & Co. als Nachrichten verteilen sollen, wird vorgeschrieben und vorgegeben. Ist das heute noch zeitgemäß? Die Angst vor einem Shitstorm und Kontrollverlust, vielleicht vor eigenem Bedeutungsverlust regiert halt in den meisten Kommunikationsabteilungen.

Kein Wunder, wenn man dann „im Ernstfall“ sprachlos ist und versagt: „Gute und schnelle Kommunikation war selten so wichtig wie heute. Das hat uns die Debatte gezeigt, die der YouTuber Rezo ausgelöst hat,“ schreibt Stephanie Toenjes. Genau das haben viele Unternehmen noch nicht verstanden. Wahrscheinlich muss das Kind erst in den Brunnen fallen, bevor ein Umdenken stattfindet. Selbst da habe ich meine Zweifel, denn meist ist die Antwort noch mehr Kontrolle, statt mehr gewollte und erlaubte Kommunikation durch entsprechend ausgebildete und autorisierte Kommunikatoren zu ermutigen.

In der Marketingabteilung: Keine Zeit für Kommunikation?

Für mich persönlich, der aus der Welt des Journalismus über die Pressearbeit ins Marketing gekommen ist, ist das nicht nur eine Thema der Stabsabteilung Unternehmenskommunikation, sondern auch des Marketings, denn die Grenzen zwischen beiden Bereichen sind immer mehr durchlässig, verschwommen. Und ich bedauere immer wieder, dass viele meiner Kollegen*innen im Marketing alles andere sind als Kommunikatoren. Sie sitzen hinter ihren Excel-Tabellen und Dashboards, schauen sich KPIs an, entwerfen Kampagnen, sind ebenso data-driven wie quartalsgetrieben. Nur mit den Kunden sprechen sie nicht, hören ihnen selten zu.

Ok, ich bin böse, denn natürlich ist es in den heutigen Zeiten, wo Online Marketing, automatisierte Kampagnen und latente Optimierung der Ergebnisse besonders gefragt sind, notwendig, als Marketer die entsprechenden Kenntnisse zu haben und anzuwenden. Doch ich habe einen schalen Geschmack im Mund, wenn der Kontakt zur realen Welt der Kunden verloren gegangen zu sein scheint, wenn man als Marketer nicht regelmäßig beim Kunden ist und ihm zuhört. Kann die datenbasierte Analyse des Kundenverhaltens, können Systeme der künstlichen Intelligenz Verhalten so sezieren, dass der direkte Kundenkontakt überflüssig wird?

Zuhören und Gesprächsbereitschaft als Kernkompetenz

Für mich war und ist die Rolle des Marketers nie von der Rolle des Kommunikators zu trennen. Nicht umsonst stand früher auf meinen Visitenkarten Marketing & Kommunikation. Marketing ist, sollte, muss selbstverständlich Kommunikation sein. Und übrigens sicher nicht Einwegkommunikation, Beschallung, wie es heute oft der Fall ist. Marketing sollte gute, faszinierende, zum Dialog anregende Inhalte liefern, in Textform, als Audio oder Video. Marketing sollte zuhören, kommunizieren und moderieren. Heutzutage sehe ich gerade dort immer größer werdende, klaffende Lücken.

Und ja, ich höre auch die Kollegen*innen, die das Thema ignorieren, weil sie sich schon jetzt nicht nur aus-, ja überlastet fühlen. Sie sind es in der Tat auch mit anderen Tätigkeiten, deren Sinn durchaus in Frage gestellt sind. Und sie sind unsicher, denn Dialog, Kommunikation, Präsentation, Moderation haben sie eher nicht gelernt. Statt diese Fähigkeiten zu entwickeln, wird derzeit eher „agile“ rauf und runter trainiert. Und dementsprechend bewegt man sich dann in seiner ach so agilen Filterblase.

Und gar dem Markt, den Kunden und Interessenten zuhören? Dafür hat erst recht keine Zeit. Maximal liest man einen Analystenreport oder schaut sich das Klickverhalten seiner potentiellen Kunden an. Es direkter Kundenkontakt wird im Zweifelsfall wahrscheinlich auch nicht goutiert, den wichtiger ist natürlich den „Close the Gap“-Plan schnell zusammenzimmern zu können, mit dem man die Pipeline- und Umsatzlücke ratz-fatz in 14 Tagen agil schliesst.

Die Mauer zwischen Marketing- und Kommunikationsabteilung

Ok, ich polemisiere ein wenig, schiesse vielleicht über das Ziel hinaus. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Rollen und Verantwortlichkeiten im Marketing, neu überdenken müssen. Dazu gehören auch die bisherigen Grenzen und Mauern zwischen Marketing und Kommunikation. „Mr. CMO, tear down this wall“, möchte ich der Unternehmensführung zurufen. Gesprächsbereitschaft, Zuhören, Kommunikation sind heute mehr denn je strategische Themen und gehören insbesondere im gesamten Marketing verankert, sollten dort neben Fähigkeiten in wie Datenanalyse oder Marketingautomation eine der Kernkompetenzen sein. Das ist heute aus meiner Sicht leider nicht der Fall.

Und die Stimme des Unternehmens – repräsentiert durch viele persönliche, authentische Stimmen, die sich natürlich an der Unternehmensstrategie als Richtschnur orientieren – muss im Markt hörbar sein und im Idealfall gehört werden. Und vor dem selbst „reden“ sollte man muss ín seinen Geschäftsfeldern zuhören, den Finger am Puls des Geschehens haben, neue Kanäle und Kommunikationsweisen wahrnehmen und adaptieren. Wer das als Unternehmen nicht tut, wird in seinen für das eigene Unternehmen strategischen Themengebieten an Bedeutung und Umsatz verlieren.

Kommunikation heute: Bereit sein, zu lernen, zu experimentieren, sich anzupassen

Eine besondere Herausforderung ist, dass Kommunikation gerade heute einem latenten Wandel, einer Weiterentwicklung unterliegt. Wer hätte vor dem Rezo-Video damit gerechnet, dass ein YouTuber dermaßen Einfluss auf die Politik nehmen kann? Haben wir damit gerechnet, dass eine vermeintlich entpolitisierte Jugend nun jeden Freitag für die Umwelt und Klimaschutz eintritt? Nehmen Unternehmen aufgrund der Ereignisse der vergangenen Monate jetzt endlich den möglichen Einfluss sozialer Medien ernst oder werden sie immer noch belächelt und maximal mit offiziösen Nachrichten befällt, an denen eh niemand Interesse hat?

