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Social Media-Splitter: Theaterdonner oder segelt Facebook nach Hause, wo und wie informieren sich „die Jüngeren“ und warum es weiter Blogs geben sollte

23. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es ist mal wieder Zeit für meine Social Media-Splitter. Themen habe ich schon einige Tage gesammelt. Den Kick, wieder eine kuratierte Sammlung von Beiträgen zu veröffentlichen, haben aber die Berichte über einen möglichen Weggang von Facebook aus Europa gegeben.

„Es ist (Facebook) nicht klar, wie es unter diesen Umständen seine Dienste Facebook und Instagram in der EU weiterführen kann“

Facebook bringt Abschied aus EU ins Spiel – Digital – SZ.de

So zitiert beispielsweise die Süddeutscher die eidesstattlichen Versicherung an ein irisches Gericht der Facebook-Juristin Yvonne Cunnane. Woran stört sich Facebook? Nachdem sowohl das Safe-Harbor-Abkommen wie auch das Privacy Shield von EU-Gerichten gekippt wurden, sieht sich Facebook mit der Forderung der Datenschutz-Grundverordnung konfrontiert, nach der persönliche Daten in Nicht-EU-Staaten transferiert werden dürfen. Und scheinbar will sich Facebook davor drücken, genau das technisch und datenschutzrechtlich zu realisieren.

Facebook: Reisende soll man nicht aufhalten?!

Möglich erscheint es, aber eben aufwendig. Hier bin ich dann bei Gabor Steingart:

Die Drohung der Facebook-Manager sollte uns Europäer bestärken, nicht schrecken. Auch für die Firma des Mark Zuckerberg gilt: Reisende soll man nicht aufhalten.

Haushalt mit Milliarden-Lücke | Jens Spahn profitiert | Dieter Nuhr: Der wehrhafte Kabarettist

Oder wer nicht will, hat schon … Theatergedonnere.

Wo und wie informieren sich denn die Jüngeren in Deutschland genau?

Dann bin ich über eine Anzeige auf Horizont auf diesen Beitrag auf Editorial Media gestoßen, die den Reuters Digital News Report des Reuters Institute an der Universität Oxford so interpretieren, dass Facebook bei den Jüngeren als Nachrichtenquelle an Bedeutung verliere. Gleichzeitig steige vor allem unter den Jüngeren langsam die Zahl der Nutzer*innen, die für Nachrichtenjournalismus Geld ausgeben würden. Und natürlich bewertet es Editorial Media, ein Zusammenschluss deutscher Publikumsverlage im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, es positiv, dass 2020 rund die Hälfte (52 Prozent) Abonnements oder die Mitgliedschaften abschließen und mit diesem längerfristigen Engagement zu einem stetigen Einkommensstrom beitragen würden.

Überteuerte, langfristige Abos für jede Publikation abschließen? Das kann es nicht sein

Wie schon des öfteren erwähnt, schrecke ich vor Abofallen, den meist zu teuren und zu verpflichtenden Abonnements zurück und möchte lieber einen Service haben, über den ich Berichte verschiedenster Medien gezielt nach meinen Interessen nutzen und bezahlen kann. Und ja, ich weiß, dass alle Micro Payment-Modelle bisher gescheitert zu sein scheinen.

Ich habe mir dann noch die deutsche Teilstudie vom Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung der Hans-Bredow-Institut durchgelesen. Hier ist die Betonung doch etwas anders, denn es wird betont, dass zwar die deutliche Mehrheit einen unabhängigen Journalismus für das Funktionieren einer Gesellschaft als wichtig erachtet (79 %), diese Zahl aber in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen lediglich bei 56 Prozent liege. Nun könnte man daraus schließen, dass eben genau diese Jüngeren vielleicht doch keine Abos bei traditionellen Medien abschließen.

„Das Internet“ und „die sozialen Medien“ als Informationsquelle der Jüngeren

Was mich auch dort etwas stört ist die Gegenüberstellung von „dem Internet“, den traditionellen Medien und „dem Fernsehen“. Das müsste man nun wirklich langsam differenzieren. Ist nicht die Online-Präsenz der FAZ eher ein traditionelles Medium beziehungsweise eine journalistisches Medium, auch sie eben „in dem Internet“ läuft. Und übrigens Facebook hin und Facebook her: Laut Bericht sind soziale Medien in 2020 für 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an die wichtigste Nachrichtenquelle, eine Steigerung um 8 Prozent gegenüber 2019. Informieren sich die Jüngeren etwa nicht mehr auf Facebook und stattdessen auf Tiktok? Ich denke, wir müssen hier genauer hin schauen.

Microblogging mit Twitter sollte und kann nicht das Blog ersetzen

Schon länger notiert habe ich den Podcast, den t3n-Chefredakteur Luca Caracciolo mit dem ehemaligen t3n-Online-Chefredakteur Stephan Dörner über die Tech-Trends der vergangenen Jahre geführt hat. Ich bin über Stephans Äußerungen zu Twitter gestolpert – ein betroffener Hund bellt. Laut Stephan (ab ca. 13:35 im Podcast) will Twitter endlich nicht mehr das nächste Facebook werden. Twitter – auch Stephans bevorzugtes soziales Medium – sei ein Boutique-Netzwerk gerade in Deutschland und spiele eine Nebenrolle. Deutlich überrepräsentiert seien Journalisten:innen, Politiker:innen und eine Tech- und Politikbubble. Und er kennzeichnet Twitter als Microblogging, quasi als einen Ersatz für Blogs angesichts einer sich auflösen Blogosphere. Es gebe immer weniger Blogs in Deutschland.

Da ist natürlich der Punkt, an dem ich einhake: Ich verfolge auch, dass viele Blogs für viele Interessengebiete eingeschlafen oder stillgelegt wurden. Manche wandern nach Instagram oder Facebook, weil dort „die Anwender“ oder „die Käufer“ sind. Ich verfolge das beispielsweise in der Weinszene. Aber ich will und muss wieder einmal ein Plädoyer für Blogs halten. Für mich sind Blogs bei weitem nicht so flüchtig wie die Timeline auf Twitter, wo meine und alle anderen Nachrichten an mir vorbei rauschen und in den Tiefen des Twitter- und Netzraums verschwinden. Unendliche Weiten … Ein Blog ist für mich viel mehr beständig, vielleicht ein Tagebuch und in manchen Phasen macht es mir Spaß, zu schauen, was ich vor 10 Jahren geschrieben habe. Ja, und natürlich sträuben sich mir auch manchmal die Haare. Nichtsdestotrotz. Der oder das Blog bleibt meine Heimat auch im sozialen Netz.

Zum Schluss noch dies und das …

Soziale Medien spielen sicher im jetzigen US-Wahlkampf eine Rolle und da ist der Bericht auf Spiegel.de erwähnenswert. Es wird versucht, zu hacken und zu manipulieren.

Noch ein Lesetipp: Netzpolitk.org berichtet darüber, wie bei Google und Facebook interne Debatten abgewürgt werden. Politische Diskussionen, beispielsweise rund um Black Live Matters oder um möglicherweise zu zögerlichen Vorgehens gegen rechtsextreme Desinformation auf der Plattform, sind nicht erwünscht, so von wegen offenen internen Debattenkultur und flacher Hierarchien, die beide Unternehmen immer wieder für sich in Anspruch genommen haben. „Arbeits-Feed soll politikfrei werden“, so eine Zwischenüberschrift und das ganze ist auch ein schwieriges Thema

Und zum Schluss: Das Tohuwabohu rund um TikTok, Donald, Walmart und Oracle möchte ich gar nicht kommentieren. Warten wir ab, wohin die Reise geht.

Wie kommt es zu Kommunikationskrisen?

Noch schnell nachgetragen diese Infografik von Faktenkontor zu den meist verbreiteten Ursachen von PR Krisen auf die ich über einen Beitrag der geschätzten Claudia Tödtmann aufmerksam wurde. Fehlverhalten auf Social Media löst mit einem Anteil von 24 Prozent Kommunikationskrisen aus. Wirklich?

