Posts Tagged: ‘Open Source’

Christine, mach hinne mit der GWB-Novelle, kommen die richtigen Nachrichten zu mir und macht ein deutsches Autobetriebssystem nach Open Source-Prinzip Sinn? Digitalthemen bei #9vor9

30. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Auch heute wieder ein #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche und Lars Basche, Gunnar Sohn und mir.

Unsere Themen: Gunnar erklärt die GWB-Novelle, die Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die dem Kartellamt vielfältige Möglichkeiten geben würde und könnte, gegen die immer größere werdende Macht und den Einfluss der GAFAM-Konzerne vorzugehen, die gerade durch die gegenwärtige Covid-19-Krise noch mehr zu profitieren scheinen. Unser Appell an Justizministerin Christine Lambrecht: Gib die Blockadehaltung zum GWB auf und vergiss den Kuhhandel mit Altmaier. Jetzt muss gehandelt werden. Gunnar führt zum Thema mit Justus Haucap am 1. Juli um 11 Uhr ein Gespräch, das über seine Kanäle verfolgt werden kann.

Frech den Ball zugespielt habe ich dann dem Lars Basche, der schon seit Jahren die Meinung vertreten hat, dass wichtige Nachrichten immer in der Chronik der sozialen Kanäle zu einem kommen. Hier hat der Tagesspiegel über das NFM („News Finds Me“)-Phänomen berichtet und dabei auf eine US-Studie verwiesen, nachdem gerade viele Jüngere immer mehr geteilte Inhalte, Links und Empfehlungen in den sozialen Netzwerken glauben und eben nicht journalistischen Plattformen nutzen. Der Tagesspiegel bringt dazu ein flammendes Schlusswort, da die Abkehr von traditionellen Medien auch zu weniger politischem Engagement und gar geringerer Wahlbeteiligung führe:

Wir sollten uns die Information und Meinungsbildung über politische Fragen nicht von Algorithmen, geteilten Neuigkeiten und digitale Freundeskreise aus der Hand nehmen lassen – machen wir uns selbst ein Bild!

Media Lab: Nachrichten aus erster Hand, bitte! – Medien – Gesellschaft – Tagesspiegel Mobil

Bei den Dreien von #9vor9 ist es gemischt: Wir alle schauen wenn auch selektiert nach Listen oder Stichworten auf Twitter, nutzen aber auch andere Kanäle und Medien und recherchieren eigenständig. Hier ist die Studie wohl zu finden. Sie kostet allerdings bei kommerzieller Nutzung.

Mein Thema war dann anknüpfend an das IBM Livestudio vom 23.6.2020 die Automobilindustrie. Unverkennbar ist der Individualverkehr durch die Covid-19-Krise wieder stärker geworden, aber wird das so bleiben? Reguliert es sich nach dem Virus wieder und öffentliche Verkehrsmittel oder Car Sharing-Modelle erleben ein Comeback? Oder bleiben wir Deutsche autoverliebt? Eigentlich und streng genommen kein Digitalthema.

Ein Digitalthema ist aber auf jeden Fall die Bestrebung deutscher Automobilhersteller, zu Softwarekonzernen zu werden und das Betriebssystem ihrer Fahrzeuge nicht Google und Co zu überlassen, sondern selbst zu „ownen“. Volkswagen hat es angekündigt, Daimler will es tun, wie ja auch Sascha Pallenberg im Livestudio wortgewaltig erklärt. Lesenswert dazu der Bericht auf Auto Motor Sport. Unser Appell in #9vor9: Nehmt Euch die Corona-Warn-App zu Beispiel, schaut auf den #WirVsVirus-Hackathon und baut doch gemeinsam nach dem Open Source-Prinzip ein Betriebssystem für Eure Fahrzeuge, statt allein vor Euch hin zu wursteln. Sonst werdet Ihr gegen Google, Tesla, Amazon, Apple & Co überhaupt keine Chancen haben.

Dabei muss nicht zwingend ein zentrales Betriebssystem für alle deutschen Autobauer herauskommen. Wer aber mit Google, Apple oder Amazon mithalten will, wird um Kooperation nicht herumkommen.

Auto-Betriebssysteme von Tesla, Google, Daimler, BMW oder VW – auto motor und sport

Allein es bleiben Zweifel. Die groß angekündigte Kooperation von BMW und Daimler im Bereich autonomes Fahren ist ja erst kürzlich gescheitert. Warum sollte dann die Zusammenarbeit bei „dem“ Betriebssystem für das Auto der Zukunft funktionieren?

Schließlich noch die Notiz, dass wir jetzt erst einmal Urlaubspause mache. Wir melden uns dann rechtzeitig, sobald wir mit #9vor9 wieder live gehen. Bis denne.

(Stefan Pfeiffer)

Digitale Lesezeichen: Die offene Messenger-Matrix, die offene Microsoft und Einblicke in die SAP

22. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich habe das Gefühl, dass gerade viele digital relevante Informationen und Beiträge über mich herein prasseln. Schnell mal die digitalen Lesezeichen notiert, bevor ich sie vergesse:

Offenes Messenger-Protokoll, freie Messenger-Wahl auf Basis Matrix

t3n hat über das Kommunikationsprotokoll Matrix berichtet, dass jetzt bei Bundeswehr, Behörden und auch in der französischen Verwaltung eingesetzt werden soll.

Während man mit Signal, Whatsapp oder Telegram nur mit Menschen schreiben kann, die auch Signal, Whatsapp oder Telegramm nutzen, ist Matrix ein offenes Kommunikationsprotokoll. Über Matrix sollen Nutzer verschiedener Dienste – also messengeragnostisch – miteinander kommunizieren können. Matrix stellt damit also nur die Infrastruktur der Kommunikation zur Verfügung. Das jeweilige Programm zur Kommunikation – den Client – sollen sich die Nutzer dabei selbst aussuchen können.

Matrix: Das steckt hinter dem neuen Messenger von Bundeswehr und Behörden

Matrix ist Open Source und hört sich sehr interessant an. Ich bin auf entsprechende Messenger gespannt, die das Protokoll unterstützen. Habe auch gleich Feedback von einem Experten ein geholt. Der springt zwar jetzt, kennt sich aber aus, der Rafael Laguna:

Dazu passend gerade bei den Analysten von Gilbane gefunden:

Automattic, the open source force behind WordPress, WooCommerce, Longreads, Simplenote and Tumblr, has made a $4.6M strategic investment into New Vector — the creators of an open, decentralized communications standard called Matrix. New Vector also developed a Slack rival (Riot) which runs on Matrix. Matrix is an open source project that publishes the Matrix open standard for secure, decentralised, real-time communication, and its Apache licensed reference implementations.