„Für uns Kommunikator*innen bedeutet das, dass auch wir uns permanent weiterentwickeln müssen, um Schritt zu halten. …Wenn wir als vertrauenswürdige, kompetente Berater angesehen werden wollen, dann müssen wir uns den Platz am Tisch verdienen und permanent auf dem Laufenden bleiben,“ schreibt Stephanie Toenjes. Sie fordert dazu auf, dass „wir“ Kommunikatoren uns von unserer Eitelkeit, ich würde sagen Selbstgefälligkeit verabschieden müssen.„In einer Welt, in der jeder zum Sender geworden ist, ist Akzeptanz statt Abwehr angesagt. Befähigung statt Verbote – auch das gehört inzwischen zu unseren Aufgaben.“

Jeder kann Markenbotschafter sein

Wir sollten Mitarbeiter als Markenbotschafter wollen, sie ausbilden, ihnen Rückendeckung und Vertrauen geben. Jenseits des Hypes um Influencer Marketing muss gerade die Presseabteilung akzeptieren, dass es jenseits der Journalisten diese Influencer gibt und wir mit ihnen interagieren, neue Regeln dabei lernen müssen. Und Unternehmen tun gut daran, wie es auch Stephanie Toenjes schreibt, jüngeren Mitarbeiter zuzuhören und sie als Sparringpartner auf Augenhöhe, als Frühwarnsystem zu akzeptieren, um wahrzunehmen, wo und wie sich Kommunikation verändert.

Der Mut zu neuen Kommunikationsformen und -formaten ist gefragt. Neue Kanäle sollten geprüft und dann ausprobiert werden. Und auch wieder fallengelassen werden, wenn sie für das Unternehmen „nichts taugen“. Gerade heute ist Kommunikation ständige Veränderung. Was gestern noch wahr war, kann heute obsolet sein.

Ich mag den Begriff des „lebenslangen Lernens“ – auch Stephanie Toenjes benutzt ihn – eigentlich gar nicht mehr verwenden, weil er unterdessen so ausgelutscht erscheint, aber er trifft es wohl. Offene Ohren und Augen sind heute in Kommunikation (und Marketing) ebenso notwendig wie die Bereitschaft, neue Fähigkeiten zu erlernen, Dinge latent anzupassen und zu verändern. Wir müssen offen sein für Veränderungen, ja als Kommunikatoren vielleicht sogar Treiber solchen Wandels sein. Auch mit dem Risiko, mal zu scheitern, was hoffentlich toleriert wird. Genau das macht unseren Job aber auch so spannend.

(Stefan Pfeiffer)

Lesezeichen zu Agile & Scrum: „Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar.“ – Nicht wirklich

25. September 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Tage habe ich schon davor gewarnt, „agile“ zur allseligmachenden Religion zu erklären. Da kommt dieser bemerkenswerte Beitrag von derDoubleD genau richtig.

Hip Hip Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar.

über INSPECT&ADAPT » Scrum motiviert nicht

Wirklich? Sieht die Realität nicht vielmehr oft so aus?

Wie viele Menschen erlebe ich gelangweilt und desinteressiert in Planungsmeetings, schweigsam in Retrospektiven? Wie viele Teams erlebe ich, die sich von Sprint zu Sprint hetzen und jedes mal ihre Pläne nicht schaffen? Die dann mindestens dem Product Owner gegenüber Rede und Antwort stehen müssen …

über INSPECT&ADAPT » Scrum motiviert nicht

Doch wie es derDoubleD richtig schreibt. Nicht Scrum, nicht agile sind das Problem. Sie sind ein möglicher Rahmen, Die eigene Motivation der Mitarbeiter, ein funktionierendes Team, ein Management, das coacht und ermutigt – nicht nur mikro-managt und kontrolliert – sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

 Bild von BoutiqueBreizh auf Pixabay

Weniger Home Office, weniger Führungskräfte: Macht aus „eydscheil“ keine Religion!

19. September 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein interessanter Beitrag im Management-Blog der Wirtschaftswoche zum derzeitigen Hype-Thema agiles Arbeiten. Dort wird Ulrich Sittard, Arbeitsrechtler bei Freshfields, befragt und es finden sich einige interessante Aussagen. So wird auch der scheinbare Gegensatz von agilem Arbeiten und Home Office thematisiert. Ich kann nur immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich die steile These lese, dass agiles Arbeiten im Team nur bei Präsenz im Büro möglich sein soll – und man deshalb Home Office abschaffe.

Agilität ist keine Frage der Präsenz vor Ort. Da sind aus meiner Sicht andere Aspekte wie die eigene Arbeitsweise und Einstellung oder aber auch die Führungs-, Fehler- oder Kommunikationskultur im Unternehmen und der Abteilung wichtig. Und wo sitzt gerade in international tätigen größeren Unternehmen wirklich heutzutage ein gesamtes Team zusammen an einem Ort? Verteiltes Arbeiten über Landesgrenzen und Zeitzonen hinweg ist doch viel öfters die Realität. Und die Werkzeuge zur Zusammenarbeit und Kommunikation sind heute verfügbar, mit denen man auch in diesen Szenarien vernünftig zusammenarbeiten kann und nicht überkommunizieren muss.  Da scheint mir das Thema agiles Arbeiten gegen Home Office eher vorgeschoben, wenn oft doch ganz andere Beweggründe eine Rolle spielen …

Doch nicht nur Mitarbeiter werden mit agilem Arbeiten konfrontiert. Auch das Management, besonders das Middle Management, ist gefordert, denn dessen Machtposition könnte in Gefahr sein: „Unternehmen die in großem Stil agile Methoden einsetzen, brauchen künftig weniger Führungskräfte,“ sagt Ulrich Sittard. Noch dazu weniger Kontrolle, stattdessen die Stärken und Schwächen „sicherstellen und steuern“ statt Mikromanagement. Sind nicht auch auf dieser Ebene die Widerstände automatisch vorprogrammiert?

