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Auto-Mobil: Volkswagen ID.3 oder doch der Golf 8 – Machen Hybride überhaupt Sinn? Wie sieht das E-Auto der Deutschen aus?

12. Oktober 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Um die gängigen und teilweise vielleicht auch nicht ganz falschen Klischees zu bedienen: Männer und Autos. Nun hat der Kerl – also ich – noch 8 Monate Zeit, bis der Leasingwagen ausläuft, und schon jetzt liest er und hört er und liest er. Das Thema E-Auto und Elektromobilität fasziniert mich eingestandenermaßen. Deshalb auch wieder einige kuratierte auto-mobile Notizen.

ID.3 günstiger wie der Golf 8

heise hat – hinter der Paywall – die Kosten für den Volkswagen ID.3 und den Golf 8 in verschiedenen Konfigurationen – TDI, eHybrid, TSI, auch verschiedene ID.3-Modelle – unter verschiedensten Aspekten miteinander verglichen, von den Anschaffungskosten, Steuern bis zu Wartung, Verschleiß und Versicherung. Das Fazit:

Der ID.3 ist hinsichtlich der monatlichen Kosten im Vergleich mit einem ähnlich ausgestatteten VW Golf der achten Generation deutlich günstiger.

Strom vs. Sprit: Wer fährt günstiger – VW ID.3 oder Golf 8? | heise Autos

Als Verlierer bezeichnet heise den Golf eHybrid, der letztlich nur zur Beruhigung des Gewissens tauge. Je häufiger man beim Hybriden den Verbrennungsmotor nutze, desto wirtschaftlich attraktiver werde der reine Benziner.

Falsche Verbrauchsangaben bei Hybriden?

In dieses Horn stößt auch eine weltweite Studie, die feststellt, dass die Verbrauchsangaben der Autohersteller für Hybridfahrzeuge nicht so ganz den reellen Werten entspricht:

Das International Council on Clean Transportation (ICCT) in den USA und das deutsche Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) haben in einer großen Studie die Realverbräuche von Pluginhybriden untersucht und dabei sehr große Abweichungen zu den Normverbrauchs-Angaben der Hersteller festgestellt.

Fraunhofer Institut: Plug-in-Dienstwagen verbrauchen viermal mehr als angegeben – EFAHRER.com

Sobald mehr Langstrecke gefahren wird, funktioniert das Konzept nicht mehr. Langstrecke ist auch ein Stichwort, das im Tech2Go-Podcast Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos eine wichtige Rolle spielt. Der Autojournalist Clemens Gleich schildert darin anschaulich, dass man beim E-Auto Langstrecken beziehungsweise das Aufladen vor planen müsse. Und man habe besser auch einen Plan B, wenn eine geplante Ladesäule besetzt oder defekt sei. Auf den letzten Drücker „tanken“ gehe beim E-Auto nicht. Doch wie oft fährt der:die „gemeine Autofahrer:in“ Langstrecke? Bei ihm sei das zwei- oder dreimal im Jahr. Und dann miete er sich eben einen Diesel. Sehr treffend, die Aussage. Köstlich übrigens auch der Begriff Rennreisemaschinen, der im Tech2Go-Podcast verwendet wird. Ich sehe um die 200 km/h fahrenden 5er BMWs und E-Klassen vor meinen Augen, gejagt vom Tesla Model S.

Eigene Wallbox + Kurz- und Mittelstrecke = E-Auto

Zwei Parameter scheinen für potentielle E-Auto-Besitzer:innen wichtig zu sein: Möglichst eine eigene Wallbox haben, an der man nachts aufladen kann. Am besten gar noch eine eigene Solaranlage auf dem Dach. Und schauen, ob man meist in der Stadt, Kurz- und Mittelstrecke fährt. Dann scheint nichts gegen ein E-Auto zu sprechen. Wer regelmäßig Langstrecken fährt, der sollte es sich wohl besser überlegen.

Und wie soll das ideale E-Auto nach Meinung der Deutschen aussehen?

