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Ja, wir brauchen Solidarität mit Politikern, die Flagge zeigen, aber wir brauchen noch viel mehr – Replik auf Gustav Seibt

21. Juni 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit als freier Journalist bei der WNZ, wo ich das Handwerk lernte und mir einige Mark dazu verdiente. Nach kurzer Zeit lernte ich die Lokalpolitiker und deren Alltagsgeschäft näher kennen. Mehrere Abende – meist am Freitag oder Wochenende – habe ich den damaligen Landrat Gerhard Bökel quasi verfolgt … von einer Karnevalssitzung zur nächsten. Drei oder vier Sitzungen haben wir gemeinsame besucht. Eigentlich hätten wir ein Auto nehmen können.

Oder ich habe über die Lokalpolitik in meinem Heimatort –  4 Orte, die zu einer Stadt zusammengeschlossen wurden – berichtet und beobachtet. Sehr oft ging es dort doch nach dem Motto, wenn Du dem Bau des Sportplatzes in Ort A zustimmst, bekommt Ort B im kommenden Jahr das Feuerwehrhaus durchgewunken. Persönlicher Höhepunkt war dann vor einer Kommunalwahl, als Vertreter dreier unterschiedlicher Parteien mich fragten, ob ich nicht für sie kandidieren wolle.

Lokalpolitik ist auch hartes Brot. Man lernt das Geben und Nehmen und die Kunst des politischen Kompromisses, auch etwas die Interessenpolitik und das Geschachere. Doch Lokalpolitik ist notwendig. Man ist ganz nahe am Bürger und kann direkt vor Ort wirken und auch Ergebnisse sehen. Wie viele andere habe ich mich aber nicht durch gerungen, mich lokal in der Politik und in einer Partei zu engagieren. Vielleicht habe ich mich als zu gut dafür gehalten oder manche Kleingeisterei hat mich abgeschreckt. Ist jetzt auch egal.

Was nicht erst seit dem Mord an Lübcke erschreckend ist, ist jedoch, dass Lokalpolitiker/innen und Politiker/innen generell mit Schmutz beworfen, nicht mehr nur verbal sondern auch real angegriffen werden. Gustav Seibt – deutscher Historiker, Literaturkritiker, Schriftsteller und Journalist – hat das Thema in der Süddeutschen Zeitung in einem ausführlichen Artikel aufgegriffen.

An der Basis ist unser politisches System ziemlich wehrlos. Sollen sich Bürgermeister und Landräte nicht mehr auf Dorffeste trauen können, wenn sie Entscheidungen treffen, die einem radikalisierten Teil der Bürgerschaft nicht gefallen? Das hätte verheerende Folgen fürs Funktionieren von Politik und kommunaler Selbstverwaltung.

Er schließt seinen Beitrag mit folgendem Satz:

Wenn Politiker vor Ort bedroht, gar ermordet werden, wenn die Grundvoraussetzung der Ordnung, das staatliche Gewaltmonopol herausgefordert wird, dann ist es Zeit für eine Solidarität, die sich nicht im Symbolischen erschöpft.

über Kriminalität: Und wenn keiner mehr den Job machen will? – Kultur – Süddeutsche.de

Das kann ich nur unterschreiben. Und es gilt nicht nur für Politiker/innen, sondern auch für  Meinungsführer/innen und Journalisten/innen wie eine Ferda Ataman oder eine Dunya Hayali. Das sollte nicht sein. Das kann nicht sein. Da muss man sich solidarisch erklären und das auch bekunden. Und die Angriffe müssen auch strafrechtlich verfolgt werden.

Ich persönlich weiß nicht, ob ich diese Art und den Ton der verbalen Anfeindungen, der Gossensprache und des blanken Hasses und der Dummheit ertragen könnte und wie schnell ich in meiner Höhle verschwinden, in meiner Privattheit abtauchen und mich zurückziehen würde. Ich kann nochmals den Hut vor allen ziehen, die Flagge zeigen und gegen halten.

Doch wie erklärt man sich solidarisch? Wie zeigt man Flagge? Gustav Seibt als ein klassischer Vertreter seiner, äh meiner Generation fordert dazu auf, in die Parteien zu gehen und sich dort zu engagieren. Sich nur mal im Netz und in den sozialen Medien zu äußern, reiche nicht aus, ja sei nur eine Art Symbolik und Ersatzpolitik, Das florierende Genre der Social-Media-Kritik kennzeichnet er als hinterwäldlerisch.

Na ja, umgedreht sehe ich in diesen Aussagen von Seibt auch etwas Hinterwäldlerisches. Gerade meine, unsere Generation, auch die politischen Parteien haben noch immer nicht verstanden, dass „das Netz“ in all seinen negativen wie auch positiven Ausprägungen heute politische Realität und auch Ort der politischen Manifestation und Bildung von Meinung ist. Die Meinungsmacht verlagert sich langsam aber sicher ins Netz, wie eine aktuelle Studie gerade (wieder) bestätigt. Das sollte man einfach so abtun, schlecht reden, sondern vielmehr überlegen, wie man „das Netz“ für demokratische Kräfte zurückerobert und in den politischen Diskurs konstruktiver integriert.

Politische Meinungsbildung findet heute nicht mehr nur in der Süddeutschen, FAZ oder in der BILD statt. Es reicht nicht mehr nur, seine Birne in die Fernsehkameras von ARD und ZDF zu halten und damit hat man „die Wähler“ erreicht. „Das Netz“ ist gerade bei den Jüngeren gesetzt. Und Ihr ewig Gestrigen seht das endlich mal ein und lasst uns gemeinsam die Chancen ergreifen und die Auswüchse konsequent bekämpfen! Wir dürfen „das Netz“ nicht der AfD, anderen politisch extremen Strömungen oder auch Datenkraken und -monopolen überlassen. Dort, im Netz, entscheidet sich einer großer Teile unserer politischen Zukunft.