Jeder zweite Führungskraft überflüssig. Die werden natürlich umgeschult. Genau wie viele Mitarbeiter, deren Jobs wiederum durch Automatisierung und künstliche Intelligenz „substituiert“ werden. Hmm, warum habe ich gerade agile Fragezeichen in den Augen? Nicht falsch verstehen. Wir werden uns des kontinuierlichen Wandels nicht erwehren können. Wir müssen den ständigen Wandel annehmen, ja gestalten. Aber hört mir mit diesem blauäugigen, eifernden Geschwafel auf und macht aus „eydscheil“ keine Religion. Quasi religiöse propagierte Managementphilosophien hatten wir unter anderem Namen schon vor Jahrzehnten.

Lasst uns das Thema notwendiger Change – sicher kein neuer Begriff – endlich mal ernst nehmen und nicht mit Managementphilosophie- und Beratergeschwafel kaputt reden. Wandel ist nicht einfach, braucht von jedem die Bereitschaft, ja den Willen, sich verändern zu wollen und am Wandel, an der Veränderung mitzuarbeiten, sich selbst zu ändern, Wissen zu teilen, immer neu dazu zu lernen und Erbhöfe, ja Macht abzugeben. Und das gilt übrigens nicht nur für den gemeinen Mitarbeiter, sondern gerade auch für Führungskräfte. Die einen können nicht oder die anderen.

(Stefan Pfeiffer)

Kurz zitiert: „Reine Optimierung führt ins Krematorium“ | Matthias Schrader

2. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein Lesezeichen, weil Matthias Schrader, Gründer und CEO des Digitalunternehmens SinnerSchrader, jetzt Managing Director von Accenture Interactive in Deutschland, es so schön formuliert:

Viel Geld ist in die Digitalisierung bestehender Geschäftsprozesse und Produkte geflossen. Das ist in der traditionellen Logik nicht falsch, weil es die Effizienz erhöht und die Kosten senkt, ändert aber nichts am bestehenden Geschäftsmodell, an den Geschäftsprozessen und den Produkten selbst. Es ist die Optimierung des Bestehenden, seit Jahrzehnten eine der großen Stärken der deutschen Industrie. Das reicht heute nicht mehr aus. Schrittweise Optimierung allein führt in der digitalen Ökonomie ins Krematorium.

Quelle: Die digitale Transformation deutscher Unternehmen stockt – FAZ

Nur sparen, automatisieren und optimieren trägt auf Dauer nicht. Sieht man ja allenthalben. Die vielzitierte Digitale Transformation, das Überleben eines Unternehmens oder gar Führungspositionen weltweit einnehmen, braucht mehr. Auch reiche die Einführung agiler Methoden (alleine) nicht aus:

Ein starker Fokus vieler Transformationsprojekte liegt auf der Einführung und Einübung von agilen Methoden. Das ist verständlich, hilft jedoch leider nicht. Neue Prozesse und eine Auffrischung der Kultur sind notwendige, aber keine hinreichenden Bedingungen, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein.

Quelle: Die digitale Transformation deutscher Unternehmen stockt – FAZ

Gescheiterte Versuche gehören, so Schrader, zur Digitalen Transformation. Ich würde hinzufügen, auch die finanzielle und geistige Kraft, das durchzustehen, sind ebenso notwendig. Nicht jeder kann und will immer neu anfangen und nicht jeder hat eine Pipeline transformationaler Ideen und Innovationen.

Transformation und Wertschöpfung finde zuerst an der Nutzerschnittstelle statt. Dies sei entscheidend. Produkte oder Services müssten einfach auszuprobieren sein und das Aha-Erlebnis produzieren, dass dann dazu führt, dass sie weiterempfohlen werden:

Ein digitales Produkt rastet quasi im Leben der Menschen ein.

Quelle: Die digitale Transformation deutscher Unternehmen stockt – FAZ

Der ganzen Beitrag ist sehr stark aus der Sicht einer Digitalagentur geschrieben. Aspekte links und rechts werden weniger beleuchtet. Macht aber nichts, da viele Gedankenanstöße enthalten sind. Den Artikel kann man kostenpflichtig auf FAZ.NET kaufen. Auf jeden Fall lesenswert!

(Stefan Pfeiffer)

Zum Jahresende FAZ gelesen: Helene Fischer, Mezut Özil, Horst Hrubesch, warum manche Bots überwachen wollen und das agile Unwort

29. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Zum Jahresende am 29. Dezember 2018 nochmals die FAZ kreuz und quer gelesen und mal wieder einige interessante Zitate gefunden. Alfons schreibt im Kommentar auf der Titelseite über Helene Fischer! Welcher Schlagerstar hat das schon geschafft.

Die Geschichte wiederholt sich als Farce: „Atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht, singt Helene Fischer. Und von deutschen Schulhöfen schallt es zurück: „Arbeitslos in den Knast, Helene Fischer hat’s geschafft“ …

Die Paradoxie aus überengagierter Form und mangelndem Sinn löst sie durch ihre Show auf. ….

Aber wer hat je Mehrheiten gewonnen, indem er sich als selbstvergessen inszeniert? Insofern geht die Kritik an der Sauberfrau des neudeutschen Schlagers dann wieder ins Leere. Sie will es so, das Publikum will es so, und sogar die Grundschüler freuen sich über schmissige Melodien zu ihren unreifen und unreinen Reimen.

Weiter geht es für mich mit dem Kommentar des Wirtschaftsteils „Bot-Angst essen Seele auf“ vom Hendrik Wieduwilt. Ziemlich süffisant bemerkt er zu möglichen Vorteilen einer Kennzeichnungspflicht für Bots:

Gewiss jedenfalls dem Berliner Unternehmen Botswatch. Es steht bereit, Gesetzgeber, Unternehmen und Verwaltung durch Rat und Tat zu unterstützen, etwa beim Erkennen der vermeintlich gefährlichen Bots. Man könne sich vorstellen, „Analysen“ anzubieten, warb Botswatch-Chefin Tabea Wilke in einem Interview unverblümt. Wilke ist CDU-Mitglied und wird von einem Lobbyisten mit gutem Draht ins Konrad-Adenauer-Haus unterstützt. Freilich geht es dabei nicht nur um edle Motive wie Transparenz und Demokratie, sondern auch um Geld. Die Rädchen in der Hauptstadt greifen präzise ineinander.

Aufgemacht wird im Wirtschaftsteil mit „Drohnen werden zur Schlüsseltechnologie“ – mit Hinweis auf Flugtaxis, extra für Gunnar Sohn.