(Stefan Pfeiffer)

Christine, mach hinne mit der GWB-Novelle, kommen die richtigen Nachrichten zu mir und macht ein deutsches Autobetriebssystem nach Open Source-Prinzip Sinn? Digitalthemen bei #9vor9

30. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Auch heute wieder ein #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche und Lars Basche, Gunnar Sohn und mir.

Unsere Themen: Gunnar erklärt die GWB-Novelle, die Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die dem Kartellamt vielfältige Möglichkeiten geben würde und könnte, gegen die immer größere werdende Macht und den Einfluss der GAFAM-Konzerne vorzugehen, die gerade durch die gegenwärtige Covid-19-Krise noch mehr zu profitieren scheinen. Unser Appell an Justizministerin Christine Lambrecht: Gib die Blockadehaltung zum GWB auf und vergiss den Kuhhandel mit Altmaier. Jetzt muss gehandelt werden. Gunnar führt zum Thema mit Justus Haucap am 1. Juli um 11 Uhr ein Gespräch, das über seine Kanäle verfolgt werden kann.

Frech den Ball zugespielt habe ich dann dem Lars Basche, der schon seit Jahren die Meinung vertreten hat, dass wichtige Nachrichten immer in der Chronik der sozialen Kanäle zu einem kommen. Hier hat der Tagesspiegel über das NFM („News Finds Me“)-Phänomen berichtet und dabei auf eine US-Studie verwiesen, nachdem gerade viele Jüngere immer mehr geteilte Inhalte, Links und Empfehlungen in den sozialen Netzwerken glauben und eben nicht journalistischen Plattformen nutzen. Der Tagesspiegel bringt dazu ein flammendes Schlusswort, da die Abkehr von traditionellen Medien auch zu weniger politischem Engagement und gar geringerer Wahlbeteiligung führe:

Wir sollten uns die Information und Meinungsbildung über politische Fragen nicht von Algorithmen, geteilten Neuigkeiten und digitale Freundeskreise aus der Hand nehmen lassen – machen wir uns selbst ein Bild!

Media Lab: Nachrichten aus erster Hand, bitte! – Medien – Gesellschaft – Tagesspiegel Mobil

Bei den Dreien von #9vor9 ist es gemischt: Wir alle schauen wenn auch selektiert nach Listen oder Stichworten auf Twitter, nutzen aber auch andere Kanäle und Medien und recherchieren eigenständig. Hier ist die Studie wohl zu finden. Sie kostet allerdings bei kommerzieller Nutzung.

Mein Thema war dann anknüpfend an das IBM Livestudio vom 23.6.2020 die Automobilindustrie. Unverkennbar ist der Individualverkehr durch die Covid-19-Krise wieder stärker geworden, aber wird das so bleiben? Reguliert es sich nach dem Virus wieder und öffentliche Verkehrsmittel oder Car Sharing-Modelle erleben ein Comeback? Oder bleiben wir Deutsche autoverliebt? Eigentlich und streng genommen kein Digitalthema.

Ein Digitalthema ist aber auf jeden Fall die Bestrebung deutscher Automobilhersteller, zu Softwarekonzernen zu werden und das Betriebssystem ihrer Fahrzeuge nicht Google und Co zu überlassen, sondern selbst zu „ownen“. Volkswagen hat es angekündigt, Daimler will es tun, wie ja auch Sascha Pallenberg im Livestudio wortgewaltig erklärt. Lesenswert dazu der Bericht auf Auto Motor Sport. Unser Appell in #9vor9: Nehmt Euch die Corona-Warn-App zu Beispiel, schaut auf den #WirVsVirus-Hackathon und baut doch gemeinsam nach dem Open Source-Prinzip ein Betriebssystem für Eure Fahrzeuge, statt allein vor Euch hin zu wursteln. Sonst werdet Ihr gegen Google, Tesla, Amazon, Apple & Co überhaupt keine Chancen haben.

Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Allein es bleiben Zweifel. Die groß angekündigte Kooperation von BMW und Daimler im Bereich autonomes Fahren ist ja erst kürzlich gescheitert. Warum sollte dann die Zusammenarbeit bei „dem“ Betriebssystem für das Auto der Zukunft funktionieren?

Schließlich noch die Notiz, dass wir jetzt erst einmal Urlaubspause mache. Wir melden uns dann rechtzeitig, sobald wir mit #9vor9 wieder live gehen. Bis denne.

(Stefan Pfeiffer)

#9vor9: Von Blockchain gegen Fake News über die #WWDC20 bis zu Respekt vor ARD- und ZDF-Journalistinnen

24. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Natürlich gab es auch am 23. Juni wieder ein #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche von Gunnar Sohn, Lars Basche und mir.

Und hier die Themen quasi in Tweets: Lars bringt das Blockchain-Projekt der New York Times ins Spiel, wo mit Hilfe von IBM Blockchain Bilder überprüft werden, quasi Blockchain im Einsatz gegen Fake News:

Wer sich tiefer interessiert: Hier ist die gemeinsame News Provenance-Seite von New York Times und IBM.

Hat Apple mit dem virtuellen Eventformat der #WWDC20 einen neuen Standard gesetzt?

Unser Gunnar lobt, wie Apple seine virtuelle Konferenz hinbekommen hat. Hat man einen neuen Standard gesetzt? Unten verlinkt auch der dazu passende Beitrag von Sascha Pallenberg.

Virtuelle Formate müssen sich weiter entwickeln. Noch ein weiteres mit Powerpoint-Folien überladenes zu langes Webinar kann nicht die Lösung sein. Deshalb experimentiere ich auch mit Formaten wie #9vor9 oder dem IBM Livestudio herum. Und – so viel kann ich verraten – im Sommer wird es auch ein weiteres neues Format seitens der IBM Deutschland geben.

Macbooks: Comeback mit neuem Prozessor gegenüber Microsoft Surface?

Daneben fand Gunnar erwähnenswert, dass Apple in den Macbooks und iMacs Abschied von den Intel-Prozessoren nehmen will. Er sieht so eine noch engere und komfortablere Integration aller Apple-Geräte, quasi eine Ausweitung der schon vorhandenen Stärke. Im Mark gibt es aber seit geraumer Zeit harsche Kritik gerade an der Qualität der Macbooks und viele loben die Microsoft Surface-Geräte über den Klee. Nun sind Gunnar und auch ich langjährige Apple-User und Fans. Ich selbst nutze seit nunmehr Mitte 2019 – hier der damalige Beitrag – ein Macbook als Arbeitsplatzrechner. Und mein Arbeitgeber, die IBM, hat ja dann auch von mir gelernt (Achtung: Ironie) und unterdessen sind die Macs neben den Lenovo-Notebooks Standard. Doch seien wir ehrlich: Bezüglich der Hardware-Qualität der Microsoft-Rechner und insbesondere auch der Qualität von Windows als Betriebssystem können Gunnar und ich nicht mehr mitreden. Das letzte Windows, an das ich mich richtig erinnere, ist Windows NT mit Bluescreens und dessen elend langer Startzeit. Und um es nochmals ins richtige Licht zu rücken: Ich habe mich die Jahre auch oft über Apple geärgert, die Preise, mangelhaften Service und Garantie sowie auch eine gewisse Arroganz.

Digital News Report zeigt Wertschöpfung für Tagesschau und heute – die Journalistinnen, Journalisten und Kameraleute

Mein Digitalthema der Woche ist der Digital News Report 2020 des Reuters Institutes. Aus diesem Report kann man eine Vielzahl von Erkenntnissen ziehen, von der immer stärker werdenden mobilen Nutzung von Nachrichtenformaten über die sich wandelnde Mediennutzung von Jüngeren und Älteren, den Erfolg von Newslettern und Podcasts bis zur leicht steigenden Akzeptanz, für digitale Inhalte auch zu zahlen. Viele dieser Aspekte haben wir diskutiert. Ich möchte vor allem die positive Bewertung seriöser Nachrichten und Zeitungen hervorheben, von Tagesschau und heute bis zu Zeit, Süddeutscher oder FAZ. In diesen Zeiten, in der von gewissen Seiten immer wieder über eine angebliche Lügenpresse gezetert wird, in denen Journalisten:innen und Kameraleute beschimpft und angegriffen werden, ist dies ein wichtiges Zeichen (auch wenn die Akzeptanz bei Jüngeren leider etwas zurück geht). Und auch hier seien gerade die Journalistinnen einmal besonders erwähnt, beispielsweise eine Marietta Slomka, die beste Interviewerin derzeit, oder auch ein Dunya Hayali. Letztere ist mir als Fohlen-Fan eh noch besonders sympathisch.