Und den Ausspruch und die Aufforderung mal brav wieder in Parteien zu gehen und sich dort zu engagieren, kann ich persönlich zugegebenermaßen auch kaum noch hören. Bis auf eine Partei, die gerade „ge-hyped“ wird und deren Mitglieder und Politiker bald in der regierenden Realpolitik harten Herausforderungen an ihr Selbstverständnis begegnen werden, stoßen mich (und viele andere) die etablierten Parteien immer wieder und sehr konsequent ab. Klöckner und Nestlé oder Unionsfreund Scheuer und seine Verschwörungstheorien sind ebenso abtörnend wie das Versagen in der SPD oder die wirren neoliberalen Sprüche von Politikprofi Lindner.

Wenn Parteien wieder mehr Mitglieder haben wollen, müssen sie sich ändern, im Verhalten ihrer Führungsspitze, wie auch in den Möglichkeiten, sich gegenüber politisch Interessierten zu öffnen und diese in Diskussionen einzubinden. Ich zweifele daran, dass „die Parteien“ derzeit „die junge Generation“, die gerade bei Fridays for Future demonstriert oder sich das Rezo-Video „reinzieht“, abholen kann und wird.

Gerade aber „die Jüngeren“ braucht unsere Demokratie. Die haben durchaus – um mit dem Video der DFB Fußballfrauen zu sprechen – nicht nur Eier in der Hose, sondern auch einen Pferdeschwanz. Sie gehen nämlich auf die Straße und zeigen Flagge, etwas was meine, unsere Generation aus vielen von Seibt beschriebenen Gründen nicht mehr oder zu wenig tut. „Diese Jungen“ machen mir echt Mut. Der Pöbel von AfD und Konsorten macht mir Angst.

Relevante Fragen sind also aus meiner Sicht:

  • Wie öffnen wir „die Politik“ wieder für die jüngere Generation und ermögliche ihnen aktive Partizipation auch jenseits der gewohnten Parteipolitik und -zugehörigkeit?
  • Wie öffnen sich „die Parteien“ für politisch Interessierte, Jüngere und Ältere, und schrecken nicht nur ab?
  • Wie integrieren wir „das Netz“ konstruktiv in die politische Diskussion, statt es als Hort der Verdammnis Radikalen und Kommerz zu überlassen?

In diesen Fragen spielt meiner Meinung nach viel Musik.

(Stefan Pfeiffer)

 

Die Bundesregierung weiß nicht, wie viel Geld sie für Software-Lizenzen (besonders von Microsoft) ausgibt

25. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

oder nur Die Linke engagiert sich wohl wirklich für mehr Unabhängigkeit von Microsoft:

Die Bundesregierung hat auch im Jahr 2019 kein einheitliches Bild davon, wie viel Geld sie für Software-Lizenzen ausgibt.

über Regierung steckt im Microsoft-Dilemma – Der Tagesspiegel – Blendle

So beginnt ein Beitrag von Lina Rusch im Tagesspiegel vom 23. Februar 2019. Und natürlich steht die Frage im Vordergrund, wie viele Teuros die Steuerzahler an Microsoft abdrücken.

Wer hat nachgefragt? Die Linken haben eine entsprechende Anfrage gestellt. CDU/CSU, SPD, FDP und auch die derzeit so gehypten Grünen scheinen eher mehr denn weniger den Schwanz einzuziehen. Die Microsoft-Lobbyisten arbeiten gut. Und das Thema ist wohl vielen Politikern/innen nicht öffentlichkeitswirksam genug und zu mühsam, um sich zu engagieren.

Was macht der Bund eigentlich, wenn Microsoft die Lizenzgebühren verdoppelt? Dann gibt es keine Alternative und der Steuerzahler ist der Dumme.

So wird der linke Haushaltspolitiker Victor Perli vom Tagesspiegel zitiert. Schon jetzt drücken die Steuerzahler für den Zeitraum zwischen 2015 und 2019 mehr als € 250 Millionen an Microsoft ab. Und das ist nicht die ganze Summe, denn einige Behörden können oder wollen ihre Ausgaben in puncto Microsoft nicht beziffern. Der nächste Vertrag ab Juni 2019 wird verhandelt und in München sowie Redmond reibt man sich schon wieder die Hände. Die Ignoranz nicht nur der Regierungsparteien ist beispiellos.

  • Da kann der Bundesrechnungshof ein einheitliches Konzept für den Umgang mit Software-Lizenzen fordern.
  • Da kann man schönwetter-reden über „IT-Konsolidierung Bund“, die die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern fordert.
  • Da kann man auf im Einsatz befindliche Systeme verweisen, für die es keine Updates mehr verfügbar sind.
  • Da kann das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI auf eine für den Nutzer undurchsichtiger Weise verweisen, wie Daten in Windows 10 an Microsoft gesendet werden.
  • Da kann die Holländische Regierung auf DSGVO-Verstöße verweisen.
  • Da können die EU-Experten auf die Abhängigkeit von Microsoft verweisen.

Die Liste kann man fortsetzen. Wirklich anpacken scheint die Bundesregierung die Herausforderung nicht zu wollen.

Der Hohn sind dann Bemerkungen ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter, dass Office 365 deutlich mehr als Libre Office biete. Darum geht es gar nicht. Es geht darum sich von Microsoft und anderen Monopolisten zu emanzipieren und eine unabhängige europäische Plattform, ein Gegengewicht zu schaffen. „Die Politik“ ignoriert das konsequent. Ist ja unsexy, bringt kaum Presse und keine Stimmen. Unfassbar.

Übrigens ignorieren auch große Teile der Presse diesen Skandal. Offensichtlich kein Thema oder man hat sich daran gewöhnt.