„Es gibt den Kaiser, den Bomber
der Nation, es gibt Uns Uwe und
es gibt das Kopfballungeheuer“ –
Horst Hrubesch

über Glanzstücke und Kapriolen:
Sportzitate des Tages

Der Sport-Teil bietet einen interessanten Kontrast: ein Interview mit der Ikone Horst Hrubesch, für mich einer der größten der Sympathieträger des deutschen Fussballs, der eben nicht nur „Kopfballungeheuer“ war, sondern auch als Trainer der deutschen U-Männermannschaften und der deutschen Frauen seine Qualitäten und sein Format bewiesen hat. Daneben gibt es langen Beitrag rund um die Affäre Mesut Özil, in der Print-Ausgabe unter dem Titel „Spiegel der Spaltung“ (online nur gegen Bezahlung verfügbar).

Diesmal habe ich mir endlich einmal die „Fülltonne“ geschnappt, die sonst immer meine Frau akquiriert. Und dort finde ich einen Beitrag unter dem Titel „Es gibt einfach viel zu viel Fernsehen“:

Öffentlich-rechtliche und private Sender, Abofernsehen und Streamingdienste produzieren heute mehr Programm denn je. Doch steigt auch die Qualität? Und könnte die Blase 2019 platzen? …

Für die Zuschauer ist die Qual der Wahl größer denn je: aber auch die Frage, wie viel Geld sie für das Angebot ausgeben wollen und wo sie – ARD und ZDF sind da außen vor – am meisten Geld bekommen.

In Beruf und Chance werden die Unworte des Jahres aufgelistet. Und darunter befindet sich … Agile.:

In Teams soll „agile“ gedacht, gearbeitet und geführt werden. Fragen nach dem Sinn eines Projektes? Behäbig, Pläne? Zu starr und blockierend. So agile wie Götterspeise soll das Team also erst die Brücke überqueren, wenn sie daher kommt und bis dahin sich selbst dynamisieren. Die Führungskraft darf da, wo alles fließt, nur noch „supporten“, bloß nicht führen.

Ich gebe zu, dass ich bei dem Begriff „Agile“ auch immer schlucken. Meiner Ansicht wird vieles neu verkauft oder verpackt, was eh zu gesundem Projektmanagement und flexiblem, zuverlässigen Arbeiten gehören sollte. Und der letzte Satz zu Führung gefällt mir auch nicht besonders gut. „Führen“ sollte bei aller Notwendigkeit, Richtung vorzugeben, sehr oft „coachen“ sein.

In der FAZ werden auch die Bilder des Jahres 2018 abgebildet. Und die Zitate des Jahres dürfen nicht fehlen. Und beim Vogelschiss-Zitat des rechten Gauleiters wird mein Laune plötzlich mies. Ende Gelände.

P.S. Gerne hätte ich eines der tollen Bilder der FAZ-Kampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ als Titelbild verwendet. Geht aus Lizenzgründen nicht. Einige tolle Fotos von Hans Starck findet man hier. Da wird die Laune dann auch wieder besser.

(Stefan Pfeiffer)

Trotz Slack, Trello & Co.: Microsoft Excel regiert noch immer die meisten Unternehmen

11. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Über einen Tweet von Thomas Cloer bin ich auf diesen Beitrag gestoßen, der unter dem Titel „The new wordprocessor wars …“ läuft.

Demzufolge ändert sich die App-Landschaft in den Unternehmen. Nicht mehr nur Microsoft Office (88 Prozent Marktantile laut Gartner) und ein wenig G-Suite (laut Beitrag 9,7 Prozent) dominieren, auch wenn Microsoft systematisch Daten in großem Umfang über Word, Excel, PowerPoint und Outlook erfasst, ohne die Nutzer darüber zu informieren – und damit laut Holländischer Regierung gegen die DSGVO verstößt.

. Nein, auch neue Slack-ähnliche Werkzeuge halten demnach Einzug. Ein neuer „Krieg der Textverarbeitungen“ und Collaboration ganz oben auf der Liste?

There’s a new war on over the way we work, and the old “office suite” is being reinvented around rapid-fire discussion threads, quick sharing and light, simple interfaces where all the work happens inside a single window. In recent years, the buzzwords in tech have been “AI” and “mobile.” Today, you can add “collaboration” to that list — these days, everybody wants to build Slack-like communication into their apps.

über The new word processor wars: A fresh crop of productivity apps are trying to reinvent our workday – GeekWire

Na ja, schön wäre es und ich bin ein absoluter Verfechter einer offen, transparenten Zusammenarbeit, Collaboration jenseits einer rein automatisierungsgetriebenen IT. Automatisierung muss sein, aber Zusammenarbeit ist ebenfalls wertstiftend.

Aber all das erinnert stark an die Diskussion rund um die Schatten-IT beim erfolgreichen Einzug der Smartphones in Unternehmen. Meine Wahrnehmung ist zu großen Teilen eine andere:

  1. Ja, Messenger sind in Unternehmen angekommen. Jedoch versucht Microsoft Slack und ähnlichen Apps mit Microsoft Teams das Wasser abzugraben, laut eigener Aussagen die sich erfolgreichsten ausbreitende Anwendung, die Microsoft je hatte.
  2. Viele der Prozesse und Zahlen in Unternehmen laufen – so schlimm das ist – auf Microsoft Excel und Powerpoint (zur Darstellung). Offene Lösungen wie LIbre Office oder andere Apps werden von den Anwendern abgelehnt, wenn und weil ein Makro, eine Verknüpfung in Excel es nicht mehr tut. Traurig, aber wahr.
  3. Ja, in Fachabteilungen oder in speziellen Einsatzgebieten feiern Lösungen wie Trello und andere Erfolge. Ich selbst nutze ganz offizielle einige neue Apps und Tools im Marketing-Job ein, aber … an der Verkrustung durch die Microsoft Office-Anwendungen hat das aus meiner Sicht im Kern nichts oder sehr wenig geändert. Die Excel-Tabellen regieren das Unternehmen.

Vielleicht und leider bin ich hier negativ und leider pessimistisch. Und ich würde die Diskussion unbedingt über die Frage, welche App eingesetzt wird, hinaus ausdehnen wollen. Es ist oft vielmehr eine Frage der Einstellung. Peter Schütt hat dazu einen lesenswerten Beitrag geschrieben und auf das Beispiel der Robert Bosch GmbH verwiesen, wo von ganz oben vom Cheffe eine Teilen-Mentalität gefordert und gefördert wird. Marc Frey fordert, die Folterinstrumente der alten Unternehmenswelt abzuschaffen. Sie hätten in modernen, agilen Umgebungen nichts mehr verloren.

