Posts Tagged: ‘Datenschutz & Datensicherheit’

Digitalthemen bei #9vor9: US-Justizminiserium versus Google – Und die Corona-Warn-App hilft doch (hier und da)

27. Oktober 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und heute waren wir erstmals mit #9vor9 gleichzeitig live auf LinkedIn, auf YouTube und Twitter. Geht doch, selbst für einen Nicht-Techniker wie mich. Aber viel wichtiger. Was waren denn unsere Digitalthemen der Woche? Lars hat die Kartellklage des US-Justizministeriums gegen Google auf der Agenda. Die Juristen werfen Google vor, wettbewerbsfeindlich zu agieren, um sein Monopol in der Internetsuche und die sprudelnden Anzeigen- und Werbeeinnahmen abzusichern.

Google-Suche: Einfach zu gut?

Google argumentiert, man sei einfach so gut und komfortabel. Die Benutzer:innen würden deshalb die Suchmaschine nutzen. Unternehmen wie Mozilla mit den Browser Firefox nehmen dann auch gerne die rund 500 Millionen US-Dollar, auch um die eigenen wirtschaftlichen Probleme zu bewältigen. Aber auch Apple hält gerne die Hand dafür auf, dass Google als Standard auf den iPhones und iPads eingestellt ist. Das soll sich Google zwischen 8 und 12 Millarden US-Dollar kosten lassen, denn wer verändert schon diese Voreinstellungen?

Die Datenmacht von Google und Konsorten wächst

Und die Datenmacht von Google wächst auch deshalb immer weiter, ein Thema, dem sich Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge nicht nur in ihrem Kommentar in der Wiener Zeitung widmen. Das führt dann auch zu meinem Digitalthema der Woche:

Die Apps sollen einerseits Menschen informieren, wenn sie mit einem Infizierten Kontakt hatten. Eine Reihe von Staaten möchte aber auch in anonymisierter Form über die Tracing-App Informationen über die regionale Infektionsdynamik bekommen, um viel zielgenauere örtlich und zeitlich begrenzte Maßnahmen zu wählen.

Schumpeters Albtraum – Wiener Zeitung Online

Apple und Google haben die Macht auch über Corona-relevante Daten, Macht über Bewegungsdaten der Nutzer:innen. Und sie geben diese Daten nicht in anonymisierter Form an die europäischen Regierungen und Forschungsinstitutionen heraus, so der Kommentar. Google und Apple pochen – Ihr lest richtig – auf Datenschutz. Genau diese Daten brauche man aber, in diesem Fall zur Bekämpfung der Pandemie. Generell braucht man die anonymisierten Daten, um als Europa wettbewerbs- und innovationsfähig zu sein, so auch die Thesen von Mayer-Schönberger und Ramge in ihrem neuen Buch Machtmaschinen.

[Und ich verlinke hier bewusst nicht zu Amazon. Man kann das Buch auch heutzutage bei seiner Buchhandlung bestellen.]

Johnnnys Sohn hat die Corona-Warn-App geholfen

Ich hatte aber das Thema Corona-Warn-App und Digitalisierung der Verwaltung heute auf der Agenda, weil mich der Beitrag von Johnny Haeusler über die zwei Wochen seiner Familie in Corona-Quarantäne beeindruckt hat. Im Beitrag werden viele Erfahrungen geteilt und Johnny fordert dazu auf, die App zu nutzen, denn …

Ich kann es nicht oft genug betonen: Unser Sohn war völlig symptomfrei. Er hat sich keinen Moment unwohl gefühlt und wäre also nicht auf die Idee gekommen, sich infiziert zu haben. Hat er aber. Allein durch die Warnung in der App hat er auf einen Test bestanden, der dann positiv ausfiel. Hätte ihn die App nicht gewarnt, hätte er keinen Test machen lassen und sich nicht in Quarantäne begeben. Er hätte daher möglicherweise mehr Leute angesteckt.

Die App ist nicht perfekt und könnte noch viele Verbesserungen vertragen, aber korrekt und vor allem von möglichst vielen Menschen benutzt, kann sie enorm hilfreich sein. Bitte benutzt sie.

Erkenntnisse aus zwei Wochen Corona-Quarantäne mit der Familie « SPREEBLICK

Ja, am – laut Söder – „zahnlosen Tiger“ muss weiter entwickelt werden, aber das Beispiel zeigt, dass sie durchaus auch jetzt schon Nutzen bringt, Ansteckungen verhindern kann.

Funktionalität der Corona-Warn-App ausbauen?!

Parallel dazu wird die Diskussion geführt, die Funktionalität der Corona-Warn-App zu erweitern, beispielsweise um ein Kontakttagebuch, das die Nachverfolgung von Kontakten leichter machen soll – ein Problem, mit dem die Gesundheitsämter gerade massiv zu kämpfen haben. Politiker wie Karl Lauterbach fordern, dass es den Nutzer:innen möglich sein solle, weitere Daten freizugeben, um potentiell Infizierte finden und warnen zu können. Was für Daten können das ein? Bewegungsdaten, die momentan nicht übermittelt werden dürfen. Die Diskussion wird sicher weiter gehen.

Pandemiebekämpfung mit Faxlisten und Papier

Zurück zu Johnny Haeussler und seinen Erfahrungen. Neben alle praktischen Tipps fand ich natürlich den Paragraphen zur mangelhaften Digitalisierung in den Gesundheitsämtern erschreckend.

Laut Aussage einer Mitarbeiterin müssen auf dem Gesundheitsamt Berge von Papierlisten abgearbeitet werden, es werden Faxe hin- und hergeschickt und Telefonnummern sind besetzt (oder eben gerade nicht, haha). Der positiv getestete Sohn hat heute, am 22.10., Briefpost vom Gesundheitsamt bekommen mit den Infos zu Quarantäne, in die er sich bis zum 17.10. begeben muss. Also bis fünf Tage vor Erhalt des Briefes. Als der Brief ankam, lag sein Test 14 Tage zurück, das Ergebnis 12 Tage.

Erkenntnisse aus zwei Wochen Corona-Quarantäne mit der Familie « SPREEBLICK

Ganz offensichtlich ist es zumindest in diesem Gesundheitsamt nicht gelungen, in den vergangenen Wochen und Monaten digitaler zu werden. Hat man den etwas ruhigeren Sommer einfach verpennt, auch wenn schon damals vorauszuahnen war, dass die Kontaktverfolgung im Herbst eine große Aufgabe werden könnte? Und ich bin 100 Prozent bei ihm: Hier muss endlich und schnell mehr passieren.

(Stefan Pfeiffer)

Corona bremst auch mal Digitalisierung und wie wichtig Security und Softwarequalität sind und werden – Die Digitalthemen bei #9vor9

20. Oktober 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Hier nun unsere Digitalthemen der Woche mit Lars Basche und mir: Lars zitiert den „Digital Transformation Index 2020“ von Dell, der kürzlich erneut durchgeführt wurde und führt aus, wie Corona Digitalisierung treibt und bremst. Dabei ist Sicherheit einer der wesentlichen Aspekte und mancher macht privat, mancher als Unternehmen so seine Erfahrungen mit entsprechenden Angriffen.

Security als große, größte (?) Herausforderung der Digitalisierung in Corona-Zeiten?