Automattic invests in open decentralized comms ecosystem Matrix

Microsoft gibt Fehleinschätzung zu – und ändert sich bezüglich Open Source?

Eher ein Randnotiz, aber trotzdem bemerkenswert, der Bericht auf The Verge zu Microsoft und Open Source:

Microsoft has admitted it was wrong about open source, after the company battled it and Linux for years at the height of its desktop domination. Former Microsoft CEO Steve Ballmer famously branded Linux “a cancer that attaches itself in an intellectual property sense to everything it touches” back in 2001.

Microsoft: we were wrong about open source – The Verge

Unterdessen habe man gelernt und adaptiere nach und nach Open Source. Schauen wir mal, ob das auch bei Microsoft Cash Cows passiert …

Einblicke in die SAP: Technologen oder Verkäufer in die Führung?

Der Abschied von Jennifer Morgan aus der CEO-Doppelspitze von SAP wurde kontrovers kommentiert und diskutiert. Nun hat sich SAP Patriarch Hasso Plattner per Videobotschaft auf der Hauptversammlung geäußert und dem Handelsblatt ein Interview gegeben. Die Integration der übernommenen Unternehmen habe nicht geklappt, auch weil unterschiedliche Managementphilosophien zusammen gekommen seien. Laut amerikanischer Philosophie habe man die Neuerwerbungen laufen lassen, ihnen enorme Wachstumsziele gegeben – und dabei die Integration jetzt auf der SAP Cloud vernachlässigt. Das habe SAP eineinhalb bis zwei jahre gekostet:

Damals war ich davon überzeugt, dass es eine Idealkombination ist. Ich habe nicht gesehen, wie weit sich das Verständnis zwischen den zugekauften Firmen in Amerika und der deutschen Zentrale da schon auseinanderentwickelt hatte. Heute weiß ich: Die Unterschiede sind sehr groß.

Quelle: SAP: Hasso Plattner rechnet mit Ex-CEO Bill McDermott ab

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Gegensatz zwischen amerikanischer und deutscher Führungsphilosophie wirklich so existiert. Ich habe genug amerikanische Unternehmen gesehen, die genau auf der engen Integration der zugekauften Firmen bestanden und bestehen, zumindest organisatorisch. Interessant die Aussage zu Bill McDermott:

Es ging um verschiedene Philosophien. Für Bill McDermott stand der Wettbewerb ganz oben, für mich immer der Kunde.

Quelle: SAP: Hasso Plattner rechnet mit Ex-CEO Bill McDermott ab

Die Verkäufer aus Amerika gegen die deutschen Technikern, dieses Bild wird im Interview vermittelt. Wer sich weiter im Detail für SAP interessiert, dem sei der Beitrag von Christof Kerkmann im Handelsblatt unter dem Titel Diese vier großen Aufgaben muss SAP-Chef Christian Klein bewältigen vom 7. Mai empfohlen. War da nicht noch was mit SAP? Ach ja:

Mitarbeiter von SAP haben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und freiwilligen Open-Source-Entwicklern die erste Version des Server-Backends für die deutsche Corona-Warn-App auf GitHub veröffentlicht.

Corona-Tracing per App: SAP legt erste Version des Corona-Warn-Servers vor | heise online

Und Apple hat gerade das Betriebssystem iOS 13.5, das für das Tracing benötigt wird. In den Einstellungen findet man nun unter Datenschutz – Health die Optionen, das COVID-19-Kontaktprotokoll und Tracing-Apps zu aktivieren:

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Myriam Zilles auf Pixabay

Hörempfehlung FAZ Digitec: Mal wieder der Aufschrei, uns endlich unabhängig(er) (unter anderem) von Microsoft zu machen! Und endlich auf Open Source zu setzen.

1. April 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Eine Hörempfehlung: der FAZ Digitec-Podcast mit Peter Ganten, dem Vorstandsvorsitzenden von Univention GmbH und Vorsitzender der Open Source Business Alliance, mit Carsten Knop von der FAZ, den ich heute bei meinem täglichen Spaziergang gehört habe. Es geht nicht nur um unsere Schulen und wie dort Digitalisierung und Lernplattformen vorangetrieben wird beziehungsweise werden muss. Es geht auch um das größere Bild: Um den Einsatz von Open Source, um eine größere europäische Eigenständigkeit und Souveränität zu erreichen. Peter Ganten ist dafür ein großer, wortgewaltiger Fürsprecher. Anhören!

Einmal mehr ein Aufreger: Wie kann das Land Baden-Württemberg unter den angeblich so progressiven Grünen mit Herrn Kretschmann auf die Microsft Cliuzd und Office 365 in Schulen setzen, statt auf vorhandene Open Source-Alternativen zu bauen? Eigenes Versagen in einem vorhergehenden Projekt kann nicht die Entschuldigung sein. Ich kann nur immer wieder den Kopf schütteln, wie so etwas ständig passiert, statt konsequent den Willen zu zeigen und Open Source-basierte Lösungen konsequent umzusetzen. Da nutzen die tollen Parteiprogramme und Sonntagsreden nichts, wenn immer wieder vor der Lobbyarbeit von Microsoft eingeknickt wird.

Ich musste auch an das Gespräch mit Peter, Saskia Esken von der SPD, jetzt Parteivorsitzende, Michael Seemann und Stephan Dörner von t3n während der Think at IBM im vergangene Juni lange vor dem Corona-Virus denken. Es wird geredet, die Regierenden handeln nicht. Immer noch nicht. Meine Aussage damals: Ohne eine starke Lobby wird Open Source in der öffentlichen Verwaltung nicht vorankommen.

#9vor9 am Faschingsdienstag ohne Pappnase und Helau, dafür zum Digitalministerium und den bislang unbekannten Ausgaben für Digitalisierung

25. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

#9vor9, die Digitalthemen der Woche vom Faschingsdienstag ohne Pappnase, Helau und Alaaf, dafür mit Gunnar Sohn und mir:

Doro Bär konnte auf Anfrage nicht beantworten, wie viel Geld die Bundesregierung für Digitalisierung ausgibt. Jetzt wurden die Zahlen wohl erstmals zusammengestellt, berichtet das Handelsblatt. Auf 31 Seiten wurde nun endlich ein Überblick zusammengestellt, wo investiert wird, von „Trusted Cloud für die Wirtschaft“ bis zu den Geldern, die die Länder für die Digitalisierung der Schulen bekommen. Zum Thema Digitalisierung kommentiert Holger Schmidt auf Twitter:

Künftig will man jährlich einen Überblick über die digitalpolitisch relevanten Haushaltsposten liefern.

