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Die Digitale Souveränität Europas – Im Klammergriff zwischen China und den USA

27. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Schaut man sich das Gebaren von Herrn Trump auf der einen Seite und den Anspruch von China nach technologischer Führung auf der anderen Seite an, so kann man als Europäer nur besorgt sein. In Deutschland sind potentielle Kronjuwelen wie Kuka nach China verkauft worden und Knowhow und Arbeitsplätze wandern nun auch in das Reich der Mitte. Wie überraschend. Immerhin wollen die deutsche Bundesregierung und die EU jetzt wohl die Übernahme strategisch wichtiger deutscher Firmen aus dem EU-Ausland erschweren.

Lange war die chinesische Wirtschaft
für ihre Führerschaft im Kopieren
bekannt, jetzt ist der Anspruch ein
anderer: China will die Technologie-
führerschaft übernehmen.

Daniel Fiene im The
Pioneer Tech Briefing vom 5.8.2020

Spielt Europa im Bereich Technologie und Digitalisierung überhaupt noch eine nennenswerte Rolle oder zerfasern wir wieder in nationalstaatliche Soloaktivitäten, die eh zum Scheitern verurteilt sind?

Auf heise online bin ich auf einen Kommentar von Felix von Leitner* gestoßen, der wie viele andere Kenner der Szene mehr digitale Souveränität anmahnt. Er fordert konkretes Handeln in zwei Bereichen ein, der Chipproduktion und in der Unterstützung von Firefox als verbliebenem freien Browser, der durch die neue Programmiersprache namens Rust nun eine entsprechend sichere Architektur umsetzen wollte – bis jetzt aus finanziellen Gründen 250 Mitarbeiter entlassen wurden. Unterdessen haben die Entwickler der bei Mozilla entstandenen Programmiersprache Rust beteuert, dass die Entwicklung nicht durch die Entlassungen gefährdet sei. Trotzdem oder gerade deswegen sind die Forderungen von Felix erwähnens- und bedenkenswert:

Und wenn es die EU mit digitaler Souveränität ernst meint, müsste sie bei Hard- und Software handeln. Die beste Variante wäre, wenn sie eine 7-nm-Chipfertigung aufbaut, oder am besten gleich auf 5 nm gehen. …

Auf Softwareseite sähe ich unser Geld gerne in einer zweckgebundenen Spende an Mozilla investiert. … Wir haben schon mehrere Züge völlig ohne Not abfahren lassen. Wenn wir jetzt nicht aufspringen, ist auch der letzte Zug abgefahren, und Europa wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen außer als Markt für Produkte aus dem Ausland. Das Ende von Verbrennungsmotoren ist seit Jahren absehbar. Das Ende von Chips und Webbrowsern nicht. Wir sollten auch entsprechend investieren.

Kommentar: Digitale Souveränität zum Schnäppchenpreis – von Europa und Mozilla | heise online

Tja, ich habe meine Zweifel, dass „die Politik“, die EU entsprechend handeln wird. Weder bei den Chips, noch bei Firefox. Dabei wäre pragmatisches Handeln sehr wohl und sehr schnell wie im Falle Firefox und Mozilla möglich, doch dies ist nicht so öffentlichkeitswirksam wie Prestigeprojekte wie Gaia-X. Die Bundesregierung, die Ländern und die EU schaffen es einfach nicht, beispielsweise die öffentlichen Verwaltungen auf Firefox zu standardisieren oder sich hinter ein Projekt wie Libre Office – und damit Open Source – zu stellen. Wäre vergleichsweise einfach, ist aber nicht spektakulär und man kann sich sehr simpel mit der föderalen Struktur Deutschlands und Europas raus reden.

Der gesamte Beitrag von Felix von Leitner sei ebenso empfohlen wie der erhellende Beitrag und auch der Podcast von Daniel Fiene zu Chinas Anspruch auf Technologieführerschaft.

Die vorgegebenen Rahmenbedingungen der Planwirtschaft sind technologischer geworden. Danach richtet sich die ganze Wirtschaft. Chinas Anspruch ist Weltmarktführer in den Bereichen Silicon Chips, Künstliche Intelligenz, Quantum Computing oder beim neuen Wunderstoff Graphen zu werden.

Dr. Robin Tech zitiert nach The Pioneer Tech Briefing vom 5.8.2020

* heise online bezeichnet Felix von Leitner als Hacker alter Schule. Wikipedia bezeichnet ihn als deutschen IT-Sicherheitsexperten und IT-Unternehmers, Spitzname Fefe

** Die etwas andere Chipfertigung im Bild von Marcelo Kato auf Pixabay

#9vor9 am Faschingsdienstag ohne Pappnase und Helau, dafür zum Digitalministerium und den bislang unbekannten Ausgaben für Digitalisierung

25. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

#9vor9, die Digitalthemen der Woche vom Faschingsdienstag ohne Pappnase, Helau und Alaaf, dafür mit Gunnar Sohn und mir:

Doro Bär konnte auf Anfrage nicht beantworten, wie viel Geld die Bundesregierung für Digitalisierung ausgibt. Jetzt wurden die Zahlen wohl erstmals zusammengestellt, berichtet das Handelsblatt. Auf 31 Seiten wurde nun endlich ein Überblick zusammengestellt, wo investiert wird, von „Trusted Cloud für die Wirtschaft“ bis zu den Geldern, die die Länder für die Digitalisierung der Schulen bekommen. Zum Thema Digitalisierung kommentiert Holger Schmidt auf Twitter:

Künftig will man jährlich einen Überblick über die digitalpolitisch relevanten Haushaltsposten liefern.

Digitalministerium muss her und wer könnte es leiten?