Die Zahl der Angriffe nimmt zu und auch Unternehmen aus der IT-Branche wie die Software AG sind nicht gefeit, was natürlich in meiner Heimat Darmstadt-Eberstadt – ich wohne maximal 500 Meter von der Software AG weg – zu Diskussionen bei meiner Physiotherapeutin führt. Sicherheit und Datenschutz müssen ganz oben auf der Agenda bleiben, privat und in Unternehmen und wie be- und versprochen verweisen wir auf dieses Booklet mit Security-Checklisten von heise.

Lars hebt noch einen anderen Aspekt ab: Unterdessen haben Unternehmen auch wirtschaftliche Ängste, ja Existenzängste, die die Digitalisierung bremsen:

Aber die Pandemie beschleunigt die Digitalisierung nicht nur: Auf Platz 4 der größten Hindernisse bei der digitalen Transformation stehen wirtschaftliche Gründe – die spielten 2016 und 2018 noch keine Rolle.

Studie: Wie Corona die digitale Transformation beschleunigt – und ausbremst | heise online

Bei mir steht das Thema Softwarequalität im Vordergrund: Die Health-Anwendung meiner Apple Watch Serie 3 tut es nicht mehr korrekt. Ursache sind wohl das neue Betriebssystem watchOS7 (unterdessen schon als 7.0.2 draußen) und iOS14. Doch nicht nur ich beschwere mich, dass meine Daten verloren gegangen sind. Es sind wohl Tausende von Anwendern.

Softwarequalität bei der Apple Watch: Diese Fehler dürfen einfach nicht passieren

Und die von Apple empfohlene Lösung, die Watch zu entkoppeln, Watch und iPhone komplett neu aufzusetzen tut es – zumindest bei mir – nicht wirklich. Sehr frustrierend und sehr bedenklich, wenn man beobachtet, wie Apple ja gerade rund um die Watch auf das Thema Gesundheit abhebt. So geht es auf jeden Fall nicht. Das schafft kein Vertrauen.

Gesundheitsdaten sind zu wichtig – Softwarequalität muss stimmen, sonst geht Vertrauen verloren

Nochmals: Jenseits des persönlichen Ärgers geht es um mehr. Das Thema Gesundheitsdaten ist hochsensibel. Da darf ein solcher Fehler nicht passieren. Da dürfen keine Daten einfach so mal verloren gehen. Und da darf Apple nicht einfach nur schweigen, gerade wenn man sich selbst so positioniert. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass ich ein Freund der Digitalisierung im Gesundheitswesen bin. Genau deshalb bin ich gerade ziemlich sauer auf Apple.

Softwarequalität spielt allenthalben eine wichtige Rolle. Im c’t uplink Podcast nehmen die Redakteure die Software des neuen Volkswagen ID.3 aufs Korn und geben einen sehr negatives Urteil ab. VW könne keine Software. Man habe eine nicht fertige Lösung auf den Markt gebracht. Wieder frustrierend für mich, der ich darüber nachdenke, Mitte kommenden Jahres einen ID.3 anzuschaffen.

Softwarequalität und Security waren wichtig und werden immer wichtiger

Quintessenz: Softwarequalität und Security waren wichtig und werden immer wichtiger, da Software in alle Lebensbereiche vordringt, in die persönliche Gesundheit, das eigene Heim (Stichwort Smart Home), in Homeoffice oder in persönliche Mobilität. Hier kommen große Herausforderungen auf uns zu, denen wir uns stellen müssen. Unbedingt, mit Qualität und Bedacht.

Und natürlich gibt es #9vor9 auch wieder als Podcast auf den bekannten Plattformen und hier im Netz.

* Eigentlich wollten Lars und Stefan heute auf parallel auf LinkedIn, YouTube und Twitter/Periscope senden. Das ging aus technischen Gründen bzw. mangelnder technischer Kompetenz von Stefan in die Hose. Streaming-Gott Gunnar fehlt hat. Aber wir glauben, dass wir den Fehler gefunden haben und kommende Woche dann parallel live sein werden.

(Stefan Pfeiffer)

DSGVO, Datenschutz versus Archivierungsvorschriften? Brauchen wir endlich den EU Open Source Fund? – #9vor9 mit Dr. Ulrich Kampffmeyer

14. Oktober 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute war ein geschätzter Gast bei #9vor9, Dr. Ulrich Kampffmeyer, und unser Digitalthema der Woche war die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Wir haben hier den Faden vom vorhergehenden #9vor9 mit Lars – der diesmal Urlaub hat – aufgenommen, wo wir schon den Bitkom und dessen kritische Äußerungen zu DSGVO kurz diskutiert haben. Was lag da näher, als Uli einzuladen, der sich mit den Themen Governance, Risk Management und Compliance nun schon lange auseinandersetzt. Vor Jahren haben wir solche Themen zusammen als Gerichtsshow inszeniert. Lange ist es her, doch vieles ist gleich oder zumindest ähnlich geblieben, aber jetzt zur Gegenwart.

Uli sieht, dass viele kleine und mittlere Betriebe mit der DSGVO einfach überfordert sind. Mir stellt sich die Frage, ob eine solche Überforderung nur für sie gilt. Im Gespräch wie auch in seinem Blogbeitrag führt Uli auch Beispiele an, in denen signifikante Strafen verhängt wurden. Gab es entsprechende Strafen in größerem Umfang auch im deutschen Mittelstand? Oder habe ich (oder die breitere Öffentlichkeit und Presse) sie nur nicht nicht wahrgenommen?

Auf jeden Fall hat die Einführung zu einer deutlich höheren und dringend notwendigen Sensibilität beim Thema Datenschutz geführt. Ich bin beim Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber, der die fast 60 Prozent der Unternehmen, für ihre Seite einschätzen, dass sie den Umstellungsprozess geschafft oder weitgehend geschafft haben, als durchaus positiv bewertet. Doch haben wir einen generischen Zielkonflikt zwischen Datenschutz und rechts- und revisionssicherer, gesetzlich vorgeschriebener Archivierung, wie es Uli Kampffmeyer auch in seinem Blogbeitrag schreibt? Was schade, aber teilweise dringend notwendig wäre, wäre eine dynamischere Anpassung der Regularien, um Unsicherheiten zu nehmen, gar verwegen wo möglich zu vereinfachen. Aber da walte nicht nur die EU Verwaltung …

Natürlich mussten wir auch das Thema Microsoft mit seinen 365er Plattformen kurz streuen. Die deutschen Datenschützer scheinen sich uneins zu sein, ob man die Produkte datenschutzgerecht einsetzen kann. Das wundert nicht bei unserer föderalen Struktur und der cleveren Lobbyarbeit von Microsoft. Und wir haben ja noch den schwellenden Konflikt der EU mit den USA angesichts des aufgekündigten Privacy Shields und einer fehlenden Vereinbarung. Demnach nicht mehr ohne weiteres möglich ist. Mein, gar unser Fazit: Microsoft los werden wir ganz sicher nicht, aber – meine Meinung – ein gutes Stück mehr Unabhängigkeit würde Europa gut tun.

Zwar hat die Datenschutzkonferenz in einer Resolution angeregt , verstärkt alternative Softwareprodukte sowie Open-Source-Programme einzusetzen, allein mir fehlt der Glaube. Die ehemalige Europa-Abgeordnete Julia Reda kommentiert aktuell auf heise die Situation und fordert, dass die EU endlich einen Open Technology Fund auflegen sollte, statt die Förderung von Open Source einzustellen. Unglaublich eigentlich, wenn man von digitaler Souveränität spricht. Freie Software ist noch immer kein fester Bestandteil des EU-Haushalts, etwa des Bundeshaushalts. Was wäre, wenn sich die EU und Deutschland hinter einen wohl so sicheren E-Mail-Klienten wie Thunderbird, hinter Firefox, Libre Office und andere Projekte stellen und konkret Lösungen für die öffentliche Hand fördern würde?

