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Social Media-Splitter: Behörden raus aus #SocialMedia, bei scheinbaren Shitstorms erst mal Ruhe bewahren und Social Entertainment in 2020

6. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Eine weitere wichtige Nachricht rund um soziale Medien und das Netz: Der Landesdatenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg Stefan Brink will oder muss zum 31. Januar 2020 Twitter verlassen und sein Konto löschen, da er als Datenschutzbeauftragter und Aufsichtsbehörde nicht gleichzeitig Nutzer eines womöglich datenschutzrechtlich problematischen Netzwerkes sein könne. Hintergrund ist eine Entscheidung des Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) von 2018 und dessen Überführung in ein Urteil durch das Bundesverwaltungsgericht Ende 2019.

Unternehmen und öffentliche Verwaltung raus aus sozialen Medien?

Demnach tragen neben den Betreibern sozialer Netzwerke auch die Nutzer Mitverantwortung, wenn beispielsweise Twitter im Hintergrund Nutzerdaten für Werbezwecke sammele.

Laut Brink könnte das Folgen für die Nutzung von sozialen Medien durch Behörden und auch Privatunternehmen haben. „Nur Privatpersonen bleiben vom Regime der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verschont“, so u.a. die FAZ. Doch könnte es durchaus weitgehende Konsequenzen haben, so Brink, der wie folgt zitiert wird:

Wenn nicht alle öffentlichen Stellen unsere Einschätzung teilen, müssen wir möglicherweise von unseren Aufsichtsbefugnissen Gebrauch machen und anordnen, dass zum Beispiel Behörden soziale Medien verlassen.

Baden-Württemberg: Datenschützer verlässt Twitter: Folgenreich für Behörden? – n-tv.de

Werden also beispielsweise Polizei oder Feuerwehren und „tausend andere staatliche Stellen, die ihre Öffentlichkeitsarbeit, dem allgemeinen Trend zur Digitalisierung folgend, inzwischen weitgehend über soziale Medien abwickeln„, künftig nicht mehr über die bekannten sozialen Kanäle informieren (dürfen)?

Statt konsequenter gegen Twitter, Facebook und andere Plattformanbieter vorzugehen, soll durch Druck auf Behörden und Unternehmen also Druck auf besagte Konzerne ausgeübt werden? Ob das ein erfolgversprechendes Konzept ist? Die für besagte Plattformen in Europa zuständige Datenschutzbehörde in Irland ist nach allgemeiner Beobachtung nicht sehr aktiv … Es wird sicher spannend, wie es in 2020 in dieser Frage weiter geht.

Nach Umweltsau rät Rezo nicht nur dem WDR: Auf keinen Fall überhastet reagieren

Einen lesenwerten und bemerkenswerten Beitrag hat Rezo auf Zeit Online nach der Umweltsau-Posse und der verfehlten Reaktion des WDR geschrieben. Er gibt 5 nützliche Tipps, wie man in Situationen reagieren sollte, in denen die Sau durch das Social Media-Dorf getrieben wird.

@Rezomusik’s wichtigste Empfehlung nach der Umweltsau-Posse: Auf keinen Fall überhastet reagieren. Es kann durchaus sein, dass eine kleine Interessengruppe ihr Süppchen kocht.

Rezo verweist auch auf den Beitrag auf Spiegel Online, in dem analysiert wird, wie im Fall echte Empörung von Hörern und gesteuerte Empörung zusammen gekommen sind. Der Spiegel bezieht sich auf eine Datenauswertung von Luca Hammer, die zeigt, wie Rechte und Rechtsextreme schnell auf den Zug aufgesprungen sind und ihre Horden erfolgreich mobilisiert haben. Der Spiegel zitiert Patrick Stegemann, dessen Buch „Die rechte Mobilmachung“ im Januar erscheint:

Es werden sehr viele Köder ausgeworfen – und sobald etwas verfängt, geht die Maschine so richtig los, dann geht es rund.

WDR-„Umweltsau“-Skandalisierung: Die Empörungsmaschine läuft heiß – SPIEGEL ONLINE

TikTok zeigt den Trend: Social Entertainment

#TikTok definiert das, was soziale Netzwerke sind, neu, meint @eMarketer. Es geht nicht mehr primär um „netzwerken“ und vernetzen. Es geht gerade den jüngeren Anwendern wohl nicht nur in den USA um Social Entertainment. Alles so schön bunt hier …

While TikTok users can create a profile and interact with a network of contacts (which makes it a social network in our definition), the primary activity is watching or creating short videos. That makes TikTok part of a new type of “social entertainment” that’s capturing the attention of teens and young adults worldwide.

TikTok’s Year in Review: How the App Transformed Social Networking in 2019 – eMarketer Trends, Forecasts & Statistics

Und Facebook ist ihnen zu persönlich, politisch und negativ, so eine Umfrage in den USA vom Mai 2019 von Edison Research. Immerhin nehmen sie auch das Thema Datenschutz wahr.

