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#9vor9: Was passiert nach dem Rausschmiss von Trump? Wer kontrolliert künftig die Social Media-Plattformen?

12. Januar 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Heute hatten wir eigentlich keine Wahl bezüglich des Digitalthemas der Woche: Es konnte nur der Rausschmiss von Donald Trump von Twitter, Facebook und Instagram sowie – eigentlich genauso relevant – die Entscheidung von Amazon sein, das sogenannte „Free Speech Social Network“ Parler aus seiner Cloud zu werfen und so zumindest zeitweise komplett stumm zu schalten. Twitter hat vergangenen Freitag mit Verweis auf die Gewalttaten nochmals nachlegt und wohl rund 70.000 Accounts stillgelegt, die überwiegend QAnon-Verschwörungstheorien verbreitet hätten. Hier unser Gespräch:

Zumindest herrschte allenthalben bei der Mehrheit der Beobachter (glaube ich) Erleichterung, dass man Trump gesperrt hatte. Die Kollegen:innen vom geschätzten Social Media Watchblog schreiben in ihrem Briefing #694 (hinter Paywall), dass die Entscheidung richtig gewesen sei, wenn auch zu spät. Das ist genau auch meine/unsere Ansicht. Der Aufruf zum Marsch auf den Capitol Hill hat das Fass einfach zum Überlaufen gebracht, doch hätte man schon lange vorher viel rigider eingreifen müssen. Wer traut sich das gegenüber einem der mächtigsten Männer der Welt? Und wer ist eben „man“? Twitter, Facebook. „die EU“?

Angela Merkel äußert sich kritisch, dass die Chefs der Plattformen quasi über Meinungsfreiheit entscheiden:

In dieses Grundrecht kann eingegriffen werden, aber entlang der Gesetze und innerhalb des Rahmens, den der Gesetzgeber definiert – nicht nach dem Beschluss der Unternehmensführung von Social-Media-Plattformen.

Merkel findet Sperrung von Trumps Twitter-Konten problematisch

Wer entscheidet also, ob und wann jemand in einem sozialen Netzwerk gesperrt oder Nachrichten als falsch oder fragwürdig markiert, gar gelöscht werden? Ist es eben der Betreiber – also Facebook und Twitter – oder der Chef des jeweiligen Unternehmens,z.B. Mark Zuckerberg?

Wenige Menschen kontrollieren die wichtigsten Kommunikationsplattformen der Welt. Eine Handvoll weißer Männer bestimmt, was im Netz gesagt werden darf.

Plattformen sind mächtiger als viele Regierungen, Konzerne kontrollieren den Zugang zu Informationen und ziehen die Grenzen der Redefreiheit.

Twitter sperrt Trump, Facebooks Hardware-Ambitionen, Twitter kauft Breaker, Umbau von Facebook Pages

Muss es nicht eine übergeordnete Kontrollinstanz geben, die ermächtigt und anerkannt ist, in bestimmten zu definierenden Fällen zu handeln. Diese Fragen werden uns sicher in 2021 ganz besonders beschäftigen. Julia Reda ermutigt auf netzpolitik.org dazu, den Digital Services Act und den Digotal Marketing Act der EU als Chance zu begreifen, die Plattformen zu regulieren. Uncd korrekterweise schreibt sie auch, dass der Teufel im Detail steckt. Wohl wahr, aber wir werden nicht darum herum kommen, uns als Zivilgesellschaft und auch diejenigen, die das Web eigentlich lieben, mit diesen Details auseinander zu setzen. Bei aller Befriedigung, dass Donald Trump gerade einmal die Schnauze halten muss (sorry für diese Formulierung), muss die oben angerissene Debatte geführt werden. Das wird nicht einfach, ist aber unumgänglich.

Machen wir uns nichts vor. Donald Trump – hier einmal verwendet als Synyom für Verschwörungstheoretiker, Hassprediger und Polarisierer – wird nicht die Schnauze halten, wie auch wir im Talk behandelt haben:

Trump und sein Publikum werden sich auf alternative Plattformen zurückziehen und eine sozialmediale Parallelwelt erschaffen, die noch weiter von der Realität abgekoppelt ist als die Echokammer, in der sie bislang auf Twitter und Facebook kommunizierten.

Twitter sperrt Trump, Facebooks Hardware-Ambitionen, Twitter kauft Breaker, Umbau von Facebook Pages

Das besonders Schlimme und Bedrückende daran ist, dass es Trump und Konsorten gelingen mag, eine alternative Plattform mit einer kritischer Masse an Anwendern:innen zu schaffen. Das haben die Verfechter eines freien Netzes bisher vergeblich versucht. Der Versuch, freie alternative Plattformen zu schaffen, war leider immer wieder ein Rohrkrepierer oder hat nie genug Nutzer:innen angezogen. Fragt sich, ob es noch Sinn macht, diese Debatte um alternative freie Plattformen zu führen oder sich besser auf oben diskutierte Regulierung der vorhandenen Social Media-Universen konzentriert und bei potentiell neue entstehenden Plattformen gleich rigide Regeln, die eben für alle gelten, anwendet.

Zum Abschluss der heutigen Sendung habe ich dann noch einen virtuellen Schneeball nach Siegburg geworfen, da der Lars leider kein positives Schlusswort sprechen wollte. Nochmals: Aufgeben zählt nicht.

Schneetreibenin Ewerschtt währen d#9vor9 am 12.1.2021. Kirchturm und Frankenstein sind leider nicht zu sehen.
Und natürlich gibt es #9vor9 auch wieder als Podcast auf den bekannten Plattformen und hier im Netz.

Tweets

Haben alternative freie #SocialMedia Plattformen überhaupt eine Chance. Oder sollte man sich nicht besser auf die Regulierung der vorhandenen Social Media-Universen konzentrieren? Frage nach #9vor9

Machen wir uns nichts vor. Donald #Trump wird nicht die Schnauze halten. Das Bedrückende daran ist, dass es Trump und Konsorten gelingen mag, eine alternative Plattform mit einer kritischer Masse an Anwendern:innen zu schaffen. #9vor9 #SocialMedia

Ja, es war richtig Donald #Trump auf #Twitter, #Facebook und #Instagram zu sperren. Eigentlich viel zu spät. Aber jetzt müssen verbindliche Regularien geschaffen werden, damit so etwas so einfach nicht wieder passieren kann. #9vor9 #SocialMedia

(Stefan Pfeiffer)

Bild von LoggaWiggler auf Pixabay

Social Media-Splitter: 2021 wird ein Schlüsseljahr für die sozialen Medien

11. Januar 2021 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Ausschreitungen auf dem Capitol Hill mit der vorhergehenden Rede von Donald Trump scheinen vielerorts das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Twitter sperrt Trumps Konto permanent. Facebook und Instagram tun dies ebenfalls auf undefinierte Zeit, wie Zuckerberg selbst postet. Apple und Google werfen Parler, das sogenannte „Free Speech Social Network“, das wohl ein wichtige Kommunikationsplattform beim Sturm auf Capitol Hill war, aus ihren App Stores. Und Amazon setzt noch einen drauf, in dem es Parler am 10. Januar 2021 von den Amazon Web Services, wo das Netzwerk gehostet wird, verbannt. Parler kann dann einfach nicht mehr erreicht werden und muss sich einen neuen Hosting-Partner suchen. „The real Trump“ verliert gerade die Kanäle, über die er jahrelang seine Lügen und Hetze verbreitet hat, auch wenn seine noch verbliebenen Adlaten weiter für ihn posten.

Nun kann man sicherlich der Meinung sein, dass vieles schon weit vorher hätte passieren müssen. Und es scheint so, dass einige plötzlich mutig werden, weil sie glauben, dass Trump ihnen nichts mehr kann, seine Tage gezählt sind. Wie kommentiert Patrick Beuth korrekt:

Seine elektronischen Lautsprecher jetzt auszuschalten, macht nicht wett, was die Social-Media-Unternehmen ihm alles haben durchgehen lassen.

Donald Trump und soziale Medien: Der perfekte Zeitpunkt für das Ende der Extrawurst – DER SPIEGEL

Das ist korrekt, doch wie schreibt Alexander Armbruster andererseits:

Die privatwirtschaftlichen sozialen Netzwerke können sich aufgrund der einmaligen Infrastruktur, die sie bereitstellen, nicht heraushalten aus Fragen, wie die demokratische Meinungsbildung und der öffentliche Diskurs ablaufen. Allein und zuallererst verantwortlich dafür, dass im Jahr 2016 und nun wieder zig Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner Donald Trump wählten, das sind sie jedoch nicht. Und auch nicht für den Sturm auf das Kapitol.

US-Kapitol-Besetzung: Nein, Facebook ist nicht schuld am Mob

Ja, sie sind sicher nicht alleine verantwortlich, tragen jedoch aus meiner Warte aus durchaus eine Mitschuld. Besser, sie sind einfach zu spät aktiv geworden. Jenseits aller berechtigten Kritik finde ich die jetzt getroffenen Maßnahmen durchaus bemerkenswert.

2021- Ein „Inflection Point“ nicht nur für Facebook, Google & Co

Die sozialen Medien generell und insbesondere GAFAM*-Konzerne befinden sich genau jetzt an einem Inflection Point, nicht nur wegen der gerade beschriebenen Ereignisse. Sie sind auch seitens der Regierungen und Kartellbehörden unter nie gekanntem Druck: Noch nie waren die Anstrengungen in den USA und der EU so groß, die GAFA(M)-Plattformen zu regulieren, wie ich kürzlich hier im Blog geschrieben habe.

Doch machen wir uns nichts vor: Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Wie werden Politiker:innen künftig auf den sozialen Kanälen behandelt, wenn sie Lügen und Hass verbreiten und gegen die Nutzungsbestimmungen der Anbieter verstoßen? Ein Ende der Extrawurst, wie Patrick Beuth schreibt. Wie wird dort nun generell mit Lügen und Hass umgegangen? Wer kontrolliert und moderiert basierend auf welchen Vorhaben und Regeln? Die Konzerne, die ihr Hausrecht ausüben und das deshalb tun sollten und können? Darf man es ihnen überlassen? Wer kontrolliert wie Facebook, Twitter und Co moderieren, gar blockieren und löschen? Diese Unternehmen werden bestimmt nicht von heute auf morgen zu Gutkonzernen, auch wenn sie jetzt einmal konsequenter gegen Hass und Hetze vorgehen. Welche Macht dürfen und sollen privatwirtschaftliche Digital-Plattformen haben, fragt Kai Heddergott auf Twitter.

Der Traum (oder die Illusion?) von einem unabhängigen sozialen Netzwerk

Und auch der Wunschtraum nach unabhängigen, interoperablen Plattformen bleibt. Bisher sind das allerdings immer Träumchen geblieben. Keine Alternative hat eine wirkliche kritische Masse an Anwendern und damit Relevanz erreicht. Forderungen nach einer europäischen Alternative, die aus Rundfunkgebühren finanziert werden sollen, sind ebenso verpufft wie die Appelle eines Tim Berners-Lee nach einem freien Web und seine Versuche, eine technische Alternative zu schaffen.