(Stefan Pfeiffer)

Meine Ei-Tie: Unbedingt weg von WhatsApp (und damit Facebook) – Es gibt andere Messenger

17. Februar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich habe es zwar schon oft hier geschrieben, aber eine gesunde Redundanz muss ja nicht schlecht sein: Seit Dezember 2018 nutze ich kein WhatsApp mehr. Meine Gründe: WhatsApp gehört zum Facebook-Konzern. Entgegen der ursprünglichen Versprechen von Mark Zuckerberg wurden Daten mit Facebook doch abgeglichen und es könnte noch schlimmer werden, wenn Facebook die drei hauseigenen Messenger-Produkte Instagram, WhatsApp und Facebook Messenger auf eine Plattform bringen will. Und nicht zuletzt soll es – so die Ankündigung 2018 – ab 2019 Werbung auf WhatsApp geben.

Es gibt Alternativen zu WhatsApp, wie sie gerade auch t3n und vor geraumer Zeit Michael Spehr in der FAZ vorgestellt hat. Ich habe mich als primären Kanal für Signal entschieden, eine Open Source-Alternative aus den USA, die – so zitieren es natürlich alle Medien – von Edward Snowden und als „Messenger der Netzelite“ empfohlen wird. Genau an dieser Stelle – also nicht Snowden, sondern amerikanisches Unternehmen – setzt die Kritik mancher konsequenter Datenschützer an, der ich – wie auch bei DuckDuckGo als Alternative zu Google – nicht so konsequent folge. US-amerikanische Unternehmen unterliegen potentiell der lokalen US-Gesetzgebung, die die Weitergabe an die dortigen Behörden fordern könnten.

Wer Alternativen sucht: Es gibt Threema aus der Schweiz oder auch Telegram, das angegeben hat, über 100 Millionen Anwender zu haben. Ich selbst nutze iMessage – zur Kommunikation zwischen iOS-Geräten wie iPhone und iPad -, wie erwähnt Signal und habe auch Threema installiert. Es ist für mich übrigens kein Problem, auch mehrere Apps installiert zu haben. Ist mir unterdessen lieber als WhatsApp.

Ich kann nur jeden ermutigen und auffordern, weg von Facebook und WhatsApp zu gehen und eine oder mehrere Alternativen einzusetzen.

Natürlich wäre eine gemeinsame Messaging-API wünschenswert, die einen Austausch zwischen den genannten Apps erlaubt. Jörg Schieb hat das gefordert: „Jeder Chat-Dienst muss mit jedem anderen Chat-Dienst können. Facebook bereitet das für internen Austausch vor, da ist es ein Leichtes, das auch nach außen zu öffnen. Das könnte die EU ZWINGEND einfordern.“ Allein Facebook beziehungsweise WhatsApp dürften daran kein Interesse haben. Es wäre aber ein wichtiger Schritt für die anderen Produkte, die um Marktanteile und vor allem Akzeptanz kämpfen.

(Stefan Pfeiffer)

 

 

Wann und wie reagiert Apple auf die Facebook-Spionage-App? Wie weit kann Facebook gehen?

30. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Apple hat bisher noch nicht darauf reagiert, dass Facebook seine spionierende „Research“-App auf iOS anbieten will. Aus besagten Gründen der gegenseitigen Abhängigkeit? John Gruber kommentiert sehr dediziert:

To my eyes, this action constitutes Facebook declaring war on Apple’s iOS privacy protections. I don’t think it would be out of line for Apple to revoke Facebook’s developer certificate, maybe even pull their apps from the App Store. No regular developer would get away with this. Facebook is betting that their apps are too popular, that they can do what they want and Apple has to sit back and take it. I keep saying Facebook is a criminal enterprise, and I’m not exaggerating.

über Daring Fireball: TechCrunch: Facebook Pays Teenagers to Install VPN That Spies on Them

Patrick Beuth hat auf Spiegel Online das Verhältnis zwischen Apple und Facebook treffend kommentiert:

Facebooks Software hätte die menschliche Kommunikation und Kultur ohne das iPhone (und dessen Einfluss auf die Smartphone-Entwicklung) nicht global verändern können. Noch heute ist das iPhone das weltweit wichtigste Einzelgerät des mobilen Internets, obwohl es ein elitäres Produkt ist. Apples Hardware wiederum wäre ohne Dienste wie Facebook, Instagram und WhatsApp kein Lifestyleprodukt geworden, sondern höchstens ein Manager-Ausrüstungsgegenstand – so wie früher ein Blackberry.

über Facebook Research-App und Apples ausbleibende Reaktion – Kommentar – SPIEGEL ONLINE

Weitere Artikel zum Thema Facebook und dessen VPN-Spionageprogramm:

Facebook pays teens to install VPN that spies on them – TechCrunch

Eigentlich haben wir gegen Amazon, Google, Facebook & Co keine Chance! Oder vielleicht doch?

23. Januar 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Gegen Google und Facebook haben kleine Dienste wie Mozilla eigentlich keine Chance. Trotzdem könnten nun goldene Zeiten für sie anbrechen.

über Wie Mozilla und Co. gegen Google und Facebook bestehen – FAZ

So lautet der Anreißer des Beitrags von Jonas Jansen und Thiemo Heeg in der FAZ. Motto: Eigentlich haben sie keine Chance, die Mozillas dieser Welt, oder doch? Ich bin eher skeptisch, leider.

„Wir wollen bis 2020 zwei Millionen
erreichen mit Partnern wie der
Dienstleistungsgesellschaft Verdi und
IHKs, die die Bedürfnisse der
Arbeitnehmer und der Arbeitgeber
kennen“ – Philipp Justus,
Vizepräsident Google Zentraleuropa

Solange Google „mit neuem Berliner Büro zur Bildungsoffensive“ bläst, wie es sogar heise titelt, und nicht entsprechende Initiativen zur Weiter- und Ausbildung für Open Source-Tools gestartet werden, solange wird „gegooglet“, Chrome als Browser genutzt und der Datenkrake weiterhin schön unsere Daten übermittelt.