Digitalministerium muss her und wer könnte es leiten?

Unwissenheit im Bereich IT und Digitalisierung ist auf Bundesebene auch nicht neu. Auch die Ausgaben, die auf Bundesebene in Microsoft-Lizenz investiert werden, konnte man vor Monaten nicht beziffern. Unfassbar. Aber mit dem neuen Digitalministerium wird ja dann endlich alles besser. In das Horn hat dann auch wieder Gunnar Sohn gestoßen und nicht verstanden, warum SPD-Chefin Saskia Esken – siehe ihr Interview mit t3n – ein solches Ministerium nicht unterstütze. Gunnar verweist dabei (immer wieder) auf die guten Erfahrungen, die man mit dem Umweltministerium unter Klaus Töpfer gemacht habe. Dann könne man endlich auch das Thema Open Source treiben, das Saskia Esken ja immer unterstützt hat – siehe das Gespräch im Juni 2019 auf der Think at IBM – und dessen Unterstützung die Union auf dem Parteitag in Leipzig beschlossen hat. Und wer sei, so Gunnar, für den Posten der Digitalministerin prädestiniert? Die Saskia, meint er. Doro und die CSU werden das nicht so sehen und nicht so gerne hören.

Digitale Bewegung auf EU Ebene

Digitalpolitik kann und darf nicht nur auf Deutschland-Ebene gemacht werden. Hier ist die EU gefragt. Wir kritisieren ja oft, aber sowohl Gunnar wie auch ich sehen das Tempo, das die EU in der Digitalpolitik vorlegt, sehr positiv. Natürlich sind viele Dinge noch sachlich-fachlich zu diskutieren. Hier sei ausdrücklich auf den Bericht auf netzpolitik.org verwiesen. Aber es scheint mehr Bewegung in das Thema Digitalisierung in und für Europa zu kommen.

Business-Version von Office 365 und die Gefahr von Emotet-Infektionen

Zurück zu Microsoft. Die Wahrnehmung vin Microsoft ist in Deutschland eh ein ganz besonderes Thema. Die Firma wird für ihre Erfolge hochgejubelt. Ein sonst eher kritischer Journalisten zwitscher, dass Microsoft der einzige US-Tech-Konzern sei, für den er arbeiten würde. Die kleinen Stellschrauben, an denen Redmond immer wieder dreht, gehen im allgemeinen Getöse eher unter oder werden nur von heise aufgegriffen.

So berichtet heise jetzt darüber, dass den Business-Versionen von Office 365 eine wichtige Schutzfunktion fehle, mit dem man unter anderem Emotet-Infektionen verhindern kann. Das Abschalten von Makros über Gruppenrichtlinien, das unter anderem vom BSI empfohlen wird, ist in dieser Version nicht oder nur eingeschränkt möglich. Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen: In der „Geschäftsversion“ kann man sich nicht vernünftig schützen. heise spricht von einem riesigen Sicherheitsloch. In den teureren Enterprise-Versionen ist die Funktionalität vorhanden. Ein Schelm, wer …

Damit verdichtet sich der Eindruck, dass es Microsoft vor allem um eines geht: Den Kunden die teuren Enterprise-Lizenzen aufzuzwingen. Wer dafür nicht das Geld auf den Tisch legen will, lebt eben gefährlich. Angesichts von Emotet-Infektionen die Firmen und Organisationen bis in den Ruin treiben können, ist das ein sehr fragwürdiges Vorgehen.

Emotet: Sicherheitsrisiko Microsoft Office 365 | heise online

Wiederum heise – sie sind fast die einzige Publikation, die so etwas aufgreift – schreibt, dass nun auch deutsche Nutzer, die Windows 10 Home Version 1909 neu installieren, „vom Setup zum Anlegen eines Microsoft-Kontos gedrängt“ werden. Mit Tricks kann man das umgehen, aber für den:die gemeine Nutzer:in einfach zu kompliziert. Solche kleinen oder größeren „Gemeinheiten“ fallen im Großteil der Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung mal so unter den Tisch. Leider.

(Stefan Pfeiffer)

„Um unsere digitale Souveränität zu gewährleisten, wollen wir Abhängigkeiten zu einzelnen IT-Anbietern verringern“ – Horst Seehofer

20. September 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Thema Abhängigkeit der öffentlichen Verwaltung von Microsoft ist schon seit geraumer Zeit laufend Thema in diesem Blog. Unkontrollierbare, ja unbekannte Ausgaben und Datenschutz sind neben der Abhängigkeit von Europa vom US-Konzern zwei wesentliche Bedenken, die man haben muss.

Auch habe ich schon öfters süffisant bemerkt, dass fast nur heise über diese Problematik berichtet, während ein großes in München ansässiges IT-Medienhaus das Thema meist umschifft. Ein Anzeigenkunde, wer Böses dabei denkt. Nun berichtet heise über eine. vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebenen Studie Analysten des Beraternetzwerks „PwC Strategy&“, die oben genannte Mängel erneut „herausfindet“. So schwer ist das ja auch nicht.

Die Studie bezeichnet laut heise neben Microsoft auch die Beziehung zu SAP und Oracle als bedenkenswert. Es herrsche „dringender Handlungsbedarf“. Der Artikel nimmt natürlich auch darauf Bezug, mehr Open Source-Software einzusetzen und erwähnt Peter Ganten von der Open Source Business Alliance (OSB), der ja noch im Juni neben der Kandidatin für den SPD-Vorsitz, Saskia Esken, und anderen Experten bei uns im IBM Livestudio zum Thema diskutiert hat.

Wie gesagt, alles nicht neu, aber immer wieder im Sinne des steten Tropfens erwähnenswert und publizierungswürdig. Zitieren möchte ich eine Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer:

Um unsere digitale Souveränität zu gewährleisten, wollen wir Abhängigkeiten zu einzelnen IT-Anbietern verringern. … Außerdem prüfen wir Alternativ-Programme, um bestimmte Software ersetzen zu können. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Ländern sowie der EU.“

über Marktanalyse: Microsoft-Abhängigkeit führt zu „Schmerzpunkten“ beim Bund | heise online

In diesem Zusammenhang muss man  man leider auch auf den Bericht des Bundesrechnungshofs zur Modernisierung der Bundes-IT verweisen, der nicht gerade Hoffnung macht, Seehofer-Aussage hin oder her:

 

Ich bin skeptisch, ob der Worte von Horst Seehofer bald auch wahrnehmbare Taten folgen. Die Lobbyisten sind sicher im Hintergrund am würgen, äh wirken.