Machen wir uns auch nichts vor: Trump und Konsorten, die Hetzer und Verschwörungstheoretiker werden sich ganz sicher neue Parallelwelten und Plattformen suchen, finden und dort ihre Hetze und ihre Lügen verbreiten. Darauf wird man auf jeden Fall eine Auge haben müssen.

Der neue Aufbruch in den sozialen Medien?

2021 könnte eine Chance, ein Schlüsseljahr werden, um einiges auf und in den sozialen Medien neu, anders zu gestalten, zu verbessern. Anja Kirig vom Zukunftsinstitut schreibt von der großen Korrektur, dem Abschied von den unsozialen Medien. Die Pandemie markiere eine neue Ära des sozialen Netzwerkens. Plattformen müssten nun ethisch Farbe bekennen. Eine weitere These: Sag mir, auf welcher(n) Plattform(en) Du bist und ich sage Dir, wie Du bist. In Zukunft gehe es mehr um von Vertrauenspersonen kuratierte und verifizierte Informationen. Vor allem diese würden geteilt und ge“like“t.

Die Diskussion um sinnvolle Regeln und Regulierung wird jetzt geführt werden müssen, möglichst gesellschaftlich breit, fordert Christian Müller zu Recht. Möglichst breit wäre schön, aber einfach wird es angesichts von Themenkomplexen wie Fake News, Hate Speech, Meinungsfreiheit und Zensur, Privatsphäre, möglicher Überwachung, Datenschutz und DSGVO, Bedeutung der Algorithmen oder Upload-Filtern nicht. Die nie endende Reparatur des Internets – oder vielleicht sollte man heute besser Splinternet sagen – geht weiter. Aufgeben zählt nicht.

(Stefan Pfeiffer)

2021 wird ein Schlüsseljahr für die sozialen Medien nach Trumps Rausschmiss aus Twitter, Facebook & Co und dem Fokus der US- und EU-Behörden auf die #GAFAM-Konzerne #SocialMedia #Trump

* GAFAM steht für Google (als Synonym für den Mutterkonzern Alphabet), Apple, Facebook, Amazon und Microsoft.

Im Apple-App Store: Neuer „Beipackzettel“ zeigt, wie „wenig“ Daten Facebook sammelt ODER Ich habe doch nichts zu verbergen

28. Dezember 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Mit der neuen Betriebssystemversion für den Mac, iPhones und iPads hat Apple einen „Beipackzettel“ im App Store eingeführt. App-Entwickler sollen auf diesen “Privacy Labels” offen legen, welche Daten zu welchem Zweck gesammelt werden und wie Anwender:innen getrackt werden. Ich habe hier einige der populären Messenger gecheckt. So präsentiert sich der Facebook Messenger im Apple App Store (für Macbooks/MacOS):

Der Bildschirm im App Store für iPhone und iPad sieht analog aus. Wer Details ansehen klickt, bekommt noch einen tieferen Einblick in die Datenverwertungs- und im Endeffekt Monetarisierungwut von Facebook. Ich habe hier die Angaben für Facebook Messenger fotografiert und zusammen montiert:

Zusammengeschnitten, welche Daten der Facebook Messenger im Detail erfasst.

Aber wie sagen viele Bekannte so schön: Ich hab ja nichts zu verbergen, oder? Die Datensammelwut von Facebook kann nicht besser – oder schlimmer – dokumentiert werden. WhatsApp – ebenfalls zum Facebook-Konzern gehörend – geht zwar nicht dermaßen ins Detail, sammelt aber eben auch massiv Daten. Telegram, das auch immer mehr in Verruf geraten ist, macht bisher keine Angaben. Spätestens zur nächsten Aktualisierung sollen (oder müssen) die App-Entwickler aber entsprechende Angaben nachliefern*:

Und hier die Angaben, die Signal und Threema machen. Das erweckt viel mehr Vertrauen.

Das ist ein kurze Übersicht zu den prominenten Messengern. Ich kann darüber hinaus nur jeder:m empfehlen, sich diese Übersicht für die verschiedenen Apps anzuschauen, beispielsweise für Facebook, für LinkedIn oder Xing ebenso wie zum Beispiel für Twitter. Auch einmal die Corona Warn App oder die Corona Datenspende App checken!

Es ist aus meiner Sicht ein wahrer Augenöffner. Und ich sehe es wie Jörg Schieb: „Genau so sollte es meiner Ansicht nach in allen App-Stores sein. Der Gesetzgeber sollte eine derartige Transparenz (gerne noch weitergehend) einfach vorschreiben.“ In diesem Kontext sei auch auf den derzeitigen Streit zwischen Facebook und Apple hingewiesen. Hier will Apple zusätzlich noch eine ausdrückliche Einstimmung der Nutzer:innen, ein explizites Opt-in, dass ihre Daten verwendet werden dürfen, durchsetzen.

Und nicht nur Facebook schaltet Anzeigen und tobt! Werbenetzwerke, Targeting-Firmen und Anbieter von Tracking-Technologie sähen ihr Geschäftsmodell in Gefahr, so die Süddeutsche Zeitung. Und auch manche:r Softwarentwickler:in, die über Facebook-Buttons und Code Nutzerdaten sammeln und verwertem. wird unruhig. Kein Wunder, dass Verlage und und der Werbebranche protestierten. Um es klar zu stellen: Apple ist kein Unschuldslämmle, im Gegenteil, hat aber in dieser Frage meine volle Sympathie.

(Stefan Pfeiffer)

* Besonders gespannt bin ich auf die Angaben der Amazon iOS-App. Auch dort werden bisher noch keine Angaben gemacht.

Social Media-Splitter: Noch nie waren die Anstrengungen in den USA und der EU so groß, die GAFA(M) Plattformen zu regulieren

23. Dezember 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Zum Jahresende doch nochmals einige Social Media-Splitter, denn es tut sich derzeit eine Menge, zumindest in der Diskussion. Ob wirklich etwas passiert oder es nur Theaterdonner ist, das werden wir sehen. Facebook und Apple. In den USA gehen, Justizminsterium, Bundesstaaten und Gerichte gegen Facebook und Google vor. Google wird Monopolbildung vorgeworfen. Man benachteilige Wettbewerber in der Internetsuche und beim Werbegeschäft. Natürlich stoßen die Wettbewerber von Google wie unten DuckDuckGo* auch in dieses Horn und fordern gleiche Chancen:

Auch Facebook sieht sich in den USA mit mehreren Kartellklagen konfrontiert. Die Federal Trade Commission (FTC), die zweite maßgebliche Kartellinstanz in den USA fordert konkrete und sehr drastische Sanktionen. Neben Google und Facebook sind auch Amazon und Apple im Visier amerikanischer Kartellbehörden, Apple wegen der Provisionen, die von App-Entwicklern verlangt werden. Was ist denn da los, fragt man sich. Lediglich Microsoft scheint außen vor …

Auch die EU ist aktiv geworden und will die Macht der Konzerne einhegen, „Wir akzeptieren die Machtstellung der großen Plattformen nicht mehr so einfach“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kürzlich zur ZEIT. Mit dem Digital Markets Act will man sicherstellen, dass die großen, dominanten Tech-Konzerne ihre Marktposition nicht missbrauchen. Geldstrafen von bis zu 10 Prozent des globalen Jahresumsatzes sollen bei Verstößen möglich sein. Wir formulieren es Martin und Simon sio treffend in ihrem (kostenpflichtigen, aber sehr empfehlenswerten) Social Media Watchblog #691: Die halbe Welt legt sich mit Big Tech an.

Eine Handvoll Konzerne sind mächtiger als viele Regierungen – die jahrelang dabei zugesehen haben, wie demokratisch legitimierte Institutionen ihren Einfluss ans Silicon Valley verlieren. Die Politik war schlicht zu langsam und schwerfällig, um mit den Folgen der Digitalisierung Schritt zu halten.
Allmählich ändert sich das. Ende 2020 kulminiert eine Entwicklung, die sich schon länger abgezeichnet hat: Parlamente wollen den Plattformkapitalismus mitgestalten. Die aktuellen Gesetzesvorhaben und Kartellklagen könnten das Netz neu ordnen und Machtverhältnisse grundlegend verschieben.

Die halbe Welt legt sich mit Big Tech an, Facebook vs. Apple: Der Datenschutzstreit eskaliert, Facebook und Twitter nehmen Wahl-Maßnahmen zurück

Das ausführliche Briefing der beiden sei ausdrücklich empfohlen. Halten wir fest: Noch nie vorher waren Dinge so in Bewegung. Wie erfolgreich EU , USA und die anderen Ländern aber sein werden, wird man sehen. Vor allem aber – und darauf macht Patrick Bernau in seinem Kommentar in der FAZ aufmerksam – genügt es nicht, nur zu regulieren:

Die EU macht aus dem Internet ein „ebenes Spielfeld“, wie sie es gern nennt. Jetzt muss Europa aber auch selbst darauf mitspielen. …

Es reicht nicht, die Konzerne anderer Länder zu bändigen. Es müssen auch neue Unternehmen ihren Platz einnehmen wollen.

DSA und DMA reichen nicht: Europa muss Google Konkurrenz machen

Kann Facebook eigentlich überhaupt noch zerschlagen werden?

Auch wird sich die Hoffnung von manch einem auf eine Aufsplittung der Konzerne, beispielsweise von Facebook wahrscheinlich zerschlagen, wie Martin und Simon im vorhergehenden Briefing #689 darstellen. Facebook habe die verschiedenen Tools, Facebook, den Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp unterdessen technisch derart verwoben, dass es schwierig werde könnte, sie wieder zu entflechten. Doch bleiben wir optimistisch, dass sich Dinge vielleicht doch ändern können.

Michael Kroker hat in seinem Wirtschaftswoche-Blog nochmals die beeindruckenden und erschreckenden Zahlen veröffentlicht: Alle vier Dienste hatten demzufolge im 3. Quartal 2020 3,2 Milliarden Nutzer:innen im Monat:

Ebenso selbstredend das Wachstum an Nutzer:innen, das WhatsApp und Instagram seit über der Übernahme durch Facebook hingelegt haben:

Explizite Zustimmung zur Nutzung der Nutzerdaten – Das mag Facebook nicht

Seit iOS 14.3 wird im Apple App Store angezeigt, welchen Daten von einer App möglicherweise erfasst und mit der eigenen Identität verknüpft werden. Amazon hat bisher keine Angaben gemacht … Laut Apple muss der Entwickler beim nächsten Update entsprechende Informationen bereitstellen.