Und auch Facebook versucht, Bürgern und Politiker Sand die Augen zu streuen, indem ein KI Institut in München mit einigen Millionen gefördert wird. Microsoft versteht es ja seit Jahren geschickt, nicht in die Schusslinie zu kommen und dabei dreistellige Millionenbeträge für Software-Lizenzen vom Staat abzukassieren.

Solange sich die EU oder auch die deutsche Bundesregierung inklusive der Länder nicht hinter Open Source-Initiativen wie Mozilla stellen, nein, solange sie nicht Open Source als Standard für die öffentliche Verwaltung ausrufen und als Plattform setzen (wie es Michael Seemann schon gefordert hat), solange bleiben wir in der Abhängigkeit von Google, Facebook, Amazon und Microsoft. Ohne breitere Unterstützung haben Firefox, Posteo, Mailbox.org, DuckDuckGo, Qwant & Co keine wirkliche Chance, auch wenn einige (zu) wenige die Tools einsetzen und – wie die FAZ-Autoren es schreiben – mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger sensibler werden. Es braucht die öffentliche Hand als Plattformbetreiber und Anwender von Open Source und es braucht Schulung und Ausbildung an Schulen, Universitäten und in der Erwachsenenbildung. Die Schönwetterreden nutzen nicht mehr viel – und dies ist auch eine explizite Aufforderung an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der sich im Thema Digitalisierung, KI und Europa ja immer wieder exponiert.

(Stefan Pfeiffer)

Und die Politik feiert mit Google. Da liegen wohl eher die Schwerpunkte?

 

Bitkom: Sieben von zehn Berufstätigen sind über die Feiertage erreichbar | #IchNicht

21. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Alle Jahre wieder:

Am ersten Weihnachtsfeiertag schnell ein paar Mails beantworten und an Silvester kurz mit dem Chef telefonieren: … Sieben von zehn Berufstätige, die Urlaub haben (71 Prozent) sind trotzdem an den Feiertagen und zwischen den Jahren dienstlich erreichbar.

über Sieben von zehn Berufstätigen sind über die Feiertage erreichbar | Bitkom e.V.

Das hat eine vom Digitalverband Bitkom in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage unter 1.007 Befragten ab 16 Jahren in Deutschland ergeben.

#IchNicht, nicht an Feiertagen

181218_Erreichbarkeit_PG

Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter nicht dazu verpflichten, außerhalb der Arbeitszeit, also zum Beispiel im Urlaub oder an Feiertagen, erreichbar zu sein. Das Arbeitszeitgesetz gilt allerdings nicht für leitende Angestellte. In jenen Ausnahmefällen, in denen eine Erreichbarkeit doch notwendig ist, sollte eine klare und einvernehmliche Regelung zum Beispiel im Sinne eines Bereitschaftsdienstes getroffen werden.

über Sieben von zehn Berufstätigen sind über die Feiertage erreichbar | Bitkom e.V.

Lesezeichen: Was sind denn nun eigentlich Cookies und wie sieht das mit der Datenschutzgrundverordnung aus? – Dr. Carsten Ulbricht

12. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Der geschätzte Dr. Carsten Ulbricht hat auf Upload einen informativen Beitrag zum Thema Cookies geschrieben. Ja, es ist a bisserl Juristendeutsch, aber Carsten ist nun mal Jurist. Lehr- und hilfreich für Leser von Webseiten dieser Absatz:

Problematisch werden Cookies vor allem dann, wenn darüber Profile erstellt werden (oder erstellt werden könnten). Google, Facebook und andere Anbieter von Onlinewerbung haben daran zum Beispiel ein großes Interesse. Denn dadurch lassen sich Kunden oder Interessenten erneut gezielt über Werbung ansprechen (Retargeting). Und es lassen sich potenzielle Kunden anhand verschiedenster Kriterien identifizieren und erreichen. Diese Daten werden über Websites hinweg erfasst und es ist für die Nutzer oft nicht erkennbar, was dort alles im Hintergrund über sie erhoben wird.

über Opt-In oder Opt-Out? Cookies unter der Datenschutzgrundverordnung

Und für mich ein Kernsatz für Betreiber von Webseiten:

Die sichere Variante ist fraglos, Cookies von Targeting- und Trackingwerkzeugen erst setzen zu lassen, wenn der Nutzer aktiv im Sinne eines Opt-In zugestimmt hat.

über Opt-In oder Opt-Out? Cookies unter der Datenschutzgrundverordnung

Aber insbesondere Betreiber sollten unbedingt den ganzen Beitrag lesen!

(Stefan Pfeiffer)

test

3. November 2018 Posted by Gerd

test

Neue Stanford-Studie: Heimarbeiter sind deutlich produktiver

20. Mai 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Diskussion ist sicherlich nicht neu: Manche Chefs vermuten, dass Mitarbeiter, die von daheim arbeiten, sich ablenken lassen und nicht so produktiv sind. Sicher spielt hier auch ein gewisses Misstrauen eine Rolle, vielleicht auch der Hang zu Command and Control, zu Hierarchie und Kontrolle. Stanford-Professor Nicholas Bloom hat nun eine Studie durchführt, die klare Ergebnisse zeigt. Heimarbeiter arbeiten deutlich mehr und sind der Ansicht, dass sie zu hause konzentrierter sind und weniger abgelenkt werden.

Instead, the robust, nearly two-year study showed an astounding productivity boost among the telecommuters equivalent to a full day’s work. Turns out work-from-home employees work a true full-shift (or more) versus being late to the office or leaving early multiple times a week and found it less distracting and easier to concentrate at home.

via A 2-Year Stanford Study Shows the Astonishing Productivity Boost of Working From Home | Inc.com

Zudem verlassen weniger Mitarbeiter das Unternehmen, die Heimarbeiter pausieren weniger, sind weniger krank und nehmen weniger Urlaub (gar nicht zu reden von weniger Umweltverschmutzung durch Emissionen).

