Posts Tagged: ‘Einzelhandel’

Digitalthemen bei #9vor9: Ist der Einzelhandel wirklich schon so digital? Und von journalistscher Nabelschau statt stilsicherer Sorgfalt und Etikette

20. Mai 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Ich gebe zu, dass es mir gar nicht so aufgefallen ist: die „No Hyperlink“-Politik, die wohl das journalistische Projekt bzw. die einzelnen Projekte von The Pioneer (wie das Morning Briefing oder das Tech Briefing) praktizieren. Lars Basche hat uns heute bei #9vor9 darauf aufmerksam gemacht. Geht eigentlich gar nicht. Geht vor allem nicht, wenn man die vollmundigen Ankündigungen von Gabor Steingart über neuen Journalismus liest.

In meiner journalistischen Ausbildung habe ich immer gelernt, Quelle mindestens zweimal zu prüfen (bzw. die Fakten) und diese auch zu benennen. Im „Netz“ habe ich gelernt, dass man zu seinen Quellen verlinkt. Zu all diesen Praktiken stehe ich auch weiterhin voll und ganz und praktiziere es auch (hoffentlich immer).

Was mir dieser Tage im Morning Briefing sauer aufgestoßen ist, ist die Beschimpfung und Herabwürdigung von Saskia Esken als „bedürftig“. Auch das geht aus meiner Sicht gar nicht. Bei aller kontroversen sachlichen Diskussion und bei aller Lust an Formulierungen sollte immer der Respekt vor anderen im Gedächtnis bleiben. Und dementsprechend gilt es auch zu schreiben und zu sprechen. Dabei kann jedem von uns etwas heraus rutschen, was nicht korrekt ist. Dann gilt es aber auch den Mut und Anstand zu haben, sich zu entschuldigen.

Wir drei von #9vor9, Gunnar, Lars und ich, hatten den Eindruck, dass bei ThePioneer unterdessen die Selbstinszenierung und -beweihräucherung von Gabor Steingart ein nahezu unerträgliches Maß einnimmt. Ein Fegefeuer der Eitelkeiten auf der einen Seite. Bewusste Provokation auf der anderen Seite, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Schade, das Vorgehen erinnert frappierend an Boulevard-Blätter, die wir alle kennen. Und besonders schade, weil ich das Projekt an und für sich für sehr interessant halte.

Eingestiegen sind wir allerdings mit dem Tech Briefing vom 15. Mai von Daniel Fiene, der eine Bitkom-Studie behandelt, die ein wesentlich digitaleres Bild des deutschen Einzelhandels zeichnet als das, dass wir wahrnehmen. Ich hatte im vorhergehenden #9vor9 ja auf die nicht so berauschenden Erfahrungen in Darmstadt verwiesen. Wir alle sahen hier noch viel Nachholbedarf, gerade auch auf regionaler und lokaler Ebene, wo Plattformen gerade für den Einzelhandel eine wichtige Möglichkeit bieten könnte, beispielsweise in einer gemeinsamen Auslieferung von waren.

Und losgelöst von unseren Werbeblocks: Gunnar stellt noch ein Projekt vor, bei dem Stellenanzeigen als Indikator für die Konjunkturpolitik benutzt werden. Und apropos Stellenanzeigen: einen Ausblick auf die nächste Sendung gibt es auch noch.

Und brav noch einige Links mit dem von Gunnar erwähnten Projekt:

Und das Livestudio als Podcast findet Ihr beispielsweise hier bei Apple (aber natürlich auch bei Deezer, Spotify oder Google).

Omnichannel: Die Grenzen zwischen Online und Offline verschwimmen – Doch bitte an den Mehrwert denken

25. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Auch wenn die Euroshop vorbei ist und ich meine IBM Livestudio Interviews geführt habe, lässt mich das Thema Integration von Offline und Online nicht so wirklich los. Prompt landet nämlich ein Newsletter von McKinsey in meinem Posteingang, der auf den unten verlinkten Beitrag verweist: Das Ende der Grenzen beim Einkaufen: Personalisierung über alle Kanäle hinweg.

Ich denke, es gerade für das Bestehen des Einzelhandels wichtig, sich mit den Online-Aktivitäten zu verzahnen. Nur so werden viele Geschäfte auch langfristig bestehen können. Ein aus meiner Sicht sensibles Thema ist auch hier wieder die Nutzung von Daten. Ohne eingewilligt zu haben, sollte man nicht „angegraben“ werden. Das kann durchaus durch ortsbezogener Werbung (Location Based Advertising) geschehen. Eine Promotion poppt auf meinem Smartphone auf, wenn ich an einem Laden vorbei gehe. Nur „schade“, dass man das jetzt mit Apples iOS 13 unterbinde kann. Wenn im Artikel gar über Gesichtserkennung beim Eintritt in den Laden philosophiert wird, schaudert es mich noch mehr.