Unwissenheit im Bereich IT und Digitalisierung ist auf Bundesebene auch nicht neu. Auch die Ausgaben, die auf Bundesebene in Microsoft-Lizenz investiert werden, konnte man vor Monaten nicht beziffern. Unfassbar. Aber mit dem neuen Digitalministerium wird ja dann endlich alles besser. In das Horn hat dann auch wieder Gunnar Sohn gestoßen und nicht verstanden, warum SPD-Chefin Saskia Esken – siehe ihr Interview mit t3n – ein solches Ministerium nicht unterstütze. Gunnar verweist dabei (immer wieder) auf die guten Erfahrungen, die man mit dem Umweltministerium unter Klaus Töpfer gemacht habe. Dann könne man endlich auch das Thema Open Source treiben, das Saskia Esken ja immer unterstützt hat – siehe das Gespräch im Juni 2019 auf der Think at IBM – und dessen Unterstützung die Union auf dem Parteitag in Leipzig beschlossen hat. Und wer sei, so Gunnar, für den Posten der Digitalministerin prädestiniert? Die Saskia, meint er. Doro und die CSU werden das nicht so sehen und nicht so gerne hören.

Digitale Bewegung auf EU Ebene

Digitalpolitik kann und darf nicht nur auf Deutschland-Ebene gemacht werden. Hier ist die EU gefragt. Wir kritisieren ja oft, aber sowohl Gunnar wie auch ich sehen das Tempo, das die EU in der Digitalpolitik vorlegt, sehr positiv. Natürlich sind viele Dinge noch sachlich-fachlich zu diskutieren. Hier sei ausdrücklich auf den Bericht auf netzpolitik.org verwiesen. Aber es scheint mehr Bewegung in das Thema Digitalisierung in und für Europa zu kommen.

Business-Version von Office 365 und die Gefahr von Emotet-Infektionen

Zurück zu Microsoft. Die Wahrnehmung vin Microsoft ist in Deutschland eh ein ganz besonderes Thema. Die Firma wird für ihre Erfolge hochgejubelt. Ein sonst eher kritischer Journalisten zwitscher, dass Microsoft der einzige US-Tech-Konzern sei, für den er arbeiten würde. Die kleinen Stellschrauben, an denen Redmond immer wieder dreht, gehen im allgemeinen Getöse eher unter oder werden nur von heise aufgegriffen.

So berichtet heise jetzt darüber, dass den Business-Versionen von Office 365 eine wichtige Schutzfunktion fehle, mit dem man unter anderem Emotet-Infektionen verhindern kann. Das Abschalten von Makros über Gruppenrichtlinien, das unter anderem vom BSI empfohlen wird, ist in dieser Version nicht oder nur eingeschränkt möglich. Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen: In der „Geschäftsversion“ kann man sich nicht vernünftig schützen. heise spricht von einem riesigen Sicherheitsloch. In den teureren Enterprise-Versionen ist die Funktionalität vorhanden. Ein Schelm, wer …

Damit verdichtet sich der Eindruck, dass es Microsoft vor allem um eines geht: Den Kunden die teuren Enterprise-Lizenzen aufzuzwingen. Wer dafür nicht das Geld auf den Tisch legen will, lebt eben gefährlich. Angesichts von Emotet-Infektionen die Firmen und Organisationen bis in den Ruin treiben können, ist das ein sehr fragwürdiges Vorgehen.

Emotet: Sicherheitsrisiko Microsoft Office 365 | heise online

Wiederum heise – sie sind fast die einzige Publikation, die so etwas aufgreift – schreibt, dass nun auch deutsche Nutzer, die Windows 10 Home Version 1909 neu installieren, „vom Setup zum Anlegen eines Microsoft-Kontos gedrängt“ werden. Mit Tricks kann man das umgehen, aber für den:die gemeine Nutzer:in einfach zu kompliziert. Solche kleinen oder größeren „Gemeinheiten“ fallen im Großteil der Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung mal so unter den Tisch. Leider.

(Stefan Pfeiffer)

Vor 10 Jahren: Wir Kinder der Generation Windows ODER warum gehen wir in Deutschland nicht kritisch mit Microsoft um?

26. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Am 23. Januar 2010 habe ich über meine persönliche Geschichte mit und Beziehung zu Microsoft geschrieben. Wie ich es im getitelt habe: Ich bin ein Kind der Generation Windows, war beispielsweise als Business Partner beim offiziellen Launch von Windows 3.0 in Deutschland dabei. Irgendwann haben sich die Wege dann getrennt oder besser, ich habe eine wesentlich kritischere Haltung zu Microsoft eingenommen.

All das ist Thema des Beitrags von damals. Und auch manche Fehleinschätzung, wie es denn weitergehen würde. Die Dominanz von Microsoft konnte weder im Office-Bereich, geschweige denn bei den Betriebssystemen wirklich gebrochen werden. Office ist in die Cloud gewandert und dominiert noch immer auf ungesunde, monopolistische Weise das Segment, DSGVO-Verstöße hin und Warnungen der EU vor Abhängigkeit her. Auch in der Cloud hat man sich gut positioniert und man kann hier nur den Hut ziehen, wie man sich nach dem Abschied von Steve Ballmer erfolgreich neu positioniert hat.

Das Image ist gerade in Deutschland ausnehmend gut, auch wenn regelmäßig Sicherheitslücken auftauchen, die Qualität bemängelt wird oder wie gerade 250 Millionen Einträge aus der Kundendatenbank offen im Netz zugreifbar waren. Das wird kaum wahrgenommen. Nicht umsonst sprechen Kritiker von GAFA, den großen Plattformkonzernen Google, Apple, Facebook und Amazon, und nicht von GAFAM, den genannten Konzernen inklusive Microsoft, das zweifelsohne ähnliche Macht in seinem Segment hat.

Die positiven Signale werden eher wahrgenommen und auch multipliziert: Wenn Microsoft bekannt gibt, dass man klimaneutral, ja klimapositiv werden will, wird das allenthalben bejubelt. Nicht falsch verstehen: Die Initiative ist absolut positiv zu bewerten und ich hoffe, dass mancher Konzern nachzieht. Doch wenn manch sonst so angeblich kritischer Geist dann plötzlich zwitschert, dass der einzige Plattformkonzern, für den er arbeiten würde, Microsoft sei, werde ich misstrauisch und kann nur angesichts vieler Fakten den Kopf schütteln.