#9vor9: Sondersendung Homeoffice am 26. Juni um 8:51 mit Peter M. Wald

Zum Ende noch der Hinweis auf eine #9vor9 Sondersendung zum Thema Homeoffice. Am 26. Juni ab 8:51 Uhr werden sich Professor Peter M. Wald, Lars Basche und ich über Remote Work und die verschiedene Aspekte austauschen. Verfolgen könnt Ihr die Diskussion über Periscope und auf meinen Twitter-Account @DigitalNaiv.

(Stefan Pfeiffer)

#9vor9 zu Cookie-Urteil, Journalismus ohne Journalisten, Moderation auf sozialen Kanälen dem neuen Projekt Homeoffice-Kurator

2. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche am heutigen 2. Juni: Unsere Themen waren das aktuelle Urteil zu Cookies, MSN, wo jetzt die Inhalte von einer KI ohne Journalisten ausgespielt werden sollen, die leidige Frage, wie Inhalte – insbesondere Falsch- oder Hassnachrichten – in den sozialen Medien vom wem „kontrolliert“ und moderiert werden sollten und natürlich auch unser neues Projekt, der Homeoffice-Kurator.

Digitalthemen bei #9vor9: Ist der Einzelhandel wirklich schon so digital? Und von journalistscher Nabelschau statt stilsicherer Sorgfalt und Etikette

20. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich gebe zu, dass es mir gar nicht so aufgefallen ist: die „No Hyperlink“-Politik, die wohl das journalistische Projekt bzw. die einzelnen Projekte von The Pioneer (wie das Morning Briefing oder das Tech Briefing) praktizieren. Lars Basche hat uns heute bei #9vor9 darauf aufmerksam gemacht. Geht eigentlich gar nicht. Geht vor allem nicht, wenn man die vollmundigen Ankündigungen von Gabor Steingart über neuen Journalismus liest.

In meiner journalistischen Ausbildung habe ich immer gelernt, Quelle mindestens zweimal zu prüfen (bzw. die Fakten) und diese auch zu benennen. Im „Netz“ habe ich gelernt, dass man zu seinen Quellen verlinkt. Zu all diesen Praktiken stehe ich auch weiterhin voll und ganz und praktiziere es auch (hoffentlich immer).

Was mir dieser Tage im Morning Briefing sauer aufgestoßen ist, ist die Beschimpfung und Herabwürdigung von Saskia Esken als „bedürftig“. Auch das geht aus meiner Sicht gar nicht. Bei aller kontroversen sachlichen Diskussion und bei aller Lust an Formulierungen sollte immer der Respekt vor anderen im Gedächtnis bleiben. Und dementsprechend gilt es auch zu schreiben und zu sprechen. Dabei kann jedem von uns etwas heraus rutschen, was nicht korrekt ist. Dann gilt es aber auch den Mut und Anstand zu haben, sich zu entschuldigen.

Wir drei von #9vor9, Gunnar, Lars und ich, hatten den Eindruck, dass bei ThePioneer unterdessen die Selbstinszenierung und -beweihräucherung von Gabor Steingart ein nahezu unerträgliches Maß einnimmt. Ein Fegefeuer der Eitelkeiten auf der einen Seite. Bewusste Provokation auf der anderen Seite, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Schade, das Vorgehen erinnert frappierend an Boulevard-Blätter, die wir alle kennen. Und besonders schade, weil ich das Projekt an und für sich für sehr interessant halte.

Eingestiegen sind wir allerdings mit dem Tech Briefing vom 15. Mai von Daniel Fiene, der eine Bitkom-Studie behandelt, die ein wesentlich digitaleres Bild des deutschen Einzelhandels zeichnet als das, dass wir wahrnehmen. Ich hatte im vorhergehenden #9vor9 ja auf die nicht so berauschenden Erfahrungen in Darmstadt verwiesen. Wir alle sahen hier noch viel Nachholbedarf, gerade auch auf regionaler und lokaler Ebene, wo Plattformen gerade für den Einzelhandel eine wichtige Möglichkeit bieten könnte, beispielsweise in einer gemeinsamen Auslieferung von waren.

Und losgelöst von unseren Werbeblocks: Gunnar stellt noch ein Projekt vor, bei dem Stellenanzeigen als Indikator für die Konjunkturpolitik benutzt werden. Und apropos Stellenanzeigen: einen Ausblick auf die nächste Sendung gibt es auch noch.

Und brav noch einige Links mit dem von Gunnar erwähnten Projekt:

Und das Livestudio als Podcast findet Ihr beispielsweise hier bei Apple (aber natürlich auch bei Deezer, Spotify oder Google).

ThePioneer: Hochinteressantes journalistisches Projekt mit einem selbstgerechten und selbstverliebten Kapitän

15. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Gabor Steingart liebt die Gratwanderung. Das beweist er täglich in seinem Morning-Briefing. Doch Selbstinszenierung ist das eine, jetzt geht es darum, zahlende Leser zu gewinnen – und damit zur Abwechslung auch mal Einnahmen zu generieren.

The Pioneer: Nicht alle in einem Boot

Mit diesem Header leitet ihren Beitrag auf Horizont.Net zum rein journalistischen Projekt The Pioneer ein. Das Projekt läuft schon eine Weile. Nun ist gerade das Redaktionsschiff it großem Getöse ausgelaufen, um dann in Berlin final Anker zu werfen. Auf dem Schiff sollen dann weiter unter dem Motto Klasse statt Masse Newsletter und Podcasts produziert, also rein digitale Formate erstellt werden.

Im Zentrum des Projekts steht Gabor Steingart, der oben charakterisiert wird. Ich bin Abonnent seines Morning Briefings, doch vermehrt geht mir eine gewisse Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei auf die Nerven. Auch geht er meiner Ansicht nach oft zu weit. So beschimpft und beleidigt er im heutigen Morning Briefing Saskia Esken als bedürftig. Sie solle doch Schnellkurse in der Erwachsenenbildung nehmen.

Das, Herr Steingart, ist deutlich unter der Gürtellinie und hat nichts mit pointierter Formulierung und dem so lautstark postulierten Perspektivwechsel oder demokratischen Journalismus zu tun. Das ist nicht der auf der Webseite postulierte Scharfsinn und Sprachwitz. Es ist einfach von jemanden, der sich immer so stilvoll gibt, absolut stillos. Eine Entschuldigung wäre meiner Ansicht nach angebracht.

Und für so etwas gebe ich ganz sicher kein Geld aus. Denn das Geld möchte ThePioneer jetzt einsammeln als ein Projekt, dass nicht werbefinanziert sein will (und an dem der Springer-Konzern mit Mathias Döpfner maßgeblich beteiligt ist). Das Abonnementmodell ist jetzt ja einsehbar und reicht von dem Abo für Studenten von 10 Euro monatlich bis zu einem superexklusiven Preis con 833 Euro (monatlich?), um ein ThePioneer Supporter zu werden.