Meine 2 Cents: Ich glaube, eine differenzierte Betrachtung ist notwendig. Viele Tätigkeiten sind hervorragend vom Heimarbeitsplatz aus zu erledigen. Bis auf das gelegentliche Klingeln der Paketlieferdienste fühle ich mich persönlich im Vergleich zur Arbeit im Büro deutlich weniger abgelenkt und kann am Stück konzentrierter arbeiten. Moderne Werkzeuge zur Zusammenarbeit sind heute zur Genüge vorhanden, um Informationen zu teilen und zu kommunizieren. Unterdessen bin ich ein Freund  von Videokonferenzen und -telefonaten geworden, da man seine Gesprächspartner und deren Emotionen sehen kann und nutze Watson Workspace mit dem integrierten Zoom als mein bevorzugtes Werkzeug nicht nur für die berühmt-berüchtigten Telefon-, jetzt Videokonferenzen, sondern führe auch immer mehr 1:1-Gespräche statt per Telefon über Watson Workspace.

Der Weg ins Büro macht dann Sinn, wenn man dort Kolleginnen und Kollegen trifft, mit denen man direkt zusammenarbeitet. Auge in Auge kann man viele Fragen effizienter und direkter bearbeiten, Projekte weiter treiben und entwickeln. Und auch das gemeinsame Mittagessen und der Kaffee zusammen machen durchaus Sinn.

Keinen Sinn macht es jedoch aus meiner Sicht, nur ins Büro zu fahren, nur wegen des Büros. Sind die Kolleginnen und Kollegen, mit denen man direkt zusammen arbeitet, eh über verschiedene Niederlassungen oder gar Länder verteilt, ist die pure Anwesenheitspflicht im Büro sinn- und nutzlos. Es ist eine reine Verschwendung wertvoller Lebenszeit, kostet auf den Straßen nur Nerven und ist oft demotivierend. Auch stimme ich den Stanford-Ergebnissen zu, dass man im Büro viel mehr abgelenkt wird. Ich arbeite daheim konzentrierter und mehr. Das sollte jeden Chef und jeden Arbeitgeber eigentlich freuen.

So muss sich jedes Unternehmen basierend auf dem Tätigkeitsgebiet der Arbeitnehmer entscheiden, was eine Win-Win-Situation ist und wo man Mitarbeiter durch Reisezeiten unnötig stresst, sie demotiviert und sie auch noch weniger produktiv sind. Nicht nur die-/derjenige Manager/in, der  Mitarbeiterbindung und -motivation als Unternehmens- und Führungsprinzip postuliert, sondern auch die-/derjenige, der von seinen Teams optimale und produktive Leistung im Sinne des Unternehmenserfolgs wünscht, wird deshalb entsprechende Entscheidungen sorgfältig abwägen.

Go Ahead, Tell Your Boss You Are Working From Home | Nicholas Bloom | TEDxStanford

(Stefan Pfeiffer)

Weitere Beiträge zum Thema:

Der neue Hacker-Angriff: Weiteres Indiz für die Notwendigkeit eines potenten Digitalministeriums?

3. März 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Der Hackerangriff auf das deutsche Regierungsnetz geht durch alle Gazetten. Die Informationslage ist – so weit ich das übersehen kann – derzeit unvollständig und eine komplette, seriöse Einschätzung, was warum passiert ist, schwierig. Der Vorfall ist aber nur ein weiteres Beispiel dafür, dass das Thema Security in 2018 noch relevanter und wichtiger werden wird. Und…

via Der neue Hacker-Angriff: Weiteres Indiz für die Notwendigkeit eines potenten Digitalministeriums? —  CIO Kurator 

Privatleute, passt besser jetzt auf Eure Kronjuwelen auf [Kommentar]

26. Februar 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Das, was ich auf CIOKurator vor allem auf Unternehmen und öffentliche Verwaltung beziehe, gilt voll umfänglich, vielleicht sogar noch mehr für Privatleute und unsere privaten Daten. Amazon, Google, Facebook und gerade auch Microsoft machen Geld daraus. Und das nicht zu knapp.

Also Hirn einschalten, wem man welche Daten wofür gibt – und auch mal über Open Source nachdenken!

Carsten Knop hat in der FAZ vom 24. und 25. Februar zwei aus meiner Sicht sehr notwendige und wichtige Beiträge geschrieben. In “Die Jagd auf unser Digitales Ich” (wohl noch nicht online) nimmt er auf den deutschen Unternehmer Peter Ganten Bezug, der sich für unter anderem als Vorsitzender der Open Source Business Alliance für den…

via Unternehmen, passt besser jetzt auf Eure Kronjuwelen auf [Kommentar] —  CIO Kurator 

Amazon, Google, Facebook & Co.: Und man kann sie doch zügeln …

20. Januar 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein wertvoller Beitrag, den Ulrich Schäfer auf Sueddeutsche.de veröffentlicht. Es geht um die auch hier schon oft vermeintliche Allmacht und Unangreifbarkeit der großen amerikanischen Internetgiganten. Oft entsteht der Eindruck des Fatalismus. Geht nicht, sind eh schon zu mächtig, hört man allenthalben. Mehr als  nur ein Hauch von Resignation schwingt da bei dem Einen oder Anderen mit.

In seinem Essay widerspricht Schäfer und das vollkommen zu Recht. Hoffnung macht … Europa.