Julia Reda nennt das Beispiel Zoom und seine Alternativen, die „nur“ ein sicheres Backup bräuchten:

So fordert die EU-Kommission aktuell Verbesserungen bei der Sicherheit des Videotelefonie-Dienstes Zoom, … Derweil setzt die EU-Kommission Zoom aber trotz bekannter Sicherheitsrisiken weiter ein, weil es an Open Source-Alternativen fehlt, die die gleiche Leistung bringen.

Freie Alternativen zu Zoom gibt es einige, von Jitsi bis BigBlueButton. Doch ohne die nötigen finanziellen Ressourcen können diese Projekte nicht auf dieselbe Serverinfrastruktur bauen, die Ausfallsicherheit garantiert, und weniger in die Bedienbarkeit ihrer Nutzungsoberflächen investieren.

Edit Policy: Wo bleibt Europas Open Technology Fund? | heise online

Braucht es um ein Digitalmuseum – der Versprecher unseres heutigen #9vor9 -, um die träge Open Source-Entwicklung voran zu bringen? Und genau dieses Thema Digitalministerium oder Digitalmuseum werden wir in einem kommenden #9vor9 aufarbeiten. Da kommt vielleicht sogar unser Gunni hinter dem Ofen hervor?

Und natürlich gibt es #9vor9 auch wieder als Podcast auf den bekannten Plattformen und hier im Netz.

(Stefan Pfeiffer)

#9vor9 zu Engagement auf virtuellen Formaten, Bitkom und der DSGVO, Google News und deutschen Verlagen und einem bald noch helleren Köpfchen in Siegburg

6. Oktober 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Digitalthemen der Woche heute bei #9vor9: Lars ist nochmals unter Bezug auf die letztwöchige #9vor9-Sendung mit Gerhard Schröder auf das Thema virtuelle Events und die Erfahrungen mit Interaktionen auf der Bits and Pretzels eingegangen. Allenthalben wird mehr oder weniger erfolgreich experimentiert. Doch einen Aspekt sollten wir dabei auch nicht vergessen: Es kommt auch auf das Publikum an, dessen Willen, sich zu engagieren und an den Interaktionsmöglichkeiten teilzunehmen.

Engagement auf virtuellen Events muss man auch selbst wollen

Leider ist auch dort oft eher ein passives Konsumentenverhalten zu beobachten, das auch typisch für viele klassische Eventformen ist. Wie viele Besucher einer Fachkonferenz engagieren sich mit Fragen und Kommentaren auf dieser Konferent und wie viele hören nur zu. Doch das soll uns Marketers keinesfalls davon entbinden, das Thema Interaktion mit den Besucherinnen und Besuchern weiter zu treiben.

Welche Art von Innovation unterbindet die DSGVO denn in Deutschland?

Ein weiteres Lars-Thema, der auf einem Tweet eines gewissen Stefan Pfeiffer basiert: die DSGVO und die Bitkom, die die Datenschutzgrundverordnung gerade als „Fass ohne Boden“ bezeichnet hat. Kurz zusammengefasst seien die Regeln den Unternehmen einfach nicht klar und der Datenschutz hemme Innovationen, wie eine Umfrage ergeben habe. Da stellt sich Lars und mir die Frage, welche Art von Innovationen das denn sind. Monetarisierung der persönlichen Daten der Anwender:innen à la Facebook und Google?

Ich bin da eher beim Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber, der es als positiv einschätzt, dass fast 60 Prozent der Unternehmen schätzen, dass sie die DSGVO weitgehend oder umfassender unterstützen. Klar sollte sein, dass an der DSGVO und dem Thema Datenschutz weiterhin „getuned“ werden muss, gerade weil auch angesichts des letzten Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) keine umfassende Regelung im Datentransfer mit den USA besteht. Eine absolut offene Flanke. Hier auch ein Hörtipp zum Thema: die #heisehow „Pricay Shield ist Geschichte – was passiert nun mit unseren Daten?“. Mir eingeprägt hat sich die Aussage, dass wir uns auf die irische Datenschutzbehörde, die mit dem Thema befasst ist, wohl eher nicht verlassen können. Sie sei einer der größten Hindernisse zur Durchsetzung der DSGVO in Europa. Datenaustausch mit den USA sei eigentlich dahin …

Google News als neues Nachrichtenangebot – unterstützt den Qualitätsjournalismus!?

Mein Thema der Woche: Google verkündet, dass es Verlagen und Medienhäusern weltweit 1 Milliarde $ für die Verwertung deren Inhalte in Google News zahlt und damit Journalismus aktiv und die „Future of News“ unterstütze. Google News for Android sollte schon in Deutschland verfügbar sein. Die entsprechende Version von Apple iOS und Search soll bald folgen. In Deutschland sind 20 Medienhäuser dabei, darunter „Die Zeit“, „Der Spiegel“, die FAZ und einige andere. Bisher hatte Google Zahlungen an Verlagshäuser abgelehnt, offenbar nun eine Kehrtwende. Die Deutsche Welle zitiert Carsten Knop, den Herausgeber der FAZ wie folgt:

Das neue Produkt gibt uns die Möglichkeit, unseren Qualitätsjournalismus noch mehr Lesern vorzustellen, die eventuell zu treuen Lesern und Abonnenten werden.

Google zahlt Verlagen weltweit eine Milliarde Dollar für journalistische Inhalte | Aktuell Deutschland | DW | 01.10.2020

Und Philipp Justus, Chef von Google in Zentraleuropa, wird zitiert:

Es ist Googles bislang weitreichendster Schritt, um die Zukunft des Journalismus zu unterstützen.

Google zahlt Verlagen weltweit eine Milliarde Dollar für journalistische Inhalte | Aktuell Deutschland | DW | 01.10.2020

Diskutiert wird gerade noch, ob in Google News auch Inhalte gezeigt werden, die hinter den Paywalls der Verlage liegen. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und insbesondere Springer kritisieren den neuen Weg. Dort wird am Leistungsschutzrecht festgehalten. Google können nicht nach Gutsherrenart Geld nach eigenem Gutdünken ausschütten, statt sich an einem modernen Urheberrecht für das 21. Jahrhundert zu orientieren.

Ich bin auf den Service gespannt, denn noch immer bin ich auf der Suche nach einem vernünftigen News Aggregator. Ganz offensichtlich versuchen Facebook, Apple und Google mit ihren News-Apps entsprechende Lösungen anzubieten. Bleibe ich alter Mann flexibel genug im Kopf, um auch für Google News offen zu sein, das ist die Frage.

Ein noch helleres Köpfchen in Siegburg und wer ist kommende Woche bei #9vor9 dabei?

Und eine der wichtigsten Nachrichten heute: Das Ende des Videokellers in Siegburg naht. Lars hat sich eine neue Webcam und Beleuchtung bestellt. Wir sind in zwei Wochen dann besonders auf sein helles Köpfchen gespannt. Dazu auch noch eine Anekdote aus meinem privaten IT-Zoo: Ich hatte vor 2 Monaten eine Logitech Streamcam bei meinem lokalen Darmstädter Händler bestellt, über den ich auch Macbook und andere Geräte einkaufe. Der konnte wochenlang nicht liefern. Habe dann storniert und bei Logitech direkt gekauft. Die Streamcam war in 1 Tag da … Lässt Logitech den Einzelhandel zugunsten der eigenen Abverkäufe hängen?

