Posts Tagged: ‘Daimler’

Auto-Notizen: Zahl der SUVs nimmt latent zu, die wirkliche Reichweite von E-Autos und das postulierte Ende des Diesel

31. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Und hier eine neue Ausgabe der Auto-Notizen, mit kuratierten Beiträgen, die ich auch meist gezwitschert habe. Irgendwie bleibt das Thema Auto und Mobilität gerade auf meinem Radar. Der Tagesspiegel berichtet über immer mehr zugelassene SUVs. Die regen mich ja auch auf, besonders im Parkhaus. Also die großen, dicken, fetten SUVs.

Die kleinen SUVs sind ja – wieder mal frei nach Marc-Uwe Kling und den Känguru-Chroniken – so niedlich. Schließlich fahren wir ja auch so einen niedlichen Crossover. Crossovers sind frei nach der Autozeitung eine Kreuzung von „normalem“ PKW und SUVs – aber eben niedlich. Und komfortabel für Männer meines Alters wegen des höheren Einstiegs und der entsprechenden Sitzposition.

Zahl der SUVs nimmt weiter zu – aber es sind eher die „normal“ Großen

Und die Zahl der SUVs nimmt zu. Jeder fünfte Neuwagen war laut Tagesspiegel 2019 ein SUV (2015 noch 11 Prozent). Und sie werden immer beliebter, meinte auch „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer im IBM Livestudio Magazin. Aber jetzt mal im Ernst meine Meinung: Die kleineren SUVs wie den T-Roc, Tiguan, X-1 oder Kuga finde ich akzeptabel. Mit den dicken Kisten, die meist als Geländewagen klassifiziert werden, habe ich meine Probleme. Sie sind dreckiger, größer und schwerer

Viel mehr CO2 stoßen dagegen Geländewagen aus: … Besonders unrühmlich: Porsche Macan und Cayenne mit 244 und 245 Gramm sowie Mercedes GL mit 275 Gramm und die G-Klasse mit 335 Gramm. …

Geländewagen sind im Durchschnitt auch deutlich größer als Pkw in ihrer Gesamtheit. … Zwischen SUVs und Durchschnitts-Pkw sind die Unterschiede gering. Die großen Geländewagen sind sogar rund fünf Meter lang und zwei Meter breit. Ironischerweise gehören auch die Elektro-SUVs Tesla Model X und Audi e-tron zu den breitesten Modellen überhaupt.

über Jeder fünfte Neuwagen ein Großer: Wie sehr SUVs den deutschen Pkw-Markt besetzen – Wirtschaft – Tagesspiegel
Auf Pixabay gefunden: Größenvergleich zwischen Mini und Audi SUV – Bild von Frank Walensky auf Pixabay

Diskussionen um die Reichweite von Fahrzeugen: Der Alltag wird es wirklich zeigen

Elektro-SUV, das richtige Stichwort. Welt-Redakteur Nando Sommerfeldt hat den Wagen demnach zwei Wochen gefahren und einen Verriss des Mercedes EQC geschrieben. Ich zitiere nach Gabor Steingarts Morning Briefing. Der Artikel auf welt.de ist hinter einer Paywall:

» Es kann nicht sein, dass ich mit Tempo 180 nur ungefähr 90 Kilometer weit komme. «
» Ein Angriff auf Tesla sieht anders aus. So wird Mercedes keinen einzigen skeptischen deutschen Autofahrer von der Elektromobilität überzeugen. «

Trump kämpft | Luftschloss Wirecard | Luftnummer Delivery Hero?

Natürlich wird dem Bericht unterdessen widersprochen. Doch bleibt ein schaler Geschmack bezüglich Reichweite und darüber, wie weit Mercedes mit seinen E-Auto-Angeboten ist.

Einen quasi Triumph vermeldete dagegen VW öffentlichkeitswirksam. Mit einem Kilometerflüsterer mit sanftestem Verbrauchs- und Gasfuß schaffte der es mit einem serienmäßigen ID.3 1st Pro Performance mit 58 kWh Batterie mit einer Akkuleistung 531 Kilometer am Stück zu fahren. Die entsprechende Pressemeldung wurde entsprechend aufgenommen.

Was lernen wir? Die Diskussion um die vermeintliche E-Reichweite wird weiter gehen (auch bei den Hybrid-Fahrzeugen). Die Alltagstauglichkeit wird sich eben in der täglichen Praxis erweisen (müssen). Parallel dazu wird man sicher beobachten müssen, wie schnell die Fahrzeuge laden können und wie sich die Ladeinfrastruktur entwickelt. Das sind aus meiner Sicht die derzeit relevanten Parameter, die weit mehr wiegen, wie Höchstgeschwindigkeit oder Beschleunigung.