Tatsächlich lassen sich die Digitalkonzerne sehr wohl einhegen. Und ausgerechnet Europa weist dabei die Richtung. Die EU-Staaten haben damit begonnen, dem wilden, ungezügelten Internetkapitalismus Made in USA etwas entgegenzusetzen: einen eigenen Ordnungsrahmen. Noch existiert dieser Rahmen erst in Fragmenten, noch fehlen wichtige Verbindungsstücke, noch werden die einzelnen Elemente zu zögerlich zusammengefügt. Aber: Ein Anfang ist gemacht.

via Facebook, Google und Co.: Fangt die Tech-Konzerne ein! – Wirtschaft – Süddeutsche.de

Auch das Kartellamt zeigt Profil – wie nicht viele deutsche andere deutschen Behörden, die doch einknicken oder nicht gegenwärtig sind, wie wichtig es ist, Kante zu zeigen. Das Drama rund um Linux in der Stadt München zeigt, wie gerade auch die großen Parteien vor Lobbyisten und Konzernen einknicken. Da können EU-Experten noch so mahnen und gar von Drogendealer-Modellen sprechen. Lieber folgt man dann den Empfehlungen des engen Microsoft-Alliierten Accenture zur Ablösung von Open Source und Einführung von Windows. Ein Schelm …

Schäfer zitiert Kartellamtschef Andreas Mundt:

Und nun legen sich die deutschen Wettbewerbshüter auch noch mit Facebook an, weil das Unternehmen Daten in viel zu großem Stil sammelt und dabei, kritisiert Kartellamtschef Andreas Mundt, „ein echtes Profiling, fast im kriminaltechnischen Sinn“ betreibt: Facebook sammelt von Followern und anderen Internetnutzern nicht bloß Informationen aus dem sozialen Netzwerk selbst, sondern auch aus anderen Quellen; und zwar, ohne darüber zu informieren. Die Kartellwächter schrecken auch nicht davor zurück, sich mit scheinbar übermächtigen Gegnern anzulegen: Dass ein Konzern wie Facebook „eine globale Geschäftsstrategie verfolgt, kann ja nicht dazu führen, dass wir die Hände in den Schoss legen“, sagt Andreas Mundt.

via Facebook, Google und Co.: Fangt die Tech-Konzerne ein! – Wirtschaft – Süddeutsche.de

Chapeau, Herr Kartellamtschef für die klaren Worte und das Handeln. Und ja, das Thema ist angesichts nationaler und europäischer Rangeleien und Zuständigkeiten sicher nicht einfach. Und ja, die Macht der Konzerne nimmt zu, in ihrem Börsenwert und bei den Anwendern:

Laut der Unternehmensberatung PwC kaufen 90 Prozent aller Deutschen, die Online-Shops nutzen, auch bei Amazon ein, und 90 Prozent nutzen hierzulande die Suchdienste von Google.

via Facebook, Google und Co.: Fangt die Tech-Konzerne ein! – Wirtschaft – Süddeutsche.de

Alles nicht so schlimm. Der Konkurrenzkampf zwischen Unternehmen wird es schon richten, glaubt man Verfechtern des freien, ungezügelten Wettbewerbs wie Alexander Armbruster, der am 20. Januar in der FAZ schreibt:

Andererseits ist auch die den großen Tech-Konzernen gerne zugewiesene Allmacht eine Übertreibung. Infolge nicht nur des Fortschritts in der Künstlichen Intelligenz sind sie einander sogar härtere Wettbewerber geworden – im Bereich der digitalen Assistenten, Cloud-Angeboten, Musik- und Videodiensten oder mobilen Betriebssystemen. Manchen mag die Moral des Silicon Valley befremden, der großes Zutrauen in die Problemlösungsfähigkeit von Technologie, Wissenschaft und dem Wettstreit um die besseren Produktideen zugrunde liegt. Bedrohlich ist sie nicht, im Gegenteil.

Eine aus meiner Sicht befremdliche Wahrnehmung, wenn man die monopolartige Stellung einiger Konzerne in durchaus kritischen Segmenten wie Online Shopping, Suche, soziales Netzwerken oder Betriebs- und Office-System sieht.

Alles nicht so schlimm, denn Monopole sind ja sogar gut, glaubt man dem deutschstämmigen PayPal-Mitgründer Peter Thiel, der „ausschließlich in der Wissenschaft und dem stetig technologischen Fortschritt der Schlüssel zum gesellschaftlichen Wohlstand“ sieht und die europäischen, insbesondere Bedenkenträger und „Regulierungswahnsinnigen“ scharf kritisiert. Wettbewerb zwischen unter Unternehmen führe nur dazu, dass die entsprechenden Unternehmen sich ausschließlich auf Profit konzentrierten anstatt großen Ideen hinterherzujagen. Eine steile These, die aus den Monopolen entstehende Macht besagter Konzerne mal so einfach ignoriert.

Bei aller Zustimmung, dass wir technologischen Fortschritt brauchen und konstruktiv gestalten müssen, schließe ich mich gerne Schäfer an, der die Behörden zum Handeln in vier Bereichen auffordert: gegen die Monopolmacht vorgehen, das Thema Datenschutz regeln, auf Bruch von Gesetzen prüfen und das Thema Steuerflucht adressieren:

Nötig ist ein Eingriff immer dann, wenn gegen Gesetze verstoßen wird, sei es im Wettbewerbs-, Steuer-, Sozial- oder Datenrecht ….

Das Ziel muss es sein, dem Wild-West-Prinzip, das anfangs im Internet galt, jenes Prinzip entgegenzusetzen, das sich in Europa seit Jahrzehnten bewährt haben: das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft.

via Facebook, Google und Co.: Fangt die Tech-Konzerne ein! – Wirtschaft – Süddeutsche.de

Leider scheint es aber am politischen Willen und in vielen Parteien oft auch an der digitalen Kompetenz zu fehlen. Gerade in den großen Parteien, die ja auch gegen ein Lobbyisten-Verzeichnis sind … Stattdessen wird beispielsweise im „Ausschuss Digitale Agenda“ ja-wie-soll-man-es-denn-nennen? (Ursprünglich wollte ich herumdilettiert schreiben.)