Doch mögen sich ironischerweise auch zwei der GAFAM-Konzerne nicht besonders. Facebook ist im Clinch mit Apple, Mark Zuckerberg mit Tom Cook. Facebook is nicht „amused“ über die geplanten neuen Funktionen von iOS 14, wodurch transparent gemacht werden soll, welche Daten der Nutzer die jeweiligen Apps und Dienste wie verwenden. Und dann gar noch eine notwendige explizite Einstimmung der Nutzer:innen, ein Opt-in, dass ihre Daten verwendet werden dürfen. Bisher muss man aktiv widersprechen, wenn man nicht getrackt werden will. Ich gebe zu, dass ich diese Auseinandersetzung mit einem mehr oder weniger breiten Grinsen verfolge.

Noch zwei weitere Nachrichten, die ich erwähnen will. Facebook hat wohl vor Jahren eine Vereinbarung mit Google getroffen, wonach Google Zugriff auf die WhatsApp-Inhalte von Millionen US-amerikanischer Anwender:innen hatten, die ihre Inhalte auf Google Drive gesichert haben. Schlimm genug.

Und Twitter will wohl Periscope, die Live-Streaming-App von und für Twitter, einstellen. Nutzer sollen danach Livestreams über die Haupt-App von Twitter gesendet werden können. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt. Betrifft mich/uns ja auch bei zum Beispiel bei #9vor9.

(Stefan Pfeiffer)

* Ich nutze zur Suche DuckDuckGo oder auch Qwant und verzichte zu 99 Prozent auf Google. Die Suche rufe ich nur auf, wenn ich etwas wirklich nochmals gegenchecken möchte. Geht.

Die Digitalthemen bei #9vor9: Der Medienstaatsvertrag und Datenschutz rund um die Corona Warn App und das Gesundheitswesen

25. November 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Unsere Digitalthemen in dieser Sendung: Lars hat den Medienstaatsvertrag auf der Agenda, der – längst überfällig – den alten Rundfunkstaatsvertrag ablöst. Hier wird unter anderem die Verantwortlichkeit von Medien wie etwa Online-Streamingdiensten geregelt. Der Medienstaatsvertrag richtet sich vor allem an so genannte „Medienintermediäre“ wie Facebook oder Google, die Inhalte weiter verbreiten. Die müssen jetzt Inhalte gemäß der geltenden journalistischen Grundsätze auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Geklärt ist nun auch, ob und wann Streamer eine Rundfunklizenz benötigen. Demzufolge brauchen Streams, die der Meinungsbildung dienen und mehr als 20.000 gleichzeitige Nutzer über einen durchschnittlichen Zeitraum von 6 Monaten haben eine Rundfunklizenz. Weitere Details wie die Angabe eines inhaltlich Verantwortlichen oder zur journalistischen Sorgfaltspflicht auf Webseiten findet man hier.

Konkurrenz zum geplanten EU Digital Services Act?

Zur Lektüre empfohlen: Dieser Beitrag von der FAZ, der auf Vorbehalte der EU-Kommission wegen des geplanten Digital Services Act eingeht und den Medienstaatsvertrag als nationalen Alleingang rügt. Auch netzpolitik.org spricht von einer nationalen Extrawurst. Rechtsanwalt Jan Kalbhenn schreibt dagegen im Social Media Watchblog (kostenpflichtig) von einer europa- und weltweiten Vorreiterrolle und auch unser Lars haben den Vertrag eher begrüßt.

„Mein“ Thema der Woche ist einmal mehr Datenschutz, diesmal im Zusammenhang mit der Corona Warn App und der elektronischen Patientenakte. Von vielen Politikern, beispielweise Winfried Kretschmann und Markus Söder, hört man dieser Tage die Forderung, den Datenschutz in und rund um die Corona Warn App aufzuweichen, damit diese einen höheren Wirkungsgrad in der Pandemiebekämpfung erziele. Ein Argumentationsstrang, den man dabei oft hört (und der mich etwas erregt): Bürger:innen gäben ihre Daten ja auch einfach so an Facebook, Google, Amazon und Co. Dann könnten sie diese auch für den quasi guten Zweck der Pandemiebekämpfung zur Verfügung stellen. Ein bisschen einfach diese Pseudoargumentation.

Google und Facebook haben meine Daten – warum nicht auch die Corona Warn App?

Viele Datenschützer halten natürlich dagegen. Der ehemalige Datenschutzbeauftragte Peter Schaar weist darauf hin, wie wichtig das Thema Datenschutz für die Akzeptanz von Corona Warn Apps sei. Hier verzeichne die deutsche Lösung die höchsten Download-Zahlen.

Unterdessen hat auch der aktuelle Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber erneut in diese Kerbe geschlagen. Er schreibt von einer steilen These, die meist nicht belegt sei. Corona-Bekämpfungsmaßnahmen gelängen nur dann, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung sie freiwillig akzeptierten. Datenschutz erzeuge das notwendige Vertrauen in die Maßnahmen.

Apropos Vertrauen: Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat gerade untersucht, was Deutsche, Schweizer und Österreicher daran hindert, die jeweiligen Apps zu installieren. Demzufolge haben 31 Prozent der Deutschen trotz besagten Datenschutzes immer noch genau dort Bedenken. Und 21 Prozent der Befragten fürchten Überwachung. Weitere Details hier auf heise online.

Peter Schaar weist in seinem Beitrag – wie viele andere – auf mögliche und notwendige Erweiterungen der deutschen Corona Warn App wie einer besseren Erkennung von Infektionsclustern und das Versenden entsprechender Warnungen an Nutzer, der tieferen Integration in die Test-Infrastrukturen oder auch der Möglichkeit, freiwillig ein Kontakttagebuch zu führen. Den Vorschlag, einfache Armbänder zu entwickeln, die die Funktionalität der Corona Warn App auch Personen, die kein Smartphone haben. zur Verfügung stellt, finde ich übrigens sehr charmant. Fragt sich nur, wie kurzfristig das ginge.

Ist Datenschutz immer absolut oder kann es Zwischenschritte geben?

Kann und sollte man bei der Corona Warn App eine klare Haltung bezüglich des notwendigen Datenschutzes haben, so stellt sich mir diese Frage beim Thema der elektronischen Patientenakte anders. Die Akte soll ja jetzt zum 1. Januar 2021 für alle gesetzlich Versicherten eingeführt werden. Jedoch haben hier Datenschützer wie Ulrich Kelber Bedenken. Er warnt vor der Version 1.1. der elektronischen Patientenakte, die nicht DSGVO-konform sei. Erst die Version 2.0, die für Anfang 2022 geplant ist, soll dann den notwendigen umfassenden Datenschutz auch für potentiell stigmatisierende Informationen bieten. Im Beitrag von heise online wird gemunkelt, dass der Bundesdatenschutzbeauftragte dier Version 1.1. stoppen könnte.

Und genau hier bin ich gespalten, gerade auch aus meiner Perspektive als Patient, der erlebt hat, wie heute noch immer Informationen zwischen Ärzten und Krankenhäusern ausgetauscht werden: per Fax, Telefon und DVD. Hier sei auch nochmals auf den Podcast des Handelsblattes mit Dr. Jens Baas verwiesen. In #9vor9 habe ich deshalb auch die Frage gestellt, ob man trotz der Bedenken die Pateintenakte genehmigen und nutzen solle mit dem klaren Versprechen, dass zum 1.1.2022 der umfassende Datenschutz realisiert wird. Darf man also die elektronische Patientenakte (ePA) quasi als bundesweiten Feldtest betreiben, wohl wissentlich, dass es noch Schwächen gibt?

Ich möchte eine elektronische Patientenakte, damit ich besser behandelt werde

Ich bin hier bei TK-Chef Jens Baas und dem Gebot, dass ich als Patient:in der Nutzung meiner Daten in der ePA (und darüber hinaus anonymisiert zum Beispiel für Forschung) explizit zustimmen muss. Und ich glaube, dass wir auch beim Datenschutz Zwischenlösungen, auch einmal statt schwarz-weiß einen Hellgrauwert akzeptieren müssen, solange dann weiß gewaschen wird. Oder gibt es nur den absoluten Datenschutz. Anders herum: Datenschutz sollte und darf kein totaler Roadblocker und endloser Verzögerer oder Bremser für Digitalisierung sein. Hier sollten durchaus Zwischenschritte möglich sein, solange das Ziel des sauberen Datenschutzes nicht nur im Visier bleibt, sondern realisiert wird. Hier spielen Datenschützer für mich die wichtige Rolle des Aufpassers, aber eben nicht des Blockierenden. Vielleicht trügt ja auch mein Eindruck, aber im Bereich Gesundheitswesen wünsche ich mir aus ganz persönlichem Interesse als Patient die bessere Nutzung meiner Daten, die mir gehören, damit ich besser behandelt werde.

Und natürlich gibt es #9vor9 auch wieder als Podcast auf den bekannten Plattformen und hier im Netz.

(Stefan Pfeiffer)

Social Media-Splitter: TikTok-Stars retten ihre Millionen Follower – Wo gehen wir hin, wenn Facebook aus der EU weg geht – Markenbotschafter brauchen Rückendeckung ihres Unternehmens

28. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Interessanter Bericht auf Wirtschaftswoche.de: Viele TikTok-Stars ziehen um oder – um es besser und neudeutsch zu formulieren – diversifizieren, bevor ihn vermeintlich die Plattform und vor allem die Einnahmen wegbrechen. Und sie bedanken sich ganz sicher bei der Locke im Weißen Haus. Ohne den, wäre sie wohl nicht auf eine Plattform wie Triller – vorher nie gehört – weiter gezogen.

Danke, Donald: TikTok Creators ziehen um, um Geldstrom zu sichern

Diversifikation ist Trumpf

Die Influencer-Gemeinde ist es gewohnt, ihren Ruhm auf einer Plattform so schnell wie möglich auf weitere Plattformen zu übertragen. So senken sie das Risiko, dass sie bei der Änderung des Algorithmus einer Plattform plötzlich in der Versenkung verschwinden und ihr Einkommensstrom abreißt.

TikTok: Stars retten nun ihre Millionen (Follower)

Doch auch das gute, alte YouTube könnte davon profitieren, als „ideale Plattform für längere Geschichten“. Google wird es freuen. Spotify versucht wohl einige Creators für Podcasts zu begeistern. Was aber, wenn das amerikanische TikTok, beheimatet in Texas von Donald’s und Larry’s Gnaden, doch bleibt? (Mir egal.)

Was wäre wenn Facebook aus der EU weg ginge? Wo gehen die Facebook-Nutzer denn dann hin? Nach Hause?

In den vorhergehenden Social Media-Splittern habe ich über den angedrohten Weggang von Facebook aus Europa geschrieben. Den Beitrag von Henning Uhle habe ich danach gelesen. Wie er glaube ich auch nicht daran, dass Facebook wirklich Ernst machen wird. Aber was, wenn Mark doch Ernst macht:

Schnell kommt nun die Frage auf, was denn die Alternative zu den Facebook-Diensten wäre. Und da haben wir doch das Problem, was einem da sofort ins Auge springt: Es gibt keine.