In diesem Kontext sollte man auch die Working-out-loud-Bewegung und agile Konzepte sehen. Nur wenn sich die Art, wie ein Unternehmen funktioniert und geführt wird, grundlegend ändert, nur dann kommen wir auch weg von den Verkrustungen. Es ist noch ein langer, langer Weg zu gehen, aber aufgeben gilt nicht.

Ich zitiere Peter:

Ein Tool ist eben doch nicht nur ein Tool. Und Teilen muss man wollen.

über Was heißt eigentlich „teilen“? ‹ schudigital15 ‹ Reader — WordPress.com

Ersetze Teilen durch Veränderung oder digitale Transformation oder oder oder …

(Stefan Pfeiffer)

„Folterinstrumente der alten Unternehmenswelt abschaffen. Sie haben in modernen, agilen Umgebungen nichts mehr verloren“ – Marc Frey

29. November 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Gut gebrüllt, Löwe, äh Marc Frey:

Alle reden über Teamarbeit. Allerdings müssen wir dann auch die Leistung von Teams messen, wenn wir die Arbeit in Teams wollen. Aber eigentlich machen fast alle Unternehmen etwas anderes: Sie messen Einzelleistung. Das ist Unsinn. Das Team ist in einem Unternehmen die kleinste Einheit der Wertschöpfung. In einem heutigen Unternehmen kann ein Einzelner gar keine Wertschöpfung mehr erbringen. Er ist zwingend auf den Leistungsbeitrag des Teams angewiesen.

Wenn sie möchten, dass Dinge in Ihrem Unternehmen anders werden, dann müssen Sie die Dinge anders tun, als sie es bislang getan haben. Sie erhalten sonst immer wieder die gleichen unerwünschten Ergebnisse. Manches muss daher auch auf den Müll: Mitarbeiterbewertungen, Stellenbeschreibungen, strategische Planung, Assessment Center, Organigramme, Bonussysteme, Budgetierung, Forecasts und etliches andere mehr. Dies alles sind Folterinstrumente der alten Unternehmenswelt. Sie haben in modernen, agilen Umgebungen nichts mehr verloren.

über Der Arbeit letztes Gefecht – Simplify Innovators – Medium

Ich schaue links und rechts, lese Beiträge, lausche Vortragenden aus mittelständischen oder größeren Unternehmen, die mit Inbrunst über die digitale Transformation und die Notwendigkeit agiler Organisationen sprechen und schreiben. Die Notwendigkeit des selbständig handelnden und denkenden Mitarbeiter, von Vertrauenskultur und Vertrauensarbeitszeit, von familien- und mitarbeiterfreundlichem Home Office, mobiles Arbeiten wird postuliert.

Doch noch lange sind wir nicht dort angekommen, denn die Nomenklatur in Organisationen lebt genau von den Dingen, dem Müll, den Marc aufzählt. Sätze wie „Das ist eine Management-Entscheidung“ sind eher an der Tagesordnung als der vertrauensvolle Dialog und Kommunikation. Wer diese Bürokratien und Hierarchien sowie die damit verbundenen Prozesse nicht wirklich konsequent abbaut, dessen Versuche der Transformation werden scheitern. Da verkommen Konzepte wie agile Teams, die schnell, effizient und selbstbestimmt handeln, zu unglaubwürdigem Berater-Blabla.

pressure-65336_1920Unterschätzen wir die verkrusteten Strukturen, das Beharrungsvermögen und die Angst um die eigene Position in der Hierarchie nicht. Der klassische Middle Manager hat nur gelernt, hierarchisch zu führen. Command-and-Control sind bekannt und eingeübt, oft in Fleisch und Blut übergegangen. Man muss nicht überzeugen und kommunizieren. Stattdessen wird exekutiert. Mitarbeiter funktionieren. Gerade auch das Middle Management, das natürlich seinen Posten und seine Privilegien behalten will. „Man“ erfreut sich am nicht widersprechenden Mitarbeiter. Querdenker sind Querulanten.

Worüber haben wir eben noch gesprochen? Selbständig denkende Mitarbeiter, Kreativität, Teamwork, offene und transparente Diskussion, flache teamorientierte Hierarchien, Notwendigkeit zum Change Management, um mittelfristig zu überleben. Auf der einen Seite durchaus gute oder gut gemeinten Pläne, Firmen für das digitale Zeitalter fit zu machen, auf der anderen Seite das Controletti-Unternehmen. Die Personalabteilung sucht die besten, kreativsten Talente, doch andererseits sollen Mitarbeiter einfach funktionieren. Wie passt das zusammen? Kann das überhaupt zusammen passen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die bürokratische Verschlankung eines Unternehmens mit seiner digitalen Transformation Hand in Hand gehen muss. Das erfordert aber ein Management mit Mut, das bereit ist Kontrolle abzugeben und das sich vor allem auch gegen die Nomenklatur durchsetzt und diese abbaut. Nur Unternehmen mit flachen Hierarchien, mit einer Diskussions-, Vertrauens- und Innovationskultur werden im digitalen Zeitalter überleben, wo sich Dinge ständig im Fluss befinden. Doch unterschätzen wir nicht die Widerstands- und Beharrungskräfte der Nomenklatura, die sich mit allen verfügbaren „alten“ Rezepten zu überleben sucht. Es ist ein ganz dickes Brett, das gebohrt werden muss.

(Stefan Pfeiffer)

P.S. Mein Kommentar basiert auf einem Beitrag von 2015 über Digitale Transformation, das Middle Management und der Traum vom selbständig handelnden Mitarbeiter – StefanPfeiffer.Blog

Beispielhaft: SAP-Mitarbeiter dürfen ihren Arbeitsort selbst wählen

2. März 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Hier können sich einige Unternehmen, bei denen Home Office noch nicht Standard ist oder wo es gegenläufige Trends gibt, eine dicke Scheibe abschneiden. In heutigen Zeiten sollte man dort arbeiten können, wo man will, solange die Ergebnisse stimmen. Und ja, wenn irgend möglich machen auch Treffen in persona vor Ort mit Kolleginnen und Kollegen Sinn, aus sozialen Gesichtspunkten wie auch unter Projektperspektiven. Jedoch ist es meiner Ansicht nach ein absoluter Trugschluss, dass agiles Arbeiten angesichts moderner Kollaborationstechnologien und mit dem Willen der Beteiligten auch dezentral möglich ist.