Microsoft macht gerade sehr vieles richtig. Das muss man neidlos anerkennen. Doch sollte man gerade in Deutschland und Europa auch wahrnehmen und berücksichtigen, dass wir beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung extrem von Microsoft abhängig sind. Abhängig! Offensichtlich wissen wir nicht einmal, wie viel Geld die deutsche Verwaltung für Microsoft-Produkte ausgibt. Die Gelddruckmaschine läuft fröhlich vor sich hin.

Europäische Unabhängigkeit, eine europäische Plattform und Alternative, bedeutet nicht nur aus finanziellen Gründen wesentlich mehr Unabhängigkeit von Windows, besonders Office und anderen Microsoft-Produkten und Hinwendung zu Open Source als Alternative. In diese Richtung will ja jetzt auch die Union gehen. Ich bin gespannt und verhalten optimistisch, eher pessimistisch. Die Lobbyisten werden es schon richten, die Union einknicken. Weil angeblich Excel, Powerpoint und Word so unverzichtbar sind. So ein Mumpitz.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Lesezeichen: Facebook, Twitter Instagram & Co reagieren noch nicht angemessen gegen Trolle und Bots

9. Dezember 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt, doch auch in der Zwischenzeit wird Meinung gemacht. Und wie das Strategic Communication Centre of Excellence (Stratcom) der Nato laut heise online herausgefunden hat, ist Manipulation weiter möglich, obwohl Facebook, Google und Twitter immer wieder betonen, dass sie massiv gegen Falschmeldungen sowie gegen Bots und Trolle vorgehen.

Stratcom hat für nur „300 Euro bei kommerziellen „Manipulation Service Providers“ (MSPs) 3530 Kommentare, 25.750 Likes, 20.000 Seitenabrufe und 5100 Follower auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube“ erwerben können. Twitter hat bei dem Test noch am besten abgeschnitten, da man 35 Prozent der Troll-Konten blockiert habe. Danach kam YouTube, dass Manipulationen immerhin richtig stellte. Facebook und Instagram landeten auf den beiden letzten Plätzen. Instagram hat laut Bericht kaum gekaufte der Likes oder Views korrigiert.

Die Selbstregulierung funktioniert offensichtlich trotz der Beteuerungen und freiwilligen Verpflichtung der Konzerne zur Hygiene vom September 2018 nicht. Der Manipulation wie bei den US-Wahlen 2017 steht weiterhin Tür und Tor offen. Stratcom sieht den Gesetzgeber gefordert. Laut heise online steht eh eine Überprüfung durch die EU-Kommission Anfang des kommenden Jahres an. Klar ist, dass hier ein dringender Handlungsbedarf herrscht, um Beeinflussungen und Manipulationsversuchen in den kommenden Monaten und insbesondere bei den anstehenden Wahlen möglichst effektiv zu begegnen.

 

Eselsohr zu den Protesten: Bauern und Konsumenten müssen sich ändern, beide Seiten …

6. Dezember 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Eigentlich nicht so mein Thema, aber den Kommentar von Julia Löhr auf FAZ.NET (leider wieder hinter der Bezahlschranke) zu den Bauernprotesten finde ich einfach zu wichtig, um ihn nicht zu „eselsohren“. Warum? Einerseits hat mich die Aggression, die bei den Interviews vor den Protesten von Bauern und dann später von „Städtern“ zu spüren war, erschreckt. Auch hier schaukeln sich Emotionen wieder extrem hoch und wohl nicht zu Unrecht schreibt Julia Löhr, dass die Landwirtschaft nach der Flüchtlingsfrage und der Diskussion um den Verbrennungsmotor die nächste Frage sein könnte, wo sich die Gesellschaft wieder einmal spaltet und wo Nepper und Schlepper wieder mit platten Parolen auf Fang gehen könnten.

Julia Löhr bemerkt dann auch, dass viele schön reden, schön reden über Blühstreifen, „mehr Platz für Schweine und Hühner in den Ställen“ oder gegen Pestizide. Wenn es jedoch an den Geldbeutel geht, sehen wir Deutschen nicht mehr so gut aus. Wohl nur „fünf Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland entfallen auf Bio-Produkte. In den skandinavischen Ländern, in der Schweiz und in Österreich ist der Anteil fast doppelt so hoch.“

Und was mir dann Mut gemacht hat – und was ich auf einer FAZ nicht so erwartet habe -, ist die Aufforderung von Julia Löhr sich auf beiden Seiten zu ändern, auf Seiten der Bauern und der Konsumenten. Sie bricht eine Lanze für „die jüngeren Landwirte, die erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann“, Experimente starten und die Reformen auf vielerlei Gebieten (jenseits des traditionellen Bauernverbands). Ihr Plädoyer: „Jetzt müssten die EU-Agrarsubventionen so gestaltet werden, dass diese neue Generation von Landwirten davon stärker profitiert.“ Schön wäre es, wenn sich Vernunft trotz aller notwendigen sachlichen Auseinandersetzung durchsetzen würde. Danke für den Kommentar.

#9vor9 und digitale Splitter der Woche: Kein Signal im EU-Parlament, das Datenschutzcockpit, Führungswechsel bei SAP und einiges mehr

15. Oktober 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Und heute gab es wieder #9vor9 mit Lars Basche und Gunnar Sohn. Hier die Aufzeichnung mit vielen Themen, die auch für das Blog vorbereitet hatte:

Und das sind meine lose kuratierten Digitalthemen der vergangenen Tage.

Kein Signal im EU-Parlament

Die IT-Abteilung des EU-Parlaments verbietet den Einsatz des  Messengers Signal auf Desktop-Rechnern. Dazu müsse das Programm erst einmal getestet werden. Stattdessen solle man die Webversion von WhatsApp verwenden. Netzpolitik.org berichtet:

Zwar sind beide Messenger Ende-zu-Ende-verschlüsselt, doch fließen bei WhatsApp Metadaten an den Mutterkonzern Facebook ab. Ermittler und Geheimdienste können auf sie Zugriff erhalten. Signal hingegen verspricht seinen Nutzer:innen, von vornherein so wenig Daten wie möglich über sie zu speichern.