Facebook-Dienste in Europa am Ende? – Henning Uhle

Da hat Henning wohl Recht. Und ich denke gerade auch an meine Frau, die regelmäßig auf Facebook Petitionen verteilt (und unterzeichnet) oder sich in Gruppen besonders zu „grünen“ Themen informiert. Einen Ersatz für Facebook gibt es auch unter diesem Aspekt nicht. Nicht falsch verstehen: Mir bleibt Facebook gestohlen und ich mache nur das Nötigste. Schade ist es aber halt trotzdem, dass es keine alternative Netzheimat gibt. „Das hat man hierzulande verpennt“, schreibt Henning und fügt hinzu:

Es gibt keine Alternative, die vollständig abbildet, was Facebook so bietet. … Vielleicht kommen so aber wieder mehr Menschen auf die Idee, die scheinbar vergessenen Blogs zu besuchen.

Facebook-Dienste in Europa am Ende? – Henning Uhle

Ich würde es anders sagen: Es gibt kein anderes Netzwerk, auf dem so viele Leute sind. Das ist entscheidender als die Funktionalität. Und leider sind meine geliebten Blogs halt zu zerstreut und die Inhalte zu schwer zu finden.

Unternehmen müssen ihren Markenbotschaftern auch juristisch den Rücken stärken

Und dann noch ein ganz spezieller Text zu dem immer wieder heiß diskutierten Thema Influencer Marketing. Viele Unternehmen wollen, dass ihre Mitarbeiter als Markenbotschafter für die eigene Firma auf Social Media auftreten. Ich selbst bin jemand, der solche Konzepte in vielen meiner Funktionen in der IBM umzusetzen versuchte. Markenbotschafter wirken authentisch, das Unternehmen bekommt ein Gesicht (bzw. Gesichter) und es wird eine organische Reichweite erzielt.

Seit Jahren sehe ich mich aber auch mit der Skepsis von Kolleginnen und Kollegen konfrontiert. Die fragen sich, was sie denn davon haben, bemängeln, dass ihre Chefs die aufzuwendende Zeit nicht als Arbeit sähen, oder sie haben Angst, was denn passieren könnte, wenn mal etwas schief geht, eine Aussage quer liegt, ein Konflikt gar juristischer Art entstehen könnte. Und ich sage auch immer meinen Chefs, dass wir den Kolleginnen und Kollegen genau diese Angst möglichst nehmen müssen, ihnen zumindest Unterstützung zusagen müssen, wenn es zu einem Konflikt käme*.

Dr. Thomas Gerdom legt nun im Blog Arbeitsrecht. Weltweit der Kanzlei Kliemt eine juristische Perspektive offen. Er beschreibt zwei mögliche vertragliche Szenarien, wie eine solche Tätigkeit als Markenbotschafter abgebildet werden könnte. Die Arbeit als Markenbotschafter könne Teil des normalen Arbeitsvertrages sein (Einheitsmodell). Oder aber genau für diese Tätigkeit werde zusätzlich ein neues Vertragsverhältnis geschaffen (Trennungsmodell). Was könnte dahinter stecken?

Aus Arbeitgebersicht hat das Trennungsmodel Vorteile im Rahmen der Haftungsverteilung: Verursacht der Influencer einen Schaden (z.B. im Kontext des § 8 Abs. 2 UWG), kann ihn das Unternehmen im Trennungsmodel – je nach vertraglicher Ausgestaltung – in voller Höhe in Regress nehmen. Im Einheitsmodell gelten dagegen die zwingenden Grundsätze der beschränkten Arbeitnehmerhaftung (innerbetrieblicher Schadensausgleich). Diese haben zur Folge, dass der Influencer bei fahrlässigen Verstößen häufig gar nicht oder nur eingeschränkt in Regress genommen werden kann.

Arbeitnehmer als Influencer – Herausforderungen für die Vertragspraxis – Arbeitsrecht. Weltweit.

Ziemlich klar, was ich als Arbeitnehmer ablehnen würde … Ebenso klar ist, wie meine Kolleginnen und Kollegen auf solche Ausführungen reagieren. Meine 2 Cents: Alle berechtigten juristischen Überlegungen rund um Haftung und ähnliches hin und her. Wer wirklich seine Mitarbeiter:innen als Markenbotschafter:innen gewinnen will, muss ihnen Sicherheit geben und ihnen juristisch den Rücken frei halten. Und das müssen die Markenbotschafter:innen auch wissen. Natürlich ist das kein Freischein, sich im Netz daneben zu benehmen. Da gelten die ganz normalen Business Conduct Guidelines und … der gesunde Menschenverstand, wie man miteinander umgeht und welche Aussagen man nicht macht.

The Pioneer: Langsam Schluss mit den kostenfreien Angeboten – und der Zampano sonnt sich weiter in seiner Selbstgefälligkeit

Eigentlich waren diese Social Media-Splitter schon fertig, aber dann erreichte mich noch die E-Mail von Gabor Steingart unter der Überschrift „In eigener Sache“. Er informiert, wie es mit dem Projekt The Pioneer weiter gehen soll, das den Anspruch hat, „in der tradierten deutschen Medienlandschaft den Perspektivwechsel zu kultivieren“. Kurz gefasst: Es geht an die Monetarisierung. Jetzt muss und will man scheinbar langsam Geld verdienen. Verständlich. Deshalb kann man das Schiff auch für eigene Events mieten oder aber ein Pioneer werden. Mit einem monatlichen Beitrag von 10 Euro (abgezielt auf Studenten) über 25 Euro (für den normalen Leser und Hörer) geht es los. Als Pioneer Supporter kann man gar 833 Euro im Monat zahlen. Schließlich sind auch im Rahmen des Leseraktienprogrammes Investitionen ab 100.000 Euro möglich.

Und es wird so langsam Schluss sein, mit vielen kostenfreien Inhalten:

Zum Ende des Jahres werden wir bestehende und neue Podcasts und Inhalte nur noch exklusiv für Pioneers verfügbar machen. …

Den Morning Briefing Newsletter werden Sie weiterhin kostenlos und werbefrei erhalten. Der Morning Briefing Podcast wird ab 2021 nur noch für zahlende Pioneers erhältlich sein.

In eigener Sache: Das Pioneer-Projekt

Frage ich mich natürlich, was mit dem Tech Briefing Podcast von Daniel Fiene und Richard Gutjahr passiert, ein Format, bei dem ich mir zwar nicht alle Folgen, aber doch einige Themen anhöre. Werde ich also abonnieren, um weiter diesen Podcast zu hören und die durchaus guten Infografiken für eigene Beiträge nutzen zu können? Wohl eher nein, denn mir geht bei aller Brillanz mancher Formulierung manche offensichtliche Eitelkeit und Selbstgefälligkeit des Chefs ungemein auf die Nerven. Gunnar Sohn, Lars Basche und ich haben das ja bei #9vor9 schon einmal ausgiebig diskutiert. Etwas mehr Demut, etwas mehr Bescheidenheit und Understatement würde dem Zampano Gabor Steingart meiner Meinung nach gut stehen. Und wahrscheinlich werde ich doch hin und wieder schwach werden und doch knackige Aussagen aus dem weiterhin kostenlosen Morning Briefing Newsletter zitieren.

(Stefan Pfeiffer)

* Ich habe in meinen über 10 Jahren, die ich persönlich in den sozialen Medien aktiv bin, übrigens nie eine solche Eskalation erlebt. Wenn man sich an die Regeln der Kommunikation hält, die im normalen Geschäftsleben gelten, ist meiner bescheidenen Meinung nach das Risiko auch nicht besonders groß.

Social Media-Splitter: Theaterdonner oder segelt Facebook nach Hause, wo und wie informieren sich „die Jüngeren“ und warum es weiter Blogs geben sollte

23. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es ist mal wieder Zeit für meine Social Media-Splitter. Themen habe ich schon einige Tage gesammelt. Den Kick, wieder eine kuratierte Sammlung von Beiträgen zu veröffentlichen, haben aber die Berichte über einen möglichen Weggang von Facebook aus Europa gegeben.

„Es ist (Facebook) nicht klar, wie es unter diesen Umständen seine Dienste Facebook und Instagram in der EU weiterführen kann“

Facebook bringt Abschied aus EU ins Spiel – Digital – SZ.de

So zitiert beispielsweise die Süddeutscher die eidesstattlichen Versicherung an ein irisches Gericht der Facebook-Juristin Yvonne Cunnane. Woran stört sich Facebook? Nachdem sowohl das Safe-Harbor-Abkommen wie auch das Privacy Shield von EU-Gerichten gekippt wurden, sieht sich Facebook mit der Forderung der Datenschutz-Grundverordnung konfrontiert, nach der persönliche Daten in Nicht-EU-Staaten transferiert werden dürfen. Und scheinbar will sich Facebook davor drücken, genau das technisch und datenschutzrechtlich zu realisieren.

Facebook: Reisende soll man nicht aufhalten?!

Möglich erscheint es, aber eben aufwendig. Hier bin ich dann bei Gabor Steingart:

Die Drohung der Facebook-Manager sollte uns Europäer bestärken, nicht schrecken. Auch für die Firma des Mark Zuckerberg gilt: Reisende soll man nicht aufhalten.

Haushalt mit Milliarden-Lücke | Jens Spahn profitiert | Dieter Nuhr: Der wehrhafte Kabarettist

Oder wer nicht will, hat schon … Theatergedonnere.

Wo und wie informieren sich denn die Jüngeren in Deutschland genau?

Dann bin ich über eine Anzeige auf Horizont auf diesen Beitrag auf Editorial Media gestoßen, die den Reuters Digital News Report des Reuters Institute an der Universität Oxford so interpretieren, dass Facebook bei den Jüngeren als Nachrichtenquelle an Bedeutung verliere. Gleichzeitig steige vor allem unter den Jüngeren langsam die Zahl der Nutzer*innen, die für Nachrichtenjournalismus Geld ausgeben würden. Und natürlich bewertet es Editorial Media, ein Zusammenschluss deutscher Publikumsverlage im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, es positiv, dass 2020 rund die Hälfte (52 Prozent) Abonnements oder die Mitgliedschaften abschließen und mit diesem längerfristigen Engagement zu einem stetigen Einkommensstrom beitragen würden.

Überteuerte, langfristige Abos für jede Publikation abschließen? Das kann es nicht sein

Wie schon des öfteren erwähnt, schrecke ich vor Abofallen, den meist zu teuren und zu verpflichtenden Abonnements zurück und möchte lieber einen Service haben, über den ich Berichte verschiedenster Medien gezielt nach meinen Interessen nutzen und bezahlen kann. Und ja, ich weiß, dass alle Micro Payment-Modelle bisher gescheitert zu sein scheinen.