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(Stefan Pfeiffer)

Und wer zwitschern mag:

Landesdatenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg Stefan Brink will oder muss zum 31. Januar 2020 #Twitter verlassen. Müssen Unternehmen und öffentliche Verwaltung raus aus sozialen Medien? #DSGVO #SocialMedia

@Rezomusik’s wichtigste Empfehlung nach der Umweltsau-Posse: Auf keinen Fall überhastet reagieren. Es kann durchaus sein, dass eine kleine Interessengruppe ihr Süppchen kocht.

#TikTok definiert das, was soziale Netzwerke sind, neu, meint @eMarketer. Es geht nicht mehr primär um „netzwerken“ und vernetzen. Es geht gerade den jüngeren Anwendern wohl nicht nur in den USA um Social Entertainment. Alles so schön bunt hier …

Kurz zitiert: Die Macht der YouTuber und ein wachsendes politisches Interesse bei Jugendlichen #GehtWählen

25. Mai 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Einige knackige Aussagen aus dem Morning Briefing von Gabor Steingart vom 24. Mai zu YouTuber Rezo, Greta Thunberg und anderen, die in sozialen Medien aktiv sind und im Gegensatz zu vielen „konventionellen“ Politikern gehört werden:

Politische Polemiken wie die von Rezo, LeFloid oder Tilo Jung (siehe Foto) entfalten auf YouTube eine publizistische Wirkung, wie sie früher nur Rudolf Augstein, Alice Schwarzer und Sebastian Haffner erreichten. …

Alle etablierten Mächte spüren den Gezeitenwechsel: Die klassischen TV-Talkshows werden von der Jugend nicht boykottiert, sie bleiben nur ausgeschaltet. Die etablierten Politiker werden nicht bekämpft, nur ignoriert. Reklame wirkt, aber oft abstoßend. Die Verbandsfürsten senden weiter ihre Botschaften, aber es fehlt an willigen Empfängern.

über Gabor Steingart. Das Morning Briefing.

Steingart zitiert in seinem Beitrag die Shell-Studie, nach der sich 2015 46 Prozent der zwischen 12- und 25-Jährigen für Politik interessieren. 2002 waren es nur 34 Prozent. Gut so, solange nicht die Radikalen gestärkt werden. Ach ja, von diesem stärkeren Interesse, das sich über dieses Neuland Internet artikuliert, haben die etablierten, politischen Parteien nichts oder nicht viel.

Dieses Interesse äußert sich auch in den „Friday for Future“-Demonstrationen. Matthias Trautsch kommentiert und begrüßt im Rhein-Main-Teil der FAZ (!!!) am 25. Mai das Engagement:

Statt weiter auf dem Vorwurf des Schwänzens … herumzureiten, sollten sich die Erwachsenen bedanken, das es „Friday for the Future“ gibt. Die junge, angeblich so unpolitische Generation hat es geschafft, ein im wahrsten Sinne des Wortes existentielles Thema so weit auf die Tagesordnung zu bringen, dass es nun als mitentscheidend für die Europawahl gilt. ..

Ja, der Vorwurf trifft zu. … Manche Äußerung ist polemisch, unfair, naiv, oder schlicht falsch. Genau wie in den Diskussionen im Landtag oder im Römer und in überhaupt jedem politischen Diskurs. Wichtig ist, dass der Diskurs geführt wird, auch zwischen den Generationen, Wenn das ein paar Stunden Unterricht kostet, hat es sich gelohnt.

Zurück zum Thema YouTuber, soziale Medien und „Neuland“. Constantin von Lijnden titelt in der FAZ auf Seite 2 und zitiert damit den Direktor der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen Tobias Schmid:

Eine Reichweite, von der mancher Sender nur träumen kann

Vielleicht sollte das endlich zu denken geben. Von Lijnden erklärt in seinem Beitrag auch die kommerziellen Mechanismen, die insbesondere auf YouTube greifen. Viele YouTuber sind keine Amateure, die mal die Kamera anwerfen. Sie leben teilweise von Werbeeinnahmen und Product Placement, doch gilt bei gesellschaftlichen Themen „in der Szene“ der Kodex, damit kein Geld zu verdienen.

Klar ist, dass diese Szene nicht nur die Politik und die Politiker herausfordert: Auch die klassischen Medien sollten sich besser Gedanken machen und dabei nicht nur mit der Urheberkeule drohen. Die ganze Thematik ist sicher nicht einfach und vielschichtig: „Im Netz“ kann gehetzt und polemisiert werden. Das Netz kann aber auch aufrütteln und Dinge in eine positive Richtung bewegen, wie wir gerade sehen. Wir sind noch in einer Findungsphase, in der freiwillig auferlegte Verhaltensweisen und gesetzliche vorgegebene Regeln entwickelt, diskutiert und erprobt werden müssen. Nicht nur Politiker und klassische Verlage und Medien, wir alle sollten, ja müssen uns im Sinne einer demokratischen Gesellschaft damit konstruktiv auseinandersetzen.

Und nicht vergessen: Morgen sollten alle wählen gehen, wie es auch „die YouTuber“ fordern! Ein No Brainer, dass die Radikalen keine Option sind. Eine persönliche demokratische Entscheidung, ob man den Haken bei CDU/CSU und SPD setzt.

Titelbild von Gerd Altmann auf Pixabay