über EU-Parlament verwehrt Abgeordneten die Installation des Messengers Signal – netzpolitik.org

Das Internet: The good, the bad and the …

Und eigentlich logisch, aber in den heutigen Zeiten, in denen immer schwarz-weiß gemalt wird, doch erwähnens- und zitierenswert: eine weltweite Studie über den Einfluss des Internets auf das Vertrauen in Regierung und Verwaltung, über die netzpolitik.org hier berichtet. Zwei wichtige Ergebnisse kommen bei der Auswertung von rund 840.000 Befragten in 116 Ländern heraus: Das Internet und 3G bzw. ein freier und unzensierter Zugang zum Internet haben in vielen Ländern zur Bekämpfung von Korruption und Misswirtschaft geführt. Auf der anderen Seite sei durch den Ausbau von 3G-Mobilfunknetzen der Stimmenanteil von populistischen Parteien gestiegen.

Populistische Parteien, zumindest in Europa, haben von der wachsenden Unzufriedenheit mit Amtsinhabern politisch profitiert, gefördert durch die politische Information, die Wähler über das Internet erhalten. … Da viele populistische Politiker in Europa dabei ertappt wurden, Desinformation zu streuen, suggerieren die Ergebnisse, dass das Internet ein Werkzeug dabei sein kann, die Öffentlichkeit sowohl zu informieren als auch zu desinformieren.

über Studie: Mit mehr Internet fliegt Korruption eher auf – und das Misstrauen in Regierungen wächst – netzpolitik.org

Doro Bär im „Datenschutzcockpit“

Und Spiegel Online berichtet über das „Datenschutz-Cockpit“, das Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) jetzt einführen möchte und kürzlich vorstellte. Bürgerinnen und Bürger sollen sollen künftig online verfolgen können, welche Behörden persönliche Daten von ihnen verarbeiten. Die Mehrheit wolle eGovernment-Dienstleistungen wahrnehmen, ohne immer wieder die eigenen Daten eingeben zu müssen. Auf der anderen Seite sei „die große Mehrheit ist auch nicht begeistert, wenn es um einen Datenaustausch zwischen den Behörden“ gehe.

Das „Datenschutz-Cockpit“ soll in einem Bereich eine Übersicht über verwendete Daten liefern, in einem anderen könnten Nutzer Behördengänge online erledigen, berichtet Spiegel Online. Doch es gibt Skeptiker, dass die Initiative es schaffe, die Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen wie geplant bis 2022 fertigzustellen. Der EU-Kommission zufolge hinkt Deutschland im Vergleich hinterher. Und bisher waren die IT-Projekte der öffentlichen Hand ja nicht gerade Erfolgsgeschichten.

Führungswechsel bei SAP

Schließlich muss über den Führungswechsel bei SAP gesprochen. SAP-Vorstandschef Bill McDermott muss gehe, Jennifer Morgan und Christian Klein übernehmen. Hasso Plattner hat wieder einmal gehandelt. Finanziell steht SAP exzellent da und liefert gerade auch wieder ein hervorragendes drittes Quartal ab. In McDermotts Zeiten wurde der Konzern zum wertvollsten deutschen Börsenkonzern, so die FAZ. Er hat maßgeblich das Cloud-Geschäft getrieben und das SAP-Portfolio durch Zukäufe kontinuierlich erweitert.  Michael Kroker vermutet genau an dieser Stelle Ungemach.

Die treuen SAP-Kunden seien haderten mit der Produktstrategie. Viele hätten das Gefühl, das Management kümmere sich nur noch um die modernen Cloud-Produkte, vernachlässige aber die Kernprogramme. Einige Kunden würden sich bereits abwenden, berichtete die Wirtschaftswoche. Und wer schon länger in der IT-Branche dabei ist: Es ist nicht das erste Mal, dass sich gerade auch die SAP Anwendervereinigung unzufrieden äußert. Ich kann mir den Vergleich mit Microsoft nicht vergleichen: Die scheinen zufriedenere Kunden zu haben oder der Ärger dringt nicht so durch … Zurück zu SAP: Gespannt sein darf man sicher auf das neue, jüngere Führungsteam und deren konkretes Vorgehen.

(Stefan Pfeiffer)

#9vor9: Zu Kundendienst per Twitter, der europäischen Götter-Cloud und Videoplattformen

27. August 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute Themen bei #9vor9: Meine DSL-Probleme und die Erfahrungen mit der Hotline der Telekom, den Servicetechnikern, die hier vor Ort waren, und mit dem Twitter-Team @Telekom_hilft. Abstrahiert von meinem konkreten Fall: Über welche Kanäle sollten Unternehmen Kundendienst leisten? Unser Traditionalist Axel Oppermann, derin jeder Sendung den Kauf der WiWo für 6,20 Euro empfiehlt, ist für Service in der 1:1 Kommunikation und bevorzugt die traditionelle Hotline. Gunnar und ich haben damit keine guten Erfahrungen gemacht und halten schon was davon, Probleme nicht nur unter dem Deckel zu halten, sondern auch öffentlich zu machen.

Außerdem ging es um die Altmaier’sche europäische Cloud als Alternative zu Amazon, Microsoft oder Google und wer die denn betreiben könnte. Schließlich hat Gunnar dankenswerterweise noch meinen Beitrag zu Videoformaten und -plattformen im Business-To-Business-Umfeld (B2B) aufgegriffen. Wir warten auf LinkedIn Video und sind gespannt. Axel hat es (natürlich) schon gesehen und rät dazu, alle Plattformen zu bespielen. Ausnahmsweise sind wir uns da mal einig. Mit E-Camm, der Software, die wir zum Streaming und Aufzeichnen nutzen, können wir ja Facebook, Periscope/Twitter und YouTube bespielen.