Der Softwarehersteller SAP lässt seine rund 22.000 Mitarbeiter in Deutschland künftig weitgehend frei entscheiden, von wo aus sie ihre Arbeit erledigen. Unternehmen und Betriebsrat haben eine entsprechende Vereinbarung ausgehandelt, wie Personalchef Cawa Younosi am Freitag sagte. Die Beschäftigten könnten ganz normal ins Büro kommen, sie könnten aber auch zu Hause, vom Café oder vom Schwimmbad aus arbeiten. Die Wünsche müssen allerdings jeweils mit den Vorgesetzten abgestimmt werden. „Der Mitarbeiter und die Führungskraft einigen sich formlos, das geht per Mail, per SMS oder per Kalendereintrag“, sagte Younosi.

via SAP-Mitarbeiter dürfen ihren Arbeitsort künftig selbst wählen

(Stefan Pfeiffer)

Persönliche Gedanken zu mobilem Arbeiten, Home Office und „Agile“

1. Februar 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Agile ist gerade allenthalben in, Design Thinking en vogue. Nicht falsch verstehen. Ich halte agiles Projektmanagement und entsprechendes Arbeiten für sinnvoll. Schon bevor diese Sau mit den schönen Erkerchen und Balkönchen von Scrum. Zettelchen und Co. durchs Dorf getrieben wurde. Projektmanagement musste und muss nach meinem Verständnis schon immer nach dem Prinzip klarer Termine, Vereinbarungen und Aufdecken von Lücken und Schwachstellen betrieben werden. Lange bevor wir es agile nannten. Und auch Design Thinking macht Spaß und bringt Ergebnisse. Ich erinnere mich gerne an die Workshops, in denen ich dazu assistieren konnte.

Leider wird aber aus meiner Sicht agile zur Ersatzreligion hochstilisiert, ohne den berüchtigten gesunden Menschenverstand einzuschalten. Mitarbeiter werden in Büros beordert, damit man vor Ort zusammen sitzt und dann besonders kreativ und produktiv sein kann. Komplett ausgeblendet wird jedoch oft, dass die entsprechenden Mitarbeiter und Talente nicht unbedingt in der Nähe des jeweiligen Büros sitzen. Egal, alle müssen ins Büro. Zur Not sollte man halt umziehen. Oder man nimmt halt die Mitarbeiter, die schon vor Ort sind, egal ob sie für das jeweilige Projekt und Thema geeignet sind. Dass es heute moderne Werkzeuge zur Zusammenarbeit gibt, mit denen man auch standortübergreifend arbeiten kann … Na ja, es geht halt nichts über Präsenz vor Ort. Und ist ja auch einerlei, dass in global agierenden Unternehmen die Teams verstreut über den Globus in verschiedenen Zeitzonen sitzen.

Vollkommen egal, dass viele Studien, die ich kenne, bei allen Herausforderungen, die man mit Home Office und mobilem Arbeiten auch haben kann, heute von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit mobilen Arbeitens sprechen. Im Projekt „Die betriebliche Digitalisierung in der Arbeitswelt“  der Initiative D21 wurde es gerade aktuell nochmals herausgearbeitet:

Die Digitalisierung unserer Arbeitsumgebung bietet ein vorher nicht gekanntes Potenzial an mobiler und damit an selbstbestimmter Arbeit. Zudem fallen immense Umwelt- und Zeitkosten bei Verzicht auf tägliches Pendeln weg.

Telearbeit, HomeOffice und/oder mobiles Arbeiten werden aber nach wie vor selten genutzt. … Dies bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass – bezogen auf die Erwerbspersonenzahl in Deutschland insgesamt (44 Millionen) – mindestens 15 Millionen Erwerbstätige Zeit und Kosten sparen könnten, wenn ihnen die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten eingeräumt würde oder aber sie selbst diese Möglichkeit wahrnehmen würden.

via Zukunft der Arbeit | Neuer D21 Digital Index mit Fokus „Digitales Arbeiten“ und „Künstliche Intelligenz“: Potenziale mobilen Arbeitens liegen weiter brach – Zukunft der Arbeit

Um es nochmals aus meiner Sicht in die Perspektive zu rücken: Ich bin davon überzeugt, dass sich Teams, die zusammen arbeiten, nach Möglichkeit regelmäßig in persona treffen sollten. Nur zu oft wurde das durch Reisebeschränkungen in der Vergangenheit verhindert … Doch noch wichtiger als die Frage, ob ein Team zusammen vor Ort sitzt, ist in der heutigen digitalen Welt, dass die richtigen Talente konstruktiv und kreativ an den wichtigen Projekten arbeiten und so ein Unternehmen voran bringen. Ihnen sollte man die Arbeitsumgebung bereit stellen, die sie neudeutsch gesagt enabled. Dazu gehören moderne Werkzeuge zur Zusammenarbeit wie Videokonferenzen oder Collaboration-Werkzeuge ebenso wie gemeinsame Treffen. Das ist nämlich agile und Erfolg versprechend und generierend. Andere Vorgehensweisen sind meiner Ansicht nach von gestern und vielleicht auch nur Mäntelchen für ganz andere Motive.

(Persönlicher Kommentar und private Meinung von Stefan Pfeiffer)

 

[DE] New Work? Oder die Rückkehr der wilden Enten und das Imperium schlägt zurück

5. Januar 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Thema Arbeitsplatz der Zukunft oder Digital Workplace beschäftigt mich nun wirklich geraume Zeit. Den Begriff „New Work“ wage ich nach der letzten Diskussion im Facebook Video Chat von Gunnar Sohn gar nicht mehr benutzen. Diese Diskussion, aber auch die Beiträge von Katharina Krentz zu ihrer Arbeitsumgebung, der Bericht von Siegfried Lautenbacher zu den Herausforderungen von Sabine Kluge bei Siemens oder auch die leidige Diskussion um die Abschaffung der Heimarbeitsplätze bei IBM treiben mich dann doch zu diesem Kommentar. Der sich betroffen fühlende Hund bellt.