Doch die Mackies kriegen gerade noch die Kurve, indem sie fordern, dass man mit offenen Karten spielen solle. Seine Daten wird ein Kunde dann geben, wenn er etwas davon hat.

Prompting a customer to self-identify should be done as openly as possible, such as by asking for an email address or phone number, with a tangible benefit to the customer in return, such as a personalized offer, free services such as Wi-Fi or phone charging, or a promotion. The point of sale also provides a natural opportunity to encourage customers to identify themselves in return for incentives such as tying purchases to a loyalty account or getting an e-receipt.

The end of shopping’s boundaries: Omnichannel personalization | McKinsey

Aber wie geschrieben: Spielt offen! Und bombardiert die Kunden nicht auch im Laden mit zu vielen aufpoppenden Nachrichten. Das nervt schon online umgemein. Die Integration macht dann Sinn, wenn es einen integrierten Verkaufsprozess gibt („online informieren und dann ein Produkt vor Ort abholen“) oder wenn wirklich Mehrwert geschaffen wird, beispielsweise sinnvolle Produktinformation zur Verfügung gestellt wird oder man zum gewünschten Produkt geführt wird.

Diese Grafik von McKinsey visualiert, wie verschiedene Kanäle miteinander spielen können:

Alle Rechte an der Grafik liegen bei McKinsey

Hinter der Omnichannel-Personalisierung soll – so die Mackies – eine KI-basierte Entscheidungs-Engine stehen, die sukzessive aufgrund der gewonnenen Daten besser wird. Besonders wichtig aber der Hinweis, dass das Personal vor Ort geschult sein muss, damit der Omnichannel-Verkauf erfolgreich ist.

Und nochmals als Reminder: Auch bei der Omnichannel-Personalisierung Maß halten und Mehrwert liefern.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Was stört die Kunden vor Ort beim Einkauf? Meine Gespräche auf der Euroshop zur Integration von Online und Offline im Handel

20. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Die vergangenen Tage hat mich ja das Thema Handel vor allem durch das IBM Livestudio auf der Euroshop 2020 beschäftigt. Und die Frage, ob und wie der Einzelhandel bestehen, ja überstehen kann war und ist eine wichtige Frage, die Tina und mich schon vor Monaten beschäftigt hat und die ich auch mit kompetenten Ansprechpartnern auf der Euroshop diskutiert habe. Passend dazu bin ich jetzt zum letzten Tag der Euroshop auf eine Statistik von Capgemini über eMarketer gestoßen. Was stört denn die Konsumenten am meisten beim Shoppen vor Ort im Einzelhandel?

Ein „Pain Point“ ist das Bezahlen. Konsumenten wollen beim Bezahlen nicht in einer Schlange stehen. Wie hat es Gunnar Sohn gefordert: Er möchte beim jedem Verkäufer im Laden einfach zahlen können, wie es in Apple Stores der Fall ist. Der danach genannte Frustrationspunkt ist, dass die gewünschten Produkte nicht auf Lager sind oder sie nicht oder schwer gefunden werden. All die drei genannten Punkte sollten doch technologisch lösbar sein, in dem beispielsweise Online und Offline integriert werden.

Danach wird bemängelt, dass man keine:n Verkäufer:in findet, der beim Kauf hilft oder informiert. Qualifiziertes Fachpersonal war übrigens auch ein Punkt, der in den Gesprächen auf der Euroshop oft genannt wurde. Und schließlich fühle sich einige Interessenten vor Ort nicht gut genug über die Produkte informiert. Hier können die Verkäufer:innen eine wichtige Rolle spielen, aber die Problematik kann auch vor Ort mit entsprechenden Informationssystemen adressiert werden. Natürlich muss dann auch die Produktinformation in der entsprechenden Qualität vorhanden sein.

Hier nun einige der Gespräche, in denen die Integration von Online- und Offline-Handel eine Rolle spielen. Dazu habe ich mich mit einem Branchenkenner, mit Michael Gerling, dem Geschäftsführer des EHI Retail Institute unterhalten, der uns Einblick über die Trends im Handel gibt. Mal informiere man sich online und wolle dann vor Ort kaufen. Oder aber man lasse sich im Laden beraten, der Artikel solle aber dann zugeschickt werden. Die Kombinationsmöglichkeiten seien vielfältig und deshalb die Integration besonders wichtig. Er führte das Beispiel Amazon als Beleg dafür an, dass Offline nicht tot ist, denn Amazon eröffnet nicht umsonst Läden. Und natürlich muss die Balance Offline und Online auch branchenspezifisch gesehen werden. Elektronik werde beispielsweise mehr und mehr online gekauft, Lebensmittel immer noch vor Ort.