Und noch eine wichtige Frage: Gibt es kommende Woche wieder eine Ausgabe von #9vor9? Unser Lars hat Urlaub und ist unterwegs. Mal schauen, ob wir einen Ersatz finden. Vielleicht können wir ja unseren Gunnar für diese Ausgabe aktivieren.

Noch ein weiterer Hinweis in eigener Sache: Ich habe mal alle #9vor9-Sendungen ab Juni 2020 mal sauber in eine Playlist auf YouTube eingepflegt – und vielleicht werden wir künftig dort auch live streamen.

Und natürlich gibt es #9vor9 auch wieder als Podcast auf den bekannten Plattformen und hier im Netz.

(Stefan Pfeiffer)

300 Euro Gutschrift von der Telekom? Mal wieder Phishing-Mail im Posteingang

26. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Einfach mal zur Dokumentation und als Warnung an alle Leser:innen. Diese E-Mail der Deutschen Telekom war in meinem Posteingang. Gutschrift in einer Höhe von 300 Euro. Klingt gut, oder? Natürlich eine Phishing-Mail. Von der Optik nicht perfekt im Telekom-Look-and-feel. Da habe ich schon perfekter gefakte Mails gesehen. Vor allem aber die Absenderadresse admin@elisa.medbouh.com entlarvt den Betrugsversuch. Und Andy S. vom Kundendienst-Management, den kennen wir doch alle (Achtung: Ironie).

Also: Aufpassen. Keine Links klicken. Absenderadresse checken. Und prüfen, ob die E-Mail überhaupt Sinn macht. Ich habe zwar ab und an Ärger mit der Telekom und bin mit den Preisen für Bestandskunden gegenüber Neukunden nicht einverstanden, das aber ist potentiell Phishing.

Reingehört in das #TechBriefing: Apple, die 2 Billionen und „the next big thing“

30. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Eben gerade mal reingehört in das #TechBriefing von Daniel Fiene zu Apple (Link führ zu … Apple Podcasts). Und deshalb einige Stichpunkte:

  • Seit Jahren reden und schreiben Journalisten, dass Apple nicht (nach dem iPhone) „the next big thing“ bringt und dass „it just works“ nicht mehr genüge. Hört man den Podcast, so könnte das nächste große Ding die Augmented Reality-Brille von Apple sei, die demnach nicht so weit weg ist (2022 ??). Ich gehe durch die Stadt und die Brille blendet mir jeweils relevante Informationen ein. Der Headup Display für den Menschen, kontextsensitiv.
  • Das iPhone ist weiter die wichtigste Einnahmequelle, aber Cook baut die Services konsequent weiter aus: Apple TV, Apple Music, News, Pay …
Alle Rechte bei ThePioneer – https://news.gaborsteingart.com
  • Apple (und Google) werden den Streit mit epic und seinen Verbündeten gewinnen, so die Aussage im Podcast. Dann werden die 30 Prozent Provision weiter fließen. Die Prognose von Fiene & Co.: Apple und Google sind zu mächtig, als dass man sich gegen sie durchsetzen kann.
  • Wird Apple langfristig ein Gesundheits- und Pharmakonzern? Die Apple Watch ist schon ein Gesundheitstracker. Weitere Sensoren kommen wohl hinzu (Analyse von Schweiß u.v.a.). Man kann prognostizieren, dass Apple das dann auch monetarisiert.
  • Liest man all das, dann bleibt derzeit fast nur ein großes Risiko: China. Wenn Trump so weiter macht, Tiktok und Wechat im Apple Store verbietet, könnten die iPhone-Umsätze in China einbrechen: 95% der chinesischen iPhone-Nutzer würden die Apple-Plattform verlassen, wenn WeChat verboten wird, so eine Umfrage.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Couleur auf Pixabay

Reingehört in die #heiseshow: Macht Microsoft alles richtig?

24. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich bin ein großer Freund von heise online, denn ich habe den Eindruck, dass dort auch mal kritisch berichtet wird und nicht so sehr auf große Verlagskunden Rücksicht genommen wird. Bei anderen Verlagen, die die IT-Branche covern, habe ich da einen ganz anderen Eindruck. Und ich finde es sehr gut, dass immer wieder auch auf Probleme aufmerksam gemacht wird, die Microsoft durch seine De-Facto-Monopolstellung mit Office oder auch im Bereich Datenschutz hat. Eine solche Berichterstattung findet in anderen Publikationen einfach nicht statt.

Nun haben die geschätzten Journalisten und Journalistinnen von heise in ihrem Videocast Microsoft im Fokus gehabt:

Stattdessen unterstützt der Konzern öffentlichkeitswirksam Open Source, reißt Barrieren zu Linux ein und arbeitet an Windows 10. Nicht einmal in der aktuellen Debatte über die Übernahme eines Teils des extrem erfolgreichen sozialen Netzwerks TikTok regte sich Kritik an Microsoft.

#heiseshow: Open Source, TikTok und Windows 10: Macht Microsoft alles richtig? | heise online

Schon seit langer Zeit mahne ich an, dass wir bei aller Bewunderung der Leistungen von Microsoft – Nadella hat offensichtlich in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht – einen kritischen Blick auf das Unternehmen beibehalten sollten. Gerade wir Deutschen scheinen mir zu blauäugig. Nur zur oft wird nur von den GAFA-Konzernen statt von GAFAM zu schreiben und zu sprechen. Microsoft gehört neben Google (Alphabet), Apple, Facebook und Amazon zu den Konzernen, die kritisch beäugt gehören, weil sie enorme Macht haben, gerade auch von der Corona-Krise profitieren und in einigen Bereichen nahezu Monopolstellung einnehmen.

Auch in der heiseshow wird mir in großen Teilen zu unkritisch mit Microsoft umgegangen, die Kehrtwende zu Open Source und Linux ebenso betont wie die Unabhängigkeit, die der Konzern wohl Github oder LinkedIn lässt. Wie formuliert es Moderator Martin Holland: Microsoft wird nicht als böse wahrgenommen (ca. Minute 48:10) . Immerhin relativert Eva-Maria Weiß (ab bei Minute 48:52) das dann etwas.

Böse ist dabei eh nicht die Kategorie, mit der all diese Konzerne betrachtet werden müssen. Es geht darum dort genau hin zuschauen, wo Microsoft zu viel Macht, potentiell ein Monopol hat, Abhängigkeiten schafft und diese Macht auch entsprechend ausnutzt. Und das ist aus meiner Sicht im Bereich Office und auch teilweise Windows durchaus der Fall. Weder Microsoft noch die anderen GAFAM „Big Five“ sind Gut-Konzerne. Sie sind auf Profit ausgerichtete Wirtschaftsunternehmen – wie alle privatwirtschaftlichen Unternehmen. Nur sollte gerade diesen Konzernen an der ein anderen Stelle durchaus Einhalt geboten werden, da sie monopolartige Macht inne haben,

Zur angedachten Übernahme von Tiktok: Ich bin da eher bei Bill Gates, der sich skeptisch geäußert hat. Aber mein Interesse (und der Fokus meiner Kritik) liegt eher auf den Microsoft-Angeboten für Unternehmen. Aber Microsoft ist ja viel mehr, wie die heiseshow ausbreitet – von der Xbox über den Flugsimulator bis hin zu anderen Spielen. Sehe ich den großen Masterplan, der hinter einer potentiellen Übernahme steht? Nein, derzeit nicht.

