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Das eigene Auto im Abo? Lieben die Deutschen noch ihre Autos? Und schaffen die deutschen Hersteller ein eigenes Betriebssystem?

25. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es war ein Ritt auf der Rasierklinge und es hat unheimlich viel Spaß gemacht, das IBM Livestudio Magazin vom 23. Juni 2020. Diesmal hatten wir zwei Live-Diskussionsrunden geschaltet. Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich mit Dirk Wollschläger, dem General Manager für Automotive weltweit in der IBM unterhalten (. Sie hatten ein besonderes Thema: Autos müssen gerade seit der Covid-19-Krise auch online verkauft werden. Tesla habe es vorgemacht. Die deutschen Automobilkonzerne seien noch nicht so weit. (Übrigens hat an der Stelle später Sascha Pallenberg vom Daimler widersprochen).

Und es brauche neue Abomodelle für Fahrzeuge, um den Käufern beziehungsweise Abonnenten die Zurückhaltung zu nehmen. Derzeit sei man sehr risikoaffin, auch wegen des Umstiegs auf Elektroautos. Ob jeder einem endgültigen Abgesang auf Car Sharing, Uber und andere Dienste allerdings zustimmt, wage ich zu bezweifeln. Manche Trends könnten nach der Covid-19-Zeit durchaus wieder anspringen.

Lieben „die Deutschen“ weiterhin ihr Auto – und den Individualverkehr?

Und bei der Aussage von Ferdinand Dudenhöffer, dass die Deutschen, die Großstädter das Auto lieben und weiter Auto fahren wollen, wird gar mancher zucken. Dudenhöffer führte Zahlen an, dass in den 20 größten deutschen Städten die Zahl der Fahrzeuge zugenommen haben. Das steht natürlich im Kontrast zu der Wahrnehmung, dass gerade Jüngere scheinbar nicht mehr so sehr am Statussymbol Auto zu hängen scheinen. Stoff für Diskussionen also. Die beiden Experten waren sich auf jeden Fall einig, dass die deutschen Automobilkonzerne eigentlich umgehend Onlineverkäufe mit vorpaketierten Fahrzeugen anbieten müssen, dass sie attraktive Abomodelle bieten müssen, um möglichst gut durch die Krise zu kommen.

Das Auto als größtes und schnellstes Device: Mercedes & Co. bauen eigenes Betriebssystem

Die Schnittstelle zum Kunden besetzen ultimativ wir. Wir wollen die neuen, softwarebasierten Geschäftschancen selbst wahrnehmen. – Ola Källenius, CEO, Daimler

Im, zweiten Gespräch mit dem schon erwähnten Sascha Pallenberg und meinem Kollegen Salvatore Romeo (ab ca. 28:39 Min.) ging es dann um die Projekte von Mercedes, angefangen von Ask Mercedes, einem Fahrzeughandbuch, das als Chatbot realisiert wurde, bis zur Entwicklung eigener Software-Betriebssysteme durch Daimler und andere Automobilkonzerne. Laut Sascha müssen und werden die Konzerne das Betriebssystem des Autos „ownen“ und dürfen dies nicht Apple, Tesla oder Google überlassen. Hier sei auch auf einen aktuellen Bericht von Auto Motor Sport hingewiesen, der die Bemühungen der einzelnen Konzerne darstellt:

Bei VW, Daimler und BMW versuchen sie mit aller Macht, eigene Lösungen zu entwickeln. Spannend dabei: Sowohl bei Daimler als auch bei BMW setzen sie dabei im Kern auf das Betriebssystem Linux und sind damit in bester Gesellschaft. Auch das Tesla-Hirn basiert auf Linux. Warum also nicht kooperieren? …

Die einzige Chance für Daimler, BMW und VW kann also nur darin liegen, besser zu sein, als die Plattform-Konzerne aus dem Silicon Valley. Bessere Sprach-Assistenten anzubieten, nutzerfreundlichere Services, einfachere Nutzeroberflächen und innovativ verknüpfte Hard- und Software. Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Ob es wirklich zu einer Kooperation kommen wird? Die Zusammenarbeit im Bereich autonomes Fahren hat man ja schnell wieder eingestellt.

Und wir werden uns Mitte kommenden Jahres entscheiden, wie die persönliche Mobilitätslösung aussehen wird

Das Thema Auto wird auch mich weiter beschäftigen. Klar ist für mich, dass ich keine vergleichsweise große Kiste mehr brauche. Also werde ich den Markt in den kommenden Monaten intensiv beobachten und muss dann zur Mitte kommenden Jahres, wenn mein Leasingwagen ausläuft, eine Entscheidung. Eigenes Auto? Ein VW ID.3 vielleicht? Oder reicht auch ein Elektro-Smart für Stadt und Kurzstrecken? Und meine Frau und ich tauschen die Fahrzeuge bei Bedarf? Wer länger fahren muss nimmt den vorhandenen Golf-Klasse-Benziner, der andere den Smart. Mal schauen, wie sich die Situation entwickelt.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Emslichter auf Pixabay

Hey Mercedes versus Hey Siri ODER Dieter Zetsche zum doch vergleichsweisen teuren Hirn des Autos …

2. März 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Der bald scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich mit der FAZ zur Strategie „vom und beim Daimler“ unterhalten. Für mich ist das folgende eine Kernaussage:

Und wir wollen nicht hirnamputiert werden. Deshalb haben wir unser eigenes Hirn entwickelt. Wir wollen uns nicht nur einloggen in iOS oder Android.