Vor allem unter der Marketingbrille – wie integriere ich die Online und Offline im Marketing – war das ein Thema des Talks mit Professor Dr. Claudia Hilker. Dabei haben wir sinnigerweise genau das Thema „online informieren und dann ein Produkt vor Ort abholen“ als positive Customer Experience angesprochen. Sie hat auch darauf hingewiesen, dass die Story der Marke prägnant vor Ort in den Läden erzählt werden muss.

Künstliche Intelligenz und Personalisierung sind dabei Aspekte, die für das Kundenerlebnis nicht nur online eine wichtige Rolle spielen. Diese Thematik stand im Mittelpunkt des Gesprächs mit Stephan Tromp, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland. Er nennt unter anderem dynamische Preisbildung als ein Einsatzgebiet, das auch vor Ort helfen kann.

“Stirbt der Einzelhandel aus, und kaufen wir künftig alles bei Amazon?” & Meinen Kaffee mit Blockchain verfolgen – Themen im IBM Livestudio auf der Euroshop

12. Februar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Kommende Woche am Montag und Dienstag werde ich auf der Euroshop in Düsseldorf sein. Nicht in meiner derzeitigen Rolle als an Acoustic ausgeliehener Marketer, sondern mal wieder als Moderator für das IBM Livestudio, das am 17. und 18. Februar jeweils zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr aus Düsseldorf senden wird. Wer die Beiträge live verfolgen will, kann das über die Facebook-Seite oder (wahrscheinlich auch) die YouTube-Seite der IBM Deutschland tun.

Der Weg der Bohne vom Kaffeestock in meine Tasse

Am Sendeplan arbeiten wir noch. Ein wichtiges Thema wird sicher Blockchain sein, da diese Technologie im Handel große Bedeutung zu bekommen scheint. Ein ganz aktuelles Anwendungsbeispiel ist die neue App „Thank My Farmer“, mit der Kaffeetrinker ihren Kaffee künftig zurückverfolgen und die Bauern unterstützen können, die die Bohnen anbauen. Möglich macht das Farmer Connect, eine von Genf, aus tätige Plattform zur Rückverfolgung, die mit führenden Unternehmen der globalen Lieferkette für Kaffee entwickelt wurde und von IBM Blockchain betrieben wird. Die Blockchain-Technologie bringt alle Parteien der Kaffeelieferkette zusammen, vereinfacht den Austausch und die Verfolgung von Informationen und Zahlungen und sorgt so für mehr Vertrauen. Unter anderem werde ich mit Christian Schultze-Wolters von der IBM über diese Themen sprechen.

Was muss der Einzelhandel tun, um zu bestehen?

Ein weiteres spannendes Thema ist das Verhältnis zwischen Einzelhandel und E-Commerce. Wie formuliert es Horizont in der Einleitung zum Beitrag von Marc Schumacher von Liganova so schön:

Stirbt der Einzelhandel aus, und kaufen wir künftig alles bei Amazon? Dieses Horrorszenario wird zum Glück niemals Realität werden.

Überleben im E-Commerce-Zeitalter: 5 Stellschrauben, an denen Handelsunternehmen drehen müssen

Als Freund einer lokalen Infrastruktur und damit des Einzelhandels hoffe ich einmal, dass es wirklich nie Realität wird. Doch wie muss sich der Einzelhandel ändern, um bestehen zu können.

Marc Schumacher nennt Stellschrauben, an denen der Handel drehen muss. Das reicht von der Neubewertung der Flächen über die Rolle der Stores für die Markenbildung bis zu Anreizen, die Besucher in die Stores locken. Er fordert eine Kuratierung und Inszenierung von Produkten, die Geschichten erzählt und inspiriert. Da kann der Store auch zum Treffpunkt werden, wo sich die Fans in ihrer Community austauschen. Warum muss ich jetzt gerade an die Think at IBM im Bikini Popup Store in Berlin denken? Nicht neu, aber dringend notwendig ist die Forderung nach einem gesamtheitlichen Konzept, in dem Stores in die Multichannel-Welt als wichtiges Modul eingebunden werden. Diese Thesen werden sicher auch in meinem Gespräch am 17. Februar um 11 Uhr mit Michael Gerling vom EHI behandelt werden.

Noch Slots frei: Wer hat noch spannende Themen für ein Livestudio-Gespräch?