(Stefan Pfeiffer)

Was soll ich als Überschrift wählen oder von Open Source, Kapitalismus, Github, Microsoft und überhaupt

18. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Tage hatte ich im IBM Livestudio während der Think at IBM eine Diskussion zum Thema Freier Code für freie Bürger organisiert. Es ging darum, ob und warum in der öffentlichen Verwaltung nicht viel mehr auf Open Source-basierende Lösungen eingesetzt werden. Michael Seewald „pöbelte“ (eigener O-Ton) gegen Poltik und Anbieter proprietärer Software wie auch IBM herum.

Irgendwie fühl(t)e ich mich da als jemand, der bei IBM arbeitet, aber wie viele Kolleginnen und Kollegen durchaus den Sinn vom Open Source-Lösungen einsehen, ja promoten, schon ein wenig angegriffen und über einen Kamm geschert, gerade mit einer Microsoft, die ja erst seit vergleichsweise kurzer Zeit versucht, auf den Open Source-Zug aufzuspringen. Schon vor der angekündigten, geplanten Übernahme von Red Hat gab es eine lange Historie der IBM, in der man aktiv und mit Personal in der Open Source-Szene mitarbeitet und Code beisteuert.

Doch die Geschichte geht weiter: Auf heise online bin ich jetzt auf den Beitrag von Timo Daum gestoßen, der anhand der Übernahme von Github durch Microsoft darzulegen versucht, wie subversive Technologien wie Github von Unternehmen absorbiert und kommerzialisiert werden. Im Falle von Github verleibe sich ein Großkonzern das hehre „soziale Netzwerk für Entwickler“ ein. Und natürlich wird nach den Motiven geforscht. LautArtikel wolle man kein Geld mit Hosting verdienen. Den Image-Gewinn – („Opens Source Washing“ genannt) nehme man natürlich gerne mit. Vor allem aber wolle man seine Präsenz in der Cloud über Entwickler stärken und so weg vom klassischen Software-Geschäft und hin zur Plattform-Ökonomie. Und dann seien es natürlich die Daten, die Microsoft gewinne:

Die Millionen Coder und ihre Repositorien sind eine unerschöpfliche Quelle für Metadaten. Wer arbeitet mit welchen Tools an welchen Projekten in welchen Branchen? Solche und ähnliche Fragen kann GitHub mit einer weltweit konkurrenzlosen Datenbasis beantworten. … Und im Ergebnis ist ein Lieblingsprojekt partizipatorischer Code-Entwicklung zu einem Big-Data-Pool eines Digitalkonzerns geworden.

über Missing Link: Technologie-Rekuperation, oder: Wie subversive Technologien absorbiert werden | heise online

Der widerwärtige Kapitalismus verleibt sich – ich drücke es bewusst flapsig aus – Open Source (und immer wieder andere „gute Technologien“ ein), diese gehen den Bach runter und der Kapitalismus geht nur noch gestärkter hervor. So ganz kann ich der Argumentation von Timo Daum in seinen einzelnen Facetten nicht folgen (oder ich verstehe es nur nicht).

Sicher ist wahr, dass (gerade quartalsorientiertem börsennotierte) Unternehmen immer einen kommerziellen Zweck verfolgen, wenn sie eine solch signifikante Akquisition tätigen. Das gilt für Microsoft ebenso wie für meinen Arbeitgeber IBM, der ja die Übernahme des Open Source-Unternehmens Red Hat – Slogan We make open source technologies for the enterprise – anstrebt. Auch hier werden wie im Falle Github und Microsoft der IBM entsprechende Motive unterstellt, die ich als IBM-Mitarbeiter aus rechtlichen Gründen nicht kommentieren darf.

Nun bin ich auch jemand, der gerne gegen Microsoft argumentiert, „pöbelt“, gar polemisiert, weil ich deren Monopol(e) an verschiedenen Stellen – zentral Microsoft Office in all seinen Schattierungen mit Excel-zessen und Powerpoint-Mania* – für gefährlich und für uns alle für zu teuer halte, besonders, wenn man sich die entsprechenden Ausgaben der öffentlichen Hand ansieht. Ich möchte auch Microsoft beileibe nicht verteidigen, trotzdem oder gerade deshalb glaube ich, dass wir zu einer differenzierteren Betrachtung kommen müssen, beim Thema Open Source und darüber hinaus. Da kann die Kritik zum Beispiel an Microsoft, die im Gegensatz zu Amazon, Facebook oder Google oft unter dem öffentlichen Anprangerungsradar fliegen, durchaus sogar noch härter ausfallen.

Persönlich habe ich den Eindruck, dass leider oft in den Diskussionen Dinge durcheinander geworfen, und über einen Kamm geschert werden. Der von mir zitierte Michael Seemann hat gefordert, dass „der Staat“ Open Source als Plattform betreiben solle und müsse. Hört sich gut an und ich habe zustimmend gebloggt. Doch wer ist „der Staat“? Ist es der Bund? Sind es bestimmte Ministerien? Sind es Länder und Kommunen? Genau daran entzündete sich dann in unserem Talk im Livestudio eine durchaus kontroverse Diskussion.

Und man muss weiter differenzieren: Open Source – das Konzept unterstütze ich voll – heißt ja auch nicht automatisch kostenlos. Es heißt erst einmal, dass der Quelltext öffentlich und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann. Meistens  – nicht immer – kann Open Source-Software „für umme“ genutzt werden. Ein klassisches Beispiel ist Libre Office, eine Alternative zu zentralen Komponenten von Microsoft Office. Jedoch kosten oft nicht nur Dienstleistungen rund um die Produkte meist durchaus Geld. Und das ist auch aus meiner Sicht generell absolut in Ordnung.

Man wird meiner Ansicht nach genau verfolgen müssen, was beispielsweise eine Microsoft mit Github macht, wie es kommerziellen Nutzen darauf zieht, welche Folgen sich daraus ableiten. Man wird ein Satya Nadella ebenso wie andere Unternehmensführer, die entsprechende Übernahmen tätigen, an ihren Worten und vor allem Taten messen müssen. Und nicht unterschätzen sollte man auch die Widerstandskräfte „im Netz“. Nur zu schnell entstehen auch alternative Bewegungen, die manchen noch so schönen Plan zunichte machen können. Vor allem müssen wir uns aber wohl die Mühe machen, auch solche Übernahmen wie auch das Thema Open Source differenziert zu betrachten. Anprangern und „rumpöbeln“ sind erlaubt und erwünscht, aber es braucht dann auch die nächsten Schritte.

(Stefan Pfeiffer)

* Der Fairness halber: Für die Excel-zesse und Powerpoint-Orgien ist Microsoft nicht verantwortlich zu machen. Da gibt es andere „Schuldige“.