Kurz notiert: DuckDuckGo bei Suchen rund ums Kaufen eindeutig konsumentenfreundlicher wie Google

21. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Kurz notiert: Die Digisaurier haben seit einem Jahr statt Google DuckDuckGo als Suchmaschine im Einsatz und stellen Ihre Ergebnisse vor:

Nutzt man DuckDuckGo länger parallel zu Google, zeigt sich deutlich, dass DDG bei Suchen rund ums Kaufen eindeutig die konsumentenfreundlichere Suchmaschine ist, die dem Suchenden Zugang zu vielmehr und viel relevanteren Informationen auf den ersten Seiten bietet als Google, dass einzig und allein Ergebnisse bevorzugt, an denen es irgendwie verdient.

Was zur Hölle… ist DuckDuckGo wirklich die bessere Suchmaschine? – Der Digisaurier

Dieses Ergebnis kann nicht wirklich wundern. Bei Suche nach Bildern oder nach kulturellen, politischen oder historischen Fakten hat Google demnach die Nase vorne. Mehr im Beitrag der Digisaurier.

Ich selbst nutze seit Jahren Qwant als Suchmaschine auf meinem Rechner und habe DuckDuckGo auf dem iPhone als Standardsuchmaschine konfiguriert.

„The only #Signal user data we have, and the only data the US government obtained as a result, was the date of account creation and the date of last use“ #Messenger

6. Juli 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es ist immer wieder frustrierend, die Benutzerzahlen von WhatsApp zu sehen – und das trotz der Zugehörigkeit zum Facebook-Konzern und zweifelhaften Datenschutzpraktiken. Aber aufgeben zählt nicht und selbst vorleben, dass es anders geht. Das tun auch Volker Weber oder Thomas Cloer, über die ich auf den folgenden Beitrag zum Messenger Signal aufmerksam geworden bin. Moxie Marlinspike schildert, wie ein Gericht Einsicht in einen Gesprächsverlauf haben wollte, aber das ist das, was das US Government an Daten erhielt:

The only Signal user data we have, and the only data the US government obtained as a result, was the date of account creation and the date of last use – not user messages, groups, contacts, profile information, or anything else.

Signal >> Blog >> Looking back at hoMoxie Marlinspikew Signal works, as the world moves forward

Eigentlich selbstredend. Signal hat keine Daten über Deine Nachrichten – und kann sie nicht weitergeben. Aber es gibt auch kritische Stimmen.

Trotzdem: Ich bin ein Signal-Fan, nicht nur weil es Open Source ist, sondern vor allem, weil der Messenger sicher zu sein scheint. Trotz der oben genannten Bedenken ist es wohl so, dass US Gerichte und Institutionen eben nicht auf nennenswerte Daten zugreifen können.

Allerdings habe ich auch Threema und Telegram installiert, da die Messengerwelt jenseits von WhatsApp offensichtlich zersplittert ist. Für jeden Messenger gibt es dabei Pros und Cons. Schön wäre es, wenn man untereinander Nachrichten austauschen könnte, egal, welch Alternative zu WhatsApp man nutzt, denn Facebook Messenger und WhatsApp gehen wegen der Datensammelwut gar nicht.

Deshalb:

Warum ist WhatsApp nicht loszuwerden? Weil es jeder hat. Wie kriegt man Signal unter die Leute? Indem man es installiert. Mehr muss man gar nicht tun.

vowe dot net :: Signal :: Einfach installieren

Installieren und mit allen Anwendern, wo es möglich ist, über Signal Nachrichten austauschen. Und – wie es auch Volker tut – im E-Mail-Footer darauf aufmerksam machen.

#9vor9 zu Cookie-Urteil, Journalismus ohne Journalisten, Moderation auf sozialen Kanälen dem neuen Projekt Homeoffice-Kurator

2. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche am heutigen 2. Juni: Unsere Themen waren das aktuelle Urteil zu Cookies, MSN, wo jetzt die Inhalte von einer KI ohne Journalisten ausgespielt werden sollen, die leidige Frage, wie Inhalte – insbesondere Falsch- oder Hassnachrichten – in den sozialen Medien vom wem „kontrolliert“ und moderiert werden sollten und natürlich auch unser neues Projekt, der Homeoffice-Kurator.

Das Cookie-Urteil des BGH, Spaß beim Surfen und unerfüllte Traum einer zentralen, transparenten, verständlichen Zustimmungsverwaltung

1. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und mal wieder sind Cookies Thema in meinem Blog. Hatten wir ja lange nicht. Doch jetzt gibt es das Urteil des Bundesgerichtshofs in einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und dem Glücksspiel-Unternehmen Planet 49: Wer sich die Genehmigung zur Speicherung von Werbe-Cookies geben lassen will, darf die entsprechende Einwilligung nicht vor-ausfüllen, schon mal Kreuzchen setzen, wie es heute gang und gäbe ist. Es folgt damit der Auffassung des EuGH.

Die Einschätzung von netzpolitik.org:

Das Gericht setzt mit seiner Entscheidung zur Gestaltung von Online-Einwilligungen auch einen Schlussstrich unter eine jahrelange Debatte zwischen Werbeindustrie und Daten- sowie Verbraucherschützer:innen. Denn auch wenn die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) klare Anforderungen an die Einwilligung formuliert, herrscht beim Thema Online-Tracking in Deutschland bisher Chaos, weil Parlament und Regierung die Aktualisierung des Telemediengesetzes jahrelang verschlafen haben.

Bundesgerichtshof – Werbetreibende dürfen Nutzer:innen keine Tracking-Cookies unterjubeln

Grüne Welle für Cookies: Mal schnell den grünen Button klicken

Ein Beispiele aus meinem Alltag:

Natürlich farblich grün hinterlegt, grün auch noch als Ampelfarbe, alle Cookies akzeptieren, also auch die für Marketing und externe Medien. Vor-angekreuzt sind „nur“ die essentiellen Cookies – whatever this means.

Natürlich farblich grün hinterlegt, grün auch noch als Ampelfarbe, die Zustimmung, alle Cookies zu akzeptieren, also auch die für Marketing und externe Medien. Vorangekreuzt sind „nur“ die essentiellen Cookies – whatever this means. Und was ist wohl die Realität? Wer hat im Alltag Lust, sich mit dem leidigen Thema Datenschutz zu befassen. Nur zu schnell, zu unaufmerksam und zu bequem klickt man halt schnell mal auf diesen grünen Button. Das ist mir neulich auch passiert. Ist so etwas schon das im Urteil angesprochenes manipulatives Design?

Die dunkle Seite des User-Experience-Designs benachteiligt die Nutzer:innen etwa durch Tricks wie farblich hervorgehobene Buttons für kostenpflichtige Optionen, zu kleine Schriftarten für wichtige Details und versteckte Regler für Datenschutzoptionen.

Massenphänomen „Dark Patterns“ – Wie Politik und Behörden gegen irreführendes Design vorgehen können

Zu diesem Thema empfiehlt netzpolitk.org ein neues Papier „Dark Patterns: digitales Design mit gesellschaftlichen Nebenwirkungen“ der Autor:innen Sebastian Rieger und Caroline Sinders von der Stiftung Neue Verantwortung.