 Bild von intographics auf Pixabay

Lesezeichen: Die EU-Urheberrechtsreform, die VG Bild-Kunst und YouTube ist kein Rundfunk

9. April 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Zum Thema EU-Urheberrechtsreform empfehle ich diesen Beitrag von Johannes Börnsen der seit 8 Jahren Videos für heise online und das c’t Magazin dreht, schneidet und vertont. Er wollte Mitglied bei der VG (Verwertungsgesellschaft) Bild-Kunst werden, nicht riskieren, dass seine für heise und c’t produzierten Videos gesperrt werden und an der Urheberrechtsabgabe der VG Bild-Kunst partizipieren. Von wegen:

Die Ernüchterung folgt schnell: Bewegtbild fällt nicht in Gruppe II (Bild) und für Gruppe III zählen nur Veröffentlichungen in klassischen TV-Sendern, die Liste könne ich auf der Webseite einsehen. Youtube sei schließlich kein Rundfunk.

Wie jetzt? Ich bin Urheber, … Trotzdem soll ich aber nicht in den Genuss der Ausschüttungen und der Lizenzierung kommen, …? Warb die VG Bild-Kunst nicht gerade noch für eine faire Anerkennung der Leistungen von Urhebern? …

Langsam beschleicht mich das ungute Gefühl, dass es bei dieser Reform nicht um den Schutz der Urheber geht. Vielmehr soll sie wohl Geld von Youtube und Co. in die Kassen der Verwertungsgesellschaften spülen.

Quelle: Kommentar zur EU-Urheberrechtsreform: Mit zweierlei Maß | heise online

Diskussion um Urheberrechtsreform und Uploadfilter oder Welten prallen aufeinander: @AlaArmbruster in der FAZ und @SaschaLobo auf Spiegel Online

23. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich möchte hier zwei Kommentare nebeneinander stellen: Alexander Armbruster in der FAZ und Sascha Lobo im Spiegel. Alexander Armbruster auf die Vision des freien Internets:

Diese Idee besteht quasi als technologisches Glaubensbekenntnis bis heute fort, es schwingt teils unterschwellig mit, wenn junge Menschen im Streit um das europäische Urheberrecht online und auf der Straße gegen #Merkelfilter demonstrieren, #SaveYourInternet plakatieren oder kundtun, #NieMehrCDU zu wählen;

über Kommentar zur Onlinewelt : Der Internet-Irrtum

Es schwingt mit, dass die Kritiker von Uploadfiltern naive junge Leute und Freaks sind, die vom wahren wirtschaftlichen Leben keine Ahnung haben. In Wahrheit gehe es im Netz um Wettbewerb, Knappheit und Streit um die Macht. Schön, dass mir endlich das mal jemand erklärt.

Sascha Lobo schreibt auf Spiegel Online:

Ja, wir brauchen eine Urheberrechtsreform, ja, wir brauchen ein Urheberrecht, das im Digitalen vor allem für Kreative besser funktioniert, und ja, wir brauchen unbedingt eine Regulierung der großen Plattformen, und zwar eine ohne Rücksicht auf deren radikale Profitorientierung.

Es gäbe für eine sinnvolle Urheberrechtsreform auch Ansätze. Anders als oft behauptet, lagen in den Jahren der Verhandlungen viele kluge, konkrete Vorschläge auf dem Tisch der Verantwortlichen, sind aber ignoriert worden.

über Angela Merkels Digitalpolitik: Witze übers eigene Versagen – SPIEGEL ONLINE

Lieber Alexander Armbruster, fragen Sie sich einmal, wie viel Gelassenheit und Wissen manche Politiker haben, die leichtfertig Nachrichten über den Mob und Manipulationen lancieren und dann zurücknehmen müssen.

Fragen Sie sich einmal, wie viel Netzkompetenz es in Brüssel und in anderen „Behörden“ gibt. Fragen Sie sich einmal, wie viel Schnarchnasigkeit und Hochnäsigkeit in deutschen Verlagen noch immer vorherrscht, die veränderten Medienkonsum über Jahre hinweg mehr oder weniger ignoriert haben und die neuen Realitäten mit alt hergekommenem Lobbyismus bekämpfen. Auch wenn ich sicher nicht mehr jung und taufrisch bin, kann ich den Protest derer verstehen, die sich von „der Politik“ einfach abgehängt und nicht verstanden fühlen. Die Ausgestaltung der geplanten Urheberrechtsreform zeigt das einmal mehr.

Gerade die Nerds und die Netzgeneration verklären bestimmt nicht „das Internet“. Das können Sie allenthalben nachlesen. Aber es ist durchaus mehr als einen Versuch wert, die Vision von Tim Berners-Lee – #ForTheWeb – zu verteidigen und ein möglichst freies Netz anzustreben!

(Stefan Pfeiffer)

Lesezeichen zu #Google: Trump’sche Steuererleichterungen, Geldstrafen der EU bei Rekordgewinn in 2018

11. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein mitten Zahlen durchtränkter Bericht auf t3n zu Google und der Mutterfirma Alphabet. Auf den ersten Blick lädt die Überschrift gar dazu ein, Mitleid mit Google zu haben. Das vergeht dann schnell wieder, wenn man sich einige Fakten anschaut. Google profitiert von den Trump’schen Steuererleichterungen in den USA und transferiert im Jahr 2017 fast 20 Milliarden Euro aus Europa „ganz legal“ auf die Bermudas.

Alphabet hat im Geschäftsjahr 2018 seinen Umsatz um 23 Prozent auf 136,8 Milliarden US-Dollar gesteigert. Der Nettogewinn konnte von 12,7 auf 30,7 Milliarden Dollar sogar mehr als verdoppelt werden. Einzig bei den Steuern gab es einen kräftigen Rückgang. Denn aufgrund einer Steuererleichterung in den USA musste Google nur 4,2 Milliarden Dollar an Einkommenssteuern zahlen. 2017 waren es noch 14,5 Milliarden Dollar gewesen.