über Daimler-Chef Zetsche: Wollen nicht hirnamputiert werden – FAZ

Auch sagt er in dem Interview, dass das Multimediasystem MBUX („Mercedes-Benz User Experience“), das vor rund einem Jahr auf den Markt gekommen ist, ein Erfolg sei. Trotzdem „Hey Mercedes“ „nicht ganz billig“ (O-Ton) sei, hätten zwei Drittel der Kunden der neuen A-Klasse das Infotainment-System hinzu gebucht.

Das passt sehr zu gut zu meinem kürzlich veröffentlichten Bericht zu Carplay. Im neuen Wagen meiner Frau haben wir uns – ok, ich als männliches Spielkind habe den Wagen konfiguriert – bewusst für „Carplay only“ und gegen das Multimedia-System des Herstellers entschieden. Der bietet auch kein MBUX, aber es war trotzdem eine bewusste, vom Preis gesteuerte Entscheidung. In einem Dienstwagen ist ein teures System des Herstellers mal schnell hinzu konfiguriert, privat finde ich diese Systeme, die in der Vergangenheit zudem oft auch noch antiquiert waren, einfach zu teuer.

Ja,  Hey Mercdeses scheint im Vergleich zu Siri, Alexa und Co sehr gut abzuschneiden. Aber rechtfertigt das den Preis? Vielleicht können wir ja zusammen mal eine Probefahrt machen, lieber Sascha Pallenberg, und den Mehrwert heraus arbeiten. Wäre sicher auch mal eine Reportage während oder vor der #ThinkatIBM wert.

Jenseits dieser persönlichen Detailfrage finde ich es aber richtig und wichtig, dass der Daimler sich bewegt und immer mehr IT-Knowhow in den Konzern holt, um gerade auch mit den neuen Wettbewerbern Schritt halten zu können:

Aber zumindest eine Teilkompetenz im digitalen Bereich werden alle Mitarbeiter im Automobilbereich in Zukunft mitbringen müssen.

über Daimler-Chef Zetsche: Wollen nicht hirnamputiert werden

Es gibt viel zu tun, nicht nur in der Digitalisierung im Auto. Neue Mobilitätskonzepte und Elektroautos stehen ja unter anderem auch noch auf der Agenda.

Hier ein Gespräch zu MBUX und Hey Mercedes, dass im Rahmen des IBM Livestudios auf der letzten Cebit geführt mit Sascha wurde:

(Stefan Pfeiffer)

 

 

[DE] Statt „Diesel-Zipfel“ wäre der „E-Auto-Gipfel“ gefragt

30. Juli 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

Bayern 3 Radionachrichten heute im Auto: Säbelrasseln, „verdammte“ Pflicht und Wahlkampfgetöse unserer lieben Minister in den Medien vor dem „Diesel-Gipfel“ am kommenden Mittwoch. Es muss sich was ändern. Nicht nur Software-, auch Hardware-Updates sind gefragt. Ein Schelm, der daran denkt, dass bald Bundestagswahlen sind.

Handelsblatt-Newsletter in meinem Posteingang: Die ersten 30 Tesla  Model 3 wurden ausgeliefert. Das Handelsblatt titelt Das iPhone der Straße ist da.  Das Handelsblatt zitiert Gene Munster, einen bekannter Technologie-Analysten, der Verkaufsstart mit der Einführung des iPhones im Jahre 2007 vergleicht. Im Beitrag werden auch unzufriedenen Tesla-Kunden erwähnt, mehr „Supercharger“ fordern.

Vor einigen Wochen waren wir mit einem befreundeten Paar – von uns nur noch Teslinchen und Teslator genannt – an der Mosel. Unser Teslator wurde sehr nervös, als nur noch 100 Kilometer im Model S geladen waren. Jetzt sind unsere Freunde auf Mallorca. Den Weg über Italien und die Cote d’Azur und Barcelona haben sie im Tesla zurückgelegt.

Seit rund 2 Wochen ist mein neuer Dienstwagen da: ein Audi Diesel. Wenn ich mich recht erinnere, wurden gar keine Benziner als Leasingoption angeboten. Und ich bin seit Jahrzehnten ein Verfechter deutscher Autos und habe immer gelästert, wenn Bekannte Japse gefahren sind. Die deutsche Autoindustrie ist Leitindustrie und wir sollten deshalb … Ich weiß, ich weiß.

Was hat das denn nun alles miteinander zu tun? Mittwoch – beim besagten „Diesel-Gipfel“ – wäre eigentlich der richtige Moment, auf den Tisch zu hauen und die Autowende einzuläuten: Start der deutschen E-Auto- und E-Mobilitäts-Initiative unter verpflichtender, finanzieller Einbindung der lieben Autohersteller, die es ja so leger mit Abgasmanipulation und widerrechtlichen Kartellabsprachen halten. Und ein Plan zum flächendeckenden Ausbaus der Charger-Infrastruktur gehört dazu. Tja, das wäre ein Signal, vom „Diesel-Zipfel“ zum „E-Auto-Gipfel“.

Mutti hat ja schon einmal nach Fukushima auf den Tisch gehauen. Aber vor den Bundestagswahlen werden die lieben Politiker nicht über ihren Parteischatten springen. Schade, denn das wäre jetzt das richtige Signal, ein Aufbruch und erfolgversprechender Versuch, das Gütesiegel „Made in Germany“ zu retten. Und es wäre die Chance, die Manipulatoren und Absprachler finanziell massiv in die Pflicht zu nehmen – und ihnen dabei noch eine Fortschrittsperspektive zu geben.

Ich würde gerne ein E-Auto fahren, wenn denn Reichweite und Infrastruktur stimmen.


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