Wasserstoffstrategie nicht vergessen

Zurück zum Daimler: Helmut Becker, der für n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt schreibt, titelt „Tesla frisst Daimler“ auf, meldet aber auch Skepsis bezüglich der sehr einseitigen Fokussierung auf E-Autos an:

Alle Versuche der „alten“ Autohersteller, Teslas technisches Know-how auf dem elektrischen Antriebs- und Batteriesektor aufzuholen, sind bisher nicht geglückt. …

Doch noch ist nicht aller Tage Abend: Der vor Kurzem erfolgte politische Schwenk zur Wasserstoff-Strategie und nichtfossilen Treibstoffen verheißt für Elektromobilität auf reiner Batteriebasis nichts Gutes.

Autowelt paradox: Tesla frisst Daimler – n-tv.de

Zurück zum Daimler: Immerhin konnte Mercedes einen Erfolg vermelden und publizieren: Amazon hat gerade gerade bei Mercedes 1800 Elektrofahrzeuge bestellt – auch wenn Jeff Bezos parallel dazu zu den wichtigsten Finanziers des Elektro-Fahrzeugherstellers Rivian gehört und wieder signifikant investiert hat.

Dudenhöffer: „Die Auslaufphase beim Diesel hat begonnen.“

In der vorhergehenden Ausgabe der Auto-Notizen habe ich die Zulassungszahlen zitiert. Benziner liegen vor Dieselfahrzeugen und noch weit abgeschlagen kommen E-Autos. Nun verkündet der schon öfters zitierte Autopapst Ferdinand Dudenhöffer das Ende der Dieselfahrzeuge: „Die Auslaufphase beim Diesel hat begonnen.“ Und das selbst bei den Dienstwagen, wo Diesel lange dominiert hat. So wird Dudenhöffer auf Spiegel Online zitiert.

Und für Nostalgiker: Spiegel Online erinnert an quasi unkaputtbare Wagen der 90er Jahre, beispielsweise den legendären Audi 100/C4. Vollverzinkt, aerodynamisch gut gestaltet hielten Fahrzeuge dieser Serie sehr lange wie auch der Mercedes 190 E. Ich erinnere mich noch an unseren Nachbarn in Bissenberg, der damals einen Audi 100 Avant fuhr – weil dort seine Kajak hinein passte …

(Stefan Pfeiffer)

Titelbild von Markus Christ auf Pixabay

Können die deutschen Autobauer den Software-Vorsprung von Tesla überhaupt noch aufholen?

3. August 2020 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Thema E-Autos beschäftigt mich derzeit beruflich und privat. Im Job durfte ich kürzlich im IBM Livestudio Magazin einen ersten Schwerpunkt zum Thema Automotive* moderieren und hatte dort den deutschen Autopapst Friedrich Dudenhöffer und auch Sascha Pallenberg vom Daimler zu Besuch, die neben meinen Kollegen Dirk Wollenschläger und Salvatore Romeo interessante Einblicke in das Thema Automobilindustrie und Mobilität gaben. Natürlich wurden das Thema Corona und Einfluss auf den Verkauf von Wagen oder auch das Auto als fahrender Computer behandelt. Wie nicht anders zu erwarten, gab es knackige Aussagen, wie den Tweets zu entnehmen ist:

Gerade der letzte Tweet beschreibt die Zwickmühle, in der sich gerade auch die deutschen Automobilhersteller befinden. Der Daimler und natürlich auch Volkswagen wollen aufholen, aber zumindest VW Chef Herbert Diess gesteht Tesla im einem aktuellen Interview vom 1. August 2020 in der FAZ Tesla den Vorsprung zu:

Im Sammeln von Daten und bei der Vernetzung des Autos, da ist uns Tesla schon ein paar Jahre voraus. Tesla ist der einzige Hersteller, der das Auto von der Software her erdacht hat, als ein Device im Datennetz, das Kundendaten sammelt, das Daten auswertet und schnell reagiert. Da ist Tesla der Autoindustrie voraus.

VW-Chef Herbert Diess über seinen neuen Führungsstil

Nicht verborgen geblieben ist, dass VW gerade auch mit der Software noch Herausforderungen hat. Glaubt man den Presseberichten, so werden einige fortschrittliche Software-Funktionen im neuen ID.3 erst später nachgeliefert und auch beim Golf 8 gab es Software-Probleme. Man will die die eigene neue Einheit, die Car.Software-Organisation, personell aufbauen und deutlich verstärken. Und der gerade ernannte neue Chef der Unit, Dirk Hilgenberg, betont die Bedeutung der Software:

Wir läuten momentan die größte Revolution in der Automobilbranche ein. In wenigen Jahren werden das Betriebssystem eines Autos und seine Vernetzung mit einer hochsicheren Daten-Cloud den entscheidenden Unterschied ausmachen