Ich habe mir dann noch die deutsche Teilstudie vom Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung der Hans-Bredow-Institut durchgelesen. Hier ist die Betonung doch etwas anders, denn es wird betont, dass zwar die deutliche Mehrheit einen unabhängigen Journalismus für das Funktionieren einer Gesellschaft als wichtig erachtet (79 %), diese Zahl aber in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen lediglich bei 56 Prozent liege. Nun könnte man daraus schließen, dass eben genau diese Jüngeren vielleicht doch keine Abos bei traditionellen Medien abschließen.

„Das Internet“ und „die sozialen Medien“ als Informationsquelle der Jüngeren

Was mich auch dort etwas stört ist die Gegenüberstellung von „dem Internet“, den traditionellen Medien und „dem Fernsehen“. Das müsste man nun wirklich langsam differenzieren. Ist nicht die Online-Präsenz der FAZ eher ein traditionelles Medium beziehungsweise eine journalistisches Medium, auch sie eben „in dem Internet“ läuft. Und übrigens Facebook hin und Facebook her: Laut Bericht sind soziale Medien in 2020 für 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an die wichtigste Nachrichtenquelle, eine Steigerung um 8 Prozent gegenüber 2019. Informieren sich die Jüngeren etwa nicht mehr auf Facebook und stattdessen auf Tiktok? Ich denke, wir müssen hier genauer hin schauen.

Microblogging mit Twitter sollte und kann nicht das Blog ersetzen

Schon länger notiert habe ich den Podcast, den t3n-Chefredakteur Luca Caracciolo mit dem ehemaligen t3n-Online-Chefredakteur Stephan Dörner über die Tech-Trends der vergangenen Jahre geführt hat. Ich bin über Stephans Äußerungen zu Twitter gestolpert – ein betroffener Hund bellt. Laut Stephan (ab ca. 13:35 im Podcast) will Twitter endlich nicht mehr das nächste Facebook werden. Twitter – auch Stephans bevorzugtes soziales Medium – sei ein Boutique-Netzwerk gerade in Deutschland und spiele eine Nebenrolle. Deutlich überrepräsentiert seien Journalisten:innen, Politiker:innen und eine Tech- und Politikbubble. Und er kennzeichnet Twitter als Microblogging, quasi als einen Ersatz für Blogs angesichts einer sich auflösen Blogosphere. Es gebe immer weniger Blogs in Deutschland.

Da ist natürlich der Punkt, an dem ich einhake: Ich verfolge auch, dass viele Blogs für viele Interessengebiete eingeschlafen oder stillgelegt wurden. Manche wandern nach Instagram oder Facebook, weil dort „die Anwender“ oder „die Käufer“ sind. Ich verfolge das beispielsweise in der Weinszene. Aber ich will und muss wieder einmal ein Plädoyer für Blogs halten. Für mich sind Blogs bei weitem nicht so flüchtig wie die Timeline auf Twitter, wo meine und alle anderen Nachrichten an mir vorbei rauschen und in den Tiefen des Twitter- und Netzraums verschwinden. Unendliche Weiten … Ein Blog ist für mich viel mehr beständig, vielleicht ein Tagebuch und in manchen Phasen macht es mir Spaß, zu schauen, was ich vor 10 Jahren geschrieben habe. Ja, und natürlich sträuben sich mir auch manchmal die Haare. Nichtsdestotrotz. Der oder das Blog bleibt meine Heimat auch im sozialen Netz.

Zum Schluss noch dies und das …

Soziale Medien spielen sicher im jetzigen US-Wahlkampf eine Rolle und da ist der Bericht auf Spiegel.de erwähnenswert. Es wird versucht, zu hacken und zu manipulieren.

Noch ein Lesetipp: Netzpolitk.org berichtet darüber, wie bei Google und Facebook interne Debatten abgewürgt werden. Politische Diskussionen, beispielsweise rund um Black Live Matters oder um möglicherweise zu zögerlichen Vorgehens gegen rechtsextreme Desinformation auf der Plattform, sind nicht erwünscht, so von wegen offenen internen Debattenkultur und flacher Hierarchien, die beide Unternehmen immer wieder für sich in Anspruch genommen haben. „Arbeits-Feed soll politikfrei werden“, so eine Zwischenüberschrift und das ganze ist auch ein schwieriges Thema

Und zum Schluss: Das Tohuwabohu rund um TikTok, Donald, Walmart und Oracle möchte ich gar nicht kommentieren. Warten wir ab, wohin die Reise geht.

Wie kommt es zu Kommunikationskrisen?

Noch schnell nachgetragen diese Infografik von Faktenkontor zu den meist verbreiteten Ursachen von PR Krisen auf die ich über einen Beitrag der geschätzten Claudia Tödtmann aufmerksam wurde. Fehlverhalten auf Social Media löst mit einem Anteil von 24 Prozent Kommunikationskrisen aus. Wirklich?

(Stefan Pfeiffer)

Social Media-Splitter: Threema wird Open Source – Immer mehr Podcasts – Immer weniger Tageszeitung – Rund um Apple, Facebook & … Tiktok

4. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es ist mal wieder Zeit, einige Informationen rund um Social Media zu kuratieren und zu dokumentieren.

Threema wird Open Source – Facebook führt Messenger zusammen

Im Messenger-Markt gibt es Nachrichten, eine, die mir nicht gefällt, eine andere, die ich begrüße. Jetzt dürft Ihr raten …

Eigentlich war die Messenger-Fusion schon für Anfang 2020 geplant. Doch die Corona-Pandemie machte Mark Zuckerberg einen Strich durch die Rechnung. Mit etwas Verspätung fängt der Facebook-Chef nun aber an, sein Messenger-Monopol aufzubauen – mit der Verzahnung des Facebook Messengers und Instagram.

Messenger-Monopol: Facebook vereint Messenger und Instagram- Basic Thinking

Threema ist auf meinem iPhone installiert. Der hauptsächlich genutzte Messenger ist derzeit Signal.

Podcasts werden immer beliebter

Video und Audio werden immer beliebter. Dazu passen auch die Umfrage von Goldmedia. Demnach hat jeder Dritte Deutsche ab 14 Jahre schon einmal einen Podcast gehört:

Regelmäßig nutzen rund 15 Prozent die Audio-Formate – das entspricht 10,4 Millionen Menschen. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Anteil der regelmäßigen Hörer sogar bei rund 30 Prozent.

POD-Ratings von Goldmedia: Zehn Millionen hören regelmäßig Podcasts – Horizont

Nicht umsonst produzieren ja auch Lars und ich unser privates #9vor9 mit den Digitalthemen der Woche nicht nur als Periscope-Video, sondern veröffentlichen die Sendungen nun auch als Podcast. Gleiches gilt auch im Job für das IBM Livestudio und den Podcast In die Tiefe..

Tageszeitungen kämpfen, mehr Leser:innnen nutzen E-Paper

Der Informations- und Nachrichtenkonsum wird insgesamt digitaler. E-Paper sind auf dem Vormarsch:

Laut der aktuellen E-Paper-Studie des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) legten die E-Paper im 2. Quartal um rund 20 Prozent auf über zwei Millionen Exemplare zu. Vor allem Besserverdienende nutzen gerne elektronische Zeitungen.

E-Paper-Studie des BDZV: E-Paper-Auflage der deutschen Zeitungen steigt um 20 Prozent – Horizont

Dazu auch die neuste Statsitik über die verkaufte Auflage der überregionalen Tageszeitungen laut IVW im zweiten Quartal 2020. Lese ich die Grafik richtig, sind dort E-Paper enthalten.

Stellt sich natürlich auch die Frage, ob der sinkende Konsum von überregionalen Tageszeitungen in irgendeiner Form kompensiert wird, beispielsweise durch Podcast oder Video, durch Fernsehen oder gar soziale Medien (mit allen Risiken). Gabor Steinhart zum Beispiel feiert ja gerade sich und seine Podcasts …

Nachrichten um die Krähen, die den anderen …

Und natürlich tobt weiter der Streit um die 30 Prozent Provision, die Apple (und Google) in ihren App Stores verlangen. Da hat es dann auch mal Facebook getroffen:

Im großen Streit um App-Store-Regeln schießt sich auch Facebook weiter auf Apple ein: Der iPhone-Konzern habe ein Update der Facebook-App abgelehnt, weil darin beim Verkauf von Online-Kursen auf Apples 30-Prozent-Provision hingewiesen werde, erklärte Facebook gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Man habe den Hinweis entfernen müssen, um das Update im App Store veröffentlichen zu dürfen.

Facebook: Apple unterdrückt Hinweise auf seine 30-Prozent-Provision | heise online

Der Streit um die 30 Prozent geht weiter. doch an anderer Stelle scheint Apple erst einmal eingeknickt zu sein. Noch im Juni hat man vollmundig verkündet:

„Hier bei Apple glauben wir, dass Privatsphäre ein fundamentales Menschenrecht ist“, erklärte Softwarechef Craig Federghi bei der Keynote der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni. Was wie ein Lippenbekenntnis klingt, ist bei Apple eine Kampfansage an andere IT-Konzerne, die mit Werbung viel Geld verdienen. Hauptzielscheibe von Apples Strategie ist eindeutig Facebook, doch auch Google könnte betroffen sein. Denn Apple will mit seinem für Herbst erwarteten Update auf iOS 14 eine Funktion einführen, die Daten seiner Kunden besser vor Werbeanbietern schützen soll.

Apple: iOS 14 könnte Facebook das Geschäft vermiesen – DER SPIEGEL

Nun kam diese Meldung über den Ticker:

Apple verschiebt die Einführung neuer Möglichkeiten, die Datensammlung durch Apps einzuschränken, auf kommendes Jahr. Man wolle dadurch Entwicklern mehr Zeit geben, notwendige Änderungen vorzunehmen, erklärte Apple am Donnerstag. … Durch die Neuerungen sollen Nutzer leichter verhindern können, dass Apps und Werbedienste Informationen über ihr Verhalten über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg sammeln. … Facebook warnte davor, dass die Änderung das Werbegeschäft des Online-Netzwerks erschweren würde.

Apple verschiebt Maßnahmen für mehr Privatsphäre- FAZ

Fast jede:r, den ich kenne, regt sich darüber auf, dass die GAFAM-Konzerne zu wenig Steuer in Europa sammeln und alle Schlupflöcher clever ausnutzen. Wenn dann Steuern erhoben werden, scheinen sie einfach durch zu reichen. Wir zahlen im Endeffekt:

Während die meisten Mitgliedstaaten der EU noch über eine Digitalsteuer diskutieren, sind Frankreich, Italien, Österreich Großbritannien und auch die Türkei vorangegangen und haben eine eigene Steuer eingeführt oder geplant. Die Tech-Konzerne legen den Preis auf ihre Kunden um. …

Apple reicht Steuer an Entwickler weiter …

Amazon erhöht Kosten für Händler …

Google macht Anzeigen teurer …

Digitalsteuer: Apple, Google und Amazon reichen den Aufpreis an Kunden durch – t3n

Eine nicht nur bei den Digitalkonzernen beliebte Methode, „Steuerausfälle“ zu kompensieren.