Weitere Infos, wer wann über was redet, werde ich über meine sozialen Kanäle verteilen. Und natürlich geht hier auch nochmals die Einladung hinaus, uns alle auf dem IBM Stand in Halle 6, Stand E27 zu besuchen. Und wer noch spannende Gesprächsthemen rund um die Euroshop, E-Commerce, Supply Chain, Retail und Handel hat, kann gerne auf mich zukommen. Noch sind Slots verfügbar.

So wird der IBM Auftritt in Halle 6, Stand E27 aussehen.

(Stefan Pfeiffer)

Das Euroshop-Foto wurde dem Online-Pressebereich der Euroshop entnommen und stammt aus 2017. Alle Rechte der Messe Düsseldorf und Euroshop vorbehalten.

Es muss nicht immer online sein: Die Weingalerie in Eberstadt am Marktplatz

1. Januar 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Meine Beiträge zum Thema Wein und Sekt haben sich in den vergangenen Monaten etwas tot gelaufen. Da passt es ja, damit im neuen Jahr zu beginnen. Und das Jahr „auf“ machen möchte ich mit einer Empfehlung und einen Hinweis auf die Weingalerie in Darmstadt-Eberstadt, bei der ich seit einigen Monaten ab und an vorbei schaue. Es muss nicht immer online oder beim Großhändler sein. Die Weingalerie ist ein kleiner, uriger und gemütlicher Laden ganz nahe am Marktplatz in der Schwanenstraße (der jetzt sinnigerweise durch einen anderen, eher durchgestylten Laden wenige hundert Meter entfernt Konkurrenz bekommen hat).

Der Besitzer (vermute ich zumindest, das er es ist) Umut „Apollo“ Doygun berät einem gerne und unaufdringlich und es macht Spaß, sich in dem kleinen Geschäft umzusehen. Und natürlich habe ich auch einige leckere Tropfen entdeckt, zum Beispiel einen weißen Bordeaux für € 7,95 , den Chateau Buisson-Redon Bordeaux Blanc, der eine leckere, frische Weißweinalternative zum bei uns doch unterdessen sehr dominierenden Riesling von Kallfelz oder von Raddeck darstellt. Immer wieder gerne und nicht nur als Abwechslung. Vom Chateau Buisson-Redon sind auch ein Merlot und ein Cabernet Sauvignon für € 8,95 im Angebot.

Oder aber der Zweigelt vom österreichischen Weingut Leth, der sogar mir Skeptiker – ich bevorzuge derzeit französische und portugiesische Rotweine und bin gegenüber deutschen und österreichischen Roten erst einmal skeptisch – mundet. Nicht zu wuchtig, eher südländisch, sicher nicht zu dünn und für € 8,90 ein mehr als fairer Preis.

Am 30. Dezember haben wir uns zwei deutsche Winzersekte empfehlen lassen, einen Pfälzer Riesling von Wambsganss für € 11,50 und einen vom Rheingauer Weingut Irene Söngen für € 11,90. Ich werde berichten, wenn die Flaschen geploppt haben.

Also reinschauen, wenn Ihr in Eberstadt wohnt oder in der Nähe seid und das nicht nur, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Einige Weine sind wirklich gut und ich werde mich weiter ab und an dort durchprobieren. Mein Tipp kommt jetzt allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn wie auf der Webseite zu lesen ist, macht man bis 15. Januar Betriebsferien. Ansonsten auf der Seite schauen oder anrufen, wann geöffnet ist. Die Winter-Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag zwischen 10 – 18 Uhr und am Samstag zwischen 10 – 14 Uhr.

Und ja, die Webseite ist charmant-altmodisch, gehört aber sicherlich mal überholt. Das geht ja heute mit einfachen Mitteln mit Werkzeugen wie WordPress.com, das ja auch diesen Blog „powered“ und viele Vorlagen zur Verfügung stellt.

(Stefan Pfeiffer)

Digitalthemen der Woche bei #9vor9: Flotter, harmonischer Zweier zu Dokumentenmanagement, Einzelhandel, Wikipedia und Vertrauensarbeitszeit

8. Oktober 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Und hier wieder der Link zum wöchentlichen #9vor9. Diesmal ohne technische Probleme ein flotter und harmonischer Zweier von Gunnar und mir zum noch immer gescheiterten Dokumentenmanagement und Content Services (als Vorlage für die Podiumsdiskussion heute auf der DCX in Berlin), warum der Bonner OB nur im Einzelhandel einkauft, auch wenn es kaum noch entsprechende Geschäfte in der Innenstadt gibt, zu Wikipedia und dem Verriss der Süddeutschen sowie dem Thema Vertrauensarbeitszeit mit der Kernfrage, ob #9vor9 nun Arbeit oder Vergnügen ist. Die Frage erübrigt sich meiner Meinung nach:

Oder auch hier:

Gerade zu Weihnachten gibt es Alternativen zu Amazon: Lokaler Einzelhandel und andere Onlinehändler

9. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

„Die Beschäftigten streiken seit Jahren – und es verändert sich wenig.“ – ver.di bei Amazon – Home | Facebook

In den vergangenen Tagen ist mir der aktuelle, im deutschen Fernsehen laufende Werbespot von Amazon kräftig auf den Senkel gegangen. Heile Welt, in der Amazon alle glücklich macht. Es ist wohl nicht die Version, die wir immer sehen, die Podcaster Omar Najam parodiert hat. Trotzdem sollte man sich diese Parodie anschauen. Najam benutzt statt des Gute-Laune-Songs „Can you feel it“  den Soundtrack des Marvel-Films „Captain America: Winter Soldier“. Lasst es selbst wirken! Hier die „überarbeitete“ Version.

Und das ist amerikanische Original mit glücklichen Lagerarbeitern bei Amazon:

Sollte man sich anschauen und vor Augen halten, wieviel Macht und Geld wir unterdessen Amazon geben. Vieles kann man lokal beim Einzelhandel kaufen oder bestellen, ja sogar Bücher … Und es gibt auch andere Onlinehändler, die man nutzen kann. Ich habe die Zahl meiner Bestellungen bei Amazon in 2018 drastisch reduziert und werde das auch beibehalten. Mal drüber nachdenken. Gerade zu Weihnachten.

10359036_764593696895295_3043221543933752988_o

Lieben Dank, Nadja Trogisch, dass Du mich durch Deinen Facebook-Beitrag auf den Artikel auf Horizont.Net und den Tweet aufmerksam gemacht hast.

(Stefan Pfeiffer)

Hier nochmals einige andere Links rund um Amazon aus meinem Blog:

 

Stationäre Händler und das Internet: Lokaler Handel überlebt nur durch Qualität, Fachkompetenz und besseren Service

6. Dezember 2018 Posted by Stefan Pfeiffer

Die Dämonisierung von Amazon, Schwarze Fenster und Blumenkübel werden den Niedergang des stationären Einzelhandels nicht stoppen. Da muss mehr kommen.

über Mit Blumenkübeln in Fußgängerzonen gegen den Beratungsklau vorgehen – Stationäre Händler und das Internet –  CIO Kurator 

Na ja, beim Thema Dämonisierung von Amazon muss ich schon schlucken. Da gibt es durch genug zu kritisieren, aber ja, der stationäre Handel oder Einzelhandel haben deutlichen Nachholbedarf. Und das Thema Einzelhandel emotionalisiert und bewegt durchaus die Bürgr/innen. Eine meiner meist gelesenen und (in der Darmstadt-Gruppe auf Facebook) kommentierten Beiträge aus diesem „Block“ war Lokaler Einzelhandel oder warum Tina und ich in der heimischen Fleischerei einkaufen.

Tattoo-Studios, Maniküre, Pediküre, Sport Café, Friseur …

Vier von fünf Deutschen wollen ihre Geschenke in diesem Jahr bei Amazon kaufen, sagt zumindest diva-e, ein Münchner Dienstleister für den E-Commerce. Die Woche im Handel: Eine Online-Krake ist kein Kundenstreichler

Einige Darmstädter schwelgten in Erinnerungen, jedoch gab es durchaus kritische Kommentare zum Einzelhandel. Nun scheinen wir in Darmstadt-Eberstadt noch immer im Vergleich zum von Gunnar zitierten Bonn-Duisdorf in einer Einzelhandels-Idylle zu leben, selbst wenn bei uns auch immer mehr Tattoo- und Maniküre-Pediküre-Studios geschwürartig um sich greifen und den lange Jahre so beliebten „Budiggen“, Döner-Läden, Sport Cafés und Spielhallen Konkurrenz machen. Doch noch immer werden laufend Laden- und Gewerberäume angeboten, nicht nur, weil Geschäfte pleite gegangen sind, sondern ständig neue Objekte gebaut wurden. Welche „Gewerbe“ sollen denn noch da rein, auch in einer eher kaufkräftigen Gegend wie Ewerschtt? Der zweite Weinladen nach der Weingalerie wird bald eröffnen, doch das wird die leeren Immobilienflächen nicht füllen. Eher wird wohl einer der Läden irgendwann wieder frei werden.

Ab 18 Uhr geschlossen

Die meisten Geschäfte – bis auf den Supermarkt – schliessen um 18 Uhr. Dann kann man nun einmal nicht beim lokalen Metzger und Bäcker einkaufen. So einer der Einwände auf Facebook, warum nicht lokal gekauft werden kann. Falls es den Metzger überhaupt noch gibt …  Doch für unsere Ewerschterr Metzger scheinen sich längere Öffnungszeiten nicht wirklich zu lohnen oder man findet nicht das entsprechende Personal. Vielleicht ist es auch nur Gewohnheit an die eingeschliffenen Öffnungszeiten? Auf beiden Seiten, der Verkäufer/innen und der Kunden/innen? Ich weiß es nicht.