Bookmark: IBM Preparing For The Next Chapter In Cloud | Seeking Alpha

11. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Interesting analysis and summary on the strategy of IBM. My quote based on a discussion I had last week during Think at IBM on Open Source in German and European Government with Saskia Esken, Michael Seemann, Peter Ganten and Stephan Dörner (in German language). It became obvious to me, that it is not known enough, that IBM is contributing to Open Source and projects like Libre Office since years and is therefore in my opinion not at the same „level“ like other companies much more focusing on proprietary software. With the acquisition of Red Hat this becomes even more important for IBM.

It’s important to note that IBM already is committed to open-source projects and the company allows combining its cloud services with open-source tools. However, it hasn’t managed to build sales and revenue momentum that Red Hat has enjoyed with open-source products. The Red Hat acquisition gives the company an even richer portfolio of open-source tools and services to help its clients achieve digital transformation.Among the popular Red Hat products, OpenShift will provide the greatest advantage to IBM because the tool allows developers to create, test and run applications in a multi-cloud environment. In addition, OpenShift is used by more than 1,000 enterprise customers around the globe and cloud providers like Microsoft, Amazon, Google and Alibaba (NYSE:BABA) utilize OpenShift in combination with their cloud platforms to enable hybrid cloud computing.

über IBM: Big Blue Preparing For The Next Chapter In Cloud – International Business Machines Corporation (NYSE:IBM) | Seeking Alpha

* Disclaimer: I am working for IBM as most readers of this blog know.

(Stefan Pfeiffer)

Weiter aktuell: Das Magazin vom 6. Juni mit Oliver und Gunnar in Marzahn, dem Sicherheitslaster CTOC und #FreierCode für freie Bürger

7. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Auf dem Rückweg von Berlin schaffe ich es jetzt endlich, auch hier das gestrige Magazin mit einer Vielzahl interessanter Themen zu publizieren. Gunnar hat mit meinem Kollegen Oliver Hüfner eine mit dem Malteser Hilfsdienst entwickelte altersgerechte Musterwohnung in Marzahn besucht, ein hochaktuelles Thema sowohl unter sozialen wie auch finanziellen Aspekten. Er wird auch noch eine ausführlichere Version des Beitrags für Euch schneiden. Lars hat wichtigen Aussagen der lebhafte Podiumsdiskussion zum Thema Freier Code für freie Bürger zusammengeschnitten – und mich dabei herausgeschnitten. Ich bin jetzt schon ein bisschen nachdenklich, was das bedeuten könnte.

Und daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Impressionen zum Beispiel vom Security Summit und dem X-Force Command Cyber Tactical Operations Center, kurz CTOC, dem mobilen Sicherheitszentrum, das sich in einem Truck befindet. Hoffentlich haben wir Euch auch den Mund wässrig gemacht auf weitere Beiträge, die wir heute aufnehmen beziehungsweise aufgenommen haben: Wir besuchen den Parfumeur Marc vom Ende von Symrise, der mit Unterstützung künstlicher Intelligenz neue Düfte kreiert. Im Bikini bauen/bauten am 7.Juni 300 Schüler Wettersensoren und verteilen sie in der Stadt, um die Luftqualität zu messen*.

Bei der We Are Developers-Konferenz wird das Projekt und der Call for Code mit dem UN Office für Human Rights vorgestellt, in dem IT-Lösungen entwickelt werden, die Menschen im Fall von Naturkatastrophen helfen sollen. Am 15. und 16. Juni gibt es dazu auch einen Hackathon während der Think at IBM. Wir hoffen, dass noch viele Entwickler bei diesem sozialen Projekt mitmachen. Und hoffentlich schafft es Sascha Pallenberg ins Bikini, um mit uns über den Chatbot Ask Mercedes zu sprechen. All diese Beiträge werden die Tage geschnitten und gehen dann neben anderem Material live.

Unsere nächsten Magazine senden wir dann jeweils dienstags am 11. Juni, 18. Juni und am 25. Juni. Natürlich werden zwischendurch auch einzelne Berichte publiziert. Also dran bleiben. Es lohnt sich

(Stefan Pfeiffer)

* Über 200 Schülerinnen und Schüler haben in Teams selbst einen Umweltsensor zur Messung von Temperatur, Feuchtigkeit und Feinstaub aus einfachen Bauteilen gebaut und gelernt, sie sinnvoll aufzustellen und auf der Online-Plattform luftdaten.info einzuhängen. Die so anfallenden Daten können dann später im Unterricht mit Verkehrs- und Wetterdaten verbunden werden und bieten Grundlage für die Auseinandersetzung mit IoT, BigData und Citizen Science an einem konkreten, aktuellen Beispiel.

 

Freier Code für freie Bürger: Ohne eine starke Lobby wird Open Source in der öffentlichen Verwaltung nicht vorankommen

6. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Freier Code für freie Bürger – das war das Thema unserer Podiumsdiskussion am 5. Juni. Mein Zwischenfazit: Alle Diskussionsteilnehmer sind dafür, aber über den Weg zu mehr Open Source in der öffentlichen Verwaltung herrscht weiter Unklarheit. Michael Seemann fordert, dass „der Staat“ Betreiber einer Open Source-Plattform werden solle. Doch wer ist „der Staat“? Es gibt keine Weisungsbefugnis des Bundes, wie Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD, feststellte und sie verteidigte auch die föderalen Strukturen.

Doch meiner Ansicht werden wir im Thema nicht wirklich deutlich vorankommen, wenn es nicht deutlich sichtbar und vernehmbar vorangetrieben wird. Ob das nun ein Zusammenschluss von Ministerien wäre oder aber ob ein/e Digitalminister/in dafür eintritt und Länder und Kommunen hinter sich schart. Vielerlei Konstellationen sind denkbar. Sicher reicht eine reine Absichtserklärung in einer Koalitionsvereinbarung nicht, wie sich gerade wieder zeigt. So wird weiter „Business as usual“ gemacht, Verträge mit Anbietern proprietärer Software in dreistelliger Höhe geschlossen, statt die deutsche oder europäische Software-Industrie zu fördern und dort Arbeitsplätze zu schaffen, wie es auch Peter Ganten feststellte.

Ich glaube, dass Open Source in der öffentlichen Verwaltung eben auch Öffentlichkeit, ja eine Lobby braucht. Nur im Hintergrund werkeln, punktuell ein erfolgreiches Projekt durchführen und dann auf eine Sogwirkung hoffen – wird  das wirklich genügen? Ich habe da meine Zweifel. Ohne diese Lobby, ohne starken Druck oder besser eine starken Sog wird das Thema in der öffentlichen Verwaltung und darüber hinaus nicht vorankommen.