Im Videochat, den Gunnar Sohn gehostet hat, ging mir – man verzeihe mir die klare Sprach – tierisch auf den Senkel, dass die fast nur ausschließlich anwesenden Freiberufler glauben, denen, die in Unternehmen Dinge zu verändern suchen (Stichwort Change Management), erklären zu müssen, dass sie viel expliziter und öffentlicher mit ihren Bemühungen, den Erfolgen und Misserfolgen umgehen müssten. Das war der Moment, in dem mir die Haare ausfielen und ich alle die, die mühsam Veränderungen mit viel persönlichem Einsatz und unter latentem internen Beschuss treiben als Robin Hoods in Unternehmen bezeichnet und verteidigt habe.

Und zu dieser Aussage stehe ich: Dies sind die Jedi Ritter, die sich jeden Tag bemühen und unter latentem Beschuss der Bürokratie und der Nomenklatura Dinge hoffentlich zum Positiven im Unternehmen zu ändern. Zwar „ermächtigt“ von dem ein oder anderen Vorgesetzten, kämpfen sie doch ständig mit eingefahrenen Strukturen und vor allem Machtverhältnissen, die mit Klauen und Zähnen verteidigt werden. Welcher „Middle Manager“ hört beispielsweise gerne, dass seine Stelle an Macht verlieren oder gar verschwinden könnte? Welche konzernweite Richtlinie und Initiative setzt dann einfach mal die Großraumbüros durch, statt Projekträume für agiles Arbeiten zu schaffen und vielleicht gar den Mitarbeitern trotzdem irgendwie und irgendwo sein privates Eckchen zu lassen, wo die Fotos der Lieben oder sonstige Devotionalien stehen? Und wie viele Mitarbeiter haben Angst davor, dass ihr Wissen und damit ihre Stelle durch neue Management- und Projektmethoden obsolet wird? Das haben wir doch schon immer so gemacht …

Katharina_Krentz

Katharina Krentz auf Facebook mit dem Wunsch nach einem festen Anker im Büro.

Kluge Unternehme leisten sich „Wild Ducks“, wie es bei uns in der IBM heißt. IBM-Chef T.J. Watson Jr. sagte in den 60er Jahren: “We are convinced that any business needs its wild ducks. And in IBM, we try not to tame them.” Aber natürlich existieren trotzdem die angedeuteten Widerstände.

In der von Gunnar moderierten Runde wurde dann auch gefordert, dass die besagten Jedi-Ritter, Robin Hoods und Change Agents doch nicht nur ihre Projekte an und für sich, sondern auch deren reale Ergebnisse öffentlich machen und entsprechende Fragen beantworten sollten. Wie blauäugig ist das denn? Nur selten wird ein Unternehmen das Ergebnis von Change-Initiativen wirklich mit harten Falten publik machen. Die Änderung könnte einen potentiellen Wettbewerbsvorteil öffentlich machen. Man könnte frühere Versäumnisse offenlegen. Und so was geht eh nur über die offizielle Pressestelle 😉 Hier bitte ich auch den entsprechenden Journalisten und Nachfragenden um das entsprechende Verständnis.

Um es nochmals klar zu sagen: Die besagten Wild Ducks tanzen bereits auf der Rasierklinge. Sie und ihre Stelle sind immer unter oft heftigem internem Beschuss. Dass die Wild Ducks, die über ihre Projekte in der Öffentlichkeit berichten, ist schon positiv und sollte ihnen helfen, die Arbeit voran zu treiben. Wie sagt Gunnar immer so schön: Wir spielen über Bande. Der Journalist bekommt eine interessante Story, der Change Agent öffentliche Anerkennung und Unterstützung.

IBM_Wild_Ducks_-_About_IBM_Wild_Ducks_Podcasts

Die Arbeit als Change Agent oder Wild Duck ist erfüllend, sehr oft aber auch frustrierend. Ob dann der Weg in die Eigenständigkeit für jeden der richtige ist, wage ich zu bezweifeln. So kam es ein bisschen im Videochat rüber. Ich zolle denen Respekt, die diesen Schritt gehen, fordere aber auch explizit diesen Respekt gegenüber den Wild Ducks, die im Unternehmen verändern wollen und dabei nicht aufgeben, ein.

[Und ein kleiner Tipp an die Wild Ducks: Man kann befragenden Journalisten und Analysten durchaus sagen, dass man über gewisse Dinge und Zahlen nicht reden darf. Das wird meiner Erfahrung nach immer akzeptiert.]

Mir seien noch einige Bemerkungen zum Dogmatismus erlaubt. Ich zitiere Wikipedia:

Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“[1]) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.

Wir haben derzeit im Markt einige interessante Entwicklungen. Rund um John Stepper haben sich in der Working Out loud-Initiative viele Vordenker und –wirker von „New Work“ – ich benutze den Begriff doch nochmals – versammelt, die sich in regelmäßigen Runden austauschen. Die Initiative finde ich empfehlens- und unterstützenswert (was ich ja auch z.B. getan habe, indem ich für das Treffen auf der re:publica 2017- hier der Live-Mitschnitt – natürlich den IBM / Design Offices-Stand zur Verfügung gestellt habe). Doch muss es erlaubt sein, auch Prinzipien, Vorgehen und Aussagen der Initiative in Frage zu stellen. Genau das gehört dazu. Und man darf das auch, wenn man selbst nicht der Initiative angehört, sondern sie nur beobachtet. Hier ein entsprechender Beitrag auf dem CIOKurator. Versucht man kritischen Geistern den Mund oder die Fragen zu verbieten, so erweckt man plötzlich den Eindruck des Sektenhaften.

Ähnliche bedenkliche Entwicklungen sehe ich auch rund den Hype über agile Projektmethoden (Link zu den „agilen“ Beiträgen auf dem CIOKurator und zum Thema Agiles Marketing hier, das mir natürlich sehr am Herzen liegt). Viele der Leitsätze und agilen Methoden sind absolut begrüßenswert und sollten sogar eine Selbstverständlichkeit in der täglichen Projektarbeit sein. Sie können zu einem deutlich ziel- und ergebnisorientiertem Arbeiten führen. Wenn jedoch die Theorie zum Dogma erhoben wird, können genau gegenteilige Effekte eintreten. Für mich ist das Thema Co-Location, alle Projektmitarbeiter sollen an einem Ort in einem Raum arbeiten, ein solches Dogma. Es entspricht nicht der Struktur und Arbeitsweise in einem weltweit operierenden Unternehmen, wo Experten und Wissensträger an vielen Orten verteilt sitzen. Wer dann aber Co-Location als Dogma durchzusetzen versucht, schadet dem Unternehmen mehr, als es nutzt. Stattdessen gilt es quer zu denken: Wie kann ich beschriebene gemeinsame Projektarbeit durch moderne Technologien unterstützen und so die erhofften Ergebnisse simulieren.