IMG_9642.jpg

Logischerweise gibt es noch viele andere Gründe dagegen, den stationären Handel aufzusuchen. Parkplätze seien nicht ausreichend vorhanden. Auch diese Klage ist oft zu hören. Fachliche Kompetenz fehle in vielen Geschäften. Da sind wir wieder bei Gunnars Beitrag. Klar. Wir werfen hier einiges in einen Topf. Den Bäcker und Metzger mit dem Elektrofachgeschäft und dem Handy-Laden und dem abendlichen und täglichen Kneipen- und kulturellen Leben.

Lokaler Handel überlebt nur durch Qualität, Fachkompetenz und besseren Service

Es gibt genug Empfehlungen, einen Wahn, stationäre „Läden in eine Art Digitallabor zu verwandeln, um sich irgendwie als fortschrittlich zu präsentieren„. Ein zweiter Trend lautet Einkaufserlebnis. Was heisst das aber eigentlich? Käufer/innen scheinen andere Prioritäten zu haben. Sie stehen auf „weiche Faktoren“ wie Vertrauen, Kundenservice und Emotionalität der Marke. Wie titelt auf Steffen Gerth auf etailment so schön: Eine Online-Krake ist kein Kundenstreichler.

Für mich bleiben vor allem Qualität, Fachkompetenz und besserer Service die Säulen, auf denen auch ein stationärer Handel überleben könnte. Beim Preis des Pullovers, den Gunnar anschaulich zitiert, wird im Zweifelsfall der lokale Laden nicht mithalten können:

Da kommen doch glatt Leute in das Geschäft rein, probieren Pullover, fotografieren die ersehnten Stücke, fragen direkt über eine App nach dem günstigsten Anbieter und verschwinden wieder ohne Kauf aus dem Geschäft.

über Mit Blumenkübeln in Fußgängerzonen gegen den Beratungsklau vorgehen – Stationäre Händler und das Internet –  CIO Kurator 

Dass ich das Verhalten auch daneben finde (so nicht der Preis deutlichst über dem Online-Angebot liegt), will ich hier aber auch erwähnen, lieber Gunnar. Egal. Mein lokales Elektrogeschäft überzeugt mich, weil ich dort noch Sachen zum Reparieren geben kann und man mich kompetent berät. Deshalb habe ich auch den Fön dort und nicht bei Amazon oder im großen Media Markt gekauft. Übrigens war der Fön auch kaum teurer. Und ja, ich weiß, den beschriebenen Service und die fachliche Kompetenz haben viele Geschäfte nicht mehr. Es ist mehr ein Rat für diejenigen, die ein neues Geschäft aufmachen wollen und meiner festen Überzeugung nach die einzige Chance, wie man lokal mit einem Laden überleben und leben kann.

Es gab einmal … die kleine Kneipe in unserer Straße

Gunnar bemängelt auch, dass kein Leben mehr in den Innenstädten „stattfindet“. Keine Kneipenszene, um 19 Uhr werden allerspätestens die Bürgersteige hochgeklappt. Ist auch bei uns in Ewerschtt meiner Wahrnehmung nach kaum anders. Die beiden Eiscafés haben noch tagsüber bei schönem Wetter Betrieb, aber dann ist auch Schluss. Eine klassische Wirtschaft alten Schlags namens „Alt Ewerschtt“ habe ich noch identifiziert, wo es noch bei jedem Tor der Lilien ein freies Bier oder einen Schnaps gab. Sonst ist Ewerschtt kein Kneipen-Stadteil. Da muss man nach Darmstadt in die entsprechenden Viertel rein. Vielleicht ist aber auch einfach nicht der Markt für die kleine Kneipe in unserer Straße da. Vielleicht ist er aber auch wieder da und keiner merkt es.

Das Szenario leerer Innenstädte ist nicht unbedingt das, was ich mir vorstelle, aber leider schon Realität in vielen Kommunen. Bekannte haben mir gerade von Weilburg an der Lahn berichtet, einem Ort mit schöner Altstadt, die aber wohl unterdessen mehr oder weniger ausgestorben ist.

Lieferservices mit Qualitätsprodukten als Alternative zu Amazon, Rewe & Co?