Castrol hat die Studie „Accelerating the EVolution“ veröffentlicht. Laut der Auswertung sind für deutsche Verbraucher im Durchschnitt ein Preis von 33.000 Euro, eine Ladezeit von 29 Minuten und eine Reichweite von 472 Kilometern pro Ladung die entscheidenden Punkte für eine breite Akzeptanz von Elektroautos.

Studie: Deutsche wollen Elektroauto für 33.000 Euro – ecomento.de

Die Zulassungszahlen gehen laut Kraftfahrzeug-Bundesamt nach oben. Und laut einer Umfrage, die Verivox in Auftrag gegeben hat, wollen 11 Prozent einen Wagen mit reinem Batterieantrieb und 7,3 Prozent mit Plugin-Hybridmotor anschaffen. Einen Diesel planen danach noch 14,5 Prozent. Und die Medien titeln, dass E-Autos bald Diesel überflügeln. Laut Castrol-Studie wollen bis 2025 zwei Drittel der Befragten den Kauf eines E-Fahrzeugs bis 2025 in Erwägung ziehen. Noch sind allerdings 65 Prozent abwartend.

Und hier noch der Hinweis auf eine weitere Studie: das YouGov Whitepaper „The European Electric Car Market“, für das mehr als 11.000 europäische Verbraucher befragt wurden. Die 4 am meisten genannten Gründe für den Kauf eines E-Autos sind demnach Umweltschutz, Betriebskosten, Zukunftstauglichkeit. und Steuervorteile.


Mobil sein, heißt nicht automatisch Auto besitzen

Doch wie ist es eigentlich mit den Jungen, der Gen Z? Haben die überhaupt noch Interesse am Auto. Eine aktuelle Studie von Ford und dem Zukunftsinstitut stellt fest, dass das Auto wichtig bleibt, Mobilitätsexperte Stefan Carsten vom Zukunftsinstitut:

Hier ist das Auto weiterhin sehr wichtig, aber es muss sich in einen aktiven, umweltbewussten Lebensstil integrieren.

Generation Z schätzt das eigene Auto

Ein Auto kaufen, selbst besitzen, scheint aber nach Studie nicht mehr so wichtig zu sein, so lange ein Fahrzeug zugreifbar sei, es beispielsweise geliehen werden kann. Mobilität scheint von dieser Generation wesentlich flexibler gedacht und gelebt zu werden, so Carste:

Die Gen Z bedient sich der vielfältigen Möglichkeiten von Mobilität. Sie wählt ihre Fortbewegungsmittel danach aus, wie sie im jeweiligen Moment am besten in ihren Alltag passen.

Generation Z schätzt das eigene Auto

In einem solchen Zusammenhang interessant: Aral hat in Berlin einen ersten Mobility Hub in Berlin eröffnet. Dort werden verschiedene Carsharing-Optionen über E-Scooter und E-Roller bis hin zum Bikesharing angeboten – und es ein Jelbi-Standort. Jelbi bündelt in Berlin verschiedene Mobilitätsangebote auf einer digitalen Plattform. Ist so etwas die Tank-, lade- bzw. Mobilitätsstelle von morgen?

Audi: Funktionen on demand – Daimler: Luxus + E-Auto

Zum Abschluss noch zwei Nachrichten aus der Welt der großen Automobilkonzerne: Der Daimler will voll auf E-Autos, Fahrzeugsoftware und das Luxussegment setzen. Das Kompakt- und Mittelklassesegment scheint erst ab 2025 voll elektrifiziert zu werden. Das wird Volkswagen sicher freuen. Und bei Audi kann man sich in Norwegen und Deutschland nun selektierte Funktionen später freischalten lassen. Diese Funktionen sind verbaut Und zum Abschluss noch zwei Nachrichten aus der Welt der großen Automobilkonzerne: Der Daimler will voll auf E-Autos, Fahrzeugsoftware und das Luxussegment setzen. Das Kompakt- und Mittelklassesegment scheint erst ab 2025 voll elektrifiziert zu werden. Das wird Volkswagen sicher freuen. Und bei Audi kann man sich bei einigen Modellen nun in Norwegen und Deutschland nun selektierte Funktionen später freischalten lassen. Diese Funktionen sind verbaut, die Kunden können einen Monat testen und über die Apps oder das Web-Portal von MyAudi gebucht und bezahlt werden.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Markus Distelrath auf Pixabay