Beides sind für mich klassische Beispiele, wo Menschen Theorien einen Wahrheitsanspruch verleihen und das ist fast immer falsch. Das ihrige tragen dann dazu Berater bei, wenn sie nach Schema und Vorlage F bestimmte Management- und Prozessprinzipien in Unternehmen durchdrücken, ohne links und rechts zu denken und besagte Flexibilität besitzen, um die angestrebten Ziele doch zu erreichen. Querdenkende Berater, die von außen in ein Unternehmen kommen, können wichtige Impulse setzen und Change voranbringen. Markus Reif plädiert in seinem lesenswerten Beitrag zur Digitalen Transformation für das Einbeziehen externer Berater: „Sie können keine Transformation mit Bordmitteln machen. Im laufenden Geschäft auch noch eine Veränderung zu managen, ist nahezu unmöglich. Sie brauchen entweder ein designiertes Team Ihrer besten Leute … oder externe Unterstützung …“

Oft sind die erwähnten Wild Ducks natürliche Verbündete der Berater. Oft aber bremsen die Berater diese auch aus und führen zu deren Frustration – wahrscheinlich auch umgekehrt. Und wenn Berater Mitglieder von Zirkeln wie Working out loud oder Promotoren agiler Methoden sind, muss man sich auch deren Motivation – nämlich Beratungsaufträge zu bekommen – klar vor Augen führen. Das ist übrigens Negatives, sondern ein ganz berechtigtes Interesse. Wenn durch sie neue Impulse und Ideen und besagtes Querdenken in Projekte kommen, sind sie extrem nützlich und wertvoll.

Meine 2 Cents: Ich bin überzeugter Pragmatiker in der Umsetzung von Projekten. Gerne schaue ich mir neue Ansätze wie Agile an, rate aber jedem dazu, nicht dogmatisch zu werden und nicht die eigenen Ziele und Werte aus dem Auge zu verlieren. Man kann und sollte vielen neue Ansätze positiv gegenüberstehen, sie nicht gleich ablehnen, nur weil sie neu sind, aber auch den gesunden Menschenverstand einschalten, wann und wie man sie anwendet

Ich bin In-Frage-Steller von scheinbar heiligen Kühen oder aus meiner Sicht sinnfreier Methoden und Messsystemen. Dabei ist mir wohl gegenwärtig, dass man gewisse Praktiken offenbar nicht ändern kann. Die Metrix – nicht die Matrix – lebt scheinbar für immer, auch wenn sich die Welt rund herum rasant verändert und Methoden und Messgrößen von früher obsolet führt. Ich habe darüber schon des Öfteren berichtet. Das Imperium schlägt immer zurück.

Ich bewundere diejenigen, die gehen, ein Unternehmen verlassen, wenn für sie das Fass zum Überlaufen gebracht wurde. Letztlich muss man diese Konsequenz ziehen, wenn man nur noch mit negativen Gefühlen auf der Arbeit ist. Also, Chapeau für den Mut, in die Selbstständigkeit zu wechseln und viel Erfolg.

Ich bitte aber auch um Respekt für diejenigen, die im Unternehmen bleiben und dort Veränderungen zu treiben suchen. Sie verdienen diesen Respekt, da sie sich von einer Mehrheit abheben, die nur noch mehr oder weniger blind mittrottet und sich meist ins Privatleben zurückgezogen hat (oder blind nach Unternehmensschema die Karriereleiter erklimmt). Unter dieser Mehrheit befinden sich viele, die auch mal verändern wollten, aber resigniert haben. Schade, aber der Wunsch nach sicherem Einkommen ist sicherlich nicht despektierlich zu behandeln, wie es in gar mancher Diskussion durchkommt.

Jedi Ritter, Robin Hoods, Wild Ducks sollten entsprechend geachtet und unterstützt werden. Sie sind – wie kann ich persönlich es anders schreiben – Katalysatoren, die enorm wichtig sind. Sie nehmen dafür manche Anfeindung in Kauf, sagen dem normalen Karriereweg (entsprechender Schulterklappen und Besoldung) ade und tanzen auf der Rasierklinge, gerade auch wenn sie in die Öffentlichkeit gehen, die sie einerseits brauchen, deren Wirkung aber auch ein Risiko darstellt. Ich zolle noch heute meinem ehemaligen Kollegen Wild Dueck Gunter Dueck Respekt für dessen seiltänzerische seine Performance. Deshalb bitte ich um den sorgsamen, respektvollen und durchdachten Umgang miteinander.

Für mich persönlich kann ich nur sagen: Solange ich in meinem Unternehmen das Gefühl habe, mit meinen Projekten Dinge verändern und vorantreiben zu können, solange „das Unternehmen“ (beziehungsweise unterstützende Chefs und Sponsoren) mir das erlaubt, finde ich durchaus Spaß und Befriedigung im Job in einem großen Konzern. Und manchmal sich selber nicht zu ernst nehmen, ist ein guter Ratschlag.


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[DE] „Der Schlüssel von Management ist es, Manager los zu werden“

19. Dezember 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

„Der Schlüssel von Management ist es, Manager los zu werden“. So postulierst es Ricardo Semler.

So zitiert Andrew Chakhoyan auf dem World Economic Forum Ricardo Semler, dessen TED Talk sich rasant verbreitet und Begriffe wie “Industrial Democracy” and “Corporate Re-engineering” geprägt hat. Zwar sei für die Mehrzahl der Arbeit immer noch die traditionelle Organisationsstruktur am besten, jedoch könnten die neuen High Tech-Unternehmen in der heutigen VUCA-Welt (Volatility = Unbeständigkeit, Uncertainty = Unsicherheit, Complexity = Komplexität und Ambiguity = Mehrdeutigkeit) die Vorreiter eines nicht hierarchischen Modells werden.

via „The key to management is to get rid of the managers“ –  CIO Kurator 

Auf dem CIO Kurator schreibe ich, dass dies durchaus ein Thema für CIOs ist, die multidisziplinäre Teams bilden müssen, um den Herausforderungen der digitalen Transformation gerecht werden zu können. Aber eigentlich sollten Manager generell darüber nachdenken …


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