Berechnungen des britischen Magazins Computing zufolge musste Google damit weltweit weniger Steuern zahlen als Geldstrafen in der EU. Denn die EU-Strafen beliefen sich im vergangenen Jahr auf satte 5,1 Milliarden Dollar – fast doppelt soviel wie 2017, als 2,7 Milliarden Dollar zu Buch standen. Allein 4,3 Milliarden Euro wurden von der EU-Kommission im Sommer wegen des Missbrauchs der Marktmacht beim Smartphone-System Android verhängt.

über Google: Mehr Strafen in der EU gezahlt als Steuern weltweit | t3n – digital pioneers

 

Digitales Mittelalter: Früher standen die Bücher in gut bewachten Bibliotheken nur wenigen offen. Heute sind es Daten und Quellcodes in den Cloud-Silos der Plattformen.

8. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Carsten Knop hat in der FAZ ein lesenswertes Gespräch mit Peter Ganten, CEO der Univention GmbH und Chairman of the Board der Open Source Business Alliance – der Verband der Anbieter und Anwender von Open Source in Deutschland, geführt, der die chinesischen und US-amerikanischen Praktiken im Umgang mit Menschen mit derer mittelalterlicher Herrscher vergleicht. Der Mensch sei heute das Objekt ihrer Technik, ihrer Daten und Algorithmen. Einmal stehe die staatliche „Optimierung“ des Menschen im Vordergrund, das andere mal die „Optimierung“ und Beeinflussung in Kommerz, Werbegeschäft und durch soziale Medien in Wahlen. Die Daten stünden nur den Mächtigen zur Verfügung. Eine Überprüfung (und damit Kontrolle) sei kaum möglich.

Im Mittelalter waren es die Bücher, die in gut bewachten Bibliotheken nur wenigen Eingeweihten offen standen. Heute sind es die Daten und Quellcodes, die gut bewacht in den Cloud-Silos der Plattformen verwahrt werden und diesen Konzernen nicht hinterfragbare Allmacht geben.

über Digitale Souveränität statt digitalem Mittelalter – FAZ Online

Im Endeffekt ging es durchaus um den selbstbestimmten, eben nicht durch Algorithmen bestimmten Mensch und das damit verbundene ethische Menschenbild. Man brauche neue Regeln, dass Bürger/innen und auch europäische Unternehmen Kontrolle über ihre Daten bekämen. Peter Ganten fordert die Offenlegung und Nachvollziehbarkeit von Daten, von Software und auch Hardware. Seine Forderung: Ein Internet der Daten im Sinne einer europäischen Ethik auf Basis offener Daten und mit Open Source Software.  Passt ja zum Beitrag Facebook, Google & Co: Die Gesetzeskeule alleine wird es nicht richten – Wir brauchen europäische Alternativen.

#9vor9: Keine schnellen oder zumindest zügigen Antworten auf Facebook und die „Big Five“

5. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das alte Ehepaar* Gunnar Sohn und meine Wenigkeit haben sich wieder zu #9vor9 getroffen. Ein Thema war natürlich das Verhalten von Facebook und Diskussionen um eine potentielle Zerschlagung von Facebook und Konsorten. Die US-amerikanischen Gesetze scheinen den Anforderungen des digitalen Zeitalters mit den Big Five nicht mehr gerecht zu werden, auch wenn wohl sogar in den USA das Verhalten kontrovers diskutiert werden.

Doch kann man wohl nicht auf die USA zählen, sondern man müsste auf europäischer und deutscher Ebene schnell agieren. Und „schnell“ ist hier das Schlüsselwort: Politik, Institutionen und Judikative scheinen sich jenseits von vollmundigen Äußerungen in der Öffentlichkeit nicht wirklich sichtbar oder gar zügig zu bewegen. Vielleicht passiert ja im politischen und gesetzlichen „Untergrund“ ungemein viel. Allein mir fehlt …

Weitere Themen kurz gestreift: Ständige Optimierung bei SAP bei gleichzeitigem Stellenabbau und Slack, der Messenger-Anbieter mit über 10 Millionen aktiven Anwendern, will wohl an die Börse. Amazon Web Services ist ein Cash-Bringer bei Amazon und generiert auch im Netz mehr Traffic als Google. Dazu die Woche mehr.

* Nach dem Publizieren des Beitrags bin ich auf den Artikel des geschätzten Andreas Stiehler gestossen. Zum Thema „altes Ehepaar“ noch treffender:

Digitale Evangelisten mutieren zu alternden Schlagersängern

 

 

Facebook, Google & Co: Die Gesetzeskeule alleine wird es nicht richten – Wir brauchen europäische Alternativen

4. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Allenthalben starke Worte angesichts der letzten Ankündigungen von Facebook, Instagram, WhatsApp und Facebook auf einer Messenger-Plattform zu vereinigen und der „Spionage App“ auf iPhones. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, fordert eine Zerschlagung nicht nur von Facebook, sondern gleich auch von  Amazon, Apple, Google und Microsoft. Die EU-Fusionskontrolle müsse aktiv werden. Hatten wir auch kürzlich schon bei #9vor9 diskutiert. Auch Bundesverbraucherschutzministerin  Katarina Barley stößt in dieses Horn und wird bei Jörg Schieb wie folgt zitiert: „Die EU hat ein scharfes Wettbewerbsrecht und seit einem halben Jahr auch ein starkes Datenschutzrecht …. Dieses Recht werden wir gegenüber Datenmonopolisten konsequent durchsetzen.“

Eine angekündigte Entscheidung des Bundeskartellamts gegen oder wegen Facebook steht zudem noch aus. Andreas Mundt betont, dass man eine Entscheidung auch durchsetzen könne. Und klar bin ich auch bei Jörg Schieb, der in seinem Beitrag nicht nur das von Zuckerberg gebrochene Versprechen gegenüber Anwendern und Kartellbehörden, die 3 Plattformen nicht zusammen zu legen, und auch die potentiellen Folgen für die Konsumenten darlegt. Korrekt bemerkt er, dass eine Zerschlagung nur in den USA geht. Die EU müsste mit anderen Mitteln reagieren. Und mit viel Sympathie unterstütze ich seine Idee und Forderung, dass Facebook die Schnittstellen seiner Messenger öffnen solle, damit man von beliebigen anderen Produkten wie Signal, Threema oder Telegram mit WhatsApp natürlich verschlüsselt und von Facebook abhörfrei kommunizieren könne.