Um Tiktok kommen wir gerade nicht rum

Natürlich kann in keinem Beitrag zu Social Media heute Tiktok fehlen. Nein, ich kommentiere jetzt nicht weiter die Übernahmegerüchte. Ich möchte auf den FAZ Digtec Podcast hinweisen, in dem Alexander Armbruster und Carsten Knop mit dem Autor der Tiktok-Bibel Adil Sbai diskutieren und informieren. Ich habe durch Adil einiges gelernt, auch wenn ich bei seiner Einschätzung zu Zensur und Datenschutz bei Tiktok schon etwas schlucke.

Wer lieber liest, der kann sich das Interview mit Adil Sbai und Younes Zarou auf Horizont.Net in Gänze durchlesen. Zu Datenschutz sagt er:

Ich kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Verstöße gegen die DSGVO sind nicht belegt, und es fehlt auch jeder Beweis dafür, dass Daten nach China gehen. Klar: Niemand weiß, was TikTok intern mit den Daten macht. Aber das weiß man auch bei den anderen Plattformen nicht, die weniger in der Kritik stehen. Ich betrachte die öffentliche Debatte mittlerweile mit einer Mischung aus Schmunzeln und Kopfschütteln. Es gab sicherlich Fehler in der Vergangenheit, etwa beim Jugendschutz, die aber auch am schnellen Wachstum lagen. Aber in den vergangenen sechs Monaten sind mir keine Dinge mehr aufgefallen, die nennenswert wären. Die gesamte Diskussion lässt sich meiner Meinung nach darauf zurückführen, dass es einen Generalverdacht gegen Bytedance gibt.

Experten Younes Zarou und Adil Sbai: Was die Faszination von TikTok ausmacht

Und dem Klaus sein Social CEO

Das Thema Social CEO ist etwas, was mich hier im Blog schon lange beschäftigt. Klaus Eck hat die folgende Grafik im Handelsblatt gefunden:

(Stefan Pfeiffer)

Uns fehlt die Vision für die AR-Brille von Apple, mehr journalistische Inhalte durch Facebook News und warum wir Deutschen investieren sollten – Digitalthemen bei #9vor9

1. September 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Wie angekündigt ging es bei #9vor9 heute um Apple, den Erfolg von Tim Cook als Chef (zumindest an der Börse mit einem Wert von 2 Billionen US$) und dem nächsten großen Ding: der Augmented Reality-Brille von Apple, sozusagen das Headup Display für den Menschen. Sowohl Lars wie auch ich sind noch etwas am Zweifeln, aber vielleicht fehlt uns nur die Phantasie? Und dann noch eine Suchmaschine von Apple und einiges mehr, was ich ja auch schon von Fiene und Gutjahr in deren Podcast gehört habe.

Kein Wunder, dass ich das Unschuldslämmle Mark Zuckerberg über die Marktmacht von Apple auf regt. Wenn eine Krähe …

Was hatten wir noch auf der Pfanne? Kurz haben wir die Bedeutung von Wechat für den gemeinen Chinesen gestreift, ein essentieller Bestandteil des tägliches Lebens inklusive Bezahlfunktion, schwer vorstellbar für uns Deutsche.

Zurück zu Facebook: Hier hat Lars darauf hingewiesen, dass Facebook News nun auch nach Deutschland kommen wird. Meine persönliche Begeisterung hält sich in Grenzen und das Projekt ist ja auch umstritten, wie beispielsweise die Süddeutsche kommentiert. Wird es dazu führen, dass mehr journalistische Inhalte den immer mehr ins Alter kommenden Mitgliedern von Facebook präsentiert werden? Gerade angesichts der heutigen Situation und Diskussion ein heißes Thema. Fragt sich nur, ob dann Walmart, Microsoft oder Oracle auch News auf Tiktok bringen werden, damit die Jüngeren informiert bleiben.

Schließlich noch ein Hinweis auf den neuen Beitrag des geschätzten Gunter Dueck, der sich mit dem Thema Börsenwert und Aktien auseinandersetzt: „Heute beträgt der Börsenwert von Tesla ungeheuerliche 337 Mrd. Euro, der von Daimler dagegen nur 46 Mrd. Euro,“ schreibt er und schüttelt vermeintlich den Kopf. Die Deutschen und die deutschen Unternehmen vertrauen, so @wilddueck, ständig auf den Staat, machen den beispielsweise für eine Ladeinfrastruktur für E-Autos verantwortlich, statt die Ladestationen einfach selbst zu bauen – wie es Tesla in den USA tut. Dueck fordert zum Investieren auf, Privatpersonen und Unternehmen. Investieren statt auf Förderung vertrauen. Mehr Eigeninitiative statt Lamentieren und auf den Staat vertrauen. Da hat er mal wieder einen raus gehauen.

Dann bis kommende Woche bei #9vor9.

Larsilein & Stefan

Social Media-Splitter: Von Schattenprofilen, Audio-Tweets bis zum Vertrauen in ARD, ZDF und andere Qualitätsmedien

21. Juni 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Es sind mir wieder einige Berichte und Kommentare aus der bunhten Welt der Medien und von Social Media über den Weg gelaufen. Also ist es mal wieder Zeit für die Social Media Splitter. Auf OMR bin ich auf den Artikel und das Gespräch von Torben Lux mit dem bekannten Marketing-Professor Scott Galloway. gestoßen und da gibt es einige interessante Thesen. Beispielsweise munkelt Galloway über einen Kauf der Suchmaschine DuckDuckGo durch Apple. Oder aber er mutmaßt über ein mögliches Abo-Modell, das Twitter einführen könnte.

Verifizierte Accounts bis zu 2.000 Followern könnten weiterhin gratis bleiben, größere Account sollten dem Marketing-Professor zufolge je nach Follower-Anzahl zahlen. Eine steile These – würdet Ihr für das Nutzen von Twitter zahlen?

The Tech Wars: So malt sich Marketing-Prof Galloway eine stark veränderte Digital-Welt aus | OMR – Online Marketing Rockstars

Auf den Punkt gebracht: Schattenprofile bei Facebook

Auf jeden Fall lesenswert. Ebenso lesenswert, aus meiner Sicht sogar ein Muss der Beitrag von Richard Gutjahr, der in brillanter und prägnanter Form erklärt, warum Facebook auch Profile von Personen hat, die Facebook gar nicht nutzen:

Viele Webseiten, die wir besuchen oder Apps, die wir nutzen, senden heimlich Nutzer-Daten an Facebook. …

Selbst wenn wir keine eigene Facebook-Seite haben, führt das Unternehmen sogenannte Schattenprofile über uns. …

Spätestens wenn wir dann auch noch WhatsApp nutzen (WhatsApp gehört zum Facebook-Konzern) kennt Facebook unseren Namen und natürlich auch unsere Telefonnummer.

Wer hat Dich verraten? Deine Daten. | G! gutjahrs blog

Unbedingt den ganzen Beitrag lesen. Der ist knapp und knackig!

Deutsche trauen in der Mehrheit ZDF, ARD, Zeit, Süddeutsche …

Vielen Autoren greifen den Digital News Report 2020 des Reuters Institutes auf, so auch der geschätzte und abonnierte Social Media Watchblog in seinem Briefing #648. Dort gibt es ein gute Zusammenfassung der Ergebnisse und auch den Link zu dem interaktiven Tool, mit dem man sich Ergebnisse graphisch anzeigen lassen kann.

Hier beispielsweise die Ergebnisse für Deutschland. Orange für „Overall Trust in News“, für generelles Vertrauen in Nachrichten. Rot steht für Vertrauen in die Nachrichten, die man selbst konsumiert. Grün schließlich repräsentiert Vertrauen in soziale Medien als Quelle von Nachrichten. Und Petrol für das Vertrauen in Suchmaschinen als Quelle für Nachrichten. Einfach mal mit dem Tool herum spielen. Macht Spaß.

Auch wenn viele Befragungen vor der Corona-Krise durchgeführt wurden und man dann einige Befragungen nach schieben musste wird deutlich, dass das Bedürfnis nach Informationen natürlich gestiegen ist. Im internationalen Vergleich nutzen wir Deutschen dabei mehr klassische Medien, denn soziale Medien, wobei sich hier schon ein Wandel je nach Generation beobachten lässt.

Vertrauen haben die Deutschen vor allem in die Marken ARD Tagesschau, ZDF heute, die Lokalzeitungen, in ZEIT, Süddeutsche, FAZ und Spiegel wie auch in n-tv und N24. 20 Prozent vertrauen Bild. Ich habe bewusst das „nur“ nicht an den Anfang des Satze gesetzt. Na ja, immerhin trauen 58 Prozent laut Studie nicht den Bild-enden Aussagen. Ich finde dieses Ergebnis sehr gut, gerade auch wenn ich die Beschimpfungen von Journalisten, insbesondere auch den Öffentlich-Rechtlichen, aus gewissen politischen Lagern im Blick habe.

Der Report enthält noch viele weitere interessante Fakten, vom Willen für Onlineinhalte zu zahlen über den wieder gekehrten Erfolg von Newslettern bis hin zum immer wichtiger werdenden Medium Podcasts.

Hier gibt es eine englischsprachige Zusammenfassung der Schlüsselergebnisse. Dei deutschen Ergebnisse sind hier graphisch aufbereitet. Und natürlich kann man sich auch den gesamten Report hier herunterladen.

Und nun kommen Audio-Tweets …

Seitdem die Ankündigung durch die Medien ging, dass Twitter nun Audionachrichten unterstützt, schaue ich mir regelmäßig meine App auf dem iPhone an, denn dort soll die Funktion zuerst verfügbar sein. Noch nichts gefunden, denn sonst hätte ich natürlich mal getestet und beispielsweise die beiden Livesendungen am kommenden Dienstag, den 23. Juni, auf der Tonspur angekündigt (#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche um 8:51 über mein Twitter-Konto zu verfolgen und das IBM Livestudio Magazin um 11 Uhr mit Schwerpunkt Automotive und unter anderem den Gästen Ferdinand Dudenhöffer und Sascha Pallenberg über das Twitter-Konto der IBM Deutschland respektive die entsprechende Facebook-Seite oder LinkedIn Events). So weit der kurze Werbeblock und zurück zu Twitter. Das Audio kann bis zu 140 Sekunden dauern. Längere „Tonspuren“ werden in separate Tweets aufgeteilt. Ich bin einmal gespannt, ob und wie diese Funktion angenommen wird. Auch zu dieser Thematik kommentiert der schon erwähnte Social Media Watchblog.