Screenshot von https://www.thepioneer.de/live

Dabei bin ich ein Fan des Projekts, schätze, lese und höre beispielsweise regelmäßig das Pioneer Tech Briefing von und mit Daniel Fiene und Richard Gutjahr, dessen aktuelle Ausgabe zum Thema Digitalisierung im Einzelhandel. auch wieder sehr lesens- und hörenswert ist. Und ich bin auch bereit für Qualität zu zahlen. Doch Herrn Steingart täte etwas Demut und Bescheidenheit gut. Nicht jede Pointe muss gesetzt werden. Nicht immer muss man die eigene Meinung als die allein Seligmachende postulieren, Wer Vielfalt und Diskussion will, sollte das auch mit Respekt gegenüber anders Denkenden tun. Diesen Respekt vermisse ich. Wer die Nase zu weit oben hat, verliert die Bodenerdung.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die (Lokal)Zeitung Teil 2: Kante zeigen, aber auch wichtiger Wohlfühl- und Integrationsfaktor vor Ort

24. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Kaum schreibe ich mal über Zeitungen mit besonderem Bezug auf Lokalzeitungen und diskutiere das Thema mit Cordula und Jo, schon holt mich das Thema gleich wieder ein. Erst gerade bin ich auf den Kommentar von Leonhard Dobusch Lasst Lokalzeitungen sterben, damit Lokaljournalismus leben kann! auf netzpolitik.org gestoßen (der auch ausgiebig kommentiert wird).

Ist es überhaupt sinnvoll, mit größtem Aufwand immer weniger lokaljournalistische Inhalte zusammen mit ganz viel PR, ganz viel Werbung und ganz viel überregionalen Füllinhalten auf Papier zu drucken und vor Haustüren zu werfen?

Kommentar – Lasst Lokalzeitungen sterben, damit Lokaljournalismus leben kann!

Leonhard schreibt dann von weichgespültem Journalismus gegenüber den lokal Mächtigen, deren Anzeigengeld man brauche. Und zitiert einen Beitrag aus dem MDR Medienblog, der von Abo-Preisen von etwa 40 Euro im Monat für die Papierausgabe von Lokalzeitungen. Provokativ wird besagter Beitrag zitiert, ob nicht drei Journalisten mit Laptops und Smartphones von heute auf morgen eine Lokalredaktion gründen könnten.

Damals mit 18 in der Lokalredaktion beim Karnickelzuchtverein

Nun bin ich jemand, der nach seiner Schülerzeitungszeit mit 18 Jahren in der Lokalredaktion sein journalistisches Handwerkszeug gelernt hat. An der Schreibmaschine. Mit Tipp-Ex. „Schreibcomputer“ hatten nur die Chefs der Lokalredaktion und die festen Redakteure.

Und schon damals – vor nunmehr etwas weniger als 40 Jahren – war es so, dass man sehr nett zur lokalen Wirtschaft und den lokalen Politikern war beziehungsweise sein sollte. Unvergessen, wie ich zusammen geschissen wurde, als ich es wagte, die Übung der Freiwilligen Feuerwehr kritisch zu dokumentieren. Der Chef der Freiwilligen war der Papa einer Freundin. Weder er noch sie haben dann nicht mehr mit mir gesprochen. Zumindest sie nur einige Wochen, er länger.

Lokalpolitik und die Anzeigenkunden

Ich erinnere mich auch daran, wie ich dann – nachdem ich mich „etabliert“ hatte – über Lokalpolitik schreiben durfte. Da hat man mich übrigens vergleichsweise frei auch kommentieren lassen. Gut, es war auch die Kreisstadt, sondern nur unser kleines Städtchen, aber immerhin. Gegenüber den Politikern waren wir etwas freier. „Die Wirtschaft“ (nicht die Kneipe) wurde selten infrage gestellt, auch wenn einige der tragenden Säulen auch damals kriselten.

Und es gab auch die anderen weichen Themen: Die sagenumwobene Karnickelzuchtschau, die Berichte über alle Spiele der Landesliga bis C-Klasse, die Karnevalssitzungen, die Porträts der 90-Jährigen, die Jahreshauptversammlungen und vieles mehr, wenn möglich alles angereichert mit Fotos. Und wehe ein Name war falsch geschrieben oder die korrekte Reihenfolge der Namen (v.l.n.r.) auf dem Foto nicht eingehalten. Nun mag man darüber lächeln. Doch dies waren (und sind wahrscheinlich) oft die Berichte, die zuerst in der Lokalzeitung gelesen wurden und werden.

Lokalberichterstattung kann und sollte integrieren – ohne rosarot zu malen

Und ohne es verherrlichen zu wollen – darüber zu berichten, war nur zu oft eine Qual -, diese Berichte waren und sind wichtig, sind Teil des lokalen Lebens, der Identifikation und Integration, so trivial es auch sein mag. Ich wage gar nicht den zu sehr strapazierten Begriff Heimat zu verwenden. Ob solche Themen auch durch ein Blogger-Kollektiv abgedeckt würden?

Und um die andere Seite auch klar und deutlich zu machen. In unserer kleinen Stadt war schon damals die NPD vergleichsweise stark, zeitweise im Stadtparlament. Den brauen Bodensatz und die entsprechenden Parolen gab es schon immer in Deutschland, auch in Westdeutschland. Auch hier, gerade auch hier hatte der Lokaljournalismus eine enorm wichtige Rolle, als Stimme der Vernunft, als jemand, der einordnet und im Sinne der Demokratie bewertet und beurteilt und wo nötig verurteilt.

Starker Lokaljournalismus heißt auch Kante zeigen

Ich glaube, dass wir eine starken Lokaljournalismus brauchen, der die weichen Themen „covered“, der integriert. Das ist extrem wichtig. Neulich musste ich zu einer Beerdigung „heim“ und mir ist deutlich geworden, wie lebendig und wichtig Zusammenhalt auf dem Land, im Dorf sind. Und wie wertvoll das auch als Bollwerk gegen Extremisten ist und sein kann. Lokaljournalismus sollte das durchaus unterstützen.

Ich selbst lese seit Jahrzehnten nicht mehr den Lokalteil, weil ich nicht mehr selbst aktiv Fußball spiele, in keinem Verein aktiv und so nicht im lokalen Leben verwurzelt bin. Doch ich respektiere, dass viele Leser:innen genau darüber lesen wollen. Und da sollte man sich nicht arrogant drüber weg setzen!!! Es geht nicht immer ausschließlich um investigativen Journalismus.

Auf der anderen Seite geht es ganz eindeutig und klar darum, Kante zu zeigen. Heutzutage gerade und vor allem gegenüber den Radikalen von rechts. Und ja, natürlich gilt es auch, „die Wirtschaft“ kritisch zu beobachten und wenn nötig zu kritisieren. Das braucht sicher Rückgrat – und Geld. Das Modell, wie man die beschriebenen Aspekte so unter einer Hut bringen kann, dass die Journalisten und das ganze Team davon leben können, habe auch ich nicht. Doch ich rate zu einer etwas breiteren Perspektive – und offenen Diskussion. Das sagt eine Junge vom Lande. Unterdessen etwas älterer Junge.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Frank Pfeiffer auf Pixabay

Leseempfehlung: Noch 5 Jahre Galgenfrist, damit Verlage sich endlich reformieren, transformieren, ändern …

2. September 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das deutsche Verlagsweisen zeichnet sich nicht gerade durch Innovationskraft und Kreativität aus. Der Überlebenswille manifestiert sich darin, bestehende Verhältnisse möglichst einzementieren zu wollen. Das Leistungssschutzrecht und der Zwang, auch online „die Zeitung“ zu abonnieren,  sind zwei eindeutige Zeichen, dass die Verlage das Internet-Zeitalter noch immer nicht verstanden und die Herausforderungen wirklich angenommen haben. Des Themas, das auch mich immer wieder erregt, hat sich jetzt mit großer Leidenschaft Thomas Knüwer angenommen und er spricht mir in vielerlei Beziehung aus dem Herzen.

Kein Mut zu Experimenten sind ebenso kennzeichnend wie der Unwille, vielleicht die Unfähigkeit sich mit neuen Modellen einer Mischfinanzierung auseinanderzusetzen. Immer wieder rege ich mich darüber auf, dass die Verlage mich in Abonnements zwingen wollen. Wie kennzeichnend für das Internet möchte ich aber gezielt nur die Infos, die mich interessieren, und nicht überteuerte Preise zahlen oder unzählige „Zeitungen“ abonnieren. Auch Blendle, die ein solches Modell versuchten, scheinen aufzugeben. Thomas bringt es auf den Punkt:

Der Kauf eines Abos oder eines Einzelartikels oder eines E-Papers muss so simpel sein wie der Einkauf eines Artikels beim größten aller Onlinehändler – dies ist der Maßstab, an dem sie sich messen lassen müssen.