Die Aufregung ist also gerade wieder einmal überall groß. Ob sie manchmal nur tagesaktuell frei nach Bruno Labbadia hochsterilisiert wird? Mir fehlt der Glaube, dass entsprechend durchschlagende gesetzliche Maßnahmen in Deutschland oder von der EU umgesetzt werden. Die Politik scheint lieber mit den Vertretern besagter Unternehmen Häppchen zu essen und die Lobbyisten von Microsoft, Google & Co verrichten ganz offensichtlich in Sinne ihrer Auftraggeber erfolgreiche Arbeit. Dass „drüben“ die FTC, die Federal Trade Commission, oder andere US-amerikanische Institutionen gerade bei all diesen US-Firmen aktiv werden und sie alle zerschlagen, wage ich zudem zu bezweifeln. Make America great again

Zudem werden gesetzliche Maßnahmen alleine nicht genügen. Ich bin der festen Überzeugung, dass parallel europäische Initiativen gestartet und finanziert werden müssten, um ein Gegengewicht zu den genannten Konzernen aufzubauen. Doch nutzen vollmundige Sonntagsreden und sich erst mal gut anhörende, aber plakative Forderungen wie die eines Peter Altmaiers nach einem europäischen KI-Konzern à la Airbus nur wenig. Die Privatwirtschaft scheint sich ganz offensichtlich nicht entsprechend engagieren zu wollen, solange nicht entsprechende staatliche Mittel fließen.

Zudem stellen Skeptiker nicht nur die generellen Erfolgsaussichten eines solchen Airbus-Konstrukts infrage, sondern bezweifeln zudem, dass man US-Amerikanern und Chinesen überhaupt noch Paroli bieten könne. In der Forschung sieht die deutsche KI-Ikone Professor Wolfgang Wahlster Deutschland und Europa noch ganz vorne: „Ja, wir haben eine exzellente KI-Forschung in Deutschland – auf Augenhöhe mit Amerika und Asien. Wir sind mit unseren Exportschlagern der deutschen Wirtschaft auch im Mittelstand für den KI-Einsatz im Internet der Dinge sehr gut gerüstet.“ Allein wo sind die europäischen Player? Es geht nicht im um ein Schlechtreden der KI-Forschung in Deutschland, wie es Gunnar Sohn schreibt. Reine Forschung wird nicht genügen, solange es keine entsprechenden europäischen Unternehmen gibt, die diese Forschung auch verwerten. Das sind aber die Akzente, die gesetzt werden müssen.

Carsten Knop wart in seinem Kommentar in der FAZ davor, „mit viel Geld das nachzubauen, was andere schon haben“. Es seien bessere Ideen notwendig. Da muss ich beispielsweise an die Forderung von Michael Seemann denken, sich als EU als Plattformbetreiber für Open Source-basierte Lösungen zu positionieren, um so wirkliche Alternativen zu den besagten Monopolisten und Datenkraken zu etablieren. „Die europäische Antwort auf den chinesischen oder kalifornischen Datenzentralismus muss eine andere sein. Wahlfreiheit, Wettbewerb, verteilte Innovation,“ denkt Carsten Knop in eine ähnliche Richtung.

Doch was muss geschehen, damit Europa endlich Gas gibt (falls es nicht eh schon zu spät ist)? Entsprechende gesetzliche Regelungen, wie mit Daten verfahren werden darf, sind die eine Seite. Doch das wird nicht genügen. Solange es keinen Marschall-Plan für Informationstechnologie in und für Europa gibt, solange sich nicht die europäischen Regierungen und Verwaltungen hinter eine europäische IT Plattform stellen, dort investieren und kritische Masse schaffen, wird nichts oder nur sehr wenig passieren. Und Facebook, Google, Microsoft, Amazon & Co werden sich weiter Datenmissbrauch und Skandale leisten können und dabei noch Rekordergebnisse verbuchen frei nach dem Motto:

Legal? Illegal? Scheissegal!

(Stefan Pfeiffer)

 

 

Lesezeichen: „Man kann auf YouTube lernen – und ebenso gut verblöden.“ | FAZ

12. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute ist in der FAZ ein langer, ausführlicher Beitrag zur Bedeutung von YouTube und sozialen Medien für Jugendliche am Beispiel der Diskussion um Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsrichtline erschienen. Kommission, Parlament und Rat diskutieren gerade darüber, wie geistiges Eigentum in der digitalen Welt besser geschützt werden könnte.

Rund um potentielle „Upload-Filter“ und einer Gefährdung des freien Netzes gibt es nun seit geraumer Zeit eine Diskussion, die von Google und YouTube angefeuert wird. Der Artikel setzt sich damit auseinander, wie sich Jugendliche mit dem Thema auseinandergesetzt, wo sie sich informiert (oder desinformiert) haben.

Die Autoren führen einige interessante Statistiken auf, sicherlich dem interessierten Leser bekannt, aber im Beitrag nochmals gut zusammengefasst. Jugendliche schauen immer weniger Fernsehen, stattdessen nutzen sie YouTube und Streaming-Dienste. Sie vertrauen (immer noch) der Tagesschau, schauen sie aber eigentlich nicht mehr. Stattdessen informieren sie sich über soziale Medien:

Für 29 Prozent erfüllt Facebook die Funktion, für 17 Prozent ist Youtube Hauptinformationsquelle. Auch dort gibt es seriöse Nachrichten und Dokumentationen, aber sie begegnen einem nicht zufällig. Das ist im Fernsehen anders.

Das Internet, hieß es schon früh, macht die Schlauen schlauer und die Dummen dümmer. Man kann auf Youtube lernen, wie man ein Floß baut, wie die Relativitätstheorie funktioniert – und ebenso gut verblöden.