Zurück zum Handel, zu Lebensmitteln und Grundversorgung: Blicken wir jetzt noch in ländliche Regionen, wird die Situation noch düsterer. Bleibt dort eigentlich noch eine Alternative zu Amazon & Co. oder dem Groß- und Vorratseinkauf im Supermarkt? Bring-Services haben sich trotz Bofrost oder anderen Diensten meiner Wahrnehmung nach nicht durchgesetzt oder sind vielleicht nicht profitabel genug. Man wird sicher sehen, wie sich Rewe oder Amazon mit ihren Diensten etablieren. Ich freue mich dann immer besonders, wenn ich über Alternativen wie FrischePost – leider wohl nur für Hamburg – lese:

Frischepost liefert nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region direkt vom Erzeuger zum Endverbraucher in die Stadt. Im Online-Shop frischepost.de können sich Kunden ihren Warenkorb mit Produkten aus den Bereichen Obst und Gemüse, Milchprodukte, Backwaren, Fleisch und Fisch, Getränke sowie Manufaktur- und Drogerieprodukte frei nach Wahl zusammenstellen und mit einem Klick nach Hause liefern lassen. Ausgeliefert werden die Lebensmittel innerhalb eines Tages, ganz umweltfreundlich mit Elektroautos und in Mehrwegverpackungen.

über Start-ups: Frischepost – Der digitale Hofladen

Ich glaube, wir brauchen viel mehr solche pfiffige Ideen und Alternativen für die Versorgung auf dem Land und auch in der Stadt jenseits der gewohnten Ladenöffnungszeiten. Hoffentlich wird dieses Feld nicht auch noch Amazon überlassen!

(Stefan Pfeiffer)

[DE] Ich bin schuldig – Von der Onlinebestellerei, Führungspraktiken und persönlichem Kaufverhalten

15. Dezember 2017 Posted by Stefan Pfeiffer

Vorab, Euer Ehren: Ich bin schuldig im Sinne der Anklage. Ich bestelle selbst immer wieder bei Amazon. Und das Thema Niedriglöhne und nicht unbedingt erstrebenswerte Arbeitsverhältnisse bei Amazon ist ja auch nicht neu. Jetzt bin ich durch zwei Ereignisse auf das Thema gestoßen.

In der heute SHOW von Oliver Welke gab es einen Beitrag zum Thema Weihnachtssklaverei, Paketdienste und Onlinebestellungen. Natürlich ist hier auch Amazon – die HTML-Seite heisst sinnigerweise https://www.zdf.de/comedy/heute-show/amazon-crime-102.html – mit seinen Tarifen und seiner offensichtlichen Knechtung und Überwachung der Mitarbeiter im Versandhandel – ich benutze bewusst Versandhandel – ein Thema. Das Thema schwelt schon seit Jahren und ist auch wohl dokumentiert. Amazon zahlt den Mitarbeitern den Logistiktarif, die Gewerkschaft verdi fordert den Tarif des Einzel- und Versandhandels.

In_der_Weihnachtssklaverei_-_ZDFmediathek

Das Video unbedingt anschauen. Laut ZDF Mediathek ist es bis 08.03.2018, 23:00 online. Aus technischen Gründen – es ist wohl nicht auf YouTube verfügbar – kann ich es nicht direkt einbetten. Doch jenseits der Tariffrage – ich komme auf meine Schuld zurück – klagt das Video auch unser Verhalten, das Verhalten der Konsumenten an. Wir kaufen immer mehr Produkte online und das schon seit Jahren. Auch ich habe das und tue das noch viel zu oft aus Bequemlichkeit.

Vom Schreibtisch im Home Office ist schnell etwas bestellt. Man muss sich nicht in das nächste gelegene Geschäft bewegen, um eine Artikel zu suchen, der dann doch nicht da ist. So werden mir Bücher, IT Gadgets, Sportshirts und andere Dinge per Paketdienst ins Haus geliefert und das funktioniert bis auf wenige Ausnahmen – als Home Office-Arbeiter bin ich oft daheim – meist zeitnah und reibungslos.

Gut, aufgrund der Marktdominanz und besagter Praktiken versuche ich und habe ich meine Bestellungen unterdessen eingeschränkt und stärke wo immer es geht den lokalen Einzelhandel, auch wenn dort die Erfahrungen mit Service und Auswahl oft nicht berauschend sind und es durchaus meist mehr Zeit und Benzin kosten kann. Bücher kaufe oder bestelle ich entweder bei der lokalen Buchhandlung oder anderswo und auch bei anderen Artikeln suche ich nach Alternativen. Leider gibt es diese Alternativen nur in sehr beschränktem Maße. Amazon hat hier ein Monopol geschaffen und ob das noch einmal angekratzt werden kann, ist fraglich.