Herzlichen Dank an alle Diskussionsteilnehmer, die unkompliziert zugesagt und engagiert diskutiert haben: Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD, Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business Allianz, Michael Seemann, Blogger, und Moderator Stephan Dörner von t3n. Hat sehr viel Spaß mit Euch gemacht und ich hoffe, dass wir gemeinsam am Thema dran bleiben.

(Stefan Pfeiffer)

 

Evening Talk am 5. Juni um 18 Uhr: „Freier Code für freie Bürger“ oder es läuft nicht gut mit Open Source in der öffentlichen Verwaltung – #Livestudio

3. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ende April habe ich hier im Blog schon über die Initiative „Freier Code für freie Bürger“ geschrieben.

Behörden, staatliche Forschungseinrichtungen, Kommunen – sie alle lassen Software aus Steuermitteln erstellen. Was die Allgemeinheit finanziert, sollte ihr auch gehören …

über Sascha Lobo und breites Bündnis fordern: „Freier Code für freie Bürger“

So fordern t3n, Branchenvertreter und Politiker. Dies wird auch am 5. Juni um 18 Uhr Thema bei einem von Stephan Dörner, dem Chefredakteur von t3n moderierten Evening Talk, im Livestudio der Think at IBM. Zu dem Talk kommen Saskia Esken, Bundestagesabgeordnete der SPD (hoffentlich klappt das trotz der derzeitigen Wirrungen) und Michael Seemann, bekannter Blogger und (ich muss das Wort jetzt verwenden, weil es ja so hipp ist) Influencer sowie Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business Alliance. Seitens der IBM wird Martin Schwidefsky aus dem IBM Labor in Böblingen sehr viel technische und praktische Expertise einbringen.

Das Thema ist sicher nicht neu, aber ungemein schwierig durchzusetzen. An mancher Stelle wird das Rad unverständlicherweise gar zurückgedreht.

Es läuft gerade nicht sonderlich gut für Linux in der öffentlichen Verwaltung. Erst das Auswärtige Amt, dann München und nun Niedersachsen. Begonnene oder bereits abgeschlossene Migrationen auf Linux werden rückgängig gemacht. Gegenbewegungen wie in Schleswig-Holstein sind vorerst nur Luftschlösser.

über Kommentar: Niedersachsen gibt Linux auf – [Mer]Curius – Datenschutz im digitalen Alltag

Da kann ein Michael Seemann fordern, dass der Staat, Deutschland und Europa, Open Source-Plattformbetreiber werden soll, die Mühlen mahlen anders. Vor allem scheint bei den Entscheidern der politische Wille zu fehlen, sich von der Abhängigkeit von US-amerikanischen Konzernen zu befreien. „Einfach Abgeordnete“ unterstützen Initiativen wie „Freier Code für freie Bürger“ – die Liste der Unterstützer findet Ihr hier  -, die „Digitalministerin“ Doro Bär tritt lieber bei Microsoft auf oder nimmt einen Drink bei Google. Die Lobbyarbeit funktioniert offensichtlich zu gut.

Ein wenig böse und ungerecht. Natürlich können, dürfen, ja sollen Politiker durchaus auf solchen Veranstaltungen auftreten. Sie sollten aber auch ihrer Verantwortung für Steuergelder und für die Konkurrenzfähigkeit der europäischen und deutschen Digitalwirtschaft gerecht werden.

Ich freue mich auf die Diskussion am 5. Juni. Gerne könnt Ihr uns auch Eure Fragen schicken, die wir an die Diskutanten weiterleiten werden!

(Stefan Pfeiffer)

Evening Talk am 5. Juni um 18 Uhr: „Freier Code für freie Bürger“ oder es läuft nicht gut mit Open Source in der öffentlichen Verwaltung – #Livestudio

3. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ende April habe ich hier im Blog schon über die Initiative „Freier Code für freie Bürger“ geschrieben.

Behörden, staatliche Forschungseinrichtungen, Kommunen – sie alle lassen Software aus Steuermitteln erstellen. Was die Allgemeinheit finanziert, sollte ihr auch gehören …

über Sascha Lobo und breites Bündnis fordern: „Freier Code für freie Bürger“

So fordern t3n, Branchenvertreter und Politiker. Dies wird auch am 5. Juni um 18 Uhr Thema bei einem von Stephan Dörner, dem Chefredakteur von t3n moderierten Evening Talk, im Livestudio der Think at IBM. Zu dem Talk kommen Saskia Esken, Bundestagesabgeordnete der SPD (hoffentlich klappt das trotz der derzeitigen Wirrungen) und Michael Seemann, bekannter Blogger und (ich muss das Wort jetzt verwenden, weil es ja so hipp ist) Influencer sowie Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business Alliance. Seitens der IBM wird Martin Schwidefsky aus dem IBM Labor in Böblingen sehr viel technische und praktische Expertise einbringen.

Das Thema ist sicher nicht neu, aber ungemein schwierig durchzusetzen. An mancher Stelle wird das Rad unverständlicherweise gar zurückgedreht.

Es läuft gerade nicht sonderlich gut für Linux in der öffentlichen Verwaltung. Erst das Auswärtige Amt, dann München und nun Niedersachsen. Begonnene oder bereits abgeschlossene Migrationen auf Linux werden rückgängig gemacht. Gegenbewegungen wie in Schleswig-Holstein sind vorerst nur Luftschlösser.

über Kommentar: Niedersachsen gibt Linux auf – [Mer]Curius – Datenschutz im digitalen Alltag

Da kann ein Michael Seemann fordern, dass der Staat, Deutschland und Europa, Open Source-Plattformbetreiber werden soll, die Mühlen mahlen anders. Vor allem scheint bei den Entscheidern der politische Wille zu fehlen, sich von der Abhängigkeit von US-amerikanischen Konzernen zu befreien. „Einfach Abgeordnete“ unterstützen Initiativen wie „Freier Code für freie Bürger“ – die Liste der Unterstützer findet Ihr hier  -, die „Digitalministerin“ Doro Bär tritt lieber bei Microsoft auf oder nimmt einen Drink bei Google. Die Lobbyarbeit funktioniert offensichtlich zu gut.

Ein wenig böse und ungerecht. Natürlich können, dürfen, ja sollen Politiker durchaus auf solchen Veranstaltungen auftreten. Sie sollten aber auch ihrer Verantwortung für Steuergelder und für die Konkurrenzfähigkeit der europäischen und deutschen Digitalwirtschaft gerecht werden.