Auto- oder besser Tesla-Notizen: Börsenwert, Innovationsvorsprung, Qualität und warum man noch keine Werbung schaltet

9. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Dreht sich eigentlich die ganze Autoindustrie nur noch um Tesla. Wenn man die „Auto-Nachrichten“ verfolgt gewinnt man zumindest diesen Eindruck. Nicht nur heise online berichtet über den Kurssturz:

Noch am 7. September schreibt car.IT über die goldenen Zeiten bei Tesla, den hohen Aktienkurs und die Risiken, falls der Innovationsvorsprung schrumpft oder Qualitätsmängel überhand nehmen und zitiert dazu Laut eine J.D.-Power-Studie, nach der die fehleranfälligsten Autos baue.

Apropos Qualität: Natürlich darf auch in diesen Auto-Notizen, nahezu Tesla-Notizen auch Ferndinand Dudenhöffer nicht fehlen. Anläßlich des Erscheinens der Mercedes S-Klasse sagt er zum SWR, dass der Mercedes EQS, das Topmodell der Elektrobaureihe, entscheide, wie gut Daimler zu Tesla stehe.

Die Wirtschaftswoche wiederum widmet sich dem Thema Tesla, Marketing und Werbung. Demnach setzt Elon Musk derzeit vor allem auf drei Säulen:

  • auf sich selbst und Twitter, wo seine Nachrichten verbreitet werden und er entsprechende Aufmerksamkeit genießt,
  • auf Pressearbeit, Public Relations,der Besuch in Deutschland ist ja ein gutes Beispiel und
  • und auf seine Fangemeinde, die Mundpropaganda für Tesla macht.

Das wird, so die Wirtschaftswoche bald nicht mehr genügen, um sich gegenüber den Wettbewerbern zu differenzieren. Die erste Werbekampagne wird kommen: „Irgendwann sollten wir wahrscheinlich Werbung machen“, schrieb Musk jetzt.

Und wie sehr der Name Musk zieht, hat sich ja gerade bei seinem Deutschland-Besuch gezeigt;

Und natürlich geht sein Besuch bei Volkswagen, die Probefahrt mit dem ID.3 durch die Presse, die Spekulationen schießen ins Kraut und auf tagesschau.de wird getextet „VW: Kein Deal mit Tesla“. Bei all der Aufmerksamkeit muss sogar der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann eine Lanze für die deutsche Autoindustrie brechen:

Während Tesla hochsubventioniert seine Fabrik in Brandenburg gerade erst baut, wird 200 Kilometer südlich im Zwickauer VW-Werk bereits E-Mobilität produziert, in deutlich höheren Stückzahlen.

Probefahrt für Musk: VW: Kein Deal mit Tesla | tagesschau.de

Und jenseits der Diskussion und auch teilweise des Hypes um Musk und Tesla sind derzeit dunkle Wolken über der deutschen Automobilindustrie und vor allem auch den Zulieferern deutlich zu sehen, wie das Handelsblatt mit Bezug auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) oder auch EY analysiert.

Digitalthemen heute bei #9vor9: Digitalpakt, Lehrer und Schulen – Von wegen E-Auto: Die Deutschen kaufen in der Mehrzahl dicke, schnelle Benziner und Diesel

18. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

#9vor9 ist aus der Sommerpause zurück, leider derzeit ohne Gunni Sohn, der sich auf seine anderen Sendungen konzentrieren muss. #9vor9 ist ja reines Spaß- und Hobbyprojekt und dafür muss man als Selbständiger natürlich auch Zeit haben. Wir hoffen natürlich auf sein Comeback. Ist ja wie beim Fußball …

Um im Bild zu bleiben: Angestoßen hat Lars Basche mit dem Thema Digitalisierung und Schule und wie es trotz Digitalpakt nicht so vorangeht, wie man es sich eigentlich erhofft hatte. Die Digitalpakt-Mittel fließen extrem langsam, die Tagesschau berichtet unter dem Titel Lange Leitung, schlechte Ausstattung über digitale Schule in Nordrhein-Westfalen. Und erschreckend ein weiterer Tagesschau-Bericht: Zwei Drittel der Lehrer können laut Report Mainz noch immer nicht auf digitalen Fernunterricht umschalten.

Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich jetzt von meinem Balkon aus die Schüler wieder Richtung Walldorf-Schule trippeln sehe, gerade auch wenn es schon in anderen Bundesländern zu Schulschließungen gekommen ist und im Nachbarkreis Groß-Gerau in einigen Schulen Maskenpflicht verordnet wird. Die generelle Kritik an Lehrern mag überzogen sein, aber für mich ist klar, das oft noch im Bereich digitale Kompetenz noch Nachholbedarf besteht.

Mein Thema war wie angekündigt Tesla, die deutsche Automobilindustrie und E-Autos. Das Thema beschäftigt mich beruflich im IBM Livestudio, aber auch privat, denn Mitte kommenden Jahres steht ein Fahrzeugwechsel an und ich liebäugele mit einem E-Auto. Generell als Hintergrundinformation passend ein Artikel mit vielen aktuellen Zahlen zu Beschäftigten, Umsätzen und vielem mehr in der FAZ:

An den bisherigen Verkäufen lässt sich der Aufbruch in die Zukunft ebenfalls nur in Ansätzen ablesen: Nach wie vor greifen die Kunden vor allem zu Autos mit Verbrennungsmotor. Ziemlich genau jedes zweite im Juli verkaufte Auto hatte einen Benzin-Motor, etwas mehr als jedes vierte einen Dieselantrieb. Der Anteil der rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge steigt wegen der üppigen staatlichen Zuschüsse zwar deutlich, liegt insgesamt aber immer noch bei mickrigen 5,3 Prozent.

Corona zwingt die Autoindustrie zur Vollbremsung

Ernüchternd. Und ich erinnere mich daran, dass mir mein VW-Händler eine Liueferzeit von 9 bis 12 Monaten für den e-UP! avisierte. Zwar werden also mehr E-Autos gekauft, aber der Weg ist noch sehr lange. Und auch die Ladeinfrastruktur muss noch geschaffen werden. Dazu der Tweet von Sascha:

Bedenklich und etwas frustrierend dann noch diese Aussage in der FAZ, die ein Schlaglicht auf das Bewusstsein der meisten Autokäufer wirft:

Das durchschnittliche, neu zugelassene Auto wird immer stärker, schneller und schwerer. Die Motorleistung stieg in den Jahren von 2005 bis 2018 um fast 30 auf 153 Pferdestärken, die Höchstgeschwindigkeit um 11 auf 200 Kilometer in der Stunde …

Corona zwingt die Autoindustrie zur Vollbremsung

Wir hätten noch eine Menge weiterer interessanter Themen gehabt – TikTok und Microsoft oder auch das unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier stehende Projekt „Ethik der Digitalisierung“ – aber wollten nicht zu sehr über 9 Uhr hinaus senden. Vielleicht dann kommende Woche.

Das eigene Auto im Abo? Lieben die Deutschen noch ihre Autos? Und schaffen die deutschen Hersteller ein eigenes Betriebssystem?

25. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge und es hat unheimlich viel Spaß gemacht, das IBM Livestudio Magazin vom 23. Juni 2020. Diesmal hatten wir zwei Live-Diskussionsrunden geschaltet. Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich mit Dirk Wollschläger, dem General Manager für Automotive weltweit in der IBM unterhalten (. Sie hatten ein besonderes Thema: Autos müssen gerade seit der Covid-19-Krise auch online verkauft werden. Tesla habe es vorgemacht. Die deutschen Automobilkonzerne seien noch nicht so weit. (Übrigens hat an der Stelle später Sascha Pallenberg vom Daimler widersprochen).