Und eine lockere Doro Bär

Und dieser Tweet muss dann auch einfach sein, weil ich ihn einfach gut und locker finde:

(Stefan Pfeiffer)

Social Media-Splitter: Von digitaler Müllabfuhr, Kundenfreundlichkeit bei Facebook und Xing und der Wanze Giphy

29. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Lose kuratierte Nachrichten und Meinungen aus der Welt der sozialen Medien. Gerade kann man natürlich dem Streit zwischen Trump und Twitter nicht entkommen. Jenseits der unsäglichen Trump’schen Ausuferungen – die gibt es ja nicht erst seit gestern-, der Anbiederung von Zuckerberg über Trumps Haussender Fox News ist aus meiner Sicht ein Aspekt bemerkenswert: Wir in Deutschland fordern eine stärkere Kontrolle radikaler und extremistischer Inhalte auf den populärsten sozialen Kanälen ein. Trump fordert dagegen, dass keine Inhalte „zensiert“ werden, vor allem nicht seine oder andere konservative Inhalte.

Ja, ja, die Sache mit der Wahrheit und den Fakten Wie er es wohl mit linken Inhalten hält?

Der Kampf gegen Desinformation, Zensur und Hass hat viele Facetten und ist schwierig:

Allein bei Facebook und Instagram prüfen mehr als 15.000 Menschen an mehr als 20 Standorten Beiträge, auch bei Google und YouTube sind es Zehntausende. Insgesamt gibt es mehr als 100.000 Content-Moderatorïnnen, die im Auftrag großer und kleiner Plattformen die digitale Müllabfuhr übernehmen.

Zoom- und Livestream-Boom, Covid-19 und Content-Moderation, Digitalisierung der Politik – Social Media Watchblog


Und das Bild der digitalen Müllabfuhr gefällt mir.

Nun kann ich auch direkt in Twitter Nachrichten terminieren

Twitter bietet wohl jetzt eine Funktion, Tweets auf Termin zu legen. Morgen um 10:01 Uhr sende ich folgende Nachricht …

Twitter says you can now schedule tweets right from the main web app. When composing a tweet, you should see a little calendar icon on the bottom row of icons at the bottom of the compose window. Click that and you can specify when you want your tweet to be sent.

Twitter now lets you schedule tweets from its web app – The Verge

Das ist Funktionalität, die ich schon sehr lange nutze. Zuerst war meine Scheduling-Werkzeug Hootsuite, jetzt ist es Buffer (weil Hootsuite eine Funktion zum terminierten Retweeten nicht unterstützt). Tweetdeck, das der geschätzte Thomas Cloer in seinem Zwitscherer erwähnt (durch den ich auf die Nachricht aufmerksam geworden bin), nutze ich um eine Übersicht des Twitter-Geschehens zu bekommen. In Spaltenform werden mir dort meine wichtigsten Listen oder Suchbegriffe angezeigt. Ungerne würde ich auf diese Sicht, die es auch in Hootsuite gibt, verzichten. Und wie managt Ihre Eure Zwitscherei?

Facebook: Kunde ist Schnuppe – gibt eh keine Alternative

Michael Kroker echauffiert sich über Facebook, das ihm nicht mehr die Funktion „Personen, die du kennen könntest“ anbietet und wo auch die Hotline nicht sagen, ob und wann er die Funktion wieder bekommt.

Facebook ignoriert seine einzelnen Nutzer also völlig. Kundenwünsche, die eigentlich bei jedem Unternehmen im Mittelpunkt stehen sollten, sind der Zuckerberg-Company ganz offensichtlich völlig Schnuppe – weil es keine Alternative gibt. Facebook zeigt damit letztlich seine hässliche Fratze als Quasi-Monopolist im Bereich Social Media!

Krokers RAM: Wie Facebook seine hässliche Fratze als Quasi-Monopolist zeigt! | Kroker’s Look @ IT

Ist so, aber da ist das Leiden des jungen Kroker nur ein kleiner Aspekt. Bedenklicher sind die schon etwas zurückliegenden Nachrichten zur Übernahme von Giphy und zu den neuen Facebook Shops. Mit Facebook Shops steigt der Zuckerberg-Konzern noch stärker in Online-Werbung und -Handel ein – und versucht, Amazon mehr Konkurrenz zu machen. Und wieder könnte Facebook aufgrund der vielen Nutzer einen Vorteil haben und sich gar den lokalen Handel „abgreifen“.

Giphy: Ich mag die lustigen Animationen, was aber nun?

Ich mag sie, denn sie kommen meinem Hang entgegen, auch in hohem Alter nochmals albern zu sein. Lustige Animationen von Garfield, Kermit, von Waldorf und Statler oder den Protagonisten der Big Bang Theory. Andere finden sie nicht lustig und diejenigen, die sie anwenden eher na ja. Aber ich nutze sie gerne gerade auch in diesen Zeiten in der Social Coffee Hug-Tweets und um generell herum zu albern. Was heißt es aber nun, dass Zuckerberg Giphy für 400 Millionen US-Dollar kauft?

Die Kollegen vom Social Media Watchblog haben die Motive in ihrem Briefing #639 (hinter Paywall) schön auseinander genommen. Es geht im Endeffekt mal wieder um … Daten. „Facebook kauft viel mehr als lustige Gifs, es kauft Informationen über das Klickverhalten von Nutzern von Snapchat, TikTok, Twitter, Tinder, Signal, Telegram, Viber, Slack, Skype, Microsoft Teams, Mailchimp und anderen:

Anders ausgedrückt: Facebook besitzt jetzte eine Wanze in den Kernprodukten seiner schärfsten Konkurrenten.

Warum Facebook Giphy kauft, Launch von Facebook Shops und Instagram Guides

Eigentlich entschieden: LinkedIn oder Xing

Und zum Anschluss möchte ich noch auf den Beitrag von Henning Uhle zu Xing verus LinkedIn verweisen. Ich bin bekanntermaßen kein Freund des LinkedIn-Mutterkonzerns, aber die vermeintliche deutsche Alternative verbaselt es (auch losgelöst von meinem Abo-Ärger mit Xing):

Meine Ergänzung dazu als Marketer:

(Stefan Pfeiffer)

Lesezeichen: „Deutsche Online-Händler kennen keine Werbe-Alternative zu Amazon“, aber jetzt kommt Facebook Shops!

29. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ein schnelles Lesezeichen. Passt zu unserer Diskussion bei 9vor9 zur Chance, ja unserem Wunsch nach lokalen Plattformen, über die auch der Einzelhandel, werden und vertreiben könnte. Und passt zur Ankündigung von Facebooks Shops. Wir das eine Alternative und ernsthafte Konkurrenz zu Amazon? Für große Werbetreibende? Oder wird das eher eine Plattform für den lokalen Einzelhandel. Viele potentielle Kunden sind ja „anwesend“ auf Facebook.

Ein Viertel der deutschen Werber investiere 40 Prozent seiner Budgets für Werbung in Online-Shops nur bei einem einzigen Händler, nämlich Amazon. Zu diesem Ergebnis kommt die Criteo-Studie „State of Retail Media: Potenziale und Hürden im deutschen Markt“.

Criteo-Studie zu Retail Media: Deutsche Online-Händler kennen keine Werbe-Alternative zu Amazon

Laut Bericht auf Horizont geben demnach vier von zehn Marken ihre Budgets 2020 nur bei einem einzigen Shop aus. Ihnen würden attraktive Alternativen fehlen. Wer die Criteo-Studie hier herunterladen will, darf natürlich gleich seine Kontaktdaten hinterlassen.

Zu Facebook Shops zitiert Zeit Online Mark Zuckerberg. Demnach soll es vor allem lokalen, kleinen Händlern helfen, gerade in Covid-19-Zeiten, so der Gutmensch Zuckerberg:

Es ist etwas, woran ich schon länger interessiert war, aber als Covid-19 kam, wurde es wirklich kritisch und dringend.

Onlinehandel: Facebook baut Plattform für Onlineshopping auf | ZEIT ONLINE

Es bleibt spanned: Teufel oder Beelzebub, wo sind die lokalen oder besser europäischen Alternativen, lieber Gunnar und lieber Lars?

Social Media Splitter: Weisst Du, ich bin eine richtige Content-Maschine!? Und: Sollte die Tagesschau “tiktok-en” und einiges mehr

11. März 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Die letzte Tage sind einige Nachrichten rund um Social Media aufgelaufen, die doch mal lieber in meinen Notiz block eintrage. Diesen Tweet kann und darf man nicht vorenthalten und er gehört auf jeden Fall in mein Archiv der Social Media-Splitter. Ein Brüller:

Das deutsche Handwerk und Social Media

Und mal wieder eine Studie: Der Bitkom und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) haben 502 deutsche Handwerksbetriebe in Deutschland repräsentativ befragt. Eine eigene Webseite haben demnach fast alle. Auch in Verzeichnissen lassen sie sich eintragen. Aber Social Media ist noch immer für 70 Prozent offensichtlich kein Thema. Und auch Bewertungsplattformen und Online-Plattformen sind noch eher selten im Einsatz.

Mir kommt bei all diesen schönen Umfragen ein rein individuelles Erlebnis in den Sinn: Mein Sanitärtechniker scheint nicht einmal seine E-Mails zu lesen. Seit Tagen schlummert ein potentieller Auftrag in seinem Posteingang, aber er hat es auch wohl nicht nötig …

Instagram überholt Facebook an Reichweite

Und Instagram überholt Facebook in der Reichweite, so die Zahlen von Social Bakers:

Es war bereits abzusehen, aber jetzt ist es offiziell: Betrachtet man die Top 50 der größten Markenprofile, erreichen diese auf Instagram ein größeres Publikum als auf Facebook,

Yuval Ben-Itzhak, CEO von Socialbakers, zitiert nach: Socialbakers Trendreport: Instagram erreicht erstmals mehr Menschen als Facebook – doch das Engagement sinkt

TikTok – schöne heile Welt, alles so schön bunt hier

Und dieses Statement von Gabriel Yoran in seiner Glosse auf Uebermedien finde ich einfach festhaltenswert:

Alle anderen Apps auf meinem Handy bedeuten Ärger: E-Mail, vierhundert offene Tabs im Browser, Slack, das ganze Messaging-Gelöt, und von Twitter müssen wir gar nicht erst anfangen. Aber ich kann problemlos stundenlang TikTok gucken, und ich werde mich nicht dafür entschuldigen.

TikTok ist der eine Ort im Internet, an dem Zuversicht produziert wird, das wohltuendste Portal des Planeten. …

TikTok kann hundertmal chinesische Spyware sein, aber während alle Welt online wie offline durchdreht, findest du dort eine gar nicht kleine Gruppe Menschen, deren Einfallsreichtum, Hingabe und Herzlichkeit dir für ein paar Minuten den Glauben an die Menschheit zurückgeben.