Ich freue mich auf die Diskussion am 5. Juni. Gerne könnt Ihr uns auch Eure Fragen schicken, die wir an die Diskutanten weiterleiten werden!

(Stefan Pfeiffer)

Politiker und Vordenker der Digitalwirtschaft und -gesellschaft unterstützen t3n-Kampagne „Freier Code für freie Bürger“ – Nur die „Prominenz“ fehlt … #FreierCode

25. April 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Thema ist nicht neu, aber ungemein schwierig durchzusetzen. Nicht nur Michael Seemann fordert(e), dass der Staat, Deutschland und Europa, Open Source-Plattformbetreiber werden sollten:

Der Staat muss sich mit der Open Source Bewegung kurzschließen, um selber Plattformanbieter zu werden.

… Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass Open Source, offene Standards und dezentrale/distributed Service Ansätze das Einzige sind, was die Macht kommerzieller Plattformen – wenn nicht bedrohen, aber immerhin in Schach halten können. Oder könnten.

via Vorschlag: Open Source als Plattformpolitik | ctrl+verlust

Staat und öffentliche Verwaltung sollten in Software-Lösungen investieren, die auf dem Open Source-Prinzip basieren, statt US-amerikanischen Konzernen dreistellige Millionenbeträge – jetzt gerade bis Mai 2019 250 Millionen an Microsoft – zu überweisen. Schlimmer noch:

Die Bundesregierung hat auch im Jahr 2019 kein einheitliches Bild davon, wie viel Geld sie für Software-Lizenzen ausgibt.

über Regierung steckt im Microsoft-Dilemma – Der Tagesspiegel – Blendle

Der linke Haushaltspolitiker Victor Perli wird vom Tagesspiegel zitiert:

Was macht der Bund eigentlich, wenn Microsoft die Lizenzgebühren verdoppelt? Dann gibt es keine Alternative und der Steuerzahler ist der Dumme.

Die Lobbyarbeit scheint gut zu funktionieren, denn dort, wo die Entscheidungen getroffen werden, verhandelt man gerade einen neuen Vertrag mit Microsoft … Da hilft es dem Steuerzahler dann auch wenig, dass sich Microsoft immer mehr zu Open Source bekennt. Das Geld der Bürger wird trotzdem in erklecklicher Höhe abgedrückt.

Nun hat t3n die Kampagne „Freier Code für freie Bürger“ gestartet, der sich namhafte Vertreter aus Digitalwirtschaft und Politik angeschlossen haben.

In der Liste der Unterstützer findet Ihr hier neben Protagonisten wie Sascha Lobo oder Markus Beckedahl Vertreter aus fast allen Parteien. Doch es fehlen mir Vertreter, die in Verantwortung stehen, wie eine Doro Bär oder ein Peter Altmaier. Die findet man dann eher auf den Veranstaltungen von Microsoft.

Böse. Ok, mag sein. Vielleicht auch ein bisschen ungerecht. Natürlich können, dürfen, ja sollen Politiker durchaus auf solchen Veranstaltungen auftreten. Sie sollten aber auch ihrer Verantwortung für Steuergelder und für die Konkurrenzfähigkeit der europäischen und deutschen Digitalwirtschaft gerecht werden. In dieses Horn stoßen gerade auch viele Unternehmer wie Peter Ganten, CEO bei Univention und Chairman der Open Source Business Alliance, Rafael Laguna, CEO von Open-Xchange, oder Frank Karlitschek, Gründer von Nextcloud, der von t3n wie folgt zitiert wird:

Es ist wichtig, dass Deutschland und Europa in der Digitalisierung den Anschluss an die USA und China nicht verlieren. Freie Software ist das optimale Werkzeug, um die lokale Software-Industrie zu unterstützen und Vendor-Lock-ins zu vermeiden.

über Sascha Lobo und breites Bündnis fordern: „Freier Code für freie Bürger“

Open Source heisst übrigens nicht „für umme“ oder dass man damit kein Geld verdienen kann. Open Source bedeutet vor allem, dass der Code frei einsehbar, frei verbreitbar, nutzbar und veränderbar, also transparent ist. Open Source-basierende Lösungen gelten auch als sicherer im Vergleich zu proprietärer Software, da der Code offen liegt, Sicherheitslücken im „Viele-Augen-Prinzip“ meist schneller entdeckt und geschlossen werden.

t3n ruft in seiner Kampagne „Freier Code für freie Bürger“ zur Unterzeichnung der Petition „Public Money, Public Code” auf und ermutigt dazu, unter dem Hashtag #FreierCode in sozialen Medien entsprechend aktiv zu werden! Wir werden das Thema sicher auch ab 20. Mai im Livestudio auf der Think at IBM in Berlin behandeln, aus eigenem Interesse an der Thematik und weil natürlich Open Source für meinen Arbeitgeber IBM traditionell wichtig ist und durch die geplante Übernahme von Red Hat noch wichtiger werden dürfte.

Schließen möchte mit einem knackigen Statement von Sascha Lobo:

Open Source ist nichts anderes als der nichtkommerzielle Teil der digitalen Gesellschaft. Wenn der Staat das nicht stützt, kann er im 21. Jahrhundert das Grundgesetz auch gleich an die Facebook-AGB koppeln.

über Sascha Lobo und breites Bündnis fordern: „Freier Code für freie Bürger“

(Stefan Pfeiffer)

Keine Milchkanne mit Betriebssystem Windows 10 oder kommunale IT-Dienstleister fordern mehr Unabhängigkeit von Microsoft

5. März 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Fortschreibung der „never ending Story“ oder ewig grüßt das Murmeltier oder von der Abhängigkeit von Microsoft gerade auch in der öffentlichen Verwaltung. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Digitalexperten von Städten und Gemeinden berichtet in ihrer Hauszeitschrift Vitako aktuell über die Digitale Souveränität und kommt auch zu hier im Blog – zuletzt zu Die Bundesregierung weiß nicht, wie viel Geld sie für Software-Lizenzen (besonders von Microsoft) ausgibt – schon oft zitierten Ergebnissen von Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung bis zum Verlust der digitalen Souveränität. Die nochmals aufzuzählen, darauf verzichte ich. Jedoch möchte ich Ralf Resch, Vorsitzenden der Vitako, wie folgt zitieren:

Es wäre illusorisch, die marktbeherrschende Stellung von Microsoft-Produkten in der öffentlichen Verwaltung von heute auf morgen einstellen oder umgehen zu können. Zwar gibt es gut funktionierende Alternativen im Open-Source-Bereich. Doch jede Migration ist ein mutiger Schritt, …

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Abhängigkeiten einzuschränken beziehungsweise besser zu verteilen. …

Vitako fordert vor diesem Hintergrund industriepolitische Initiativen, die dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern.