Und es brauche neue Abomodelle für Fahrzeuge, um den Käufern beziehungsweise Abonnenten die Zurückhaltung zu nehmen. Derzeit sei man sehr risikoaffin, auch wegen des Umstiegs auf Elektroautos. Ob jeder einem endgültigen Abgesang auf Car Sharing, Uber und andere Dienste allerdings zustimmt, wage ich zu bezweifeln. Manche Trends könnten nach der Covid-19-Zeit durchaus wieder anspringen.

Lieben „die Deutschen“ weiterhin ihr Auto – und den Individualverkehr?

Und bei der Aussage von Ferdinand Dudenhöffer, dass die Deutschen, die Großstädter das Auto lieben und weiter Auto fahren wollen, wird gar mancher zucken. Dudenhöffer führte Zahlen an, dass in den 20 größten deutschen Städten die Zahl der Fahrzeuge zugenommen haben. Das steht natürlich im Kontrast zu der Wahrnehmung, dass gerade Jüngere scheinbar nicht mehr so sehr am Statussymbol Auto zu hängen scheinen. Stoff für Diskussionen also. Die beiden Experten waren sich auf jeden Fall einig, dass die deutschen Automobilkonzerne eigentlich umgehend Onlineverkäufe mit vorpaketierten Fahrzeugen anbieten müssen, dass sie attraktive Abomodelle bieten müssen, um möglichst gut durch die Krise zu kommen.

Das Auto als größtes und schnellstes Device: Mercedes & Co. bauen eigenes Betriebssystem

Die Schnittstelle zum Kunden besetzen ultimativ wir. Wir wollen die neuen, softwarebasierten Geschäftschancen selbst wahrnehmen. – Ola Källenius, CEO, Daimler

Im, zweiten Gespräch mit dem schon erwähnten Sascha Pallenberg und meinem Kollegen Salvatore Romeo (ab ca. 28:39 Min.) ging es dann um die Projekte von Mercedes, angefangen von Ask Mercedes, einem Fahrzeughandbuch, das als Chatbot realisiert wurde, bis zur Entwicklung eigener Software-Betriebssysteme durch Daimler und andere Automobilkonzerne. Laut Sascha müssen und werden die Konzerne das Betriebssystem des Autos „ownen“ und dürfen dies nicht Apple, Tesla oder Google überlassen. Hier sei auch auf einen aktuellen Bericht von Auto Motor Sport hingewiesen, der die Bemühungen der einzelnen Konzerne darstellt:

Bei VW, Daimler und BMW versuchen sie mit aller Macht, eigene Lösungen zu entwickeln. Spannend dabei: Sowohl bei Daimler als auch bei BMW setzen sie dabei im Kern auf das Betriebssystem Linux und sind damit in bester Gesellschaft. Auch das Tesla-Hirn basiert auf Linux. Warum also nicht kooperieren? …

Die einzige Chance für Daimler, BMW und VW kann also nur darin liegen, besser zu sein, als die Plattform-Konzerne aus dem Silicon Valley. Bessere Sprach-Assistenten anzubieten, nutzerfreundlichere Services, einfachere Nutzeroberflächen und innovativ verknüpfte Hard- und Software. Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Ob es wirklich zu einer Kooperation kommen wird? Die Zusammenarbeit im Bereich autonomes Fahren hat man ja schnell wieder eingestellt.

Und wir werden uns Mitte kommenden Jahres entscheiden, wie die persönliche Mobilitätslösung aussehen wird

Das Thema Auto wird auch mich weiter beschäftigen. Klar ist für mich, dass ich keine vergleichsweise große Kiste mehr brauche. Also werde ich den Markt in den kommenden Monaten intensiv beobachten und muss dann zur Mitte kommenden Jahres, wenn mein Leasingwagen ausläuft, eine Entscheidung. Eigenes Auto? Ein VW ID.3 vielleicht? Oder reicht auch ein Elektro-Smart für Stadt und Kurzstrecken? Und meine Frau und ich tauschen die Fahrzeuge bei Bedarf? Wer länger fahren muss nimmt den vorhandenen Golf-Klasse-Benziner, der andere den Smart. Mal schauen, wie sich die Situation entwickelt.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Emslichter auf Pixabay

Hey Mercedes versus Hey Siri ODER Dieter Zetsche zum doch vergleichsweisen teuren Hirn des Autos …

2. März 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Der bald scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich mit der FAZ zur Strategie „vom und beim Daimler“ unterhalten. Für mich ist das folgende eine Kernaussage:

Und wir wollen nicht hirnamputiert werden. Deshalb haben wir unser eigenes Hirn entwickelt. Wir wollen uns nicht nur einloggen in iOS oder Android.