Trotzdem auch hier mein Appell, wirklich zu schauen, was man vor Ort oder auch bei anderen Quellen kaufen kann. Monopole sind gefährlich. Das gilt für Amazon und auch andere Online-, Office- und Internetgiganten, die diese Position unterdessen mehr oder weniger offen ausnutzen. Meine zunehmende Skepsis gegenüber Amazon und Datenschutzbedenken sind übrigens auch der Grund, warum bei mir noch kein Alexa in der Wohnung steht. Und das, obwohl ich neue Gadgets immer gerne und zeitnah ausprobiere.

An den lokalen Einzelhandel und den europäischen Versandhandel kann man nur appellieren, vor allem einen guten Service zu bieten, der möglichst einen fühlbaren Mehrwert gegenüber der Online-Bestellung oder der Bestellung bei Amazon offeriert. Ich weiß, es ist oft problematisch, den Laden offen zu halten, aber ich gehe beispielsweise ganz bewusst zu der Apotheke vor Ort, die auch mittags den Laden offen hält. Fön und kleine technische Geräte kaufe ich bei einer älteren Dame in Eberstadt, wo man seine Geräte auch noch – man mag es kaum glauben – zur Reparatur vorbeibringen kann. Wie lange sie und ihre „Nachfahren“ den Laden noch offen halten kann … Ich drücke die Daumen. Ich weiß, das sind alles nur kleine, hehre Beispiele, ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein und das dicke Brett ist nicht gebohrt, aber es fühlt sich gut an und irgendwie muss man ja anfangen.

infografik_12252_tracking_reichweite_von_internet_unternehmen_n

Zur Ilustration: Wer weiß im Netz was …

Traurig ist es halt, wenn gerade auch der lokale Einzelhandel den Servicegedanken nicht mehr verfolgt. Der lokale Bad- und Sanitärhandel wollte halt die Leiste meiner Dusche nicht mehr bestellen, weil man dazu in den Katalog schauen, bestellen und nur für schlappe 10 Euro Geschäft macht. Ok, der Laden sieht mich bei größeren Neuanschaffungen sicher nicht wieder und ich habe die Leiste online bestellt. Nicht bei Amazon. Und auch das ein Appell: Man muss kein Amazon sein. Man kann auch in Nischen durchaus heute attraktive Angebote machen, die erfolgreich sein können. Da gibt es sicher noch eine große Chance für Kleinunternehmer mit Phantasie.

Zurück zu Amazon. Das zweite Ereignis ist viel persönlicher und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob es hier publiziert gehört. Da es aber anonymisiert ist … Ein Freund in meinem Alter hat enorme Probleme mit einem Vorgesetzten, der ihn wohl bewusst extrem unter Druck setzt. Das hat zu enormen psychischen Problemen mit entsprechenden Aufenthalten geführt.

Nein, er ist nicht Packer am Fließband, sondern in einer mittleren Managerposition. Obwohl er durch seine Problem „geschützt“ sein sollte, wird er wieder pressiert und das Unternehmen bei entsprechendem Angebot auch verlassen. Was soll man auch tun, wenn man jeden Tag mit Schmerzen und Problemen an den Arbeitsplatz gehen soll? Mal schauen, wie es dort weiter geht. Und ich hoffe, er kommt gut raus und findet eine andere adäquate Stelle. Mit Mitte Fünfzig ist das ja auch nicht einfach.

Druck und Unter-Druck-setzen oder gar Mobbing gibt es sicher nicht nur bei besagtem Unternehmen. In jedem Fall und in jedem Unternehmen muss man aber anprangern, wenn Mitarbeiter zu sehr „gedrückt“ werden oder aber auch Manager gehalten werden, immer mehr über das Erträgliche aus den Mitarbeitern herauszuquetschen. Der Gewinnoptimierungs- und Rationalisierungsanspruch ist ja bei allen Unternehmen, gerade börsenbasierten, sehr stark. Doch müssen sich Führungskräfte auch gewissen Grenzen bewusst sein, die man nicht überschreiten sollte. Man könnte auch fast das Wort von der Sorgfaltspflicht für die Mitarbeiter, guter Mitarbeiterführung oder gar dem Vorteil motivierter Mitarbeiter in den Ring werfen, aber machen wir dieses Fass nicht auf.

Fast ist also hier ein Weihnachtsbeitrag erschienen, der ebenso im privaten Block und auch auf dem CIOKurator für die CIOs dieser Republik hätte erscheinen können. Da ich besagtes Video aus der heute SHOW nicht hier einbetten kann, greife ich auf den Klassiker von Charlie Chaplin zurück, den ich kürzlich auch auf dem CIOKurator verwendet habe.


Einsortiert unter:Deutsch Tagged: Amazon, Einzelhandel, Führung, featured, Logistik, Verdi, Versandhandel