Womit wir wieder beim politischen Willen und dem bisherigen politischen Versagen sind, sich zumindest partiell aus der Abhängigkeit zu lösen. Das Magazin kann hier als PDF heruntergeladen werden. Und es gibt auch einen Bericht auf heise online: Digitale Souveränität: Kommunale IT-Dienstleister rebellieren gegen Microsoft | heise online.


Dazu noch einige passend oder auch von manchen als unpassend empfundenen Zitate und Tweets, die ich sukzessive ergänzen werde:

  • Rafael Laguna, Chef von Open Exchange, fordert eine gemeinsame Anstrengung der europäischen Internet- und Softwareindustrie und sieht dabei Europas Internet-, Kabel- und Telekommunikationsanbieter als entscheidend an. Ich habe dazu schon ergänzt, dass es vor allem auch des politischen Willens bedarf.
  • Wir als eines der führenden Länder dieser Welt müssen aber den Anspruch haben, etwa bei der Digitalisierung und der Plattform-Ökonomie ganz vorne dabei zu sein. …
    Ich kann mir vorstellen, dass wir in Europa eine Art Airbus der künstlichen Intelligenz etablieren.

    so Peter Altmaier fordert europäischen Digitalkonzern – Politik – Berliner Morgenpost

Europas Internet-, Kabel- und Telekommunikationsanbieter entscheidend für Emanzipation von Facebook & Co.?

1. März 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Rafael Laguna, Gründer von OpenExchange, der gerade angekündigt hat, das E-Mail-Protokoll IMAP um Chatfunktionen aufzubohren und so WhatsApp & Co Paroli zu bieten, hat auf t3n einen Kommentar veröffentlicht. Er will, dass …

Um unser Schicksal jedoch wieder in die eigene Hand zu nehmen, braucht es eine gemeinsame Anstrengung der europäischen Internet- und Softwareindustrie.

über Europas Weg zwischen Überwachungs-Kapitalismus und -Kommunismus

Unter Open Source geschriebener Quellcode könne für Transparenz, Sicherheit und Vertrauen sorgen. Es gebe Hoffnung. Und er setzt dabei auf … meine Augen sind geblendet:

Entscheidend für den Erfolg dieser Idee sind für mich Europas Internet-, Kabel- und Telekommunikationsanbieter. Im Moment laufen sie Gefahr, zu einem austauschbaren Lieferanten zu werden, …

über Europas Weg zwischen Überwachungs-Kapitalismus und -Kommunismus

Warum kann ich diesen Optimismus nicht teilen? Schnarchnasige Telekommunikationsanbieter – zumindest nehme ich die „Großen“ so wahr -, die die Kunden/-innen mit überhöhten Preisen „abzocken“ – man vergleiche deutsche Telekommunikationspreise mit anderen Ländern – sollen zu Heilsbringern und weißen Rittern werden? Schaut man sich die technologische Innovationskraft und Produkte einer Telekom in den vergangenen Jahrzehnten an, so habe ich da meine Zweifel. Eher eine Geschichte des Scheiterns. Ich hoffe, ich liege falsch, denke aber immer noch dass „die Politik“ führen, ordnen und voran schreiten muss. Allein auch da fehlt mir der Glaube. Doch gut, wir geben nicht auf.

Antwort auf WhatsApp? Chatten über IMAP: „Wir machen das jetzt einfach mal“ – Rafael Laguna

25. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Fast martialisch titelt LEAD „Der deutsche Angriff auf WhatsApp“ und auch die Süddeutsche greift das Thema auf: Der deutsche Unternehmer Rafael Laguna will die hier im Blog oft kritisierte Dominanz insbesondere von Facebook mit seinen Diensten WhatsApp – das gerade 10 Jahre alt wird und wo die Visionen der Gründer den Bach runter gegangen sind – und Facebook Messenger etwas entgegensetzen. Sein Plan ist es, das Internet Message Access Protocol (IMAP) so aufzubohren, dass darüber auch Chats abgewickelt werden könnten.

Laguna ist Chef der Firma Open-Xchange, deren Software „Dovecot“ von vielen großen Anbietern – z.B. von 1&1 oder Telekom – genutzt wird. Wenn ein E-Mail-Anbieter IMAP als Protokoll nutzt ist die sogar die Chance groß, dass Dovecot die Basis ist. Weltweit laufen wohl drei Viertel aller IMAP-Server auf dieser Basis.

Laguna will dieses Protokoll mit COI „Chat over IMAP“ so aufbohren, dass darüber eben Chat-Dienste à la WhatsApp aber auch Unternehmenslösungen à la Slack betrieben werden könnten. Die Ziele sind hoch:  Die Lösung soll quelloffen (Open Source), komfortabel und ohne das Ausforschen seiner Nutzer auskommen. Vor allem könne die Lösung bei allen Anbietern laufen, die mitmachten. Dies würde dazu führen, dass die Daten eben nicht nur bei einem Anbieter zusammen laufen würden.

„Wir machen das jetzt einfach mal“, so zitiert die Süddeutsche Laguna. Ich bin gespannt, werde das sicherlich weiter verfolgen und hoffe, dass nicht wieder ein lobenswerter Ansatz im Sande verläuft. Die Basis, auf der gestartet wird, ist auf jeden Fall durch die Verbreitung mit IMAP deutlich besser. Und das Ziel ist ehrgeizig, denn …

WhatsApp ist Mainstream und Ersatz für Telefonate, E-Mails oder gar persönliche Gespräche geworden.

über WhatsApp wird 10: Wie ein Messenger die Welt eroberte | heise online

Ich gebe auch zu, dass ich zucke, denn alle Nachrichten sollen wohl in der E-Mail zusammenlaufen: Ein Leben außerhalb des E-Mail-Posteingangs. Living outside the inbox. An dieses Postulat meines von mir sehr geschätzten ehemaligen Kollegen Luis Suarez muss ich denken. Wie oft habe ich hier im Blog schon über ein Leben mit weniger E-Mail geschrieben und Werkzeuge, die besser zur Zusammenarbeit geeignet sind. Aber vielleicht klingt es ja dem ein oder anderen Anbieter auf der Basis von IMAP und Chat over IMAP Lösungen zu bauen, die Kommunikation, Teilen und Zusammenarbeit intelligent abbilden. Ich bin sehr gespannt und vielleicht gelingt es uns ja, Rafael Laguna zu einem Gespräch auf CIOKurator.com zu gewinnen.

(Stefan Pfeiffer)