über Weil der Verlag sich ändern muss – Version 2019

Thomas sagt das Ende der gedruckten BILD und anderer WELT-en voraus. In fünf Jahren werde es keine Printausgaben mehr geben. Und dies sei die Frist, die den traditionellen Verlagen noch verbleibe, um sich zu reformieren.

Eine klare Leseempfehlung meinerseits!

Und als Nachtrag zwei persönliche Erfahrungen der vergangenen Tage:

  • Gerade versuche ich, den Spiegel-Artikel Geplante Modernisierung Neue Bundes-IT wird zum Milliardenfiasko einzeln zu erwerben, gebe es aber gleich auf, Mag ja meine Dummheit sein, aber wenn ich als einigermaßen netzaffiner Anwender schon scheitere …
  • Die Rheinische Post berichtet regelmäßig über meine Borussia, die galoppierenden Fohlen, die leider gerade an den Bullen gescheitert sind. Ja, ich weiß, lieber Gunnar. Also mein Preußen Münster, lieber Thomas. Aber auch hier kommt immer öfter die Bezahlschranke, wenn ich über Fohlen Hautnah die Presseberichte zu den Fohlen aufrufe.

(Stefan Pfeiffer)

#CMOKurator: Künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Marketing, Xing und kritischere Käufer bei Amazon

20. August 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein kleiner Rückblick auf Beiträge und Nachrichten rund um soziale Medien, Marketing und Digitalisierung der vergangenen Tage.

KI und Journalismus: Fakt

Künstliche Intelligenz und Journalismus habe ich ja hier schon öfters behandelt. Künstliche Intelligenzen können und werden Inhalte erstellen. Und die Deutschen akzeptieren das mehr und mehr, so eine aktuelle, repräsentative Online-Umfrage von nextMedia im Auftrag von Statista. Lead schmeisst mit dem Begriff Robo-Journalismus um sich. Wenn es denn sein muss.

Media_Innovation_Report_Infografik_01
Quelle: nextMedia

Und die Deutschen erscheinen sogar sehr informiert und erwachsen: Faktenbasierte Nachrichten wie Verkehrsmeldungen oder Wetterberichte lassen sie sich durchaus von KI liefern. Bei „tiefergehenden“ oder Kreativität fordernden Inhalten sind sie misstrauischer. Und sie wünschen sich laut Studie, dass Inhalte, die von einer KI erzeugt wurden, auch entsprechend gekennzeichnet werden.

Wie habe ich mal aus Perspektive eines Journalisten geschrieben: Journalisten werden sich differenzieren müssen. Das reine Runterschreiben von standardisierbaren Nachrichten wird bald von Systemen der künstlichen Intelligenz übernommen. Die Einordnung aber, das ist ureigenes Differenzierungsmerkmal des Journalisten.

Mehr und mehr akzeptiert: Mit KI kommunizieren

Doch zurück zur Online-Umfrage: Demnach akzeptieren auch mehr und mehr Personen, mit Künstlicher Intelligenz zu kommunizieren. Laut Studie sind es nun 83 Prozent, ein Zuwachs um 25 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Tut man ja auch schon bewusst oder unbewusst: auf dem Smartphone, mit dem Chatbot, durch Sprachassistenten und „smarte“ Lautsprecher.

Lasse das Experiment beginnen: KI in Marketing und Vertrieb

Dazu passt auch der Beitrag von Gabriele Horcher von der Kommunikationsagentur Möller Horcher auf HORIZONT Online. Sie skizziert einige der sich ausweitenden Einsatzgebiete und mahnt an, dass Sales-, Marketing-, Service- und Kommunikations-Abteilungen den unaufhaltsamen Trend zur Nutzung neuer KI-Technologien nicht verschlafen und unbedingt mit dem Experimentieren beginnen sollten:

Um im Wettbewerb der Zukunft zu bestehen, ist es für Unternehmen unerlässlich, sich jetzt mit den Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, im Hinblick auf die eigenen Kommunikations-Szenarien ebenso wie in Hinsicht auf die Informationsbedürfnisse und die präferierten Anwendungen ihrer Zielgruppe.

über Technologie: Wie Künstliche Intelligenz die Kommunikation verändert

Nicht vorbereitet für das digitale Marketing-Zeitalter?

Da schließt sich schnell die Lücke zum gerade veröffentlichten Teil1 des Marketing Entscheider Radars 2019, den die Unternehmensberatung Brain Consulting veröffentlicht hat. Mehr als die Hälfte der Marketingentscheider (56 Prozent) sehen ihr Unternehmen nicht ausreichend für die digitale Marketing-Ära vorbereitet. Da ist die Nutzung von Künstlicher Intelligenz sicher ein Aspekt neben Nutzung anderer Technologien, Herausforderungen wie Datenmanagement, vor allem aber einem verbesserungswürdigen „Digital Mindset“ im Unternehmen und bei den Mitarbeitern. Die Empfehlung von Oliver Mohr, Geschäftsführer des zur der zur Omnicom Media Group Germany gehördenden Beratungshauses Brain Consulting: Externe und auf Digitalisierung spezialisierte Unternehmensberatungen einkaufen ...

KI und Digitalisierung: Thema für das Acoustic Studio auf der DMEXCO

Das sind alles sicher Aspekte, die auf der kommenden DMEXCO diskutiert werden sollten, und wir werden das ein oder andere Thema ganz sicher in unserem Acoustic Studio in Videotalks und Livestreams diskutieren. Die oben erwähnten Experten seien auch hier nochmals explizit zu den Talks eingeladen. Kontakt über alle Kanäle möglich 😉

Themenwechsel zu anderen marketing-relevanten Meldungen, Berichten und Kommentaren:

Xing wächst

Neben dem Gewinn und dem Umsatz steigerte Xing im ersten Halbjahr 2019 auch die Anzahl der Mitglieder. So konnte das Online-Netzwerk in diesem Zeitraum mehr als eine Million neue Mitglieder generieren. Per Ende Juni kam Xing somit auf 16,3 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum.

über Geschäft mit Netzwerken: Xing steigert Gewinn um 22 Prozent › absatzwirtschaft

Immer wieder erstaunlich. Xing scheint weiter erfolgreich zu sein. Dabei empfinde ich Xing eher als Friedhof den als vibrierendes Netzwerk, in dem man sich austauscht. Vielleicht suchen und bieten die 16.3 Millionen ja einfach nur neue Stellen an?

Junge Kunden misstrauischer gegenüber Amazon

Ich gebe zu, dass mich dieser Bericht gefreut hat: Laut“Future Shopper“-Report der Agentur Wunderman Thompson ist Onlinehändler Amazon zwar wichtig, aber bei jüngeren Kunden gerät Amazons Nimbus ins Wanken. Regelmäßige Negativschlagzeilen über den Umgang mit Mitarbeitern und zum Datenschutz tragen hierzu wohl bei.

(Stefan Pfeiffer)


Wie der ein oder andere mitbekommen hat, habe ich ja vor kaum 14 Tagen einen neuen Job angetreten: In den kommenden Monaten unterstütze ich das neu gegründete Unternehmen Acoustic beim „Go-To-Market“ insbesondere in Deutschland und Europa. Grund genug, mich noch mehr mit Nachrichten und Berichten aus dem Themenumfeld Marketing und Technologien zu befassen. Und meine entsprechenden „Findings“ werde ich wohl regelmäßig veröffentlichen, hier, vielleicht auch in einem separaten Blog frei nach Konzept, dass ich einmal für den CIOKurator entwickelt habe. Diesmal halt ein CMOKurator oder Marketing-Kurator.