über Daimler-Chef Zetsche: Wollen nicht hirnamputiert werden – FAZ

Auch sagt er in dem Interview, dass das Multimediasystem MBUX („Mercedes-Benz User Experience“), das vor rund einem Jahr auf den Markt gekommen ist, ein Erfolg sei. Trotzdem „Hey Mercedes“ „nicht ganz billig“ (O-Ton) sei, hätten zwei Drittel der Kunden der neuen A-Klasse das Infotainment-System hinzu gebucht.

Das passt sehr zu gut zu meinem kürzlich veröffentlichten Bericht zu Carplay. Im neuen Wagen meiner Frau haben wir uns – ok, ich als männliches Spielkind habe den Wagen konfiguriert – bewusst für „Carplay only“ und gegen das Multimedia-System des Herstellers entschieden. Der bietet auch kein MBUX, aber es war trotzdem eine bewusste, vom Preis gesteuerte Entscheidung. In einem Dienstwagen ist ein teures System des Herstellers mal schnell hinzu konfiguriert, privat finde ich diese Systeme, die in der Vergangenheit zudem oft auch noch antiquiert waren, einfach zu teuer.

Ja,  Hey Mercdeses scheint im Vergleich zu Siri, Alexa und Co sehr gut abzuschneiden. Aber rechtfertigt das den Preis? Vielleicht können wir ja zusammen mal eine Probefahrt machen, lieber Sascha Pallenberg, und den Mehrwert heraus arbeiten. Wäre sicher auch mal eine Reportage während oder vor der #ThinkatIBM wert.

Jenseits dieser persönlichen Detailfrage finde ich es aber richtig und wichtig, dass der Daimler sich bewegt und immer mehr IT-Knowhow in den Konzern holt, um gerade auch mit den neuen Wettbewerbern Schritt halten zu können:

Aber zumindest eine Teilkompetenz im digitalen Bereich werden alle Mitarbeiter im Automobilbereich in Zukunft mitbringen müssen.

über Daimler-Chef Zetsche: Wollen nicht hirnamputiert werden

Es gibt viel zu tun, nicht nur in der Digitalisierung im Auto. Neue Mobilitätskonzepte und Elektroautos stehen ja unter anderem auch noch auf der Agenda.

Hier ein Gespräch zu MBUX und Hey Mercedes, dass im Rahmen des IBM Livestudios auf der letzten Cebit geführt mit Sascha wurde:

(Stefan Pfeiffer)

 

 

Zum Nachdenken: „Europa ist auf dem besten Wege zur digitalen Kolonie der Amerikaner zu werden“ | @GaborSteingart

25. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Einmal mehr ein Zitat und eine Grafik aus Gabor Steingarts Morning Briefing zum Nachdenken zwischen den Jahren:

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Europa verschläft das Digitalzeitalter und schaut sich selbst beim Einschlummern zu. Der Vorsprung der US-Techkonzerne wie Google, Apple, Microsoft und Facebook ist so groß und ihre Finanzpolster dermaßen komfortabel, dass selbst die traditionsreiche deutsche Autoindustrie (siehe Grafik) um ihre Vormachtstellung bangen muss. Alle in Brüssel sind alarmiert und keiner reagiert. Die ökonomische Kapitulation Europas ereignet sich in der Stille derer, die wissend schweigen. Europa ist auf dem besten Wege zur digitalen Kolonie der Amerikaner zu werden. Die allseits akzeptierte Arbeitsteilung ist derzeit diese: Die Amerikaner haben Apple und wir das iPhone.

über Gabor Steingart. Das Morning Briefing.