Ich liebe TikTok, und ich werde mich nicht dafür entschuldigen | Übermedien

Na ja, nicht so unbedingt mein Ansatz und mir geht Gabriel etwas zu naiv, blauäugig, glatt bügelnd mit dem Thema um. Heile Welt, Entspannung jenseits des ganzen Kritikgedöns, alles gut und schön, trotzdem zucke ich etwas. Vielleicht unberechtigt. Ähnliches Zucken gab es auch angesichts der #GoldeneBlogger-Verleihung an das TikTok-Team der Tagesschau.

Ich muss zugeben, dass ich noch keine finale Meinung habe. Zuerst einmal, spontan sage ich, geht nicht, sollte die Tagesschau nicht machen. Dann denke ich an meine beste Freundin, Lehrerin, die mir erzählt, wie ihre Gymnasialschüler:innen total tiktok-en. Ist es also gerechtfertigt, auf solche Weise „die Jugend“ für die Tagesschau, für seriöse Nachrichten zu interessieren? Oder ist es vergebene Liebesmüh? Mittel, Zweck, Ihr wisst schon. Ich schwanke noch.

Dazu passend die Zahlen der ARD ZDF Onlinestudie: Unter den „Jüngeren“ zwischen 14 und 29 Jahre nutzen demnach 8 Prozent TikTok, insgesamt sind es nur 2 Prozent. Vorne liegt WhatsApp, wobei ich eine Einsortierung von WhatsApp als Social Media noch immer für falsch halte. WhatsApp sollte meiner Ansicht nach mit Messengern verglichen werden.

(Stefan Pfeiffer)

Rau, authentisch, direkt – Ein Plädoyer für Live Video-Formate auch im B2B Marketing [inhaltlich erweiterter Podcast]

9. März 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Nicht erst seit den aktuellen Absagen vieler Veranstaltungen aufgrund des Corona-Virus bin ich ein absoluter Freund von Video- und insbesondere Live-Formaten. Mit Spannung und einer gewissen Ungeduld warte (nicht nur) ich insbesondere auf LinkedIn Video und LinkedIn Live, die Videoformate, die in den USA schon verfügbar sind, aber zumindest mal für uns in Deutschland noch nicht ausgerollt wurden. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass insbesondere viele B2B-Anbieter auf diesen Format springen werden. Eine erkleckliche Anzahl neuer Videos ist demnach zu erwarten … Und ob LinkedIn die erwartete Video-Wundertüte ist, wird allerdings dann erst zu prüfen sein. Hier nun die „geblockten“ Gedanken rund um Videos und Live-Formate „ver-podcast-et“, mit von mir gesprochenen Kommentaren von Klaus Eck und Lars Basche.

(Stefan Pfeiffer)

Rau, authentisch, direkt – Ein Plädoyer für Live Video-Formate auch im B2B Marketing

9. März 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Nicht erst seit den aktuellen Absagen vieler Veranstaltungen aufgrund des Corona-Virus bin ich ein absoluter Freund von Video- und insbesondere Live-Formaten. Nicht umsonst habe ich an den IBM Livestudios mitgewirkt und mache aus reinem Spaß an der Freund mit Lars Basche und Gunnar Sohn wöchentlich 9vor9 mit unseren Digitalthemen der Woche, die wir auf Twitter/Periscope und Facebook ausspielen. (Zusätzlich gibt es 9vor9 jetzt auch als Podcast auf Spotify, Deezer und Apple Podcasts).

Wird LinkedIn die große Videowundertüte für B2B Marketing?

Mit Spannung und einer gewissen Ungeduld warte (nicht nur) ich insbesondere auf LinkedIn Video und LinkedIn Live, die Videoformate, die in den USA schon verfügbar sind, aber zumindest mal für uns in Deutschland noch nicht ausgerollt wurden. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass insbesondere viele B2B-Anbieter auf diesen Format springen werden. Eine erkleckliche Anzahl neuer Videos ist demnach zu erwarten … Und ob LinkedIn die erwartete Video-Wundertüte ist, wird dann erst zu prüfen sein.

Kein Wunder, denn die Zahlen, die allerorten zu lesen sind, sprechen dafür, dass Video generell und im besonderen im B2B Marketing immer relevanter wird. So auch im Beitrag von Amanda Bulat im LinkedIn Marketing Solutions Blog. Klar, eine US-amerikanische geprägte Brille, aber aus meiner Sicht trotzdem relevant. Demnach schauen laut Forbes 3 von 4 Executives jede Woche Videos mit geschäftlichem Bezug. Und unterdessen würden 59 Prozent lieber ein Video anschauen, als einen Text über einen Sachverhalt zu lesen. Hmmm …

Interessanter sind einige Aussagen, was in puncto Video auf LinkedIn Live zu beachten sei:

  • Die ideale Länge für Live-Formate liegt demnach zwischen 15 und 60 Minuten. Man soll dem Event 15 Minuten geben, damit es sich „aufbaut“.
  • Moderation ist – so die Autoren – wichtiger Erfolgsfaktor. Dabei geht LinkedIn davon aus, dass es zu Kommentaren und Feedback kommt. Man braucht also auch jemanden, der sich genau darum kümmert. Kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen. Moderieren, reden und auch gleichzeitig live eingehende Kommentare verfolgen, funktioniert nur sehr schwer.

Für LinkedIn Video – also das Nicht-Live-Format – werden bei der Ausspielung übrigens Untertitel empfohlen. Viele würden sich die Videos ohne Ton ansehen …

Live wird länger angesehen wird und erzeugt höheres Engagement

In einem weiteren Beitrag bricht Farraz Khan eine Lanze für Live-Formate und bemüht interessante Statistiken: Auf Facebook hätten Live Videos ein 10mal höheres Engagement und würden 3mal mehr angesehen wie normale Videos. Sie seien unmittelbarer und ehrlicher – im Gegensatz zu vielen geschnittenen Videoformaten. Auch sei die Sprache meist natürlicher, weil in einer direkten, nicht geskripteten Weise in die Kamera gesprochen wird. Die wenigsten lesen bisher im Live-Format Skripts von einem Monitor ab … Und hoffentlich bleibt das so.

Noch eine Anmerkung zu Live Streaming von Events und Vorträgen, ein Thema, das sicher gerade jetzt durch die Absage vieler Präsenzveranstaltungen noch größere Bedeutung bekommt. Klar, man kann konventionelle Vorträge, wie sie klassisch auf Konferenzen und Tagungen gehalten werden, eins zu eins ins Web übertragen. Dich wer mag schon wirklich einem 45-minütigen Powerpoint-Vortrag online vor dem Bildschirm folgen? Ja, es gibt exzellente Sprecher, die immer funktionieren, aber ich rate zur Vorsicht. Interaktive Formate und Diskussionen oder Vorträge im TED Talk Style scheinen mir oft die bessere Alternative zu purem Live Streaming. Und live von einem Event berichten, kann auch ganz anders umgesetzt werden, mit Live-Schaltungen, kurzen Interviews oder Gesprächen mit Teilnehmern und vielen anderen Gimmicks, über die man nachdenken kann.

Videoproduktion im YouTube-Zeitalter darf anders sein

Armin Bichler hat einen lesenswerten Beitrag zu Videoproduktion in Eigenregie geschrieben:

Was machen die erfolgreichsten Youtuber mit Reichweiten von richtig großen Fernsehsendern? Sie kommunizieren. Sie interagieren. Sie spielen. Sie sind emotional. Sie sind quasi wie du und ich. Es geht also bei Videos nicht um Qualität. Null. Es geht um banalere Dinge wie Ideen, Sympathie und Unterhaltung.

Videoproduktion in Eigenregie – Schneller, bessere Videos selber machen

Es kommt eben auf andere Qualität an. Nicht die teure Hochglanzproduktion mit professionellem Equipment und entsprechendem Personal ist Garant für Reichweite. Inhaltliche Qualität und Authentizität ist sicher wesentlich wichtiger. Videos müssen in der Tat nicht mehr teuer sein. Oft genügt ein gutes Smartphone kombiniert mit einem Mikro. (Und klar: Auf eine gewisse Qualität von Ton und Bild sollte man möglichst achten).

Nicht falsch verstehen. Es gibt eine Vielzahl von Videoformaten, die ihre Berechtigung haben und die mit unterschiedlich hohem Aufwand produziert werden (müssen), von Erklärvideos über Webinare und kurze Clips bis zum wohl unverzichtbaren (aber meist auch sehr teuren) Imagefilm. Viele Formate haben ihre Berechtigung. Doch die Eingangshürde für den Einsatz von Video im Marketing ist bei weitem nicht mehr so hoch wie vor 10 Jahren. Bei den hier behandelten Live-Formaten und Videos eh nicht.

Das große Verbesserungspotential: Inhalte immer wieder verwenden

Schließlich noch eine wichtige Aussage (und Grafik), der ich zu 100 Prozent zustimme: Videos sind nicht ein One-Off, sollten nicht nur einmal ausgespielt werden. Es geht darum die Inhalte immer wieder zu benutzen und zu promoten, auf Social Media, mit Paid Media, auf der Unternehmensseite und im Blog. Und noch eine Empfehlung meinerseits: Man sollte darüber nachdenken, auch einzelne Statements und Zitate herausgelöst zu verwenden. Erfahrungsgemäß – und ich bekenne mich schuldig – macht man sich nicht die Arbeit, nach der Produktion einzelne Sequenzen heraus zu schneiden und dann als Clips zu verwenden. Wahrscheinlich eine vertane Chance.

Gute Inhalte wiederverwenden!

Mehrere Kanäle auch live bespielen und Ergebnisse verfolgen

Wiederverwendung ist ein wichtiger Aspekt. Dabei sollte nicht vergessen werden, verschiedene Kanäle mit den produzierten Videos zu füttern. Im Gegensatz zu Podcasts, die auf Apple Podcast, auf Google Play Music, Spotify oder Deezer verfügbar gemacht werden, spielen viele ihre Videos oft nur über einen Kanal aus. Dabei können Videoformate gerade auch live simultan über mehrere Kanäle wie Twitter/Periscope, Facebook Live, YouTube und hoffentlich bald eben auch LinkedIn Live gesendet werden.

Dabei ist und war es interessant, wie sich aus meiner, unserer Beobachtung das Engagement und die Zuschauerzahlen entwickelt haben und entwickeln. War 2018 noch Facebook die Plattform, auf denen die Post abging, so hat sich das in 2019 hin zu Periscope, also Twitter verlagert. YouTube war über die ganze Zeit nie die Plattform für Live-Formate, ist aber im berühmten Long Tail unverzichtbar. Es wird interessant sein, wie sich LinkedIn Live hier entwickelt. Dass die Videos zum späteren Anschauen auf allen Kanälen zur Verfügung gestellt werden sollte, ist zudem eine Selbstverständlichkeit. Wir werden natürlich auch verfolgen, wie sich die Wiederverwendung unseres 9vor9-Formats als Podcast schlagen wird. Bei diesem Format, wo wir reden und nicht mit Videoeinspielern arbeiten, könnte das sogar funktionieren. Es bleibt spannend.

(Stefan Pfeiffer)