 

 

Weiter in der Abofalle: Keine einzelnen Beiträge mehr kaufen auf Blendle

28. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Thema, wie honoriere ich gute Artikel guten Journalismus, ist nicht neu im Blog und die Diskussion bleibt, wie man Journalisten fair entlohnt und wie wir aus der Abofalle der Verlage rauskommt. Ein Angebot, auf das ich per E-Mail als Antwort zu diesem Beitrag aufmerksam gemacht wurde, ist Blendle. Der Service bietet an, einzelne Artikel zum Preis zwischen 0,50 und 1,50 Euro zu kaufen. Allerdings fehlen die Beiträge vieler Verlage, die nicht mitmachen. Ich gebe zu, dass ich dann doch eher selten dort Beiträge erworben habe.

Nun berichtet Marcel Weiß, dass Blendle die Möglichkeit, einzelne Artikel zu kaufen, wohl aufgibt, da sich das Micropayment-Modell wohl nicht rechnet. Er habe schon 2015 geschrieben, dass Micropayments zu hohe Transaktionskosten verursache und deshalb genau für das oben genannte Modell Zahlung pro Artikel ungeeignet seien. Ein iTunes für Zeitungsartikel mache keinen Sinn.

Vor Jahren habe ich über Flattr und Kachingle geschrieben, Micropayment-Services, über die man freiwillig dem Schreiber oder auch Künstler einen Betrag überweisen konnte und sollte. Tex Drieschner, Sänger und Moderator hat 2010 noch drauf gehofft, wie er auch in diesem Video sagt. Abgehoben haben auch diese Dienste leider nicht. Auf welchen Seiten findet man heute noch einen Flattr-Button? Und welcher Bloganbieter oder gar Verlag baut das als Standard in seine Seiten ein?

So bleiben wir wohl in den Abonnement-Fallen der Verlage gefangen. Leider. Die Umsonst-Kultur, im Netz der Be- und Verharrungswille der Verlage, die fehlende Verbreitung eines gängigen Micropayment-Dienstes, all das führt derzeit dazu, das Autoren oft nicht oder schlecht honoriert werden und Leser/Hörer/Seher nur sehr schwer, einzelne Beiträge erwerben können.

Musst erst wieder einer der Netzriesen kommen, die so etwas aufgrund ihrer Masse vermarkten, siehe die Pläne zu Apple News, was ja dann doch wieder an iTunes für Verlage erinnert? Oder hat gar eine Kryptowährung wie Libra das Potential, als durch den Facebook-Konzern im Netz weit verbreitetes und wahrscheinlich, ja leider akzeptiertes Zahlungsmittel das Potential, einen solchen Markt aufzumischen?

(Stefan Pfeiffer)

Foto by Picspree

Journalismus – Bergbau des 21. Jahrhunderts? Die Zeiten waren nicht immer so rosig und Jammern nutzt nix

16. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Michael Kroker hat in seinem Rant auf die Situation der Print- und TV-Medien, des Journalismus generell hingewiesen. Es werden immer weniger gedruckte Zeitungen, der TV Konsum nimmt ab und viele Journalisten – in den USA 50 Prozent in den vergangenen 20 Jahren – verlieren ihren Job. Michael zitiert Sven Hansel, der schon vor Jahren Journalismus mit dem Bergbau verglichen hat.

Als jemand, der Journalismus studiert und während des Studiums frei als Journalist gearbeitet hat, stutze ich aufgrund verschiedener Aspekte. Erst einmal: Die journalistische Welt war nicht immer so rosig, oft im Nachhinein verklärt Wer kennt noch Zeilengeld? 22 Pfennig pro Zeile und 20 Mark für ein Bild von der Lokalzeitung. Auch das war Realität im Journalismus. Pure Ausbeutung vor allem junger Leute, die diesen Beruf ergreifen wollten. Gut, dadurch habe ich Journalismus von der Pike auf gelernt, auf Karnevalssitzungen, bei den legendären Karnickelzüchtern, aber ich nach einer Weile auch in Berichterstattung über die Lokalpolitik.

Die Welt des Journalismus war nicht so rosig, wie es im Rückblick scheint

Dann kam ein kurzer Boom durch „die Privaten“. In der Zeit habe ich in der Neue Medien-Redaktion der FAZ gearbeitet. Wir haben damals die neueste Nachrichten über BTX (Bildschirmtext) verteilt, „ein interaktiver Onlinedienst der Telefon und Fernsehschirm zu einem Kommunikationsmittel kombinierte„, ein Rohrkrepierer, der durch das Internet bald überflüssig wurde. Die Redaktion hat damals in der Gründungszeit der privaten Radiosender und des Privatfernsehens die Sender auch mit Radio- und TV-Berichten versorgt. In Erinnerung habe ich noch immer meine erste Radioreportage über und mit Konrad Zuse oder den per Telefon übermittelten „Livebericht“ von der SPD Südhessen, bei der die rote Heidi zur Vorsitzenden gewählt wurde.

Die FAZ hat dann im Rückblick zu schnell aufgegeben und die Neue Medien-Redaktion geschlossen. Sehr schade auch für mich, denn mein damaliger Chef hatte mir eine Festanstellung nach dem Studium in Aussicht gestellt. Und um es kurz zu machen: So bin ich dann für die Computerzeitschriften (PC Praxis, Windows etc.) gearbeitet, Word und WordPerfect getestet, weil die einfach besser zahlten. Und vom IT-Journalismus war es nicht weit in Public Relations und dann noch kürzer in Marketing für Software-Hersteller und -Distributoren.

Nicht alles war Gold, was da geschrieben wurde

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass es Dutzende von Zeitschriften und Magazinen rund um IT Themen gab. Allein für das spezielle Thema Dokumentenmanagement komme ich zeitweise auf vier bis fünf Publikationen. Mein Freund Uli Kampffmeyer weiß es bestimmt genauer. All das ist Geschichte. Die Zahl der Printmedien ist auch in diesem Segment dramatisch zurück gegangen.

Doch auch hier sollte man, möchte ich die Kirche im Dorf lassen. Diese Magazine waren nicht alles Qualitätsmedien mit tiefgehenden Reportagen und Berichten. Es waren sicher  nicht immer Artikel hehrer, journalistischer, investigativer Helden, die tief gebohrt, brillant geschrieben oder gesprochen haben. Mit Grauen denke ich noch an die vielen Telefonanrufe zurück, in denen man mir – ich war da bereits „in der Wirtschaft“ tätig und hatte aus Sicht der Redaktionen und Anzeigenakquisiteure Geld – Advertorials andrehen wollte. Und, Euer Ehren, ich gestehe meine Schuld ein, denn auch ich bin einmal gekauft mit Bild auf der Titelseite eines solchen Magazins gelandet.

Unterdessen sind nicht nur in der IT-Presse viele Jobs verloren gegangen. Viele kompetente Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich arbeiten durfte, haben ihren Job verloren und das ist natürlich sehr schade. Doch es war schon immer nicht alles qualitativ Gold, was da vermeintlich glänzte, getextet wurde.

Verlage haben Zeichen der Zeit verschlafen – und tun es noch

Vor allem haben aber Verlage und Redaktionen die Entwicklung verschlafen. Oben schreibe ich von „Neuen Medien“. Damit war einmal Bildschirm- und Videotext oder Privatradio und -fernsehen gemeint. Neue Medien sind heute mehr denn je Online-Medien im „Netz“. Neue Medien sind heute soziale Medien mit vielfältigen Kanälen und Formaten, einigen dominanten Playern. Neue Medien sind auch andere, neue Formate. Nicht mehr nur Text, sondern Podcasts und Videos, die technisch im Prinzip jeder produzieren kann. Nochmals explizit: Technisch kann es eigentlich jeder hinbekommen, ob die inhaltliche Qualität  – wobei das zu definieren wäre – und Sorgfaltspflicht gewahrt ist, ist eine andere Frage,

Die digitalen Transformation ist für Verlage und im Journalismus Realität. Man kann jetzt rumweinen und nörgeln, aber das nutzt meiner Ansicht nach nichts. Die Verlage, aber auch wir Journalisten – ich zähle mich noch immer dazu – müssen uns den neuen Realitäten stellen, uns mit neuen Formaten und neuen Bezahlmodellen auseinandersetzen. Auch deshalb finde ich das Experiment von Gabor Steingart und seinem Team beispielsweise sehr spannend. Vielleicht kommt es doch nochmal zu einem Meinungsaustausch.