Volkswagen: Dirk Hilgenberg leitet Car.Software-Organisation | Automobilwoche

Das hat ja auch Sascha Pallenberg in unserem Gespräch betont. Man will Google, Apple – und natürlich auch Tesla – nicht den Software-Markt überlassen, sondern „Smartphones auf Rädern“ mit eigenen Betriebssystem und entsprechender Wertschöpfung entwickeln. Das ist der Anspruch von Volkswagen, dem Daimler und wahrscheinlich auch BMW. Sie blasen zu einer sehr herausfordernden Aufholjagd, denn Tesla scheint derzeit Jahre voraus und hat als einziges Unternehmen eine zentrale Recheneinheit und Software aus eigener Entwicklung. Selbst beim neuen ID 3 von VW kommen dagegen wohl mehrere Betriebs­systeme ­und Recheneinheiten zum Einsatz.

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius betont beispielsweise im F.A.Z. Digitec-Podcast vom 18. Juli 2020, wie wichtig ein neues modulares Betriebssystem für den Daimler ist, um auch die Vielzahl der Steuerungsmodule – Källenius spricht, wenn ich mich recht erinnere von 100 Steuereinheiten in der S-Klasse – zu integrieren und zu vereinheitlichen. Auch deshalb wurde die Kooperation mit Nvidia, einem der führende Anbieter von GPUs (Graphics Processing Units), eingegangen, um bei der Entwicklung eines fahrzeuginternen Computersystems sowie einer KI-Computing-Infrastruktur zu kooperieren. Sinnigerweise hat Tesla wohl auch mit Nvidia in seiner Hardware 2.5 gearbeitet, aber produziert wie gerade geschrieben nun Hardware und Software selbst …

Man wird aber den Eindruck nicht los, dass es in den deutschen Automobilkonzernen massiv rumpelt. Die Corona-Krise deckt dabei Versäumnisse auf, die wohl schon vor Jahren gemacht wurden. Wie kommentiert Holger Appel süffisant in der FAZ den Sanierungsfall Mercedes:

Weil der Sonnyboy Dieter Zetsche Elektromobilität und Digitalisierung verschlafen hat und sein Nachfolger Ola Källenius den ihm überlassenen Mercedes-Karren nicht aus dem Dreck kriegt.

Schlusslicht: Saniert mit Strategie

Und Ola Källenius will jetzt wohl statt auf A- und B-Klasse mehr auf die S-Klasse setzen, um sich über das Luxussegment zu differenzieren: „Luxury is Profit ist die neue Strategie von Källenius,“ kommentiert Ferdinand Dudenhöffer. Vielleichtb hofft man, dass den Autofahrern irgendwann doch angeblich vorhandene Verarbeitungsmängel bei Tesla-Fahrzeugen auffallen? Derzeit nehme ich gefühlt immer mehr Teslas wahr … Und Tesla schläft sicher nicht – und baut im Herzen Europas die neue „Giga Factory“ in Brandenburg.

Die kommenden Jahre dürften also spannend und herausfordernd für den Automobilstandort Deutschland werden. So weit eine kurze Bestandsaufnahme aus der Megaperspektive. Und in Kürze dann meine persönliche Bestandsaufnahme als gemeiner Autofahrer.

* Im IBM Livestudio ist noch ein weiterer Schwerpunkt für Mitte August 2020 angedacht. Dort werden wir uns aber wahrscheinlich nicht so mehr mit den Fahrzeugen selbst, sondern eher mit Lieferketten und Produktion auseinandersetzen.

Kurz zitiert und notiert: Egal ob Blog oder Magazin – Qualität, Konsistenz und regelmässige Erscheinungsweise entscheiden – @MCSchindler

29. November 2019 Posted by Stefan Pfeiffer

Das Ende des Daimler-Blogs und das neue Magazin sind kreuz und quer in der deutschen Marketing- und PR-Szene diskutiert worden. Marie-Christine Schindler vermittelt in ihrem Beitrag einige Hintergründe. Durchlesen.

Besonders gut gefällt mir Ihr Schlusswort:

Ob ein Unternehmen einen Blog betreiben oder ein Onlinemagazin herausgeben sollte, ist ein Thema, das wir in unserer Kommunikations-Bubble diskutieren. Die breite Öffentlichkeit kümmert das Format aber herzlich wenig: Sie akzeptiert eine Publikation, weil sie inhaltlich interessant, relevant und stimulierend ist. Und sie schenkt Vertrauen aufgrund hoher Qualität, inhaltlicher Konsistenz und regelmässiger Erscheinungsweise. Für die Akzeptanz entscheidend ist die Leistung und nicht das Label.

über Vom Blog zum Magazin: Der Strategiewechsel von Daimler – mcschindler.com

Bild von Werner Moser auf Pixabay

animation