Surfen ohne Cookies macht weniger Spaß, so der Bitkom

Eine andere Perspektive auf das Thema hat der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder mit dem Tenor, dass Surfen so einfach keinen Spaß mehr mache:

„Das Urteil des Bundesgerichtshofs trifft die Webseitenbetreiber schwer und es nervt viele Internetnutzer. Neben den hohen Auflagen der Datenschutz-Grundverordnung müssen die Betreiber von Webseiten jetzt zusätzliche Prozesse und Formulare für ihre Web-Angebote einführen, … Für Internetnutzer entsteht mit dem BGH-Urteil ein weiterer Komfortverlust: Sie müssen häufiger Banner wegklicken oder Häkchen setzen, bevor sie die gewünschten Inhalte sehen. … Nicht für jeden Anlass braucht es Cookies, aber ohne sie macht das Surfen einfach weniger Spaß und ist viel umständlicher.“

Bitkom zum BGH-Urteil über voreingestellte Cookies | Bitkom e.V.

Ob das Anklicken von Cookie-Einstellungen oder aber die nervende Dauerbeschallung durch Onlinebanner und Werbe-E-Mails wirklich spaßig ist – ich habe hier berichtet – steht auf einem anderen Blatt, Herr Rohleder.

41 Prozent akzeptieren Cookies einfach und klicken durch

Pünktlich zum Urteil haben auch Web.de und GMX eine repräsentative Studie veröffentlicht. Die Pressemitteilung ist durchaus plakativ formuliert:

Rund zwei Drittel (63%) der Deutschen fühlen sich durch wiederkehrende Cookie-Hinweise auf Webseiten beim Surfen im Internet genervt oder eingeschränkt. 41 Prozent lesen sich die Hinweise nicht durch und klicken einfach auf „Okay“ oder „Cookies akzeptieren“.

Zwei Jahre DSGVO: 63 Prozent der Deutschen genervt von Cookie-Hinweisen –

Wenn man sich dann die Slides anschaut, die veröffentlicht werden, ergibt sich aus meiner Sicht ein durchaus differenzierteres Bild:

Unter den plakativen zwei Dritteln sind auch viele, die durchaus das Thema Überwachung wahrnehmen (26 %), zugeben, dass sie die Hinweis nicht verstehen (12 %) oder aber auch die Notwendigkeit einsehen (16 %). Der Rückkehrschluss mit den Genervten ist etwas hanebüchen und sollte differenziert gesehen werden. Wesentlich relevanter sind die 41 %, die einfach durchklicken. Für mich erschreckend: Laut Studie löschen 43 % der Internet-Nutzer selten oder nie ihre Cookies. Daniel Fiene hat es ja im Februar anders formuliert und bewertet:

Fast 60 Prozent löschen Cookies aus ihrem Browser und fast jeder Zweite nutzt regelmäßig einen Werbeblocker. Das ist eine schlechte Nachricht für die Werbeindustrie.

Tech Briefing: Wenn Algorithmen Ärzte und Operationen aussuchen

Aus meiner Sicht besonders wichtig sind die Forderungen nach mehr Transparenz, welche Daten genau erhoben werden (39%), der Wunsch von 31% nach Einfachheit und Verständlichkeit bei den Hinweisen zum Datenschutz und die Forderung nach einer Alternative zur Cookie-Praxis (33%). Die Mehrheit der Befragten fordert einen zentralen Dienst. Ob allerdings die Internet-Industrie willens ist, genau eine solche Plattform zu schaffen, die nicht nur den Werbenden zu Gute kommt, sondern auch dem Wunsch nach Transparenz, Datenschutz und Verständlichkeit gerecht wird? Wir werden sehen.

Kann es die zentrale Zustimmungsverwaltung geben?

Die generelle Frage bleibt: Wie kommt man zu einer klaren, verständlichen und offenen Kommunikation, was man wann an Daten für was gibt. Wie lösen wir es und wer kontrolliert, dass es keinen Missbrauch gibt. Daran hakt es noch immer. Und jetzt haben wir noch gar nicht über die großen Plattformen gesprochen.

Und ja: Ich lösche Cookies regelmäßig, auch wenn ich danach genervt bin

P.S. Ich lösche bewusst und in regelmäßigen Abständen meine Cookies in Firefox und Safari, den beiden Browsern, die ich verwende. Und ja, mich nervt es ungemein, dass ich mich dann bei vielen Diensten wieder authentifizieren muss. Gerade wenn man wie ich in vielen privaten und beruflichen Diensten die zweistufigen Authentifizierung (oder Zwei-Faktor-Authentisierung, wie es Wikipedia hier beschreibt) einsetzt, ist dies zeitaufwändig und eben nervig. Trotzdem lösche ich regelmäßig den gesamten Datenschrott, der da über mich gesammelt wird und ich würde es auch jedem raten.

Was würde ich mir wünschen (neben der oben angesprochenen Transparenz und Sicherheit): Eine Einstellung, mit der ich das Löschen der Cookies nicht nur, aber gerade für die oben erwähnten zweistufig abgesicherten Konten verhindern kann. Vielleicht gibt es ja so was und ich kenne es nur nicht?

(Stefan Pfeiffer)

#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche: Stellenanzeigen als Konjunkturbarometer, Homeoffice, SAP, neuen Jobs im Marketing … und „Alt werden mit Gunni und Larsilein“

26. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und wir waren heute auch mit #9vor9, den Digitalthemen der Woche, erstmals live im Stream auf LinkedIn.

Unsere Themen heute in Stichpunkten:

Vor allem aber unsere Pläne zur inhaltlichen Weiterentwicklung von #9vor9 zu „Alt werden mit Gunnar, Lars und Stefan“:

Wichtig für jeden IT-Nutzer: Mit welchen Methoden Cyberkriminelle die Sorge um Covid-19 ausnutzen

25. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Eine Hör- und Sehempfehlung für alle, die am Computer oder auch Smartphone sitzen (und nicht nur die IT-ler): Die Angriffe durch Cyberkriminelle haben in den vergangenen Tagen und Wochen dramatisch zugenommen. Und das größte Einfallstor sind E-Mails, die immer „besser gemacht“ sind, sich immer besser tarnen. Hinter der E-Mail von Paketzulieferern kann sich ein Angriff verbergen. Auch die vermeintlich offizielle Mail vom Gesundheitsministerium mit Dateianhang ist wahrscheinlich ein Angriff.

Ich habe mich dieser Tage mit meinem Kollegen Carsten Dietrich über Cybersecurity-Bedrohungen in Zeiten von Covid-19 unterhalten. Carsten ist Security Experte und Program Director der IBM X-Force Threat Intelligence in Kassel. Und die Mädels und Jungs, die weltweit verteilt arbeiten, kenne sich wirklich aus und waren wohl die ersten, die bereits im Januar eine Kampagne entdeckt haben, die sich Covid-19 zunutze machen wollte. Und seitdem geht die Post ab. Im wahrsten Sinne des Wortes: Bei jeder neuen Information oder Nachrichtenlage rund um Covid-19 ist mit neuen getarnten E-Mails und darin enthaltenen Ransomware-Attacken und Phishing-Angriffen zu rechnen. Die Mails enthalten entweder dubiose Links zu Webseiten, wo man sensible Daten hinterlassen soll, und/oder es sind schädliche Anhänge enthalten.