(Stefan Pfeiffer)

 

 

 

[DE] Automatisierung mit KI: Wir kommen nicht drum rum …

24. November 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

Die nächste Welle der Prozessautomatisierung läuft, diesmal getrieben durch Fachkräftemangel, Technologien der künstlichen Intelligenz und der Notwendigkeit zur latenten Optimierung gerade im Zeitalter der digitalen Transformation. Auf dem CIOKurator habe ich einen Bericht von Tom Davenport kommentiert und mit eigenen Erfahrungen angereichert. Hier meine persönlichen 2 Cents:

Wir kommen um weitere Automatisierung nicht herum. Der Zug geht eindeutig in diese Richtung. Jedoch sollten wir versuchen, nicht die Fehler der Vergangenheit, der ersten Business Process Reengineering-Welle, möglichst nicht wiederholen. Und wir müssen mit einer realistischen Einschätzung an das Thema kognitive Technologien und Automatisierung herangehen. Wir befinden uns noch am Anfang und wir müssen akzeptieren und einberechnen, dass die Systeme nicht von heute auf morgen gleich den Mehrwert liefern, den man sich erhofft und erwartet. Wer jedoch mit Augenmaß an die Projekte herangeht, die notwendige Zeit zur Konzeption und zum Anlernen der kognitiven Systeme investiert, der kann auf jeden Fall deutlichen Nutzen generieren.

via Erleben wir getrieben durch künstliche Intelligenz eine Renaissance von Business Process Reengineering? –  CIO Kurator 


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[DE] Damals: Wie Microsoft wurde, was es ist – und ein Ausblick auf heute

17. August 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

Nicht nur für in der IT Altgewordene und Historiker eine spannende Lektüre. Auch heutigen Unternehmern sei der Beitrag von  zu Microsofts, vielleicht besser Bill Gates“Gewinnstrategie“ in den Aufbruchjahren empfohlen. Für Leute, die nur Windows und Microsoft Office kennen, ist es kaum vorstellbar.

Wer kennt noch 1-2-3, WordPerfect oder dBase?

Es gab eine Welt davor. Da war nicht Excel die führende Tabellenkalkulation, sondern Lotus 1-2-3 (unter DOS) dominierte den Markt. Auch gab es WordPerfect als führende Tabellenkalkulation, bevor dann Microsoft die Übernahme von WordPerfect durch Novell als Chance nutzte – wobei ich in Erinnerung habe, dass WordPerfect schon vor der Übernahme auf dem absteigenden Ast war. Die Geschichte wiederholte sich x-fach. Access und FoxPro stachen dBase aus. Windows NT setzte sich gegen Novell durch.

Und was war das Rezept, das Rudi Gallist, damals Top-Manager bei Microsoft und dann auch Deutschland-Chef, im Interview schildert:

Denn es war eine ganz klare, wenn auch einfache Strategie: Vorbereitung und Gelegenheit. So hieß das Konzept, das Gallist der bis zum Jahr 2000 im Vorstand von Microsoft war, bis heute bewundert. Und das er heute sicher bei so manchem der neuen Player wie Google, Amazon und Co  wieder erkennt. Das Verrückte war, dass diese Strategie immer und immer wieder aufs neue eingesetzt wurde. Und immer und immer wieder mit Erfolg. …

Auch bei WordPerfect war es im Grunde gar nicht so kompliziert: die Gelegenheit, so erzählt Rudi Gallist, kam als Wordperfect verkauft wurde. Das nutzte der eigentlich deutlich abgeschlagene Konkurrent aus Redmond direkt aus. Der Marktführer Wordperfect konnte sich nicht wehren. Bill Gates gewann.
Und in beiden Fällen – bei Lotus durch die Portierung der Software auf andere Systeme und bei WordPerfect durch den Verkauf – waren die Ressourcen der Unternehmen an der falschen Stelle gebunden.

„Bill Gates hingegen steckte stattdessen mit seinen Entwicklungsteams in Redmond alle Kraft immer frühzeitig in diese Kernprodukte und ihre Weiterentwicklung:“ , erinnert sich Gallist.

via Wie kam Microsoft an die Spitze? Wirtschaftsgeschichte

Und es war einmal, es gab einmal ein Netzwerkbetriebssystem namens Novell, das den Markt beherrschte bis, ja bis Windows NT als trojanisches Pferd kam:

Und das besondere: auch den Kunden war das nicht klar. Windows NT wurden ihnen einfach nur als hochstabiles Enterprise Betriebssystem angeboten. Über Netzwerk-Fähigkeiten redete man nicht. Bis zu dem einen Moment, nachdem der Kunde auf NT migriert hatte.

„Der spannende Moment war die Frage an die Kunden: Und wie vernetzt ihr jetzt eure NT Computer. Da erst begriffen die Leute: Windows NT ist ein Netzwerk-System. Es braucht kein weiteres mehr.“

Rudi Gallist, Ex MS-Chef & Zeitzeuge

via Wie kam Microsoft an die Spitze? Wirtschaftsgeschichte

Wirklich eine extreme spannende Lektüre und interessante Videos, die Christian Spanik vorstellt. Ich habe meine Erfahrungen aus der damaligen Zeit vor rund 7 Jahren zusammengefasst. Als wirkliches Kind der Generation Windows habe ich erlebt, wie sich zuerst MS-DOS, dann Windows als Betriebssystem und danach all die oben genannten Produkte durchgesetzt haben.

Es war einmal: El Dorado für Partner

Und ich habe zuerst als Journalist, der die entsprechenden Programme getestet, und später als Business Partner von Microsoft davon profitiert. Es war eine wahre Goldgräberzeit: Legendäre CeBIT-Partnerstände in Hannover, ein unvergesslicher Windows 3.0-Launch in München (unvergessen, weil ich erstmals und bisher zu letzten Mal in meinem bisherigen Leben den ersten Preis eines Gewinnspiels gewonnen habe).