Im heutigen Journalismus (und im Marketing) sind Experimente gefragt

Und deshalb finde ich Plattformen, wie Piqd spannend, wo Autoren Artikel empfehlen und kuratieren. Und ja, auch hier stellt sich übrigens die Frage, wie sich eine solche Plattform rechnet und wie Autoren wie honoriert werden. Um so etwas zu fördern, habe ich den Talk zu Automatisierng im Livestudio der IBM in Berlin vor kurzem organisiert. Eine ähnliche Kooperation hatten wir dann auch zum Thema Open Source in der öffentlichen Verwaltung mit t3n.

Und das ist auch meine Brücke hinüber zu meinem jetzigen Job. Seit Jahren „mache“ ich Marketing für IT Firmen und vermarkte Produkte. Um es noch klarer und undeutsch zu sagen: Ich versuche Firmen im sogenannten B2B-Umfeld „meine“ Produkte zu verkaufen. Und auch dieses Verkaufen, die Art, wie Marketing „gemacht“ wird, ändert sich, auch wenn es manch einer der Altvorderen nicht wahr haben will. In der Verlagen zeigt das die die unsägliche EU-Urheberrechtsreform, mit der man viele netzaffine, nicht nur junge Leute abhängt.

Die Veränderung im Journalismus ist wahrnehmbar. Im Marketing, in der Unternehmenskommunikation mag sie noch unsichtbarer, schleichender sein, doch auch dort ändern sich Formen und Formate, Berufsbilder und Jobs. Es geht nicht mehr nur darum, Interessenten auf Veranstaltungen mit Häppchen vom fliegenden Buffet und Frontalvorträgen zu befriedigen. Auch hier müssen wir – wie im Journalismus – neue Formate probieren und austesten, denn NEIN, wir verkaufen nicht nur durch Suchmaschinenoptimierung (SEO) oder durch das Tracking des Online-Klickverhaltens. Diese Themen sind extrem wichtig. Marketingfachleute sollten sich damit auskennen, aber es (zumindest im B2B Umfeld) noch mehr gefragt.

Qualität, interessante Formate, guter Informationsgehalt, unterhaltsame, zeitgemäße Aufbereitung, die Bereitschaft zum Dialog und ebenso die Bereitschaft zum Experiment zählen nicht erst seit heute im Marketing und im Journalismus. Genau deshalb habe ich alle Jahre neue Dinge probiert, vom Theaterstück über das Unternehmen 2.0 (könnte man mal aktualisieren und auffrischen) über die Bloggertouren im Bus quer durch Deutschland, bei der wir Bundeswehr, hansgrohe, BASF oder die Bertelsmann-Stiftung besucht haben, bis jetzt zum Livestudio, in dem wir neue Videoformate ausprobieren.

Es gab immer einen Strukturwandel der Öffentlichkeit – auch heute wieder

Wir erleben allenthalben einen Strukturwandel und müssen darauf reagieren. Und das ist bei Leibe nicht neu. Nicht im Marketing, nicht im Journalismus. Ich gehe mal nicht bis zum werten Herrn Gutenberg zurück, aber man denke an den Siegeszug von Radion und Fernsehen und die damit verbundenen Veränderungen, Jobs die entstanden und verschwunden sind. Und heute erleben wir, dass Online-Inhalte, Video- und Audioformate den Medienkonsum und das Informationsverhalten erneut verändern. Das Rezo-Video ist das aktuellste und beste Beispiel. Viele „junge Leute“ hören nicht mehr auf klassische Medien. Sie beziehen ihre Meinung online auch von Nicht-Journalisten. Meiner Ansicht nach wurde viel zu lange gepennt und nun sind Jammern und der Beharrungswille gerade in den klassischen Verlagen groß, weil die Welt sich mal wieder weiter dreht.

Wir sprechen heute vom (gerade Modewort) Influencern, von Storytellern und Markenbotschaftern: „Unternehmen benötigen engagierte digitale Mitarbeiter,“ schreibt Klaus Eck. „Netzwerke werden zu Medien-Plattformen und Medien zu Netzwerk-Plattformen und Unternehmen zu Medien und Netzwerken“, so das Titelbild eines Gesprächs zwischen Gunnar Sohn und Klaus.

Nicht erst seit kurzem sind die traditionellen Verlage gefragt, sich entsprechend zu ändern. Der Journalismus, die Journalisten ändern sich. Neue finanziell und personell tragfähige Modelle müssen entwickelt und getestet werden. Vielleicht muss es ganz andere, neue, noch nicht gedachte Modelle geben, nicht nur für die Reportagen über die „große Politik“, sondern beispielsweise auch für die lokale Berichterstattung, wie gerade Gunnar auf dem Barcamp in Koblenz diskutiert hat.

Und auch Marketing und Unternehmenskommunikation ändert sich. Der Pressespiegel sollte für die Unternehmen nicht mehr der wichtigste Gradmesser dafür sein, dass man in seiner Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Das Engagement online und offline in Communities, das Partizipieren in Diskussionen, der Wille auch Kritik auszuhalten, aber auch mit Argumenten gegen zu halten, all das ist sowohl im Journalismus, wie auch in Marketing und PR gefragter denn je. Es geht um eine anständige Informations-, Streit-, Kommunikations- und Diskussionskultur im Journalismus, aber auch bei Unternehmen und Institutionen. The Times They Are A-Changin‘. Wieder einmal.

Und man mag mir gegen Ende noch ein Statement verzeihen: Wir dürfen den Populisten nicht die neuen Öffentlichkeiten überlassen. Es gab schon mehrmals Zeiten, in denen sie die Klaviatur der modernen Massenmedien besser gespielt haben als die demokratischen Kräfte. Das darf nicht wieder passieren. Deshalb dürfen wir gerade auch die sozialen Kanäle nicht den Demagogen und mit einfachen Antworten zu verführen Suchenden überlassen.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Herbert Aust auf Pixabay

 

Neue Formate sind gefragt: In Journalismus, in „Unternehmenskommunikation“ und Marketing: Unformatiert, roh, echt, nah dran …

16. Mai 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Derzeit wegen der Vorbereitung des IBM Livestudios voll „busy“. Komme kaum dazu, zu bloggen und zu zwitschern. Aber eine E-Mail hat mich fasziniert. Das journalistische Experiment oder Projekt von Gabor Steingart. Ich gebe zu, ich lese „nur“ seine tägliche E-Mail, lausche selten seinen Podcasts, finde aber die „textuellen“ Inhalte oft spannend.

Nun startet Gabor Steingart mit Weggefährten ein neues Experiment – unter Beteiligung von Axel Springer, also des Verlages. Ok, ich bin als Kind der 70er/80er Jahre und Leser von Wallraff da belastet … Doch zurück zum Vorhaben:

Als Symbol eines neuen Miteinanders bauen wir eine schwimmende Bühne für den Journalismus einer neuen Zeit. Das erste Redaktionsschiff Deutschlands: die “Pioneer One”.

Das 40 Meter lange und 7 Meter breite Medienschiff mit Elektroantrieb wird ab Frühjahr 2020 inklusive Newsroom, Tonstudio und Event-Bereich täglich auf der Spree inmitten des Berliner Regierungsviertels unterwegs sein. Hier arbeitet die Redaktion, hier können sich Leser, Politiker, Unternehmer und Kulturschaffende begegnen. Wir planen Live-Übertragungen, politische Briefings für Neugierige und einen echten Dialog auf Augenhöhe.

über Gabor Steingart. Das Morning Briefing.

Finde ich natürlich faszinierend, wenn der Qualitätsanspruch eingehalten wird. Leider wird das Schiff erst im Frühjahr 2020 „live“ gehen, sonst wären wir mit dem Livestudio sicher dort vorbei gefahren.