Carsten schildert die Bedrohungen sehr plastisch. Deshalb rein hören und daran denken: Immer misstrauisch sein. Prüfen, ob eine Mail plausibel ist. Habe ich zum Beispiel wirklich etwas bestellt, wenn eine durchaus perfekt aussehende Nachricht vom Paketzulieferdienst kommt. Schauen, ob die E-Mail-Adresse, von der die Mail kommt, plausibel oder aber kryptisch ist. Nie Dateien öffnen, die angeblich von einer Behörde wie dem Gesundheitsministerium kommen. Die Behörden werden in aller Regel nie solche Dateien verschicken. Nicht blauäugig Webseiten öffnen und gar dort Daten hinterlassen. Und natürlich immer die eigene Sicherheitssoftware wie den Virenschutz auf dem neuesten Stand halten! Das rund zehnminütige Gespräch, das Teil des IBM Livestudio Magazins war, beginnt mit dem Gespräch mit Carsten:

Das X-Force Team informiert kostenlos aktuell auf dieser Webseite über Bedrohungen rund um Covid-19. Sicherlich von besonderem Interesse für Mitarbeiter von IT-Abteilungen. Wer sich nicht registrieren will, kann als Gast die Informationen einsehen:

Und ich blende hier bewusst den kompletten Link ein.

https://exchange.xforce.ibmcloud.com/search/coronavirus

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Elchinator auf Pixabay

IBM Livestudio Magazin mit dem Covid-19 Infobot, Watson AIOps für den CIO und die IT-Abteilung, Red Hat und IBM sowie den Wert des Mainframes

13. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Gestern haben wir wieder das IBM Livestudio Magazin auf LinkedIn ausgestrahlt*. Und wir hatten wieder interessante Themen. Gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer die neuesten und akuratesten Informationen zu COVID 19 auf einfachste Weise finden können. 

IBM hat deshalb seine Erfahrungen in mehr als 30.000 Projekten mit künstlicher Intelligenz, insbesondere mit dem Chatbot Watson Assistant genutzt und einen Watson Assistant for Citiziens speziell als Informationsquelle rund um Covid-19 entwickelt. Dieser Chatbot wird nun weltweit von der öffentlichen Verwaltung, von Versicherungen und Unternehmen eingesetzt. Auch in Deutschland mit dem Covid-19 Infobot, der 90 Tage lang kostenfrei genutzt werden kann. Mehr dazu erfahren wir im Gespräch von Florian Breger mit Dr. Wolfgang Hildesheim und Dennis Scheuer: 

Danach schaue ich mit dem Analysten Axel Oppermann von Avispador vor allem auf den zweiten Tag der Think 2020 zurück, der großen Digitalkonferenz der IBM, die am 5. und 6. Mai mit rund 90.000 Teilnehmern stattgefunden hat. Die Replays der Konferenz siond übrigens hier nachträglich einsehbar.

Wir beschäftigen uns mit dem Thema Automatisierung und wie diese durch künstliche Intelligenz ermöglicht wird, eine Kernaussage, die auch Rob Thomas in seiner Keynote getroffen hat. Chatbots wie der COVID-19 Infobot sind nur ein Beispiel.

Die Leistungspotenziale von Chatbots können im Moment gar nicht hoch genug angesetzt werden. Wir haben es eben am Beispiel gesehen: Einfache Dialogkonzepte, um schnell Informationen zu bekommen. Aber in nahezu allen Wirtschaftsbereichen werden sich Chatbots und später sogenannte Atbots, die auf Daten stärker zugreifen und Prozesse ermöglichen, sowohl im Consumer-Bereich als auch im Business-Bereich durchsetzen.

Axel Oppermann im IBM Livestudio Magazin

Eine exzellente Einführung in die Welt der Unternehmens-IT gibt dann Aaron Levie, der CEO von Box, der plastisch ausführt, mit welchen Herausforderungen CIOs und IT Abteilungen zu kämpfen haben. Die hybride Cloud mit potentiell hunderten von Cloud-Diensten und Anwendungen muss sicher und zuverlässig gemanagt werden. Dabei soll IBM Watson AIOps helfen, das neue Offering, das IBM auf der Think angekündigt wird. Und auch Axel Oppermann sieht das als einen Bereich an, in dem dringender Handlungsbedarf besteht.

Dass das Thema künstliche Intelligenz im Bereich IT Operations wird mit entscheidend sein, weil sonst werden viele Firmen gar nicht in der Lage sein, ihre Systeme, ihre Lieferanten, ihre Dienstleister in der Form zu managen, wie es notwendig ist. Das heißt Ausfallkontrollen, Stabilität, Belastbarkeit, Sicherheit, das sind da die großen Stichworte und das Thema AIOps, wo IBM jetzt hier entsprechend rein geht, ist heute schon ein Bereich, ein bereits riesiger Markt, der exorbitant wachsen wird und der Ansatz rein zu gehen mit Datenanalysen aus der Vergangenheit, das mit Echtzeitdaten zu kombinieren, und daraus Entscheidungen zu treffen, … das wird ein Trend der nahen Zukunft sein.

Axel Oppermann im IBM Livestudio Magazin

Axel Oppermann kommentiert dann auch noch die Entwicklung rund um Red Hat

Die Integration von Red Hat und auch das Ausdehnen des Red Hat-Portfolio oder Integration in das IBM -Portfolio, sei es im Bereich der Mainframes aber auch jetzt hier im Bereich von Operations ist viele Anwender gold wert. Warum? Weil dadurch eine gewisse Offenheit rein kommt, das heißt die Abhängigkeit zu einem einzelnen Anbieter, Hyperscaler, wird geringer … dieser Zusammenschluss von IBM-Kompetenz mit AI im Kontext von Open Source plus der Leistungsfähigkeit ist ein Thema, was sicherlich eine starke Relevanz und so eine sehr starke Nachfrage am Markt ergeben wird.

Axel Oppermann im IBM Livestudio Magazin

Andreas Bieswanger aus dem IBM Labor in Böblingen wurde kürzlich zum IBM Fellow ernannt. Das ist ein wirklicher Ritterschlag. Mit ihm spreche ich im Livestudio darüber, warum der Mainframe, die IBM Z, auch heute in der hybriden Cloud so wichtig ist und wie viele missionskritische Anwendungen noch immer auf dem Mainframe als Backend laufen.

Viel Spaß beim Zuschauen oder Zuhören!

* Noch immer gibt es Herausforderungen mit dem Targeting auf LinkedIn. Deshalb ist das ursprüngliche Video leider nicht mehr sichtbar. Aber die YouTube-Version entspricht ja 1:1 dem Originalvideo. Wir experimentieren weiter mit den Einstellungen, die wohl noch fehlerhaft sind.

Geht Deutschland digitaler aus der Krise heraus? Schön wäre es, aber …

4. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Viele (sogenannte) Experten und Medien gehen davon aus, ja fordern, dass die derzeitige Krise dazu führt, dass sich die Digitalisierung beschleunigt, „dass die drastische digitale Druckbetankung größere Veränderungsbereitschaft anstößt„. So wurde auch eine DMEXCO Trendumfrage unter 800 Digitalentscheidern (527 aus der DACH-Region, 305 international) durchgeführt, die nach ihrer Einschätzung befragt wurden. Die aktuell gerade gebeutelte Digitalbranche ist mehrheitlich der Meinung, dass die Pandemie das Tempo der digitalen Transformation beschleunigen wird.