Deutschland & der Kohlendioxidausstoß: „Am Sonntag ist der Klimaschutz eine Menschheitsfrage, am Montag nur noch eine Machtfrage“ – Gabor Steingart

10. Oktober 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Klaus Eck hat mir sein Morning Briefing empfohlen, die tägliche pointierte Zusammenfassung von Gabor Steingart. Und, Klaus, ich bin sehr angetan und möchte aus dem heutigen Briefing vom 10.10.2018 zitieren, da es auch meine Stimmung trifft und zudem zeigt, was zur Politikverdrossenheit in diesem Land und zur Abgabe von Proteststimmen* beiträgt. Es geht um den Kohldioxid-Ausstoß und das Verhalten der deutschen Bundesregierung, von Angela Merkel … und von der scharf kritisierten Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Wieder einmal beuge man sich der deutschen Automobilindustrie. Hatten wir das nicht gerade?

Deutschland, das sich immer gerne als Vorreiter in der Umweltpolitik gibt, wollte nur einen Kohlendioxidausstoß von 30 Prozent, die Mehrheit der anderen Länder 40 Prozent. Die Große Koalition sei eben groß in Sachen Ambitionslosigkeit und Schulze habe sich der Kanzlerin und der Koalitionsentscheidung gebeugt – und den Autokonzeren. Da hätte „Merkels graue Maus“ nicht nach Brüssel reisen müssen. Nachplappern könne Alexa besser.

Bei aller Spitzzüngigkeit macht aber dieser Absatz sehr nachdenklich, finde ich:

Das genau macht die Politik für so viele Bürger unappetitlich: Am Sonntag ist der Klimaschutz eine Menschheitsfrage, am Montag nur noch eine Machtfrage. Eben ging es noch um Leben und Tod der Küstenregionen, jetzt nur noch um den Cashflow der Autofirmen.

über Gabor Steingart. Das Morning Briefing.

*Ich hoffe, es werden wirklich nur Proteststimmen abgegeben und diese Wähler folgen und glauben nicht wirklich den tumben Parolen der entsprechenden Schwadronierer.

(Stefan Pfeiffer)

Gedankensplitter zur deutschen Automobilindustrie: Der Fisch stinkt vom Kopf und die Amerikaner haben es gut

5. März 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Angesichts der aktuellen Debatte rund um Diesel kann man ja eigentlich nicht weg hören und ich bin ja auch jemand, der oft nicht seine Klappe halten kann. Deshalb habe ich auch auf Facebook oder Twitter den ein oder andere Gedankensplitter abgesondert, die ich hier nochmals aufführen, vielleicht in natürlich rein zufälligen Zusammenhang stellen will.

Vorab: Ich komme aus einer Familie, wo immer die Einstellung herrschte, wir fahren ein deutsches Auto, weil die deutsche Automobilindustrie ja so wichtig für die deutsche Wirtschaft ist. Das hat meine Familie weitgehend durchgehalten und auch meine Frau und ich fahren deutschen Autos. Alexander Kluge macht sich in die Hose, wenn er das liest, aber #isso. Nur ..

Die Diskussion um potentielle Strafzölle auf deutsche Autos: Strafzölle hin, Strafzölle her (alles Quatsch, Herr Trump), aber nur mal so bemerkt: Ich erinnere mich, dass deutsche Luxuskarossen in den USA im Vergleich zu Deutschland wesentlich günstiger waren. Ist dem noch so? [Wurde mir unterdessen auf Facebook von verschiedenen Seiten bestätigt, dass dem noch so ist.]

Also: Wir Deutschen werden oder wurden für unseren BMW, Mercedes, Audi oder Volkswagen deutlich höher abkassiert wie ein US-Amerikaner, der ein solches Fahrzeug kauft.

Die armen Automobilkonzerne: Vielleicht kriege ich was in meiner geistigen Beschränktheit nicht zusammen: Autokonzerne wie VW fahren gerade wieder Rekordgewinne ein:

Volkswagen hat den Betriebsgewinn inmitten der Skandale und des Konzernumbaus fast verdoppelt und stockt die Dividende auf.