über Jugendliche informieren sich vor allem über Youtube

Na ja, ist das so neu, frage ich mich da? Auch vor sozialen Medien haben nicht alle ARD, ZDF, Arte und Tagesschau angesehen. Und davor soll es viele Jugendliche gegeben haben, die nicht die FAZ, Süddeutsche oder Zeit gelesen haben. Und schon damals, ja sogar heute gibt es diejenigen, die auf BILD News reinfallen oder sie nicht hinterfragen. Schon vor Social Media gab es Filterblasen und Scheuklappen, Leute, die andere Informationen einfach ignoriert haben oder ignorieren wollten.

Ja, die Empfehlungsalgorithmen der Netzplattformen sind eine neue Stufe, nicht links und rechts zu schauen. Höher ist die Reichweite, größer die Geschwindigkeit, in denen Diskussionen geführt werden und eskalieren können. Und vergessen wir bei der oft auch unangebrachten Verteufelung der sozialen Medien nicht die unvergleichlich höhere und weitere Macht der Plattformbetreiber wie der Google-Tochter YouTube oder die Praxis des Facebook-Konzerns im Bereich Privatsphäre und Datenschutz. Ein Springer-Konzern war in seinen besten Zeiten da vergleichsweise harmlos. Dass die neue Clique von Amazon, Google, und Facebook sich gegen Regulierungen wären, die sie Geld kosten und potentiell den Einfluss beschränken, ist nur zu logisch.

Medienkompetenz nicht nur, aber vor allem auch von Jugendlichen ist in der heutigen Zeit ebenso notwendig wie im Fernseh- oder Print-Zeitalter. Ja, heute mag sogar noch mehr Misstrauen gegenüber Falschinformationen gefragt sein. Und seien wir besonders misstrauisch, wenn Konzerne als weiße Ritter auftreten, die von Werbung und Daten bestens leben und oft einen Markt monopolartig beherrschen. Sie gehören kontrolliert.

Und zum Streitpunkt, dem Artikel 13, schreiben die Autoren der FAZ mit Bezug auf EU-Quellen, dass sich dieser nicht gegen Youtuber richte, denn diese „Creators“  seien – wie es der Name eigentlich schon sagt – geistiger Urheber und damit Inhaber von Rechten. Auch habe man nichts zu befürchten, wenn man in kurzen Ausschnitten Bezug auf andere Quellen nehme und aus geschützten Werken zitiere. Lizenzen sollten (nur) dann fällig werden, wenn längere Einspielungen genutzt würden.

(Stefan Pfeiffer)

 

 

 

 

Holländische Regierung: „Microsoft erfasst systematisch Daten in großem Umfang über Word, Excel, PowerPoint und Outlook, ohne die Nutzer darüber zu informieren“ – Nachbesserung gelobt

20. November 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Zuerst bin ich durch Wolfgang Miedl auf Sharepoint360.de drüber gestolpert:

Die Holländische Regierung hat ein Gutachten über die Erfassung von Telemetriedaten in Microsoft Office erstellen lassen. Dabei kam heraus, dass Microsoft in sehr umfangreichem Maße nicht nur Metadaten, sondern auch Anwenderdaten erfasst, und diese datenschutzwidrig außerhalb Europas speichert. Insgesamt geht es um acht Verstöße, die Office 2016, Office ProPlus und Office 365 sowie die Office Web-Apps betreffen.

über Holländische Regierung: „Microsoft verstößt beim Sammeln von Office-Telemetriedaten massiv gegen EU-Datenschutz“ – https://sharepoint360.de/

Zur Ergänzung ein Zitat von heise online:

„Microsoft erfasst systematisch Daten in großem Umfang über Word, Excel, PowerPoint und Outlook, ohne die Nutzer darüber zu informieren“, schreibt Sjoera Nas von Privacy Company. Die Datenschutz-Beratungsfirma führte die Untersuchung im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Justiz und Sicherheit durch. …

Microsoft zeigt sich kooperativ und arbeitet mit dem niederländischen Justizministerium zusammen, um eine Lösung zu finden. …

„Wir verpflichten uns, die Privatsphäre unserer Kunden zu schützen, indem wir ihnen die Kontrolle über ihre Daten geben“, erklärte ein Microsoft-Sprecher gegenüber The Register. Das Unternehmen will sicherstellen, „dass Office ProPlus und andere Microsoft-Produkte und -Dienstleistungen mit der DSGVO und anderen geltenden Gesetzen übereinstimmen“.

über Untersuchung: Microsoft Office sammelt Daten und verstößt gegen die DSGVO | heise online

Das Thema ist ja nicht wirklich neu und kann im größeren Zusammenhang mit der schon angemahnten Dominanz von Microsoft in der öffentlichen Verwaltung, den Themen Datenschutz und DSGVO und auch Microsoft und Open Source gesehen werden. Bezeichnend, dass wieder die Holländer – siehe Niederländischer Datenschützer prangern Datenschutz in Microsoft Windows 10 an es bemängeln. Die schiessen ja auch den Deutschen in 5 Minuten zwei Tore … Die deutsche öffentliche Verwaltung scheint eher zu schlafen, klaglos die € 250 Millionen Lizenzgebühren zu zahlen oder gerade beim Mittagessen mit den Microsoft-Lobbyisten zu sitzen.

Aber alles wird gut …

P.S. Selbst entlarvend auch dieser Beitrag auf Computerwoche.de, den ich per mit Qwant Suche zuerst gefunden habe. Einen Bericht zu oben benanntem Datenschutzskandal wurde von Qwant bis 20.11.2018, 10:05 Uhr nicht auf computerwoche.de gefunden. Auch eine Suche direkt auf Computerwoche.de hat bei mir nichts ergeben. Kann natürlich aber auch an mir liegen 😉 So viel zum Thema objektive und umfassende Berichterstattung:

Compliance_in_der_praktischen_Umsetzung__Datenschutz_in_Microsoft_Office_365_und_Microsoft_Azure_-_computerwoche_de

Lesetipps auf CIOKurator zum Thema:

(Stefan Pfeiffer)