Digitaler Wandel: Corona und die Digitalisierung – DMEXCO

Und sicher geht das deutlich über die doch sehr werkzeugorientierten Fragen zu Kommunikations- und Kollaborationsplattform oder Videoconferencing hinaus. Ja, diese Werkzeuge werden wohl bleiben, werden weiterhin genutzt und es liegt noch enorm viel Potential in einer besseren Benutzbarkeit und Nutzung der Tools. Und manche Dienstreise mag eingespart werden, wenn es doch per Videokonferenz geht. Doch wie hat es Ole Wintermann formuliert: Es droht auch ein konservativer Backslash, oft getrieben durch diejenigen, die den Status Quo bewahren wollen. Das sieht man gerade auch an den Diskussionen rund um Heimarbeit und Remote Working. Deshalb wäre ja auch ein Recht auf Homeoffice, wie es Hubertus Heil fordert, meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll.

Überraschung: Digitale Abläufe können etwas bringen …

Bemerkenswert auf der Metaebene ist, dass sich das Tempo der digitalen Transformation beschleunigt und der Nutzen plötzlich viele deutlicher hervortritt, wie es Michael Kroker schreibt:

Die Corona-Pandemie führt vielen Unternehmenschefs die Vorteile digitaler Abläufe und Arbeitsmethoden erstmals völlig ungefiltert vor Augen. Selbst Skeptiker erkennen jetzt den Nutzer neuer Tools und Technologien.

Krokers RAM: Die Coronakrise ist ein Katalysator für die Digitalisierung in Deutschland! | Kroker’s Look @ IT

Traurig, dass es dazu einer solchen Krise bedurft hat. Derzeit muss an vielerlei Stellen umgedacht werden, müssen neue Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle umgesetzt werden, die viel stärker digitale Technologien nutzen. Wer sich nicht ändert, kommt in (noch) größere Probleme.

Es geht (auch lokal) digital mehr, als man denkt … wenn man es wirklich will

Es gibt bereits viele „kleine“, bemerkenswerte Beispiele, wie die Biohöfe und lokalen Buchhändler, die plötzlich einen Webshop haben und jetzt an die Haustür liefern. Und ich hoffe, dass es vielen kleinen Anbietern und dem Einzelhandel auch gelingt, sich mit entsprechenden Mehrwerten gegenüber den oft übermächtigen Wettbewerbern wie Amazon zu positionieren. Meine Frau hat es mir schon vor der Corona-Krise vorgemacht: Sie bestellt die Bücher bei der lokalen Buchhandlung, die sie jetzt in der Krise sogar an die Haustür liefert. Ich weiß, nicht überall kann das funktionieren, aber es geht auch lokal mehr, als man gemeinhin denkt. Wenn man es will und konsequent umsetzt.

Hoffentlich ist es auch ein Weckruf für und an diejenigen, die das Netz und damit einhergehende Digitalisierung bisher nicht als ernsthafte Plattform für ihr Geschäft ansehen. Nochmals Michael Kroker:

Firmen, die ihre Agilität durch digitale Transformation, durch die Automatisierung von Prozessen und durch das Ausschöpfen neuer digitaler Geschäftsmodelle bereits verbessert haben, werden die Krise besser meistern.

Krokers RAM: Die Coronakrise trennt bei den Unternehmen die Spreu vom Weizen! | Kroker’s Look @ IT

Arbeitsabläufe einfach mal ins Netz übertragen?

Sie werden die Krise aber nur dann meistern, wenn sie diese eigentlich lange bekannte Regel beherzigen:

Digitalisierung darf weiterhin nicht missverstanden werden als Aufgabe, althergebrachte Arbeitsabläufe einfach eins zu eins ins Internet zu übertragen – sonst ist die Gefahr groß, dass sie schlicht scheitert.

Technik macht widerstandsfähiger – auch gegen Pandemien – Alexander Armbruster in der FAZ

Im Bereich Medizin ist der Weckruf angesichts der Pandemie beispielsweise besonders deutlich zu vernehmen. Ob es nun die Sprechstunde per Videoanruf ist oder ob Wearables wie die Apple Watch zur Überwachung manchmal gar lebenswichtiger Werte eingesetzt werden und gar Leben retten (können), die Betreuung der Patienten wird sich verändern. Und bestehende Initiativen wie die elektronische Kranken- und Patientenakte dürften hoffentlich nicht nur in der Wahrnehmung einen Schub bekommen.

Vielleicht gelingt es ja doch noch, eine COVID-19-App einzuführen, die nicht „missbraucht“ wird. Und ja, nicht nur, aber gerade in solchen Einsatzgebieten ist das Thema Datenschutz und Datensicherheit ganz besonders wichtig, muss immer wieder kontrolliert und hinterfragt werden. Ich bin bei denjenigen, die wirkungsvollen Datenschutz nicht als Nachteil, sondern als Wettbewerbsvorteil ansehen.

Es geht nicht um Technologie: Es geht darum, Chancen pro Einsatzgebiet zu identifizieren

Genau wie in der Medizin muss man sich die Chancen der Digitalisierung spezifisch nach Branche und Einsatzgebiet ansehen und bewerten. Kontaktloses Bezahlen wird nun auch in Deutschland (endlich) viel normaler und wahrscheinlich viel akzeptierter. Die Blockchain-Technologie ist wieder da, besonders um Lieferketten nachvollziehbar zu machen. Das reicht vom Bedürfnis von immer mehr Konsumenten, zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen, bis zur Nachvollziehbarkeit wichtiger, weltweiter Lieferketten in vielerlei Bereichen.

Kann es den europäischen Weg in der Digitalisierung geben?

Es gibt viele Branchen und Anwendungsgebiete, in denen jetzt Technologien eine wichtige Rolle spielen können und werden. Dabei sollte immer auch das Hirn eingeschaltet bleiben. Macht es betriebswirtschaftlich Sinn? Ist es sicher? Diese Diskussionen wird man führen müssen, ohne dabei zu viel Zeit zu verlieren. Es könnte durchaus einen eigenständigen europäischen Weg im Umgang mit Technologie zwischen dem chinesischen und amerikanischen Ansatz geben, wenn sich die Europäer zusammenreißen. Und bei allen visionären Ideen und Flugtaxen dürfen wir auch die ganz banale Infrastruktur nicht vergessen. Das Netz, die Bandbreite muss da sein. Auch wenn „das Netz“ überraschenderweise in dieser Krise doch ganz gut funktioniert hat, brauchen wir mehr Bandbreite in der Fläche bis zur letzten Milchkanne. Denn auch dort, an der Milchkanne wird digitalisiert werden. Experten gehen davon aus, dass gerade in der Landwirtschaft enorme Potentiale schlummern.

Kommt der Swingback? Auch im Willen zur Veränderung

Die Chancen sind da. Doch schließen möchte ich mit einem Zitat von Guido Mingels, der im Spiegel neun Thesen aufgestellt hat, was die Coronakrise für die Techindustrie bedeutet:

Trotz aller krisenbedingten Veränderungen sollte man nie die Beharrungskräfte des Status quo unterschätzen. Es ist auch möglich, dass sich durch die Coronakrise viel weniger verändern wird, als alle gerade mutmaßen, fürchten, hoffen …

Corona-Krise: Wie sich die Techindustrie jetzt verändert – DER SPIEGEL

Ich persönlich hoffe, dass wir alle wirklich die Chancen ergreifen, uns auf den angesprochenen europäischen Weg zwischen China und Amerika begeben. Eigentlich hat Europa, hat Deutschland keine Wahl. Eigentlich …

(Stefan Pfeiffer)