CeBITPartnerstand

Es war einmal: Es muss auf einem CeBIT Partnerstand bei Microsoft gewesen sein …

Später kam dann der Bruch mit Microsoft, als meinen Kollegen und mir schmerzhaft klar wurde, dass im Zweifelsfall immer Microsoft First gilt, auch wenn man Partner hoher Kategorie ist und die bessere Lösung hat. Bei einer Münchener Versicherung wurden damals öffentliche Ordner von Microsoft Exchange als Dokumentenverwaltung verkauft, obwohl wir als Microsoft-Partner das wirkliche voll in Office und das Microsoft-Backend integrierte Dokumentenmanagement System (DMS) hatten. Das Projekt bei genanntem Versicherer kam übrigens nie zum Fliegen …

Das Prinzip, Anwendungsfelder zu übernehmen, die einmal von Partnern abgedeckt wurden, zieht sich durch diesen Teil der IT-Geschichte. Das gilt dann auch für das Thema oben genannte Thema Dokumentenverwaltung (Stichwort Sharepoint). Sobald es lukrativ wird, schlägt man zu. Und – gerade in Deutschland – wird Microsoft vieles verziehen. Man muss sich nur die Geschichte von Sharepoint anschauen, wo in fast jedem wichtigen Release die Schnittstellen und Funktionen maßgeblich verändert wurden, ohne dass man wirklich großes, öffentliches Murren vernehmen konnte. Es gab und gibt Lösungen, bei denen entwickelte Anwendungen über fast 20 Jahre lauffähig blieben.

Fairerweise muss man bei vielen der oben aufgeführten Beispiele allerdings auch bemerken, dass natürlich die anderen Anbieter – von Lotus über WordPerfect und Novell bis hin zu Ashton Tate und zur IBM – auch gravierende Fehler gemacht haben, die Redmond dann gezielt ausgenutzt hat. Die Fehler waren vielfältig, aber insbesondere Bill Gates und sein Team haben sie erkannt und fokussiert ausgenutzt.

Ein Blick auf heute

Neben dem Wehmut beim Hören und Lesen drängt sich mir natürlich auch die heutige Situation auf. Bleibt bei der Bewegung hin in die Microsoft Cloud noch signifikantes Geschäft für Business Partner übrig, die doch in den vergangenen Jahren in hohem Maße von Dienstleistungen rund um die On Premises-Installationen lebten? Microsoft sagt ja, wie auch unser Kolumnist Axel Oppermann in seinen Berichten von der Inspire 2017 zu berichten weiss.

Auf der Inspire wurde Microsoft 365, ein vor allem auf den Mittelstand abzielendes Bundle  aus Office, Windows, Security und Management-Komponenten, angekündigt. Mit der Fokussierung auf die Cloud, ändern sich auch maßgeblich die Anforderungen an Partner, aber Microsoft macht den interessierten Partnern den Mund durchaus wässrig beziehungsweise lässt die Dollar-Zeichen in der Augen blinken:

(Noch) ist das Partnernetzwerk in der derzeitigen Form für Microsoft unabdingbar: Partner sorgen für Reichweite, für Umsatz, für Exekution, minimieren den Aufwand für Vertrieb und Marktangang. Alle profitieren. …

So gibt Microsoft an, dass pro Euro Umsatz von Microsoft die Partner 9 Euro Umsatz durch eigene Leistungen realisieren. (Anmerkung: Einkäufer und Entscheider in IT-Abteilungen sollten den letzten Satz nochmals lesen.)

via Microsoft Inspire: Ich hab‘ Millionen Legionen hinter mir – Denkhandwerker

Man lasse sich den vorletzten Satz auf der Zunge zergehen: ein Euro Microsoft-Cloud-Umsatz soll 9 Euro Partnerumsatz bedeuten. Ob das jedem Mittelständler, der kaufen soll, so transparent ist oder so transparent kommuniziert werden wird? Und ob jedem Kunden klar ist, dass die Zügel für Lizenzverträge auch mal angezogen werden, wenn nichts mehr zu verlieren ist beziehungsweise ein Kunde so gebunden ist, so daß der Weg zurück nur sehr schwer ist? Gar manches Unternehmen hat hier schon Erfahrungen gemacht, kommuniziert sie aus Schamhaftigkeit aber eher nicht öffentlich.

Und um es hier auch klar zu schreiben: Dies ist nicht nur die Geschichte des Microsoft-Erfolges und seiner Strategie, in der Vergangenheit und heute. Dies ist auch die Geschichte des Scheiterns vieler Marktbegleiter von Microsoft, denen es nicht gelungen ist oder (hoffentlich noch) nicht gelingt, entsprechend valide, alternative Angebote zu unterbreiten.

(Stefan Pfeiffer)

 


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[DE] McKinsey: 30% der Aktivitäten in 60% aller Berufe können automatisiert werden

20. Juni 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

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Beeindruckend diese Animation, welches Potential welcher technologische Sprung gebracht hat oder bringen wird. Künstliche Intelligenz in Kombination mit Machine Learning und Robotern bietet ein riesiges Potential, so McKinsey.

Das Thema künstliche Intelligenz, Automatisierung und Roboter ist natürlich derzeit in aller Munde. McKinsey hat jetzt ein Papier dazu geschrieben, in dem der jetzige Stand, die künftige Entwicklung und insbesondere auch der Einfluss auf Arbeitsplätze und -Rollen beschrieben wird:

All occupations will be affected. Only a small proportion of all occupations, about 5%, consist of 100% of activities that are fully automatable using currently demonstrated technologies. However, we find that about 30% of the activities in 60% of all occupations could be automated … This means that many workers will work alongside rapidly evolving machines, which will require worker skills also evolve. This rapid evolution in the nature of work will affect everyone from welders to landscape gardeners, mortgage brokers—and CEOs; we estimate about 25% of CEOs’ time is currently spent on activities that machines could do, such as analyzing reports and data to inform decisions.

über What’s now and next in analytics, AI, and automation | McKinsey & Company

Routinetätigkeiten – und mehr – werden automatisierbar und ersetzbar sein. Damit werden wir uns auseinandersetzen müssen. Und dies ist gerade auch eine Aufgabe für Unternehmensführer – und konstruktiv und gestalterisch gedacht für Betriebsräte und Gewerkschafter, wie es gerade Karl Gerber – mit etwas anderem Schwerpunkt – einfordert und anmahnt.


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