Das operative Ergebnis sprang im abgelaufenen Jahr dank kräftig gestiegener Auslieferungen und weiterer Sanierungserfolge der Hauptmarke VW um rund 95 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten 7,1 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Analysten hatten im Schnitt für 2017 mit 14,7 Milliarden Euro gerechnet. Unter dem Strich blieb den vorläufigen Zahlen zufolge ein Reingewinn von 11,4 (Vorjahr 5,1) Milliarden Euro, wie die Wolfsburger am Freitag mitteilten.

via Volkswagen inmitten von Skandalen mit Rekordgewinn | Nachricht | finanzen.net

Mögliches Fahrverbot und Nachrüstung der Diesel-Fahrzeuge: Dem gemeinen Diesel-Fahrer (besonders die älterer Fahrzeuge, die man ihnen als besonders sparsam und umweltfreundlich verkauft hat) sollen aber jetzt Fahrverbote drohen? Und Nachrüstung bezahlt man natürlich selber, wenn es nach den Konzernen geht:

Im Streit um die Umrüstung älterer Diesel-Motoren will Umweltministerin Hendricks den Druck auf die Autohersteller erhöhen. Verbrauchern stehe eine kostenlose Nachrüstung zu. Die Autohersteller lehnen dies ab.

via Diesel-Urteil: Hendricks fordert kostenlose Nachrüstung | tagesschau.de

Und das von den Konzernen, die auf der anderen Seite brav ihre Strafen in den USA abdrücken.

„Dieselgate“-Klagen in den USA haben Volkswagen bereits etliche Milliarden gekostet, doch der Konzern ist noch lange nicht aus dem Schneider. In Deutschland rückt ein Showdown im Mammut-Rechtsstreit mit Anlegern näher. Auch hier geht es um sehr viel Geld. Bis Mittwochabend muss der Konzern seine Klageerwiderung im Musterverfahren beim Oberlandesgericht Braunschweig eingereicht haben und damit die Weichen für seine Verteidigungsstrategie stellen

Entscheidend für den Rechtsstreit ist nicht zuletzt auch die wohl spannendste Frage im Abgas-Skandal: Wer wusste im VW-Konzern was wann? Interne E-Mails und Unterlagen, die bei den US-Ermittlungen sichergestellt wurden, gewähren Einblick hinter die Kulissen. Sie zeigen einerseits, dass es schon früh Warnungen gab, anderseits aber auch Ungewissheit über die Rechtslage und die Höhe potenzieller Strafen.

via Diesel-Skandal in USA: VW droht die nächste Abgas-Rechnung – Wirtschaft – Tagesspiegel

Von der Frechheit, ja dem Straftatbestand, auf Prüfständen zu betrügen, um umweltfreundliche Fahrzeuge vorzutäuschen, reden wir ja gar nicht mehr. Das scheinen wir alle schon als gegeben hinzunehmen. Da wird auch eher über die Strafen geschrieben und gesprochen, die VW in den USA mehr oder weniger bereitwillig zahlt, denn über Deutschland. Aber Entschuldigung, das der Betrug ist auch für uns hier sicher kein Kavaliersdelikt.

Die Konzernlenker der deutschen Automobilhersteller und auch einiger Zulieferer veräppeln hier konsequent – auch unter offensichtlicher Rückendeckung der Politik, die in Aufsichtsräten sitzen, Miteigentümer sind oder aber Angst vor vermeintlichen Arbeitsplatzverlustkeule haben – die Bürgerinnen und Bürger. Deren Vertrauen spielt offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, die Gewinne stimmen und die eigenen Boni werden ausgezahlt. Nur noch traurig und ich sehe leider nicht den politischen Willen, gerade beim Diesel dazwischen zu hauen und auch den deutschen Dieselfahrern eine Entschädigung zukommen zu lassen. Nicht nur der Diesel stinkt. Hier stinkt der Fisch vom Kopf und kein Fischer ist in Sicht.

Mr. President kann ja mal stecken, dass die deutschen Karossen in den USA günstiger sind als hierzulande und er noch satte Strafen kassiert hat. Der macht sich vor Freude in die Hose. America first, Germany …

(Stefan Pfeiffer)