Journalismus und Berichterstattung ändern sich. Das kann, muss aber nicht schlecht sein. Jedoch muss man sich darauf einstellen, statt zu verweigern und „lobbyieren“.

Ähnlich sehe ich es auch in der „Unternehmenskommunikation“. Welch ein Wort. In der Art, wie Unternehmen mit ihren Kunden reden, kommunizieren. Deshalb forciere ich auch seit langer Zeit Experimente wie das IBM Livestudio. Wir senden (meist) live, möglichst nicht nur Firmen-Marketing-PR-Blabla. Gut, natürlich sind wir parteiisch und wollen werben, aber eben etwas „anders“.

Vielleicht auch die Chance, sich auszutauschen, wohin es geht. Im Journalismus, der Unternehmenskommunikation und im Marketing, lieber Gabor Steingart, liebe Chelsea Spieker? Wir sind ab 20. Mai in Berlin. Nicht auf’m Schiff, aber im Popup-Store im Bikini Berlin. Gerne auch live, und wie Gunnar es schreibt:

Es sind keine mit großem Budget produzierten Sendungen, keine aseptischen Studio-Aufsager, sondern Berichte mit dem Smartphone: Unformatiertes und rohe Zeugnisse der Geschehnisse. Es zählt der Augenblick und nicht die Inszenierung.

über #2018 – Das Jahr der Livestreaming-Projekte – ichsagmal.com

Lust auf einen Austausch?

(Stefan Pfeiffer)

Beitrag zu „Dark Social“ auf Süddeutsche.de: Nicht so einseitig – Gruppen und Communities können auch ein Hort der Privatsphäre sein!

18. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein interessanter Beitrag in der Süddeutschen zum Trend zu mehr Kommunikation in geschlossenen Gruppen in sozialen Medien. „Dark Social“ wird das genannt und schon beim Namen schwingt Unheil verheißendes mit. Anwender organisieren sich in Gruppen, in denen man Mitglied sein muss, um mitzulesen und zu schreiben. Diese Gruppen können prinzipiell auf allen sozialen Kanälen von Facebook über Instagram bis zu WhatsApp oder auch XING und LinkedIn eingerichtet werden.

Und das ist auch an und für sich überhaupt nichts negatives, was in dem Beitrag von Dirk von Gehlen viel zu kurz kommt. Im Gegenteil. Die Gründung von Gruppen meist mit gemeinsamen Interesse – neudeutsch Communities oder Special Interest Communities –  ist absolut ok. Und wenn sich diese Gemeinschaften nun mal nicht öffentlich austauschen wollen und auch die Inhalte nicht über Suchmaschinen auffindbar machen wollen, ist das genauso in Ordnung. Vielleicht, ja sicher ist das sogar eine Form von Datenschutz und Privatsphäre. Dort sollen eben gerade Informationen oder Bilder und Videos nicht mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Ich habe selbst auf verschiedensten Tools solche Gruppen eingerichtet, bin aktives Mitglied oder moderiere sie sogar. Und es auch nicht per se schlimm, wenn die Betreiber von Webseiten eben nicht sehen, wo jemand her kommt, der in einer geschlossenen Gruppe oder Community auf einen Link geklickt hat.

Schlimm und „dunkel“ sind ganz andere Dinge. Schlimm sind extreme Meinungen und Filterblasen, die sich in solch geschlossenen Gruppen bilden können. Dirk von Gehlen führt einige Beispiele an, wo sich Falsch- oder Panikmeldungen in solchen Gruppen rasant verbreitet haben, weil man Nachrichten in solchen Gruppen als glaubwürdiger erachte, manchmal blind vertraue. Ich bin bei dem Autor, wenn er dazu rät, mancher Nachricht, die man bekommt, zu misstrauen. Die berühmten Kettenbriefe in WhatsApp sind ein klassisches Beispiel. „Die beste Impfung gegen Falschmeldungen in dunklen Kanälen ist: Nachdenken – und nur das teilen, was man selber genau weiß„, schreibt von Gehlen. Dem zweiten Satz stimme ich zu 100 Prozent zu. Sein erster Satz ist aber reißerisch, demagogisch, die dunklen Kanäle werden quasi beschworen. Nein, viele dieser Kanäle sind eben nicht dunkel. Private Gruppen, Communities, Kanäle können eben auch Horte der Privatsphäre und durchaus Glabwürdigkeit sein. Nicht die Werkzeuge sind das Problem. Die, die sie missbrauchen oder ihnen eben blauäugig glauben, sind die Herausforderung. Also bitte nicht so plakativ alles über einen Kamm scheren, sondern unbedingt differenzieren! Das erwarte ich eigentlich von einer Qualitätszeitung.

(Stefan Pfeiffer)

LESEN! Die Verantwortung für eine weitere Stärkung der Rechtsextremen, Autoritären liegt zum guten Teil bei den Medien | @SaschaLobo

16. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Gegen Trumps Hamburger-Inszenierungen, gegen die typischen BILD-Verzerrungen, Halbwahrheiten und Falschmeldungen, die besonders der AfD zugutekommen und für Kante zeigen, wenn Extremisten versuchen, klassische und soziale Medien zu missbrauchen. Oder aber Journalisten nicht ihren Job machen und auf wirkliche Fake News und eben Inszenierungen hereinfallen. Unbedingt lesen! Den ganzen Beitrag von Sascha Lobo!

Der Aufstieg der autoritären Kräfte weltweit wäre ohne Medien nicht möglich gewesen, und zwar sowohl sozialer wie redaktioneller Medien. Die Verantwortung für eine weitere Stärkung der Rechten, Rechtsextremen, Autoritären liegt zum guten Teil bei ebendiesen Medien. …

Langsam, so ganz langsam könnten die werten redaktionellen Qualitätsmedien vielleicht mal im 21. Jahrhundert ankommen und begreifen, wie die Ökonomie der Aufmerksamkeit funktioniert, wie sie instrumentalisiert werden und was sie dagegen tun können. Nein: tun müssen.

über Verantwortung des Journalismus: Schluss mit „business as usual“ – SPIEGEL ONLINE

Wohl gebrüllt, Löwe!

Offener Brief an die Verleger und Verlage: Hört vor allem online mit Euren Sch…-Aboangeboten auf und bietet ein zeitgemäßes, übergreifendes Angebot an!

4. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich bin wirklich willens – und tue es auch -, für journalistische Beiträge, generell wertvolle und inspirierende Inhalte die mich interessieren, Geld zu bezahlen.

Ich bin aber nicht bereit, für jede Publikation – ob online oder Print – ein Abonnement anzuschliessen. Das wird mir zu teuer. Und das kann und will ich einfach nicht alles lesen.

Ich selektiere die Artikel, die mich interessieren. Ich stosse auf die Beiträge über Twitter, Twitter-Listen, meine Feeds in feedly oder Empfehlungen. Andere nutzen Facebook. Instagram, Xing, WhatsApp, LinkedIn … Das ist, wie heute Information konsumiert wird.

Liebe Verlage, kommt endlich aus Eurer Wagenburg raus. Die Welt hat sich geändert. Klassische Abos sind nicht mehr zeitgemäß und so werdet ihr noch weiter abnippeln.

Denkt mal über andere innovative Modelle nach. So schwer ist es nicht. Tut Euch zusammen. Schafft einen Pool, bei dem man Geld hinterlegt und dann verlagsübergreifend gezielt einzelne Artikel einkaufen kann. ICH würde das tun. VIELE, die ich kenne, würden das tun.

Und wenn Ihr ganz fortschrittlich seid, seid Ihr sogar mutig und baut eine Zufriedenheitskomponente ein. FLATTR gab es schon mal. Schon mal davon gehört? Nur war und ist die Bezahlung dort freiwillig. Denkbar, dass man für einen Artikel einen Basisbeitrag zahlt und wenn er einem besonders gut gefällt, zahlt man freiwillig mehr? Ich glaube, das könnte funktionieren.

Was gibt es denn zu verlieren? Einfach mal Rat einholen und schnell ausprobieren.

So verliert ihr immer mehr Leser.

In diesem Sinne

Stefan Pfeiffer